Dr. Thomas Keller im Gespräch
ACOMED Statistikberatung
Thomas Keller (ACOMED Statistik)
Wenn ich als Doktorand oder junger Arzt meine Promotion oder Studie durch Ihren profunden Rat statistisch begleitet sehen möchte, wie gestaltet sich dann die Zusammenarbeit?
Die Zusammenarbeit beginnt mit einem ca. 1-stündigen, kostenfreien (Telefon-)Gespräch, in dem der Doktorand seine Arbeit und seine Probleme vorstellt. Im Gespräch wird eine definierte Aufgabenstellung und ein Fahrplan erarbeitet. Häufig ist allein schon diese Strukturierung für den Doktoranden sehr wertvoll. Auf dieser Basis erstelle ich ein Angebot. Meine Hilfe beschränkt sich auf die statistische Auswertung, ggf. auch die Datenaufbereitung. Die Interpretation und Diskussion der Ergebnisse der statistischen Auswertungen sind dem Doktoranden vorbehalten, da ja diese geistige Arbeit Hauptinhalt einer Promotion ist. Ich vergleiche meine Arbeit mit der Arbeit eines höher qualifizierten Laborgerätes. Dort geben Sie die Blutprobe hinein, und bekommen mit einem Messdurchlauf inkl. Probenvorbereitung alle Messwerte inkl. Fehlerangabe. Sie bestimmen, welche Probe gemessen wird, und was mit den Laborwerten passiert, und ziehen die entsprechenden Schlussfolgerungen. D.h. die eigentliche gedankliche, wissenschaftliche Arbeit wird durch Sie geleistet, und meine Zuarbeiten sind ein „Tool“.
Konkret erläutere die verwendeten Methoden, und stelle die Ergebnisse in aussagefähiger, konzentrierter Form (Tabellen, Grafiken) zusammen. Die Arbeiten werden in einem Protokoll dokumentiert, das Nachvollziehbarkeit und Wiederholbarkeit gewährleistet.
Bei meiner Beratung habe ich weniger den ätzenden Blick derer, die besserwisserisch und mit Lust jede Aussage statistisch zerreden wollen: das ist kein Kunststück. Sicherlich ist meine lange Tätigkeit in einem Unternehmen dafür verantwortlich, dass ich mir eine ergebnisorientierte Sicht- und Arbeitsweise angeeignet habe.
Dies dürfte die Studenten besonders interessieren: wie kann man sich für Statistik derart begeistern, dass man einen Beruf daraus macht?
Der Spaß an der Statistik besteht für mich darin, dass man mit mathematischen Methoden aus einem scheinbaren Wust von Daten Aussagen extrahieren kann, die man in dieser Klarheit häufig nicht erwartet. Ich bekomme Einblick in eine Reihe sehr interessanter Daten, z.B. Häufigkeiten von Erkrankungen, Komplikationen, Heilungschancen etc. Ich habe meine Tätigkeit aber nicht nur aus der Begeisterung heraus gewählt, sondern aus der Analyse heraus, wo sich für mich eine Marktnische ergibt, in der ich erfolgreich sein kann.
Gibt es ein 'Geheimrezept', das die Statistik auch für Studenten interessant macht?
Meist ist die Statistik nicht interessant, aber sie wird es im Verlauf der Arbeit. Am Anfang wird von vielen Doktoranden „die Statistik“ als notwendiges (und lästiges) Übel empfunden. (Aus Sicht des Biometrikers wäre es natürlich wünschenswert, wenn die Statistik schon bei der Planung des Projektes, also prospektiv ein Rolle spielen würde.) Das Interesse der Studenten steigt in dem Maße, wie – häufig unerwartet – Zusammenhänge zwischen den Größen, Parametern zu Tage treten oder umgekehrt sich als Verzerrung erweisen, wie Unterschiede nachgewiesen, Einflussfaktoren identifiziert werden usw. Dann kommt mitunter ein interessanter Diskussionsprozess zustande. Aus dem „Statistikteil“, der in die Arbeit musste, weil der Doktorvater es so wollte, wird ein Teil der Arbeit, mit dem sich der Student identifiziert.
Wo finden Sie vom beruflichen Alltag einen Ausgleich und Entspannung?
Meine eingangs erwähnten Töchter sind mittlerweile in einem Alter, in dem manch ernsthaftes Engagement bis hin zur Krisenintervention der Eltern gefragt ist. Insofern ist eher die Arbeit Ausgleich und Entspannung für den familiären Trubel.
Welche Tipps würden Sie Studenten der Medizin, die sich an das Thema Statistik - sei es in der Doktorarbeit oder im allgemeinen Studium - heranwagen, mit auf den Weg geben?
Drei Tipps möchte ich nennen:
Das „Thema Statistik“ gibt es eigentlich nicht. Vielmehr ist die Statistik eine Methode zur Planung und Auswertung eines Projektes, das eine biomedizinische Fragestellung beleuchten sollte. Hierbei kann die Statistik mitunter die entscheidende Methode sein, nicht aber der Zweck oder das Thema der Arbeit. Dies mein erster Tipp, der zweite heißt: Frühzeitiges Einbeziehen der statistischen Methoden schon bei der Planung der Arbeit: Welche Hypothesen gibt es? Welche Struktur haben die Daten, welche Datentypen sind zu erwarten? Wie viele Größen kann ich sinnvoll statistisch auswerten? Welche statistischen Methoden sind zum Test der Hypothese nötig? Welcher Stichprobenumfang? usw.
Dies Vorgehen reduziert späteren Aufwand, und erleichtert die Auswertung erheblich.
Dritter Tipp: Über den Tellerrand schauen. Häufig wurden für in fachfremden Gebiete Fragestellungen bearbeitet, die die gleichen Methoden benutzen wie sie für die eigene Arbeit nötig sind. Oder: vor 20 Jahren wurde die gleiche Fragestellung bereits mit anderen Methoden gelöst.
Vielen Dank für dieses Interview - Jens Plasger (Medi-Learn.de)
ACOMED Statistikberatung von Dr. Thomas Keller
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