teaser bild

Benutzername:

Passwort:

Jetzt registrieren

Passwort futsch!?

;-)

Bettenmachen, Schieber, Visiten und mehr

Das Krankenpflegepraktikum im Medizinstudium

Jens Plasger

 

Dennoch bleibt Zeit genug für erste Eindrücke, die weiterhelfen

Sinn des Praktikums ist es, einen möglichst genauen Einblick in die Organisation und den Arbeitsablauf in einem Krankenhaus zu erhalten. Und in der Regel reichen die 90 Tage vollkommen aus, um euch bei der Entscheidungsfindung 'Ist Medizin das Richtige für mich?' zu helfen und die Studienentscheidung zu festigen oder aber noch einmal zu überdenken. Zwar sieht der ärztliche Alltag später anders aus, ihr bekommt aber schon genügend Eindrücke von der Zukunft in Eurem Beruf. Am Anfang seid ihr sicherlich noch etwas ungeschickt, was den Umgang mit erkrankten Patienten angeht, doch das Lernen am Modell der Ärzte und Krankenschwestern und eure eigene Portion Persönlichkeit helfen sicher, erste Barrieren und Unsicherheiten immer gekonnter zu überspringen. Auch die ständige, minütliche Konfrontation mit menschlichem Leid und Krankheit ist sicherlich eine Sitatuin, an die sich der ein oder andere erst gewöhnen muß. Eine willkommene Abwechslung zum Vorlesungs- und Kursbetriebs des Semesters an der Uni ist das Krankenpflegepraktikum allemal und ihr solltet versuchen, diese Zeit nicht nur 'abzusitzen', sondern auch für Eure Erfahrungen zu nutzen: bietet Eure hilfe an, wo sie erforderlich sein könnte, packt mit an, wo es Arbeit gibt, lasst euch nicht nur zum Putzen und Polieren des eh schon glänzenden Mobiliars auf Station missbrauchen, versucht, von den erfahrenen Schwestern und Pflegern zu lernen und nutzt die ein oder andere Gelegenheit zum Kontakt mit den Ärzten. Dann können die 90 Tage euch vielleicht mehr gebracht haben, als das eine Zeugnis Papier, das vom Gesetzgeber als Plichtleistung im Studium verlangt wird.

Zurück zum Anfang: wie erging es Corinna (Hannover), Stefan (Heidelberg), Isabelle (Frankreich) und Christian (München)?

So verschieden die Personen, Städte, Zeitpunkte für das Pflegepraktikum sind, so unterschiedlich waren auch die Erfahrungen. Daß Christian als ausgebildeter Rettungssanitäter der Bundeswehr kein erneutes Prakitkum ableisten musste und seine Ausbildung im Lehrberuf ausreichte, um als Krankenpflegepraktikum anerkannt zu werden, wurde eingangs bereits erwähnt. Anerkannt als Pflegepraktikum können gem. Approbationsordnung übrigens auch die Tätigkeiten in einem Freiwilligen Sozialen Jahr, die Ausbildung zur Krankenschwester/Krankenpfleger oder zum Rettungssanitäter. Corinna fährt gerade aus dem Nordstadkrankenhaus in Hannover vorbei an den prachtvollen Herrenhäuser Barockgärten in Richtung neuer Studentenbude und denkt innerlich: "Klare Sache, daß frühe Aufstehen, das viele Putzen, Bettenschieben und Handlangertätigkeiten waren schon manchmal nervig, aber das war nicht jeden Tag so. Generell habe ich mich mit den Schwestern und Pflegern gut verstanden und durfte auch häufiger mit den Ärzten auf Visite oder mal in den OP. Und das Wichtigste: mir hat auch diese Arbeit Spaß gemacht, denn ich hatte viel Zeit, mich im Kontakt mit den Patienten, in Gesprächen zu üben und - mit menschlichem Leid und Tod im Krankenhaus umzugehen, fiel mir zwar nicht leicht, aber ich denke, ich kann das ein Berufsleben lang aushalten und freue mich nun auf das erste Semester." Stefan aus Heidelberg, der schon die ersten 2 Semester des Studiums hinter sich hatte, sitzt gerade in einem Weinlokal am Neckar und unterhält sich mit Kommilitonen, die ebenfalls das Praktikum hinter sich haben: "Ne, ne, also in die Badewanne mit dem kalten Wasser der Brause, da hätten die Schwestern mich am letzten Tag nun nicht tunbedingt als Abschiedsgeschenk in voller Montur hineinschmeissen müssen, aber ansonsten war es - bis auf die nervige Oberschwester, die irgendwie Vorurteile gegen Medizinstudenten hatte, gut auszuhalten. Mit der Tante hatte ich zum Glück nicht minütlich zu tun und wenn man weiß, wie man jemanden ignoriert, der versucht einem das Leben schwerer zu machen, dann ging es. Klasse waren die Patienten, mit denen man so zwischendurch gut reden und etwas über ihre Krankheiten erfahren konnte. Die haben auf Befragen immer alles erzählt. Und die Lernschwester hat immer dafür gesorgt, dass ich etwas für die Zukunft mitnehmen, zum Beispiel das korrekte Verbandwechseln." Szenenwechsel nach Bordeaux in Frankreich, wo Isabelle gerade in einem Weinlokal Abschied mit den Kollegen aus dem französichen Krankenhaus feiert, in dem sie 90 Tage lang ihr Krankenpflegepraktikum ableistete: "Also wenn ich an den Papierkram im Vorfeld, die Anrufe beim Landesprüfungsamt, die Unsicherheit, ob die mein Krankenhauspraktikum im Ausland auch anerkennen, berücksichtige - dann würde ich es nicht wieder machen. Aber wenn ich jetzt im Rückblick denke, wie prima alles gelaufen ist, dann würde ich diese Unbequemlichkeiten gerne wieder auf mich nehmen: ich habe mein Französisch aufbessern können, war einige Zeit im Ausland in einer wunderschönen Stadt, konnte ein anderes Gesundheitssystem erkunden und habe alles in allem eine Klasse Zeit verbracht. Die haben mich sogar schon eingeladen, doch mal ne Famulatur hier zu absolvieren."
Fazit

Gleich ob Inland oder Ausland, gleich ob kurz vor dem Studium oder während der ersten 4 Semester innerhalb des Studiums: die Zeit des Krankenpflegepraktikums gehört einfach unabdingbar dazu und ist mehr als der Pflichtschein des Formulars, den man am Ende erheischt. Zum ersten Mal mit dem Krankenhaussystem, mit dem Arbeitsalltag auf Station von Schwestern, Pflegern und auch Ärzten in Kontakt zu kommen, mit Krankheit und auch Tod konfrontiert zu werden und auch - nicht zuletzt - ein wenig den Umgang mit Patienten zu lernen, heißt für viele, gänzliches Neuland zu betreten und hier gibt es viele, viele neue Erfahrungen zu sammeln. Wenn es gut läuft, machen die 90 Tage enormen Spass, wenn es schlecht läuft, sind 90 Tage schnell vorbei. In diesem Sinne: nutzt die Zeit.
Weiter
auf Seite