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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Wer macht den FA für Allgemeinmedizin und kann Erfahrungen teilen?



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at_the_drums
14.10.2015, 15:19
Hey Ihr,

ich habe im August angefangen, als Assistenzärztin zu arbeiten und mich erst einmal für die Psychiatrie entschieden. Ich war jedoch von Anfang an sehr unsicher, ob es am Ende nicht doch besser Allgemeinmedizin werden soll.
Ich habe gern Patientenkontakt sodass Psychiatrie sicherlich nicht falsch ist, mir fehlt doch aber schon jetzt ein wenig der somatische Teil.

Können vielleicht einige von euch, die die FA-Ausbildung zum Allgemeinmediziner machen, berichten, wie es ist?
- wie gut klappen die immer neuen Stellenwechsel? Gibt es Arbeitslos-Zeiten zwischendrin? Ist alles jeweils von einem Wohnort aus erreichbar oder sind teilweise lange Strecken dabei?
- wäre es sinnvoll, mit Innerer anzufangen?
- hat jemand schonmal das Bundesland gewechselt während der Ausbildung und Erfahrungen damit gemacht, wie das mit der Anerkennung ist? (Ich wohne aktuell in Sachsen-Anhalt, habe aber vor, in 1-3 Jahren nach Mecklenburg oder Brandenburg zu gehen)
- wie sind die Aussichten, später eher in ländlichen Gebieten vielleicht Fuß in einer Gemeinschaftspraxis oder in angestellter Position zu finden?
- und zuletzt: Wie ist das mit der Bezahlung? Es gibt ja diese Unterstützung.. Klappt das? Mit wieviel geht man etwa netto im Monat nach Haus? (mir geht es hier nicht darum, Unsummen zu verdienen, es ist jedoch für eine evtl. Familienplanung ja nicht ganz unwesentlich ob man sich das ggf. während der Weiterbildungzeit finanziell überhaupt leisten könnte)

Ich würde mich SEHR freuen über zahlreiche Erfahrungen!!

Malisa
15.10.2015, 09:31
Also es gibt ja schon zahlreiche Threads zu diesem Thema.... Am besten schaust du auch diese mal durch....

Ich habe bisher 2,5 Jahre in der Inneren gearbeitet und werde jetzt im November in eine Allgemeinmedizin-Praxis wechseln. Der Wechsel war problemlos möglich. Ich hab insgesamt ca. 8 Praxen angeschrieben und gefragt, ob sie Interesse haben. Davon haben 6 geantwortet und 3 davon kamen für mich in Frage. Bezahlung ohne Diskussion nach Tarif, wovon man gut leben kann. Klar fallen die Dienstzuschläge weg, aber im letzten Weiterbildungsjahr oder nach Antrag früher kann man Notfall-Dienste machen, die anscheinend meist gut bezahlt werden. Die Förderung, die man in der Praxis benötigt, wurde mir problemlos innerhalb weniger Tage bewilligt. Wobei ich dadurch schon das Gefühl habe, mich der Allgemeinmedizin verkauft zu haben.... und es für mich bald kein zurück mehr gibt....

Generell dürfte es kein Problem sein in ländlichen Gebieten später etwas zu finden. Im Gegenteil werden eher Anreize gesetzt, dort hinzuziehen.

Ich persönlich finde es schon sinnvoll mit Innere anzufangen. Auf jeden Fall sollte man den Inneren-Teil abgeschlossen haben, bevor man in die Praxis geht. Wieviele Fachrichtungen man durchläuft kann jeder für sich entscheiden... Hier in Baden-Württemberg muss man nur 18 Monate Innere und 24 Monate Allgemeinmedizin machen (wovon man auch 6 Monate in einer chirurgischen Ambulanz machen könnte) und die restliche Zeit ist frei wählbar.

geisterhome
15.10.2015, 11:32
Also es gibt ja schon zahlreiche Threads zu diesem Thema.... Am besten schaust du auch diese mal durch....

Ich habe bisher 2,5 Jahre in der Inneren gearbeitet und werde jetzt im November in eine Allgemeinmedizin-Praxis wechseln. Der Wechsel war problemlos möglich. Ich hab insgesamt ca. 8 Praxen angeschrieben und gefragt, ob sie Interesse haben. Davon haben 6 geantwortet und 3 davon kamen für mich in Frage. Bezahlung ohne Diskussion nach Tarif, wovon man gut leben kann. Klar fallen die Dienstzuschläge weg, aber im letzten Weiterbildungsjahr oder nach Antrag früher kann man Notfall-Dienste machen, die anscheinend meist gut bezahlt werden. Die Förderung, die man in der Praxis benötigt, wurde mir problemlos innerhalb weniger Tage bewilligt. Wobei ich dadurch schon das Gefühl habe, mich der Allgemeinmedizin verkauft zu haben.... und es für mich bald kein zurück mehr gibt....


Also bezahlen die Praxen mehr als die 3500€ Förderung die sie bekommen, dachte das ist eher die Ausnahme als die Regel. Und nach Tarif heist in etwa das was ein AA im KH im entsprechenden WJ bekommen würde? Ich hatte angenommen wenn sie die 3500 € mit 500 austocken hat man schon Glück..

Peter_1
15.10.2015, 14:23
Bezüglich Bezahlung im ambulanten Teil kommt es darauf an wo man arbeitet und wie geschickt man im Verhandeln ist. Anstreben sollte man eine Bezahlung nach Tarif, alternativ ein Herabsetzen der Arbeitszeit, wobei man dann da schon am tricksen ist, da die volle Förderung auch nur für eine volle Stelle vergeben wird. Arbeit in der Praxis ist meist deutlich entspannter wie in der Klinik. Innere Zeit sollte möglichst vor der Praxis gemacht werden.
Eine Stelle nach dem FA zu finden dürfte sicher nicht schwer sein, gibt ja eher zu wenig Allgemeimeds.
Ansonsten Google mal "Verbundweiterbildung Allgemeinmedizin". Gibt in vielen Regionen mittlerweile Verbände die einen nahtlosen Wechsel Kh-Praxis ermöglichen, teilweise mit begleitenden Seminaren und sogar Mentoring wenn gewünscht.

at_the_drums
15.10.2015, 15:49
Danke schonmal für eure Antworten!
Melisa, ich habe hier im Forum gesucht und zum Thema FA Allgemeinmedizin nur sehr wenig gefunden, vielleicht stelle ich mich bei der Suche auch einfach dämlich an?! ;-)

DrSkywalker
15.10.2015, 20:42
Meine Bedingungen als Assi in der Praxis mit 3500 Förderung:

32 h Woche
4750 Euro/Monat
Keine Dienste
Fortbildungen werden in der Regel übernommen
1 Woche FoBi-frei pro Jahr

Es gibt noch bessere Angebote, weiß ich von Bekannten. Wenn man etwas außerhalb der Städte sucht findet man viele alte Kollegen, die gute Arbeit machen und anständig bezahlen. Suchen lohnt sich.

at_the_drums
16.10.2015, 09:32
DrSkywalker, darf ich fragen in welchem Bundesland du arbeitest?

Gallilei
16.10.2015, 11:14
Wie hast Du das denn geschafft, Skywalker? Ich einige Bekannte, die in die Allgemeinmedizin gegangen sind. Diese Bedingungen sind nicht mal in weiter Ferne realistisch bei denen. Bezahlung nach Krankenhaustarif war das Maximale, was möglich war. Selbstverständlich bei 40h plus Notdiensten und ohne die Fortbildungsvergütungen. Hast Du einfach Verhandlungsgeschick oder ist das in Deiner Gegend tatsächlich so üblich?

Fr.Pelz
16.10.2015, 11:52
In Brandenburg gibt es ein Institut für Allgemeinmediziner-Weiterbildung, das dir einiges an Organisationskram abnimmt uvm. http://www.ifmw-cottbus.de/de/wir-ueber-uns/profil.html

wischmopp
16.10.2015, 14:45
Meine Bedingungen als Assi in der Praxis mit 3500 Förderung:

32 h Woche
4750 Euro/Monat
Keine Dienste
Fortbildungen werden in der Regel übernommen
1 Woche FoBi-frei pro Jahr

Es gibt noch bessere Angebote, weiß ich von Bekannten. Wenn man etwas außerhalb der Städte sucht findet man viele alte Kollegen, die gute Arbeit machen und anständig bezahlen. Suchen lohnt sich.

Finde ich ja auch krass! Und ist hier sicherlich nicht Standard.
Wobei mich ja zum Vergleich wirklich mehr solcher Beispiele interessieren würden, da ich grade auch am Gespräche-Führen bin.
Mag nicht noch der Ein oder Andere aus dem Nähkästchen plaudern? :-)

DrSkywalker
16.10.2015, 21:29
Bundesland: BAyern! Kenne aber auch Kollegen aus BaWü mit ähnlichen Bedinungen. Ich kenne mittlerweile auch Umsatzzahlen von allgemeinmedizinern und weiß, dass in BaWü und BAyern diese Bedingungen locker drin sind, ohne dass der Chef wesentlich "ärmer" nach hause geht.

Man muss auch selbstbewußt sein und sich klar machen, dass man dem Chef sofort viel Entlastung bringt. Ich habe teilweise ganze Tage alleine die Praxis geschmissen (Highlight: Brückentag, Vertretung für 4 andere Praxen die alle frei hatten... 104 Patientenkontakte an einem Tag von 08:00 Uhr bis 19:30 Uhr...aber auch absoluter Einzelfall :-) )

Wenn man 5000 Euro pro Monat bekommt, zahlt der Praxisinhaber für dich wegen der Förderung trotzdem nicht viel mehr als für eine Artzhelferin!!!

Wenn mir in Bewerbungsgesprächen jemand mitteilte, er könne sich nicht leisten mich ordentlich zu bezahlen empfand ich das als entweder geldgierig/verarsche oder eben als armseelig (wie mies muss die Praxis laufen? Will man in so einer Klitsche arbeiten?).

Evil
17.10.2015, 07:19
So rosig sieht es hier in Westfalen-Lippe nicht aus. Das müsste ich schon sehr genau durchrechnen, ob es sich für mich lohnt, einen WBA einzustellen und soviel draufzulegen. Gibt hier auch praktisch keine HzV.

DrSkywalker
17.10.2015, 07:48
So rosig sieht es hier in Westfalen-Lippe nicht aus. Das müsste ich schon sehr genau durchrechnen, ob es sich für mich lohnt, einen WBA einzustellen und soviel draufzulegen. Gibt hier auch praktisch keine HzV.

JA, das finde ich immer noch skandalös, dass es innerhalb von D scheinbar solche gravierenden Unterschiede gibt. Gerade von Westfalen-Lippe habe ich das immer mal wieder gehört, dass die RLV recht niedrig sein sollen..

arbeiter79
17.10.2015, 10:06
https://www.kvberlin.de/20praxis/30abrechnung_honorar/90honorarverteilung/rlv_aerzte/index.html#rlv_individuell



Finde (als Laie) das eine ganz gut Erklärung für die Jenigen die von rlv, Fallzahl usw. wie ich noch keine Ahnung haben.

Stimmt es das sich die für eine Praxis mgl. Fallzahl um 25% erhöht wenn ein Assistenzarzt angestellt ist?

DrSkywalker
17.10.2015, 10:17
https://www.kvberlin.de/20praxis/30abrechnung_honorar/90honorarverteilung/rlv_aerzte/index.html#rlv_individuell




Stimmt es das sich die für eine Praxis mgl. Fallzahl um 25% erhöht wenn ein Assistenzarzt angestellt ist?

Ich glaube da geht es um angestellte Ärzte in Praxen und ausdrücklich nicht um Assistenzärzte. Beschäftigung eines Assistenzarztes muss Fallzahlneutral laufen hier in Bayern zumindest.

at_the_drums
17.10.2015, 10:30
Das ist ja schon heftig wie unterschiedlich da die Bedingungen von Bundesland zu Bundesland zu sein scheinen. Gibt es denn aus den nördlichen (neuen) Bundesländern einige Weiterbildungsassistenten die mal über Bedingungen und Gehalt berichten können? Um mal einen Eindruck zu bekommen, was man überhaupt "einfordern" könnte (mal abgesehen davon dass ich leider so gar nicht der Typ bin der in einem Vorstellungsgespräch selbstbewusst einfordert ;-))

Malisa
17.10.2015, 11:14
Gerade entdeckt, dass die KV Baden-Württemberg bestimmte Regionen bezüglich Niederlassung schon recht ordentlich unterstützt... :-) Von daher mach ich mir bezüglich späterer Anstellung oder Niederlassung keine größeren Gedanken.

https://www.kvbawue.de/ueber-uns/engagement/zuz-ziel-und-zukunft/

geisterhome
19.10.2015, 11:15
Bekommt ein KH die KV Förderung von 3500€ eigentlich auch?

vanilleeis
19.10.2015, 15:46
"Der Förderbetrag der Kostenträger beträgt je besetzter Stelle für den stationären Bereich monatlich 1.020 Euro im Gebiet der Inneren Medizin mit ihren Schwerpunkten. Dieser Betrag wird um 730 Euro auf 1.750 Euro monatlich erhöht, während der Arzt in Weiterbildung den stationären Teil der allgemeinmedizinischen Weiterbildung in einem anderen Gebiet der unmittelbaren Patientenversorgung entsprechend der jeweiligen Weiterbildungsordnung ableistet"

Für Berlin, Quelle Ärztekammer

arbeiter79
20.10.2015, 12:27
"Der Förderbetrag der Kostenträger beträgt je besetzter Stelle für den stationären Bereich monatlich 1.020 Euro im Gebiet der Inneren Medizin mit ihren Schwerpunkten. Dieser Betrag wird um 730 Euro auf 1.750 Euro monatlich erhöht, während der Arzt in Weiterbildung den stationären Teil der allgemeinmedizinischen Weiterbildung in einem anderen Gebiet der unmittelbaren Patientenversorgung entsprechend der jeweiligen Weiterbildungsordnung ableistet"

Für Berlin, Quelle Ärztekammer

Hat man da als Allgemeinmediziner in Ausbildung eine Verhandlungsgrundlage (teilweise) daran beteiligt zu werden, über das normale Gehalt lt. TV hinaus?