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HannaLuisa
04.04.2015, 12:39
Ich hab immer das Gefühl, durch solche Vorschläge wie die Lockerung der Schweigepflicht wird krampfhaft versucht, ein trügerisches Gefühl der Sicherheit zu schaffen.
Fakt ist jedoch, dass man so etwas niemals verhindern kann, wenn jemand entschlossen ist.
Das ist genauso ein Unfug wie durch flächendeckende Überwachung und Vorratsdatenspeicherung Terroranschläge verhindern zu wollen.
Die alte Weisheit "Freiheit stirbt durch Sicherherheit" gilt auch hier.
Es heißt dann ständig “Wir werden alles tun, um so etwas in Zukunft zu verhindern!”
Wenn es dann aber um Konkretes UND sinnvolles geht, ist schnell klar, dass es leere Worte sind.
Sämtliche psychisch Kranke, die einmal versuchen, ambulante Hilfe zu bekommen und weniger als 6 Monate auf einen Therapieplatz warten müssen, wissen, dass es einfach zu wenig Therapeuten gibt, die eine Kassenzulassung haben.
Es sind einfach zu wenig. Aber da setzt man nicht an, das kostet ja.
Da startet man lieber diese Hetz-Kampgnen, um das politische Profil zu schärfen.

EKT
04.04.2015, 19:05
Für eine solche Tat braucht es einfach mehr als eine Depression und auch mehr als bloße Suizidalität.

Durchaus nicht! Was soll denn "bloße Suizidalität" sein? Wenn man weiß, was eine Depression und Suizidalität im Kern bedeuten (nicht die abzählbaren ICD-Kriterien), dann wird eine solche Tat recht leicht nachvollziehbar. Nur, die allermeisten Kranken richten die entsprechende Aggressionsenergie einzig gegen sich selbst (egal ob als Suizid, als Beziehungskonflikt, Psychosomatose oder als "Depression" selbst).

WackenDoc
04.04.2015, 19:24
5 Ereignisse in mehr als 30 Jahren ist jetzt aber alles andere als häufig.
Klar ist jeder Fall tragisch und bei Flugzeugunglücken sind halt immer gleich viele Opfer zu beklagen. Dazu kommt dann bei vielen Menschen eh schon das Gefühl des Ausgeliefertseins.

Aber die Wahrscheinlichkeit, einfach nem Deppen in nem Auto auf der Straße zu begegnen, der einen zu Tode fährt, ist um ein wesentliches höher.

Die Möglichkeit, in Sonderfällen die Schweigepflicht zu brechen gibt es ja heute schon- lernen wir alle im Studium.

Naja- psychiatrische Krankheiten sind eh schon stigmatisierend und solche Unglücke machen es nicht besser.

cicely
04.04.2015, 23:51
Durchaus nicht! Was soll denn "bloße Suizidalität" sein? Wenn man weiß, was eine Depression und Suizidalität im Kern bedeuten (nicht die abzählbaren ICD-Kriterien), dann wird eine solche Tat recht leicht nachvollziehbar. Nur, die allermeisten Kranken richten die entsprechende Aggressionsenergie einzig gegen sich selbst (egal ob als Suizid, als Beziehungskonflikt, Psychosomatose oder als "Depression" selbst).

Das, was die Einzelnen, die das Flugzeug gegen den Berg fliegen, von den Allermeisten, die die Aggression einzig gegen sich selbst richten, unterscheidet, ist genau das "Mehr", das ich meine. Inwiefern man diesen Unterschied diagnostisch fassen kann, weiß ich jedoch nicht...

McDübel
05.04.2015, 13:54
Ich wusste gar nicht, dass Flugmediziner Krankheiten wie z.B. Depressionen seit April 2013 ans Luftfahrtbundesamt melden müssen. Das lässt ja tief blicken und bestärkt mich darin, eine Lockerung der Schweigepflicht, bezogen auf Piloten, dass diese eben nur noch zu von dem AG vorgeschriebenen Ärzten gehen dürfen, strikt abzulehnen ist. Und da keine Meldung stattfand (sofern es denn überhaupt bei dieser Krankschreibung um psychische Probleme ging), nehme ich also mal an, dass die Krankschreibung des Co-Piloten von einem externen Arzt stammt. Man kann also in diesem Fall unter Umständen die Auswirkungen, nämlich die Zerstörung des Arzt-Patienten-Vertrauensverhältnisses, schon schön erkennen.

Relaxometrie
05.04.2015, 22:01
@Wacken:
Wie wird das eigentlich bei der Luftwaffe gehandhabt? Mit welchen Vorerkrankungen wird man da direkt ausgemustert? Und wie ist es bei Erkrankungen, die neu auftreten, wenn ein Luftwaffenpilot schon fertig ausgebildet ist? Wann wird er für diesen Job dienstuntauglich geschrieben?

WackenDoc
06.04.2015, 07:57
Gerade für unsere Piloten gelten sehr strenge Tauglichkeitskriterien.
Krankheiten wie Bluthochdruck, Brille über einer bestimmten Diotrienzahl und auch psychiatrische Vorerkrankungen führen zur Untauglichkeit.

Unsere Piloten werden auch regelmäßig fliegerärztlich untersucht und dürfen auch nicht fliegen, wenn entsprechende Krankheiten während der Karriere auftreten.

Es gibt allerdings Ausnahmen, die im Einzelfall entschieden werden.

Bei ausgeheilten psychiatrischen Erkrankungen (bei anderen natürlich auch) entscheidet allerdings auch ein Bundeswehrpsychiater wie er den Patienten einschätzt. Dabei gibt es verschiedene Gradationen- je nach Art und Schwere der Erkrankung und auch je nach Restsymptomatik kann man damit tauglich sein oder nicht.

Gilt übrigens für andere Zweige des Soldatseins auch.

Und ja, es gibt einige Kameraden, die sich auch Angst vor Untauglichkeit mit Symptomen nicht beim Arzt vorstellen. In einer guten Einheit sollte aber dem Vorgesetzten und dem Kameraden auffallen, dass irgendwas nicht stimmt und dann das Gespräch mit dem Truppenarzt suchen.

Krankschreibungen verschwinden lassen und trotzdem fliegen, wird bei uns allerdings nicht so einfach funktionieren- das liegt an dem völlig anderen System was wir haben.

Solara
06.04.2015, 08:10
Weiß irgendwer wie das bei den Fluggesellschaften ist, fliegen die oft in gleicher Besatzung im Cockpit (also kennt man sich recht gut) oder wechselt das ständig (was ich vermuten würde)?

McBeal
06.04.2015, 08:19
Es wechselt ständig.

LG
Ally

Solara
06.04.2015, 08:57
Es wechselt ständig.

LG
Ally
Danke dir! Also nicht wie in der BW eine "Kontrolle" möglich, ob der Kollege jetzt irgendwie verändert wirkt - man kennt sich untereinander ja nicht so wirklich gut. Aber ist wohl auch schlecht umsetzbar.

Relaxometrie
06.04.2015, 10:11
Gerade für unsere Piloten gelten sehr strenge Tauglichkeitskriterien.
Krankheiten wie Bluthochdruck, Brille über einer bestimmten Diotrienzahl und auch psychiatrische Vorerkrankungen führen zur Untauglichkeit.
Wie ist es mit der Flugtauglichkeit bei Diabetes mellitus (Typ 1 oder 3)?
Personen, die einen Typ-2-Diabetes entwickelt haben, werden in den meisten Fällen wohl schon am Körpergewicht scheitern, so daß sie eh nicht als Luftwaffenpilot in Frage kommen.





Krankschreibungen verschwinden lassen und trotzdem fliegen, wird bei uns allerdings nicht so einfach funktionieren
Das ist auch sehr richtig so.

Mal sehen, was für Schlampereien in der Kommunikation zwischen Lufthansa, Germanwings und dem Luftfahrtbundesamt jetzt noch aufgedeckt werden :-((

WackenDoc
06.04.2015, 10:34
Mit DM ist man gar nicht als Soldat geeignet- also auch nicht als Pilot der Luftwaffe.
Ausnahme ist ein diätetisch eingestellter DM Typ 2.

Übrigens heisst untauglich bei uns nicht in jedem Fall Entlassung, aber das hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab.
Einen Diabetiker,der schon länger Soldat ist wird man eher versuchen in einer Büroverwendung unterzubringen.

Übrigens gibt es bei uns die Regelung, dass nach einer Krankschreibung nur der Fliegerarzt wieder flugtauglich schreiben kann. Das gilt auch für Bagatellerkrankungen wie Erkältungen.

Also Beispiel aus meinem alten Standort: Wir "normalen" Truppenärzte und die Fliegerärzte haben uns gegenseitig unterstützt. So haben wir z.B. auch die Piloten oder anderes fliegerisches Personal behandelt, wenn die Fliegerärzte mal nicht da waren.
Bei "normalen" Soldaten ist es Gang und Gäbe, dass eine Krankschreibung einfach ausläuft und der Patient nach Genesung einfach wieder am Dienst teilnehmen (wir können aber auch reinschreiben, dass wir ihn wiedersehen wollen). Bei Piloten geht das nicht, die müssen sich wieder bei ihrem Fliegerarzt vorstellen und nur der kann sie auch wieder gesund schreiben.

Dann kommt noch als Vorteil hinzu, dass wir ja am gleichen Standort arbeiten und eher mal auffällt, wenn jemand sich nicht an die Krankschreibung hält. (wobei das meist umgekehrt passiert- z.B. dass jemand der nur Innendienst tun kann, abends beim Fussball gesehen wird)

erdbeertoertchen
09.04.2015, 07:44
Gute Stellungnahme des DGPPN

http://www.dgppn.de/publikationen/stellungnahmen/detailansicht/article//stellungnahm-38.html

Zutreffender Artikel (wie ich finde) über unteranderem die Medien von Herr Fischer, Bundesrichter

http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2015-04/flugzeugabsturz-katastrophe-recht

Pampelmuse
09.04.2015, 11:51
Gute Stellungnahme des DGPPN

Finde ich auch! Hab's auch gerade bei Facebook gepostet.

McDübel
10.04.2015, 13:31
Ohja. Die Hetze geht weiter. Geil! Berufsverbot für Depressive! (Hab keine Lust diesen Dreck zu verlinken)

Mal abgesehen von der Umsetzbarkeit, geht es hier ja immerhin nur um ein Berufsverbot und KEIN Beschäftigungsverbot. Arbeitsämter Deutschlands...öffnet Eure Pforten und raus mit den Umschulungen! Schätzungsweise 4 Millionen Deutsche warten auf Eure Angebote! (Ich übertreibe natürlich)

Stephan0815
10.04.2015, 16:55
Zum Erbrechen. :-kotz :-kotz :-kotz
Natürlich wird ein Berufsverbot für Depressive (nebenbei haben wir mal wieder Kranke stigmatisiert) dazu führen, dass wir nie mehr ein schreckliches Unglück erleben und viele Menschen dabei sterben.
Können wir bitte, bitte dann auch mal über ein Berufsverbot für durchgeknallte Politiker sprechen, die aufgrund eigener Äußerungen hinlänglich bewiesen haben, dass sie auf gar keinen Fall dazu geeignet sind, ihr derzeitiges Amt auszüben? :-dafür