Molekulare Medizin
Erfahrungsbericht über das Promotionsstudium
Hans Faber
Tipps zur Themenwahl bei der Doktorarbeit
Vielleicht noch ein paar Worte dazu, wie ich mir mein Thema ausgesucht habe: Es gibt zwar keine allgemeingültigen Regeln, wie man die perfekte Doktorarbeit findet, es gehört auch eine Portion Glück dazu. Dennoch gibt es einige Sachen, die Ihr vorher besser überprüfen solltet. Das Förderprogramm bemüht sich zwar, alle Projekte vor der Aufnahme in den Promotionsstudiengang ausgiebig auf ihre Eignung zu untersuchen, eine Garantie für eine perfekte Doktorarbeit kann das aber natürlich nicht sein. Auch innerhalb der „Molekularen Medizin“ gab es wie bei anderen Doktorarbeiten Enttäuschungen und Projekte wurden abgebrochen. Bevor ich mich bei den Doktorvätern vorgestellt habe, hatte ich mir eine kleine Liste gemacht mit Dingen, die mir wichtig waren und die mir für das erste Gespräch ein Gerüst sein sollten. Ich empfand es anfangs als schwierig zu entscheiden, was ich eigentlich will, die Projekte klangen anfangs fast alle verlockend. Großen Wert habe ich darauf gelegt, nicht nur mit den Doktorvätern, sondern auch mit anderen Mitarbeitern und vor allem den Doktoranden sprechen zu können. Auf diese Art lassen sich einige wichtige Dinge herausfinden, vor allem auch zur Atmosphäre in der Arbeitsgruppe. Dringend abzuraten ist von Projekten, wenn der Doktorvater schon einen Ruf an eine andere Uni hat. Auch das führte im Rahmen des Promotionsstudiengangs zu Unzufriedenheit bis hin zu Abbrüchen. Auf die Versicherung, der Wechsel würde die Doktorarbeit nicht mehr betreffen, ist kein Verlaß, oft zeigen sich schon lange vor dem eigentlichen Abschied des Doktorvaters erhebliche Auflösungserscheinungen in der Arbeitsgruppe und das Interesse läßt nach. Wichtig ist ferner noch zu erfragen, inwieweit die Methoden im Labor bereits etabliert sind. Und schließlich ist es entscheidend, daß sich Doktorand und Doktorvater auch als Menschen sympathisch sind.
Im Prinzip läuft vieles auf eine Sache hinaus: das Pipettieren...
Das konkrete Thema an sich ist meiner Meinung nach gar nicht mal so entscheidend. Sicherlich, wer wie ich definitiv kein Chirurg werden will, der wird vermutlich auch kein Thema über die molekularen Grundlagen der Knochenbruchheilung wählen.
Nachdem ich aber mehrere Arbeitsgruppen gesehen habe, habe ich festgestellt, daß die eigentliche Labortätigkeit ganz gleich in welchem Gebiet und bei welcher Methode im Prinzip auf eine Sache hinausläuft: Das Pipettieren! Sollte Eure Arbeit wie bei mir den Einsatz von Patientenmaterial erfordern, so ist sicherzustellen, daß dieses auch zuverlässig und in ausreichender Menge zur Verfügung gestellt werden kann. Doktoranden sind übrigens nicht dazu da, sich stundenlang in den OP zu stellen, um auf Gewebeproben zu warten!
Freisemester für Doktorarbeit - ja oder nein?
Eine für viele von Euch wohl wichtige Frage ist die nach einem Freisemester. Grundsätzlich schreibt der Promotionsstudiengang keines vor, vielmehr ist die medizinische Fakultät daran interessiert, daß die Studenten das Studium in der Regelstudienzeit durchziehen. Ich selbst habe mich für ein Freisemester entschieden, auch wenn es mein Doktorvater nicht verlangt hat, es gibt aber auch andere, die das alles neben dem Studium machen. Einige Doktorväter setzen aber von vornherein ein Freisemester voraus. Doch die „Molekulare Medizin“ würde sich nicht Promotionsstudiengang nennen, wenn es sich lediglich um eine Doktorarbeit handeln würde. Neben der eigentlichen Arbeit im Labor findet noch eine kleine molekularbiologische Ausbildung in Form einer Ringvorlesung sowie eines Methodenkollegs statt. Die Ringvorlesung wird einmal in der Woche abwechselnd von den beteiligten Projektleitern, aber auch von anderen Wissenschaftlern der Fakultät gehalten. In der Regel sind diese sehr gut gemacht, meist spricht der Vortragende zu seinem Forschungsthema und erläutert dabei einige molekularbiologische Arbeitstechniken. Dank der kleinen Studentenzahl hat diese Veranstaltung wie auch das Methodenkolleg Seminarcharakter. Das Methodenkolleg wird von den Studenten selbst organisiert, im Laufe der 18 Monate stellt jeder Teilnehmer den anderen Kommilitonen einmal die in der Doktorarbeit angewandten Methoden vor. Das Ende meiner Förderzeit bildete ein Abschlußseminar in Herrsching am Ammersee, auf dem die Ergebnisse der Projekte meines Jahrganges vorgestellt wurden. Es war beeindruckend zu sehen, was sich in den vergangenen 18 alles entwickelt hat.Mein Fazit
Zusammenfassend kann ich aus eigener Erfahrung dieses Programm allen von Euch nur empfehlen, die einmal die Arbeit im Labor kennenlernen möchten. Der Zeitaufwand neben dem Studium ist zwar groß, doch das trifft auch auf andere Promotionen zu, die außerhalb dieses Studienganges laufen. Daß man mit dem Thema seiner Doktorarbeit mal Pech haben kann, ist kein spezielles Problem des Promotionsstudienganges „Molekulare Medizin“, sondern ist woanders auch leider jederzeit möglich. Mit diesem neuen Programm werdet Ihr aber anders als die meisten Eurer Kommilitonen nicht nur finanziell für Eure Mühe entschädigt, Ihr erhaltet darüber hinaus noch eine interessante Zusatzausbildung, die für Euren späteren Weg sicherlich nur von Vorteil sein kann. Ich hoffe, mit diesem Bericht vielleicht bei dem einen oder anderen von Euch Interesse geweckt zu haben, schließlich ist die weitere Zukunft der „Molekularen Medizin“ auch ganz entscheidend davon abhängig, wie sie von den Studenten angenommen wird. Weitere Informationen findet Ihr auf der Homepage des Max von Pettenkofer-Institutes über das Stichwort „FöFoLe“.