Der Op stand den deutschen Ops in Nichts nach. Von besonderem Vorteil war, dass mir vollkommen freigestellt wurde, wann , wie oft und wie lange ich beliebte zu famulieren. Somit kam das Kulturelle und das Partyleben nicht zu kurz. Was nicht zu verachten war.Besonders beeindruckt hat mich die Art und Weise der Anamnese; es wird dort sehr viel Wert darauf gelegt, und ganz ausführlich wird die Familienanmnese erhoben. Auch der eher freundschaftliche Umgang mit den Patienten hat mir sehr gut gefallen.
Genua
Verwöhnt von der südlichen Lebensart kam ich dann im September in den emsigen Norden Italiens.In Genua absolvierte ich ebenso eine Famulatur in der Chirurgia generale . Nur wurde mir hier nicht die Frequentierung der Station freigestellt, somit musste ich durch Präsenz glänzen. Allerdings hat es sich wirklich gelohnt, denn ein Professor hat mich an die Hand genommen und mir einige Themengebiete der allgemeinen Chirurgie in Theorie und Praxis beigebracht.
Hier wurde an drei Tagen in der Woche operiert, und man war als Student in den Op-Plan integriert. Zwar erfüllte man nur die Funktion des Hakenhalters, aber auch hier waren die Professori und Dottori sehr offen und haben die Operationen quasi kommentiert. Mit den üblichen Famulustätigkeiten wie Blutentnahme (Schwesternfunktion in Italien) usw. wurde man auch hier nicht konfrontiert oder besser gesagt belastet.Auch hier beschränkte sich die Arbeitszeit auf den Vormittag , d.h. das Nachmittage zur freien Verfügung standen.
Sprachprobleme?!
Auf Grund meiner fast genetischen Zweisprachlichkeit hatte ich kaum kommunikative Probleme, außerdem sind medizinische Begriffe sehr ähnlich.Allerdigs habe ich auch einige Zeit ( 3-4 Tage) gebraucht, bis ich problemlos kommunizieren konnte.Somit kann ich nur schlussfolgern, dass man, um im italienischen Krankenhausberieb nicht als Trottel dazustehen, schon über gute bis überdurchschnittlich gute Italienischkenntnisse verfügen sollte. Die Ausweichmöglichkeit Englisch kann vielleicht in vielen Fällen weiterhelfen, sie ist aber sicher keine Basis.Vielleicht kann ich Euch dadurch ermutigen, dass nur etwa ein drittel der 40 Studenten in Rom und 3 von 5 in Genua italienisch sprechen konnten.Und Sie haben es auch mit Bravour überstanden.
Ich möchte wirklich niemanden davor abschrecken, auf Grund von Sprachbarrieren nicht Italien als Auslandsfamulaturland zu wählen. Ich denke, dass die Wahl Italien nicht unbedingt fachliche-medizinische Prioritäten als Entscheidungsstützen besitzt, sondern vielmehr eine goße Italophilie und der Freude ein wenig von der italienischen Lebensart, Kultur und der " dolcen vita" mitzubekommen.
6.Beziehung zu den Gastgebern und zur Bevölkerung
Hier fallen mir nur positive Adjektive wie freundlich , zuvorkommend, hilfsbereit und so weiter ein.
Tagesbeschreibung
Wie gesagt spielte der Krankenhausalltag nicht unbedingt die Hauptrolle in der Tagesgestaltung.Ich habe oben schon angedeutet, dass in Rom 40 Studenten aus aller Welt ihr "electiv clerkship" absolviert haben.Es waren Studenten und Studentinnen aus Brasilien, Mexiko, Portugal, Spanien, Frankreich, Österreich, Griechenland, Ägypten, Ungarn , Polen, Rumänien und ich weiß nicht mehr woher neben uns da. Wir waren alle in einem Studentenwohnheim untergebracht, wo gleichzeitig die Summer- University- of Rome mit einer ähnlich großen Gruppenstärke residierte. Damit möchte ich zum Ausdruck bringen, dass eine Art Ferienlageratmosphäre für Volljährige oder Halberwachsene herrschte. Da ergab sich jeden Tag ein abwechslungsreiches Programm. Man hatte die Wahl zum Krankenhaus zu gehen oder vielleicht doch zum Strand, der allerdings nicht unbedingt der schönste Italiens war, aber Strand war eben Strand.Dafür musste man schon ca. eine Stunde Fahrtzeit zum nächstgelegenen Strand in Kauf nehmen.
Und kulturell hat Rom bekanntlich ja auch etwas zu bieten, die Aufzählung dessen erspare ich mir jetzt mal.Abends hatte man die Gelegenheit, sich auf dem zum Studentenwohnheim gehörenden Tennisplatz oder Fußballplatz auszulassen.Gekrönt wurde der Tag durch irgendwelche Parties oder durch einen Besuch des Campo dei Fiori.Die SISM-Oragnisation hatte auch spezielle Abende organisiert , wie z.B. Lagefeuer am Strand oder an einem Süßwassersee im Landesinneren oder einen Abend in den berühmten Castelli Roms, wo der berühmte Frascati seinen Ursprung hat.