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Traumjob oder Albtraum? (Teil 2)

Perspektiven in der Not- oder Entwicklungshilfe - Gastartikel Via medici

Dr. med. Felicitas Witte

Traumjob oder Albtraum?

© / Istockphoto
Für die Umsetzung von Hilfsprojekten braucht man Ärzte aus allen Fachbereichen. „Gesucht werden Fachärzte in Gynäkologie, Chirurgie, Pädiatrie oder Anästhesie“, sagt Dr. Butenop. „Ebenso gefragt sind ,Allrounder‘, die vom Kaiserschnitt bis zur HIV-Therapie alles können.“ Interessierte Ärzte können sich bei Hilfsorganisationen bewerben. Neben fachlichen Fähigkeiten legen diese Wert auf Belastbarkeit, Flexibilität und emotionale Stabilität. ÄoG nimmt Bewerber nach einem erfolgreichen Vorstellungsgespräch in einen Personalpool auf. Wird eine Stelle in einem Projekt frei, sucht die Organisation passende Mitarbeiter aus. Da die Vermittlung Monate dauern kann, empfiehlt Dr. Butenop, sich früh zu bewerben.

ÄoG und Entwicklungsdienste, wie der Deutsche Entwicklungsdienst (DED), schreiben auch Stellen aus, für die keine beendete Facharztausbildung nötig ist. Voraussetzung ist jedoch eine mindestens 18-monatige Berufserfahrung. Dr. Bärbel Krumme vom Missionsärztlichen Institut in Würzburg empfiehlt sogar mindestens drei Jahre Berufserfahrung als Arzt, wenn man in einem Entwicklungsland arbeiten möchte: „Man sollte solides fachliches Grundwissen mitbringen, denn man muss ohnehin viel Neues lernen.“ ÄoG und DED bieten im Internet Stellenmärkte an (Linktipps), die die Qualifikationen für jeden Projektplatz auflisten.
Junge Ärzte können beim DED auch als Entwicklungsstipendiaten Erfahrungen in der Entwicklungszusammenarbeit sammeln. Für Studenten gibt es die Möglichkeit, ein Praktikum in der Zentrale zu absolvieren. Die Gehälter in der Not- und Entwicklungshilfe fallen oft geringer aus als in anderen medizinischen Bereichen. ÄoG zahlt Ärzten in der Nothilfe etwa 800 Euro monatlich, zuzüglich Lohnsteuer und Krankenversicherung. Für Entwicklungshelfer richtet sich der Verdienst nach dem Entwicklungshelfergesetz. Zu einem Nettounterhaltsgeld von ca. 1.350 Euro kommen Leistungen wie Flüge, Unterkunft vor Ort und Familienzuschläge. Es gibt aber auch Organisationen, etwa die GTZ, die Gehälter zahlen, die mit denen in Deutschland vergleichbar sind oder sogar darüber liegen.

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weiterempfehlen ...Für Entwicklungsarbeit in längerfristigen Projekten ist eine Weiterbildung in Gesundheitswissenschaften, etwa ein Master in „Public oder International Health“ oder in „Control of infectious diseases“ unerlässlich. „Kenntnisse in Public Health sind auch sinnvoll, wenn man ,nur‘ kurativ arbeiten möchte“, weiß Dr. Krumme. Umgekehrt dürfen Mediziner in der Entwicklungsarbeit ihre ärzlichen Fähigkeiten nicht vergessen.

Aber auch auf kürzer dauernde Einsätze sollte man sich gründlich vorbereiten: Dr. Houben rät, Zusatzkurse, beispielsweise einen Tropenmedizinkurs, zu belegen. „Wer in unserer Klinik medizinische Hilfe sucht, setzt große Hoffnung in die ausländischen Ärzte. Diese Hoffnung sollte man nicht enttäuschen.“ Die jeweilige Landessprache muss man nicht unbedingt sprechen. Zumindest sollte man aber – je nach Land – Englisch, Französisch oder Spanisch beherrschen. „Zudem kann man sich bemühen, Redewendungen in der Landessprache zu lernen“, rät die Gynäkologin Dr. Monika Hauser, Gründerin der Hilfsorganisation medica mondiale (Interview). Damit könne man schnell Vertrauen aufbauen. „Nur wenn wir die Menschen respektieren und wertschätzen, mit ihnen zusammenarbeiten statt ihnen unsere Konzepte aufzudrücken, können wir gute Entwicklungsarbeit leisten“, erklärt Dr. Hauser. Zudem sei wichtig, dass man für sich klärt, warum man Entwicklungshilfe machen möchte: Will man ärmeren Menschen helfen, muss man sich immer fragen, warum man das macht.“ Manche machen es leider aus Prestigegründen.
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