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Überbringen schlechter Nachrichten

Ein Beitrag aus dem Forum

Dr. Wolfgang Oertel, Chefarzt der Anaesthesie im Krankhaus Burg

Abschied nehmen

© sassi2812 / PIXELIO
Schwieriger ist es, wenn ein Patient tatsächlich unerwartet verstirbt oder man als Notarzt am Einsatzort letztlich den Tod eines Patienten selbst verarbeiten und den Angehörigen möglichst schonend vermitteln muss.
Da gibt es keine Patentrezepte, allenfalls die Erfahrungen, die man in der Klinik bis dahin gesammelt hat.

Meine Erfahrung ist auch hier, dass die schonende, respektvolle Ansprache, die behutsame Vorbereitung der "unglaublichen" Nachricht und das Vermitteln der erkenn- bzw. spürbaren eigener Betroffenheit, wenn sie wirklich ehrlich rüberkommt eine gute Grundlage in solchen Krisensituationen sind.
Ich pflege das Gespräch meistens mit Formulierungen wie:

"... ich habe eine sehr traurige Nachricht für Sie" oder "...es tut mir sehr leid, aber wir konnten ... leider nicht mehr helfen" oder "... Sie haben uns ja gerufen, weil es ... sehr schlecht ging, leider war Ihre Sorge nur allzu berechtigt, denn ... und letzlich ist ... ganz ruhig eingeschlafen".

Nach dieser Eröffnung wird der Angehörige zum Betroffenen und Patienten gleichermaßen, für den wir uns, wenn irgend möglich, Zeit nehmen sollten - gerade im Rettungsdienst.
Dies wird uns manchmal dadurch erleichtert, dass ja gewisse Formalien zu erfüllen sind, was uns aber auch den Angehörigen Zeit gibt, die Tragweite des Geschehenen wahrzunehmen; nach dieser kurzen Zeitspanne kann man den Dialog wiederaufnehmen und versuchen zu trösten - s.o. - aber auch Hilfe anbieten (z.B. anbieten, den Bestatter und/oder den Pfarrer/Pastor und/oder die Angehörigen zu informieren).
Wer menschlich überzeugend und emotional empfindsam vorgeht, braucht sich nicht hinter Floskeln und Verwaltungsarbeiten zu verstecken; ehrliche Anteilnahme kann als reflexiver Prozess zwischen den Angehörigen einerseits und dem Pflege-/Ärzteteam bzw. Rettungsdienst-/Notarztteam ein persönlich sehr bereicherndes Erlebnis sein, an dem man von Fall zu Fall Kraft, Sicherheit und Erfahrungen für "das nächste Mal" schöpft.

Wichtig ist auch, dass man einen Todesfall nicht von sich aus ein zweites Mal totredet, um damit die eigene Hilflosigkeit zu kaschieren.
Aktives Zuhören, positives Motivieren, soweit glaubwürdig den friedlichen Tod, das sanfte Einschlafen und die Erlösung von vorgängigen Qualen thematisieren und den Angehörigen in die Lage versetzen, ausführlich über seine Gefühle sprechen oder auch nur weinen zu können hilft am meisten, die nötige Trauerarbeit in Gang zu bringen.
Wenn Sie in diesem Bereich Erfahrungen sammeln möchten, dann empfehle ich Ihnen, einmal 14 Tage Ihrer Semesterferien für eine In-house-Hospitation in einem Hospiz zu investieren. Sie und Ihre Patienten/Angehörige werden mit Sicherheit davon "profitieren".

Mit freundlichen, sehr nachdenklichen Grüßen und der Hoffnung, dass Sie möglichst viel über Ihre eigene Gefühlswelt und den Umgang mit dem Sterben und dem Tod erfahren - Ihr Dr.med. Wolfgang Oertel "
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