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cytochromp450
22.01.2014, 19:34
Auf der Arbeit selbst herrscht ein unheimlicher Zeitdruck. Manchmal kommt man den ganzen Tag nicht auf Toilette und wenn man eine Mittagspause einbaut, wird man entweder schief angeguckt oder kommt mit seinem Programm nicht durch.

Vielleicht sollte man die Konsequenzen mal zu Ende denken: Was passiert, wenn mich die Kollegen schief angucken, weil ich zum Essen gehe? Was passiert, wenn ich aufs Klo gehe? Was passiert, wenn man mit dem Programm nicht durch kommt?

Stelle mir schon das Gespräch mit dem Chef vor: Sehr geehrter Herr Dr. Pizza, ich kann Sie leider nicht mehr fördern und bestätige auch nicht die Untersuchungen im LOG-Buch für den Facharzt, denn Sie gehen regelmäßig aufs Klo, zum Essen und werden mit dem Tagesprogramm nicht fertig!

Auch wenn Kollegen diesen Zirkus mitmachen, hat nicht jeder die Pflicht, diesen Circulus vitiosus zu durchbrechen? Ansonsten ist dieses Verhalten als sehr kontraproduktiv für die weiteren nachfolgenden Ärzte und auch für die Patienten zu werten. Man könnte es auch devot-beflissen nennen. Mir wird ein wenig schlecht...

Jan B.
22.01.2014, 19:55
Auch wenn Kollegen diesen Zirkus mitmachen, hat nicht jeder die Pflicht, diesen Circulus vitiosus zu durchbrechen? Ansonsten ist dieses Verhalten als sehr kontraproduktiv für die weiteren nachfolgenden Ärzte und auch für die Patienten zu werten. Man könnte es auch devot-beflissen nennen. Mir wird ein wenig schlecht...

Ich gebe dir absolut recht und wundere mich immer wieder wie viele Kollegen diesen Zirkus einfach so mitmachen. Nur weil es sich scheinbar so gehört. Was soll denn schon passieren? Ich habe es mir jedenfalls abgewöhnt all diese Strammsteh-Sitten nachzumachen:
Ich komme als einziger Assistent in zivil in die Frühbesprechung. Ich gehe als Einziger jeden Tag Mittagessen und ich gehe als Einziger pünktlich nach Hause, zumindest wenn dadurch keine Arbeit an den Kollegen hängen bleibt. Stress habe ich dadurch noch nie gehabt, solange ich sonst gute Arbeit leiste. Irgendwie scheint es vielen Medizinern in die Wiege gelegt, sich Regeln zu beugen, die niemals aufgestellt wurden.

epeline
22.01.2014, 20:24
Wir gehen ja immer alle zusammen essen.
Beide Stationen und Chef und OA.
Und dann quetschen wir uns alle an einen Tisch, damit keiner ausgeschlossen wird ;-)
gibts also auch :-)

Laelya
22.01.2014, 20:41
Auch wenn ich nur Pjler bin. Gerade in der inneren. Hier gehen alle innere Stationen zusammen essen. Nach der röntgen Demo werden zusammen alle EKGs ausgewertet und danach gemeinsam gegessen. Ist zwar meistens erst gegen 14 Uhr Mittag, aber ich finde es sehr angenehm und kollegial

aton_01
23.01.2014, 05:31
Ich denke in der heutgen Zeit und vor allem bei den jüngeren Kollegen ist Freizeit enorm wichtig. man hat Familie, Freunde und Hobbys. Zwar stehen in sämtlichen Stellenanzeigen Dinge wie Vollzeit mit 40h in der Woche, aber da eine Stunde in unserem Job nicht mehr in Minuten sondern in Prozenten gerechnet wird, kann das deutlich höher liegen. Selbst eine Grenze die im Arbeitszeitschutzgesetz geregelt ist, wird gerne auch mal mißachtet.

Man kämpft zunächst einmal für sein Recht, wie man aus meinen früheren Beiträgen sicher entnehmen konnte, und entschließt sich dann für Teilzeit. (Nebenbei: Die Hartnäckigkeit aktuell hat sich gelohnt. Es wird in meinem Fall nun verstärkt darauf geachtet die Höchstgrenze ohne OptOut einzuhalten. Dafür müssen aber OptOutler schon 6 Dienste im Monat machen.)
Durch Teilzeit aber, können wohl Viele ihre Arbeitszeit in echte realistische vollzeit umwandeln

Ich habe im Fernsehen einen Bericht gesehen, der den Ärztemangel in den ländlichen Gebieden in Bayern beschreibt. Dies würde vor allem dadurch gestärkt, dass insbesonder jüngere Leute grundsätzlich in Teilzeit arbeiten.

Dr. Jekyll
23.01.2014, 06:46
Dafür müssen aber OptOutler schon 6 Dienste im Monat machen.)
Durch Teilzeit aber, können wohl Viele ihre Arbeitszeit in echte realistische vollzeit umwandeln



wenn man als arbeitnehmer Teilzeit arbeiten muß, um auf vollzeit zu kommen, hat man den lohn gedrückt als arbeitgeber.
alle teilzeitarbeiter sollten peinlich darauf achten pünktlich nach hause zu gehen und jede überstunde aufzuschreiben.


ich finde deine einstellung super. Und wenn die Opt-Outler 8 Dienste machen müssen.
insgeheim wollen sie die 6 dienste machen. anders kann man sich das nicht erklären.

Christoph_A
23.01.2014, 09:51
@ Aton: dann zeig mir mal die Teilzeitlerflut in Bayern, ich hab davon nämlich nicht wirklich viel gesehen bis jetzt und kenne auch die "ländlichen" Gebiete relativ gut. Da ist der Teilzeitanteil auch nicht anders als in Muc oder Nbg, eher noch geringer. Und meist arbeiten überall in D dieselben Menschen teilzeit, nämlich Frauen mit Kindern. Das ist in BY nicht anders als in NRW oder Sachsen, nehm ich mal an. Ländliche Gebiete in D haben ein ganz anderes, elementareres Problem, nämlich das, GAR KEINE Mitarbeiter mehr zu bekommen, oder nur mehr solche, die Deutsch nicht wirklich in ihrem Fremdsprachenportfolio haben....

Miyu
23.01.2014, 13:02
ich finde deine einstellung super. Und wenn die Opt-Outler 8 Dienste machen müssen.
insgeheim wollen sie die 6 dienste machen. anders kann man sich das nicht erklären.

Genau, dass MUSS es sein, Sherlock.

Meine Abteilung sitzt auch (abgesehen von den OAs und Assistenten, die im OP sind), egal wie hoch der Stressfaktor ist, Punkt 8 gemeinsam beim Fruehstueck und Punkt 11:30 beim Mittagessen. Das funktioniert schon und ist von der Heeresleitung bei uns auch so gewollt. Mindestens 15 Minuten lassen sich immer rausschlagen. Und wo der Mehrgewinn an Zeit ist, wenn man auf eine Pinkelpause verzichtet (deutlich laenger als 30 Sekunden dauert so ein Boxenstopp doch nicht...), ist mir schleierhaft.

Thomas24
23.01.2014, 16:04
@ Aton: dann zeig mir mal die Teilzeitlerflut in Bayern, ich hab davon nämlich nicht wirklich viel gesehen bis jetzt und kenne auch die "ländlichen" Gebiete relativ gut. Da ist der Teilzeitanteil auch nicht anders als in Muc oder Nbg, eher noch geringer. Und meist arbeiten überall in D dieselben Menschen teilzeit, nämlich Frauen mit Kindern. Das ist in BY nicht anders als in NRW oder Sachsen, nehm ich mal an. Ländliche Gebiete in D haben ein ganz anderes, elementareres Problem, nämlich das, GAR KEINE Mitarbeiter mehr zu bekommen, oder nur mehr solche, die Deutsch nicht wirklich in ihrem Fremdsprachenportfolio haben....

So what, was will man in Sachsen oder Bayern auch mit Deutschkenntnissen??
Dömit würsdde döch oochned med vörstn´dn. Sorry, musste sein :-D
Back to topic...

Jan B.
23.01.2014, 17:26
wenn man als arbeitnehmer Teilzeit arbeiten muß, um auf vollzeit zu kommen, hat man den lohn gedrückt als arbeitgeber.
alle teilzeitarbeiter sollten peinlich darauf achten pünktlich nach hause zu gehen und jede überstunde aufzuschreiben.


Ganz richtig und deswegen ist die Erfassung der Überstunden gerade in Teilzeit ein absolutes Muss. Wer sich mit Sprüchen wie "bei uns gibt es keine Überstunden" abspeisen lässt fällt den Kollegen in den Rücken, die in den letzten Jahren für bessere Arbeitsbedingungen gekämft haben und hilft außerdem mit bei der Senkung des eigenen Lohns!

Viele Kritiker der Teilzeit sehen nicht, dass eine Teilzeitstelle in der Medizin im Endeffekt oft einer Vollzeitstelle bei normalen Angestellten entspricht. Allein hier liegt schon ein Systemfehler.

Den vielbeschworenen Ärztemangel, der im Zusammenang mit Teilzeit immer wieder genannt wird, gibt es meiner Meinung nach nicht. Die Arztdichte in Deutschland ist höher als in vielen Ländern ohne Ärztemangel und die Zahl der Studienplätze ist im internationalen Vergleich auch eher hoch. Die Gesamtzahl der Ärzte nimmt seit Jahren weiter zu. Grund für den "Pseudomangel" ist in meinen Augen ein ineffizientes Gesundheitssystem, mangelnde Aufgabenteilung unter den verschiedenen Berufsgruppen und zunehmende Bürokratie.

Dr. Jekyll
23.01.2014, 23:19
Ganz richtig und deswegen ist die Erfassung der Überstunden gerade in Teilzeit ein absolutes Muss. Wer sich mit Sprüchen wie "bei uns gibt es keine Überstunden" abspeisen lässt fällt den Kollegen in den Rücken, die in den letzten Jahren für bessere Arbeitsbedingungen gekämft haben und hilft außerdem mit bei der Senkung des eigenen Lohns!

Viele Kritiker der Teilzeit sehen nicht, dass eine Teilzeitstelle in der Medizin im Endeffekt oft einer Vollzeitstelle bei normalen Angestellten entspricht. Allein hier liegt schon ein Systemfehler.

Den vielbeschworenen Ärztemangel, der im Zusammenang mit Teilzeit immer wieder genannt wird, gibt es meiner Meinung nach nicht. Die Arztdichte in Deutschland ist höher als in vielen Ländern ohne Ärztemangel und die Zahl der Studienplätze ist im internationalen Vergleich auch eher hoch. Die Gesamtzahl der Ärzte nimmt seit Jahren weiter zu. Grund für den "Pseudomangel" ist in meinen Augen ein ineffizientes Gesundheitssystem, mangelnde Aufgabenteilung unter den verschiedenen Berufsgruppen und zunehmende Bürokratie.



Doch wir haben schon ein Ärztemangel. Aber einen relativen. Wenn man die 4 -5 Stunden Papierkram am Tag verringert
und die 2 Stunden Befunde hinterhertelefonieren, Aufgaben, die auch jeder angelernte Sekretär machen könnte, hätten
wir keinen Ärztemangel.

Es wird eine Mischung aus zu viel Bürokratie, verbunden mit der Freiwilligkeit und Gutmütigkeit der Ärzteschaft insgesamt,
die Moralisierung des Ganzen ("Wenn du nicht bis abends hierbleibst, müssen Patienten leiden") und relativ wenig
Stundenlohn sein.


Da wo man 60€ die Stunde zahlt, ist der Arbeitgeber doch viel mehr daran interessiert, dich ärztliche Tätigkeiten machen
zu lassen, als wenn er dir 72€ für 24h zahlt. Siehe Schweiz, da hatten sie Peilungssender an jedem Arzt und Patienten und
konnten so minütlich mitverfolgen, wer wie lange was macht.


Ausserdem können die Kliniken mit der Wegfischerei der rumänischen Ärzte die Löhne niedrig halten.


"Bei uns gibt es keine Überstunden" wenn das so ist, kann man den Satz ja ruhigen Gewissens in den Arbeitsvertrag mitaufnehmen.:-))

Dr. Jekyll
23.01.2014, 23:35
Genau, dass MUSS es sein, Sherlock.



Schön, dass du es einsiehst. Die Vernunft setzt sich am Ende immer durch. :-D

Es darf niemand gezwungen werden bzw. benachteilgt, wenn er nicht Opt-Out unterschreibt. Wozu klagen dann Leute jahrelang oder haben wir den Marburger Bund, wenn am Ende doch alle Opt-Out unterschreiben.
Das torpediert doch die ganze Arbeit der Leute, die für bessere Bedingungen kämpfen.

Und wer dann Opt-Out unterschreibt, dem muß dann wirklich unterstellen, dass er gerne 8 Dienste macht.
Anders kann man sich das nicht erklären.



Es haben doch hier welche im Forum geschrieben, dass ihnen zwischen Feuerbelehrung und Händewasch-Merkzettel
die Opt-Out-Vereinbarung untergejubelt oder man sie einfach zwischen den Zeilen in den Arbeitsvertrag mit reingeschrieben hat ohne sie explizit zu benennen.


Korriegt mich wenn ich falsch liege, aber ohne Opt-Out muss die Wochenarbeitszeit nur 48h/Woche im Durchschnitt eines halben oder ganzen Jahres liegen. Man kann durchaus einen Monat mehr als 48 Stunden pro Woche arbeiten, hat dann aber in anderen Monaten mehr frei.

Und wenn alle Opt-Out unterschreiben müssen bzw. sollten, dann hat der Arbeitgeber gar kein Interesse faire Bedingngen zu schaffen, schließlich hat er auch ohne Opt-Out ein ganzes Jahr Zeit, "Unebenheiten" des Dienstplanes auszugleichen. Zumal im normalen Arbeitszeitgestz schon 6-8 Überstunden die Woche regulär vereinbart sind.

Christoph_A
24.01.2014, 07:54
Jaja, das liebe opt out. Kann auch immer nicht verstehen, wie man sowas unterschreiben kann und sich dann über seine Arbeitszeiten aufregt. Aber vielen operativen Fächern wird ja erzählt, daß man mit "normalen" Arbeitszeiten seinen Katalog nicht vollkriegt.....:-keks

Brutus
24.01.2014, 13:00
Es haben doch hier welche im Forum geschrieben, dass ihnen zwischen Feuerbelehrung und Händewasch-Merkzettel die Opt-Out-Vereinbarung untergejubelt oder man sie einfach zwischen den Zeilen in den Arbeitsvertrag mit reingeschrieben hat ohne sie explizit zu benennen.
Naja, da der Arbeitsvertrag ja meistens nicht mehr als 2 Seiten vereinnahmt, und die restlichen Seiten EDV, Brandschutz, Opt-Out, etc, beinhaltet, kann man aber schon erwarten, dass man sich die Seiten in Ruhe selbst mal durchliest. Wer unterschreibt denn bitte den Vertrag quasi beim Vorstellungsgespräch zwischen Tür und Angel? :-wand


Korriegt mich wenn ich falsch liege, aber ohne Opt-Out muss die Wochenarbeitszeit nur 48h/Woche im Durchschnitt eines halben oder ganzen Jahres liegen. Man kann durchaus einen Monat mehr als 48 Stunden pro Woche arbeiten, hat dann aber in anderen Monaten mehr frei.
Nein! Nur teilweise richtig. Wenn Du mal im Monat mehr als 48h/Woche arbeitest, dann darfst Du in anderen Monaten solange nur die tarifliche Wochenarbeitszeit (38,5/40/42 Stunden) arbeiten, bis die Zeit oberhalb der 48h-Grenze abgebaut ist. Das heißt nicht, dass Du in den anderen Monaten mehr "frei" hast! Du machst dann nur keine Überstunden / Dienste mehr.


Zumal im normalen Arbeitszeitgestz schon 6-8 Überstunden die Woche regulär vereinbart sind.
Das ist nicht richtig! Es sind keine 6-8 Überstunden regulär vereinbart. Die 48 Stundenwoche im Arbeitszeitgesetz setzt sich aus der maximal erlaubten 6 Tagewoche mit 8 Stunden pro Tag zusammen! Ein Arbeitnehmer mit einer Sechstagewoche darf also maximal 48 Stunden pro Woche arbeiten. Und diese Grenze hat man dann für alle Arbeitnehmer übernommen. Dies ist aber auf keinen Fall als vereinbarte Überstunden anzusehen...

Dr. Jekyll
24.01.2014, 14:19
Naja, da der Arbeitsvertrag ja meistens nicht mehr als 2 Seiten vereinnahmt, und die restlichen Seiten EDV, Brandschutz, Opt-Out, etc, beinhaltet, kann man aber schon erwarten, dass man sich die Seiten in Ruhe selbst mal durchliest. Wer unterschreibt denn bitte den Vertrag quasi beim Vorstellungsgespräch zwischen Tür und Angel? :-wand



Das ist nicht richtig! Es sind keine 6-8 Überstunden regulär vereinbart. Die 48 Stundenwoche im Arbeitszeitgesetz setzt sich aus der maximal erlaubten 6 Tagewoche mit 8 Stunden pro Tag zusammen! Ein Arbeitnehmer mit einer Sechstagewoche darf also maximal 48 Stunden pro Woche arbeiten. Und diese Grenze hat man dann für alle Arbeitnehmer übernommen. Dies ist aber auf keinen Fall als vereinbarte Überstunden anzusehen...


mit "zwischen Feuerbelehrung und Händewaschzettel" meinte ich die Arbeitgeber , die das einem unterjubeln wollen. Die
Kollegen haben den "Schwindel" ja bemerkt. Es ging mir mehr darum, daß ein Arbeitgeber der solche "Tricks" anwendet
(einer schrieb hier mal, man erzählte ihm in der Verwaltung, es wäre "Firmenpolitik" in ihrem Haus, so etwas zu unterschreiben, das würden alle machen) wahrscheinlich nicht an einer fairen Zusammenarbeit von vornherein interessiert ist.

"Nein! Nur teilweise richtig. Wenn Du mal im Monat mehr als 48h/Woche arbeitest, dann darfst Du in anderen Monaten solange nur die tarifliche Wochenarbeitszeit (38,5/40/42 Stunden) arbeiten, bis die Zeit oberhalb der 48h-Grenze abgebaut ist. Das heißt nicht, dass Du in den anderen Monaten mehr "frei" hast! Du machst dann nur keine Überstunden / Dienste mehr."


Also wird gar nicht das Überstundenkonto abgebaut, sondern nur das "48h-Maximalkonto":-((? Das ist ja übel.
Ich dachte der Arbeitgeber ist auch verpflichtet die angehäufte Zeit irgendwie zu entlohnen per Freizeit oder Geld.
Dann ist das ja witzlos.



"regulär vereinbart" im Sinne von "im gesetzlichen Rahmen erlaubt", nicht im Sinne von "fest eingeplante Übestunden"
da habe ich unglücklich ausgedrückt. Da hast du Recht. Wäre ja auch noch schöner...

Jan B.
24.01.2014, 17:41
Doch wir haben schon ein Ärztemangel. Aber einen relativen. Wenn man die 4 -5 Stunden Papierkram am Tag verringert
und die 2 Stunden Befunde hinterhertelefonieren, Aufgaben, die auch jeder angelernte Sekretär machen könnte, hätten
wir keinen Ärztemangel.

Es wird eine Mischung aus zu viel Bürokratie, verbunden mit der Freiwilligkeit und Gutmütigkeit der Ärzteschaft insgesamt,
die Moralisierung des Ganzen ("Wenn du nicht bis abends hierbleibst, müssen Patienten leiden") und relativ wenig
Stundenlohn sein.


Genau das habe ich ja auch gemeint. Es gibt einen scheinbaren Ärztemangel, aber keine echten Mangel. In manchen Abteilungen verbringt man mehr als die Hälfte der Zeit mit Tätigkeiten, die man auch ohne jegliche Ausbildung nach Einarbeitung von wenigen Stunden erledigen könnte. Hierfür Ärzte einzusetzen ist eine unfassbare Verschwendung von Ressourcen. Trotzdem wird dies kaum irgendwo öffentlich thematisiert oder kritisiert.

Die von dir genannte Freiwilligkeit und Gutmütigkeit der Ärzteschaft beobachte ich auch oft. Konflikte werden generell gescheut und ineffiziente/kontraproduktive Abläufe werden nicht hinterfragt, solange es "schon immmer" so geregelt war. Die Kritik an zu langen Arbeitszeiten wird schnell damit abgetan, dass man das ja wusste, bevor man sich für das Studium entschieden hat. Ist das etwa ein Grund, niemals etwas daran zu ändern?

Evil
24.01.2014, 19:29
Sagt mal Jungs, die Entwicklung der letzten 10 Jahre ist komplett an Euch vorbeigegangen, oder?
Eure Argumente sind haargenau die gleichen, mit denen wir in den letzten Jahren spürbare Verbesserungen bewirkt haben, aber Ihr tut grad so, als würdet Ihr das Rad neu erfinden.

Es ist ja löblich, sich für weitere Verbesserungen einzusetzen, allein übertriebenes Aufblasen nach außen schadet der Glaubwürdigkeit.

Nurbanu
24.01.2014, 21:32
Also wird gar nicht das Überstundenkonto abgebaut, sondern nur das "48h-Maximalkonto":-((? Das ist ja übel.
Ich dachte der Arbeitgeber ist auch verpflichtet die angehäufte Zeit irgendwie zu entlohnen per Freizeit oder Geld.
Dann ist das ja witzlos.

Natürlich werden die Überstunden (in solchen Fällen) bezahlt.

Bei einer 40 Stundenwoche und 4 Wochen=Monat folgendes Beispiel:

Im Januar arbeitet der Arzt 4* 50 Stunden, also 4*2=8 Stunden mehr als gesetzlich erlaubt. Diese 8 Stunden können in der 5. Woche schon "abgebaut" werden, in dem nur die Vertragsstunden (40) gearbeitet werden.

5 Wochen a 48 Stunden = 240 Stunden
oder wie der Arzt gearbeitet hat: (4*50) + 40 = 240 Stunden

Somit ist die Höchstgrenze ausgeglichen. Da aber trotzdem 8 Stunden mehr als vertraglich vereinbart gearbeitet wurden, werden diese ausgezahlt. FZA ginge auch, dann würde er nicht mehr Geld bekommen, dafür aber in der 5. Woche nur 32 Stunden arbeiten.

Natürlich ist das nur vereinfacht dargestellt und sollte Brutus Fehler finden --> korrigieren :-)

Dr. Jekyll
24.01.2014, 23:29
Sagt mal Jungs, die Entwicklung der letzten 10 Jahre ist komplett an Euch vorbeigegangen, oder?
Eure Argumente sind haargenau die gleichen, mit denen wir in den letzten Jahren spürbare Verbesserungen bewirkt haben, aber Ihr tut grad so, als würdet Ihr das Rad neu erfinden.

Es ist ja löblich, sich für weitere Verbesserungen einzusetzen, allein übertriebenes Aufblasen nach außen schadet der Glaubwürdigkeit.

das bessere ist der feind des guten

wenn ich sieben stunden beim Patienten bin und 1 Stunde täglich papierkram machen muss, dann werde ich aufhören etwas zu verändern.

(bei 4k netto :-D)

Dr. Jekyll
25.01.2014, 06:40
Genau das habe ich ja auch gemeint. Es gibt einen scheinbaren Ärztemangel, aber keine echten Mangel. In manchen Abteilungen verbringt man mehr als die Hälfte der Zeit mit Tätigkeiten, die man auch ohne jegliche Ausbildung nach Einarbeitung von wenigen Stunden erledigen könnte. Hierfür Ärzte einzusetzen ist eine unfassbare Verschwendung von Ressourcen. Trotzdem wird dies kaum irgendwo öffentlich thematisiert oder kritisiert.

Die von dir genannte Freiwilligkeit und Gutmütigkeit der Ärzteschaft beobachte ich auch oft. Konflikte werden generell gescheut und ineffiziente/kontraproduktive Abläufe werden nicht hinterfragt, solange es "schon immmer" so geregelt war. Die Kritik an zu langen Arbeitszeiten wird schnell damit abgetan, dass man das ja wusste, bevor man sich für das Studium entschieden hat. Ist das etwa ein Grund, niemals etwas daran zu ändern?

die brauchen das doch gar nicht ändern. da ist doch gar kein druck.

meine kumpel an der uniklinik operiert für 4,18€ netto die stunde. jede stunde, die er da war, haben wir spaßeshalber durch den jahreslohn geteilt. (ohne diesen unsäglichen quatsch 24h-Schicht, aber offiziell nur 8 stunden gearbeitet. Im krankenhaus
da = arbeitszeit, zum schlafen kommt er sowieso nicht, bei 2 Ärzten nachts für 1 Uniklinik (Abteilung Chirurgie)

(btw: Im welchem anderen Beruf gibt es das, dass man am Arbeitsplatz ist und offiziell nicht arbeitet?:-kotz)


solange ein sekretär für den papierkram sagen wir mal 12€ netto verdient, wird sich an den 4,18€ nichts ändern.
Ist ja auch günstiger fürs Krankenhaus.

gute bezahlung als arzt bedeutet nicht nur gute Bezahlung, sondern verbesserung der arbeitsbedingungen.
bei 50€ studenlohn wird das krankenhaus schon drauf achten, dass du nicht den 9. rehabogen (als arzt) ausfüllen musst.

zumal weniger papierkram = mehr zeit für sono lernen, fälle nachlesen etc.


von meinen ehemaligen kommilitonen(auch in peripheren häusern, auch innere und die sind schon länger als 1 Jahr dabei, also auch keine lahmen Anfänger mehr) kommt keiner unter 12 Stunden pro Tag nach Hause.
teilweise kommen sie sonntags (unbezahlt) ins Haus um Briefe abzuarbeiten. Wenn das die tollen Verbesserungen,
die alle so loben, dann frage ich mich, wie das vorher ausgesehen hat. :-nix



das hat doch nichts mit aufblasen zu tun. der einzige aus unserem kreis, der halbwegs nach 8 Stunden nach hause kommt ist der mit der 70%-reha-stelle. :-)

"die dümmsten schafe suchen sich ihren metzger selbst aus" und das stimmt. meine freunde haben die gleichen argumente wie evil "früher war alles schlimmer" und "einer muss es ja machen". das sind ja nicht mal argumente, wenn man genau hinguckt. früher gab es auch die Inquisition, soll ich mich jetzt freuen, wenn mir einer was aufs Maul haut?


das ist der gleiche schwachsinn wie "ein taxifahrer verdient viel weniger als ein arzt, ärzte sollten bescheidener sein"
kann man sich das nächste mal den blinddarm im taxi rausholen lassen.


zum ausnutzen gehören aber zwei dazu. einer der es macht und einer der es mit sich machen lässt.
und wir als ärzteschaft können nur auf der einen seite agieren, die arbeitgeberseite wird immer ihren Vorteil
suchen, wir leben im Kapitalismus (bzw. bald Post-Kapitalismus), da verschenkt keiner Geld.