Als Hospitantin auf dem Rettungshubschrauber
Ein nicht ganz alltägliches Praktikum
Bergita Ganse
Die Spielzeugeisenbahn-landschaft konnte ich auf der GPS-Karte auf einem Computerbildschirm verfolgen und benennen. Das ist wirklich interessant, hätte nicht gedacht, dass so viele Leute einen Swimmingpool haben ...
In Bitterfeld sind wir vor vielen Zuschauern in einem Innenhof des Klinikums gelandet. Alle vier sind mit Trage zur Intensivstation gelaufen, um den Patienten abzuholen. Dieser hatte unter anderem ein subdurales Hämatom, wegen dessen er nach Halle gebracht werden sollte. Es war etwas kompliziert, alle Geräte auf die RTH- eigenen umzustöpseln, aber schließlich konnten wir mit dem Patienten wieder los-fliegen. Die Bergmannstrost-Kliniken liegen mitten in Halle etwas südlich des Bahnhofs, so dass wir beim Anflug einen wunderbaren Blick über die Stadt hatten. Die Landung war sehr spektakulär auf einer Plattform auf dem Dach des Klinikums! Den Patienten haben wir direkt an der OP-Schleuse übergeben, nach dem Flug war er sogar stabiler als vorher.
In der Zwischenzeit hatten wir den Auftrag bekommen, direkt nach Aschersleben weiterzufliegen, um von dort aus eine Patientin nach Magdeburg zu verlegen. Der Flug dorthin dauerte ca. 15 min. Nach dem Start vom Dach in Halle und Flug über die Innenstadt und Neustadt (Plattenbausiedlung) konnte man wunderbar die Saale verfolgen und ca. ab Hettstedt den Harz sehen. In der Gegend um Halle gibt es wenig Wald und viele ehemalige LPGs mit riesigen Feldern, sowie großen Salzgruben. Mittlerweile konnte ich einige der Anzeigen vor mir auf dem Armaturenbrett deuten, der Pilot hat mir alle Fragen freundlich beantwortet.
Schon im Anflug auf Aschersleben konnten wir den RTW sehen, der uns vom etwas peripher gelegenen Hubi- Landeplatz zum Klinikum bringen sollte. Landung wie gehabt butterweich, im RTW zur Klinik, Patientin (dieses Mal epidurales Hämatom) in RTW, zum Hubi und ab nach Magdeburg. Magdeburg sieht aus der Luft gar nicht so groß aus wie es ist, und wie überall in den neuen Bundesländern gibt es einen alten Stadtkern umringt von Plattenbausiedlungen.
Auf dem Flug kamen wir in einen Regenschauer, von dem wir zuvor bereits über Funk erfahren hatten; es gab leichte Turbulenzen, von denen der Patientin etwas schlecht wurde. Gelandet sind wir auf einem Landeplatz zwischen den Gebäuden der Uniklinik, an dem uns ein KTW erwartete. Dort hineingequetscht haben wir es irgendwie zur Neuro-Ambulanz geschafft und konnten die Patientin abliefern.
Schließlich dämmerte es schon, als wir den Rückflug nach Halle antraten. In 30 min waren wir wieder in Oppin, aus der Luft konnte man die Elbe und Bernburg sehen. Damit war mein Praktikumstag zuende, der Hubi wurde betankt und aufgefüllt. Hubifliegen macht eindeutig süchtig und hat in mir einen unglaublichen Begeisterungssturm ausgelöst! In der Luft hat man das Gefühl, frei zu sein, dass die Welt ganz klein ist, und man genießt die Leichtigkeit, mit der man durch die Luft schwebt, es fühlt sich so einfach an.
Dieser Tag war nicht nur motivierend, sondern hat auch vom Aspekt der Berufsfelderkundung her viel gebracht. Vielleicht ist es ja auch an anderen Unis möglich, ein Hubipraktikum zu machen.