Lilian:
Ich denke, dass eine Portion Idealismus dazugehört, dieses Studium auf sich zu nehmen und es durchzustehen. Ich wusste, was ich wollte, auch wenn ich manchmal nicht wusste, wie ich das erreichen sollte. Wenn ich aus Prestige- oder Geldgründen den Arztberuf gewählt hätte, hätte ich wahrscheinlich schon früh aufgegeben.
Andrej:
Prestige allein bringt einen sicher nicht weit. Und ich finde, man muss kein Überflieger sein, um Arzt zu werden. Ich würde mich wahrlich nicht als „Brenner“ bezeichnen, ich bin auch kein Arbeits- oder Lerntier. Das Ökonomische Prinzip – also mit möglichst wenig Aufwand das Maximum zu erreichen – das habe ich quasi perfektioniert!
Lilian:
Ich arbeite seit ein paar Monaten als Assistenzärztin in einer großen unfallchirurgischen Klinik. Im Moment arbeite ich in der Ambulanz: Das kann sehr stressig, aber umgekehrt auch sehr lehrreich sein. Beim Befunden von Röntgenbildern, Festsetzen der Therapie und Fragen nach OP-Indikationen gibt es zwar fast täglich Fälle, bei denen ich nicht so recht weiter weiß, weil man durch Uni und PJ einfach nicht genug Routine und Praxiswissen bekommen hat. Aber ich habe nette Kollegen, die mir immer mit Rat und Tat zur Seite stehen.
Nach dem 3. Staatsexamen habe ich zunächst an meiner Doktorarbeit geschrieben. Ich wünschte, ich hätte sie schon fertig stellen können – an den dienstfreien Wochenenden auch noch an der Dissertation zu schreiben, ist ziemlich anstrengend.
Andrej:
Derzeit arbeite ich in einem schnuckeligen Ort in der Schweiz als Assistent in der Orthopädie. Hier arbeite ich zu 50 % klinisch und zu 50 % wissenschaftlich, natürlich im Bereich der Endoprothetik. Das hält mich auf dem richtigen Weg und macht viel Freude!
Lilian:
Der Arztberuf ist einer der schönsten, die es gibt. Auch wenn das Studium mitunter manchmal endlos und schwierig erscheint und es vorher immer Leute gibt, die einem abraten wollen: Wer den Entschluss für sich gefasst hat, sollte sich davon nicht abbringen lassen! Man muss sich sein Ziel zwischendurch immer wieder vor Augen führen und die Momente, in denen man weiß, warum man gerade diesen Beruf gewählt hat, gut im Gedächtnis behalten. Zum Beispiel dann, wenn sich Patienten für die Behandlung bedanken und man merkt, dass man etwas leisten kann.
Andrej:
Dem kann ich mich nur anschließen. Nichts ist so wertvoll, wie festzustellen, dass man etwas bewirken, jemandem helfen kann. Das macht den Beruf so einzigartig. Und was das Studium angeht: Hört einfach mal auf das, was die erfahrenen Studenten der höheren Semester sagen! Versucht bloß nicht, immer alles selber herauszufinden: Wenn die Älteren zum Beispiel sagen, die Veranstaltung kann man knicken, da muss man nicht hin, dann knickt es und genießt lieber die Zeit!