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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Alle denken Ärzte sind überreich



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Locutus001
18.06.2019, 11:58
Ich bin aktuell in der Schweiz und muss sagen, dass die Lebenskosten dafür höher sind und die Arbeitsbedingungen sind nicht unbedingt das Gelbe vom Ei.

Gerade für Familien sind die Probleme nicht gerade gering und die Facharztausbildung ist, finde ich, komplexer


Hier in Deutschland kann man für beide Partner insgesamt 14 Monate bezahlte Elternzeit nehmen (sofern einer mindestens 2 Monate nimmt).
In der Schweiz bekommen Väter wie viel? Zuletzt habe ich gelesen EINEN Tag. Das ist quasi der eine Tag Urlaub den man hier zur Geburt auch bekommt... wow... da kann man sich auf jeden Fall umfangreich um den Nachwuchs kümmern!
Die Mütter stehen zwar etwas besser dar, aber ich glaube das sind auch nur 14 Wochen? (immerhin bei 80% Lohn). Auf jeden Fall weit weg von 12 Monaten.
Unbezahlt kann man natürlich trotzdem nehmen (Applaus!).

("Der Vaterschaftsurlaub in der Schweiz ist nicht gesetzlich vorgeschrieben. Gerade einmal ein Tag bezahlter Urlaub ist in Schweizer Unternehmen üblich. Manche Unternehmen bieten ihren Angestellten freiwillig mehr. Dies reicht von einer Woche voll bezahltem Vaterschaftsurlaub, wie zum Beispiel bei SBB, Novartis oder Raiffeisen, bis zu vier Wochen, wie bei der Alternativen Bank Olten oder der Katholischen Kirche im Kanton Zürich.")
Also ja es hätten sich m.M.n. hier mehr Männer anschließen müssen!

Mir kam auch der Gedanke: Schweiz? Geil, da verdiene ich mehr! Schön was zur Seite legen und dann hier nen Haus kaufen in Deutschland.
Für Singles die keine Familie haben und besonders solche, die in ihrer Arbeit aufblühen ist es also sicherlich genial! Wunderschönes Land!

Für Familien halt eher mau.


Deutschland steht insgesamt eigentlich ganz gut dar finde ich.
Schaut Euch doch mal Frankreich z.B. an. Da entscheidet die Abschlussnote über die Facharztwahl! Hier in Deutschland kann man doch wenn wir alle ehrlich sind jeden Facharzt machen den man will, egal mit welchem Abschluss.
Es ist nicht das Netto-Einkommen, was Deutschland attraktiv macht, sondern das Gesamtpaket.
Gute Infrastruktur, insgesamt gute Absicherung, hohe Jobsicherheit, große Auswahl, mittlerweile zumindest theoretisch bzw. im Vergleich mit anderen Ländern "gute" Planbarkeit von Familie (mit Absicht in Anführungsstrichen!).
Und verklagt wird man auch noch nicht so viel und so teuer wie in den USA ;-)

Aber ja, Arbeitszeit, Arbeitsbedingungen, da kann sich noch einiges tun!
Wer für 9-17 bezahlt wird, der sollte halt auch 9-17 arbeiten. Und wer nen Nachtdienst schiebt, sollte auch für die komplette Zeit Stundenlohn + Nachtarbeitzuschlag bekommen und nicht nur die Hälfte als normalen Stundenlohn.
Und wenn man dann frisch aus dem Studium kommt, gleich auf die Welt losgelassen zu werden ohne tatsächliche Ansprechpartner, da die Ausbildung der Ärzte halt nicht als Aufgabe der Kliniken wahrgenommen wird... das ist auch minder optimal.

Zum Topic:
Da meine Frau aus einer Nichtakademikerfamilie kommt, wo sich auch diverse Vorstellungen von "zu gut verdienenden reichen Ärzten" halten und "das Arztgehalt!" auch so im Umfeld manchmal als sooo toll angesehen wird, kann ich die Aussage des OP verstehen.
Hier werden gerne die wenigen Ärzte die geschäftlich sehr geschickt und/oder skrupellos waren genommen, die dann Millionen verdient haben, und das ist dann "der Arzt!".
Aber vermutlich weit >90% verdienen halt nen normales Gehalt. Das ist besser als das Durchschnittsgehalt in Deutschland, auch besser als das Gehalt vieler anderer Akademiker, aber nicht massiv viel besser.
Lehrer verdienen jetzt ja z.B. auch nicht schlecht. 3000-3500 Euro Netto ist schon in Ordnung.
Psychologen, sofern sie nicht "dumm" genug sind in die Medizin zu gehen, verdienen in der freien Wirtschaft auch sehr gut.

Aber ja, als Facharzt dann eben die doch realitisch erreichbaren 4000-5000 Euro netto sind schon nochmal ein Sprung, den Lehrer dann eher nicht machen werden.

Der Durschnitts-Kardiologe verdient mehr als der -Hausarzt.
Und auf dem Land verdient man weniger als in der Großstadt an der Einkaufsmeile im Luxusviertel... so ist es halt.

Wir verdienen sehr gut.
Arbeitsbedingungen sind ausbaufähig - aber es hat sich ja auch schon einiges getan.
Die Wahrnehmung, dass Ärzte reich sind, trifft laut Definition ab wann man reich ist aber tatsächlich zu, sofern man denn Facharzt in entsprechender Position ist.
Laut meiner persönlichen Definition würde ich Ärzte als generell wohlhabend beschreiben.
Die Einstellung, dass viele Menschen denken Ärzte wären "überreich", finde ich allerdings auch anstrengend.

Mano
18.06.2019, 13:07
Endlich jemand, der das genau so sieht *daumen hoch*
Es gibt übrigens noch paar andere Länder in Europa, wo die Steuerabgaben viel weniger sind und man sich dadurch viel mehr leisten kann, obwohl man dort ja offiziell weniger verdient. Man sollte doch z.B. Osteuropa näher betrachten, dann wird einem klar, dass es eine wachsende Wirtschaft ist und man als niedergelassener Facharzt brutto fast genau so viel verdient wie in Deutschland, bloß netto bleibt dann deutlich mehr, weil man nicht solche verrückten Abgaben macht, wie hier.

Dafür muss man aber auch erstmal den Facharzttitel erlangen. Und bis dahin verdient man doch als fertig approbierter Arzt oft weniger als in Deutschland als PJler.
Natürlich sind die Lebenshaltungskosten dort auch geringer, aber wenn man einen vergleichbaren Lebensstandard zu Deutschland will (d.h. nicht in der Sovjet-Platte irgendwo im Außenbezirk und nicht Suppenküche sondern Restaurant in der Innenstadt), dann zahlt man auch vergleichbare Preise. Und wenn man nicht ausschließen kann, irgendwann wieder zurückzukommen, dann sollte man auch entsprechend Geld für die Altersvorsorge in Deutschland einplanen.

Matzexc1
19.06.2019, 10:50
Osteuropa wird für mich dann in Frage kommen, wenn die Spinnereien in der Deutschen Politik meine persönliche Schmerzgrenze übersteigen und die Schweiz/Norwegen/Dänemark und Australien mit deutschen Ärztinnen und Ärzten versorgt sind

Heerestorte
19.06.2019, 10:59
Osteuropa wird für mich dann in Frage kommen, wenn die Spinnereien in der Deutschen Politik meine persönliche Schmerzgrenze übersteigen und die Schweiz/Norwegen/Dänemark und Australien mit deutschen Ärztinnen und Ärzten versorgt sind

Ich sehe das ähnlich wie du, tendiere da aber mehr Richtung Kanada.
Leider machen die das Immigrieren für Ärzte (auch wenn man FA ist) ja doch recht kompliziert irgendwie...

tarumo
19.06.2019, 11:19
Ich sehe das ähnlich wie du, tendiere da aber mehr Richtung Kanada.
Leider machen die das Immigrieren für Ärzte (auch wenn man FA ist) ja doch recht kompliziert irgendwie...

Was ein Glück, daß die Versuche ein Staatsexamen als Zugangshürde für Ärzt*Innen aus nicht EU-Ländern in Deutschland zu etablieren, gerade wieder mal im Sande verlaufen:-(

https://www.aerzteblatt.de/archiv/208205/Auslaendische-Berufsabschluesse-Grundsaetzlich-drittes-Staatsexamen-angemahnt

Interessant, daß auch "unsere Gewerkschaft" dagegen ist (R. Henke wird hier sogar namentlich zitiert, allerdings interessanterweise nicht als MB-Chef).

Offensichtlich ist die Einnahme von Mitgliedsbeiträgen und Lohndrückerei durch konkurrierende Kolleg*Innen, bei denen teils berechtigte Zweifel an den Abschlüssen bestehen (siehe Artikel) wichtiger als das Wohlergehen der Ärzte ohne non-EU-MiGraHi und und der Patient*Innen.

Anne1970
20.06.2019, 06:28
Du verwechselst leider Äpfel mit Birnen. Dieser Artikel bezieht sich auf den DÄT - das ist der (Bundesärztekammer- )Kongress aller Ärzte ( übrigens ist der Arzt- öffentlich, d.h. jeder Arzt/Ärztin kann am DÄT als Gast/Beobachter teilnehmen);die BÄK ist die Arbeitsgemeinschaft der Landesärztekammern, die wiederum jeweils als Gesellschaft öffentlichen Rechts in den Bundesländern die ärztliche Selbstverwaltung ausüben. Hr. Henke ist als Landesärztekamner-Präsident qua Amt im Vorstand der Bundesärztekammer. Und als solcher wird er in dem Artikel zitiert. Beschlüsse des DÄT werden durch die Delegierten ( die von den LÄK ( per Wahl) delegiert werden) abgestimmt. Davon sind ca. 30 Prozent angestellte Ärzte.
Wissen schadet nicht...:grins:

JumpRopeQueen
20.06.2019, 08:01
Offensichtlich ist die Einnahme von Mitgliedsbeiträgen und Lohndrückerei durch konkurrierende Kolleg*Innen, bei denen teils berechtigte Zweifel an den Abschlüssen bestehen (siehe Artikel) wichtiger als das Wohlergehen der Ärzte ohne non-EU-MiGraHi und und der Patient*Innen.

Wohlgemerkt bin ich auch mit non-EU-MiGraHi, habe allerdings mein Studium hier angefangen und bin nun fast am Ende. Ich stimme dir größtenteils zu, würde aber eher nicht nach Hintergrund beurteilen, sondern danach, wo das Studium abgeschlossen wurde.

Ich kenne viele Ärzte, die aus dem non-EU-Raum kommen und habe bereits mehrmals gemerkt, dass es sehr große Wissenslücken gibt und die praktischen Erfahrungen fehlen. Ich weiß auch von diesen Menschen, wie man so manche Klausuren im non-EU-Raum mit einer 1 besteht.

tarumo
20.06.2019, 08:02
Ich verwechsele gar nichts. Natürlich wird er als Ärztekammerpräsident zitiert. Habe nie was anderes behauptet. Die Linie des MB, die Zuwanderungshürden für nicht EU-Ausländer generell niedrig zu halten, besteht allerdings schon ein wenig länger und ich habe diesen Artikel nur verlinkt, weil er zum Thema passte und gerade diese Woche erschienen ist. Dertige Einlassungen kenne ich aber schon seit ein paar Jahren und hätte ich spätestens dann als Grund genommen, dort auszutreten.

Denn als "Gewerkschaftler" tut er seinem Klientel damit keinen Gefallen. Hat auch nichts mit Rassismus zu tun, sondern das sehe ich eher eine Form von Protektionismus, die ja nicht unbedingt schlecht sein muß. Diese Position steht im übrigen auch konträr zu den Ansichten anderer Ärztekammern, die Gründe dafür stehen im Artikel. Folgerichtig wäre es natürlich, entweder den einen oder den anderen Posten abzugeben, wenn die Interessen derart gegenläufig sind (die Ämterhäufung habe ich oft genug beklagt).
Oder zumindest die Position gegenüber den Mitgliedern RICHTIG deutlich zu machen, damit die das bei der nächsten Vorstandswahl dann erledigen können. Vormittags die eine Position zu vertreten und nachmittags eine andere...funktioniert halt nicht.

Einen Gewerkschaftler, der sich für niedrigere Zugangshürden für Arbeitsmigranten ausspricht und dabei auch Fakes zum Schaden der Patienten billigend in Kauf nimmt, kann ich mir jetzt in anderen Berufsfeldern nicht wirklich vorstellen. In Frankreich würde er wahrscheinlich geteert und gefedert.
Immerhin hat jetzt keiner geschrieben, daß das sicher nicht so gemeint war und ich mal wieder alles falsch verstanden habe.

Übrigens hat von den anderen ÄK-Präsidenten m.W. keiner einen fulltime-"Nebenjob" a la MB plus ein Bundestagsmandat, was bei gescheiter Amtsführung auch noch mal auf eine 50-Stunden-Woche hinauslaufen würde.
Und seit gestern sind die Maßstäbe im deutschen Gesundheitswesen eh komplett verschoben- die Regierung greift ganz ungeniert in die Tarifautonomie ein und beschließt einfach mal Tarifverträge.

Edit: übrigens hat sich Rudolf Henke bereits im Juni 2018 gegen ein Staatsexamen für nicht EU-Ausländer ausgesprochen (zitiert wird er damals als "Chef der Ärztegewerkschaft Marburger Bund") und, schlimmer noch, auf dem DÄT einen Antrag eingebracht, der sich ausdrücklich gegen verschärfte Überprüfung von Nicht-EU-Ärzten wendet und damit einem Vorstandsbeschluss des DÄT entgegenstellt. Begründet wird das u.a. mit "Diskriminierung" und "man wolle keinen Generalverdacht". Alles online nachzulesen.
Wirklich ein toller Gewerkschaftler.
Ehrlich wäre es, zu sagen, man stehe als CDU-MDB voll hinter "open borders and no papers" und lege daher den Posten beim MB nieder.
Im übrigen sehe ich eine Diskriminierung inländischer Ärzte, den denen müßte mit der gleichen Begründung "haben Studienleistung erbracht" und "mögliche Erschwerung des Berufszugangs" ja dann auch das Staatsexamen erlassen werden.

Kackbratze
20.06.2019, 09:43
Und seit gestern sind die Maßstäbe im deutschen Gesundheitswesen eh komplett verschoben- die Regierung greift ganz ungeniert in die Tarifautonomie ein und beschließt einfach mal Tarifverträge.

Nicht nur die Tarifautonomie, auch der Versuch der Bezahlung der Lipödemtherapie.
Unser Bundesgesundheitsminister unterminiert massiv das gesamte gewachsene System. Ob das aktuelle System gut ist, steht auf einem anderen Blatt, die aktuellen Schritte haben jedenfalls eine staatlich gelenkte Medizin in allen Aspekten (Behandlungsfreiheit, Bezahlung Therapie, Bezahlung Personal) als Ziel.

Autolyse
20.06.2019, 11:20
Glaubst Du wirklich der Spahn denkt so weit? Da geht es nur um Macht. Der Minister möchte öffentlichkeitswirksam entscheiden können und dann gut dastehen, wenn es politisch opportun ist. Mehr kann ich mir beim dort handelnden Personal kaum vorstellen.

Evil
20.06.2019, 11:29
Was sonst?
"Der Spahn hat ja mal als Gesundheitsminister richtig gut durchgegriffen, der gibt bestimmt einen guten Kanzler ab".
Reine Effekthascherei.

tarumo
20.06.2019, 11:51
Lipödem? Kokolores...Ich habe persönlich noch viel mehr Bedenken bei der von Spahn initiierten PrEP- Offensive.
https://www.bundesgesundheitsministerium.de/terminservice-und-versorgungsgesetz/prep.html
Nicht nur Klientelismus vom Feinsten, es wird auch sexuelles Risikoverhalten auf die ansonsten gerne beschworene Solidargemeinschaft abgewälzt und dann auch noch die Ausbreitung von STD gefördert. Da kann man auch gleich die Schirmherrschaft von "Kondome schützen" abgeben :-(
Aber was will man schon von einem Minister erwarten, der zum einen fachfremd ist und dessen akademische Ausbildung sich auf 20 Semester (!!!) an einer aus TV-Zeitschriften bekannten Fernuni beschränkt.
Übrigens obliegt in ´schland die kassentechnische Zulassung von Medikamenten und Therapien "eigentlich" dem GBA. Auch hier ein erstklassiger Eingriff "von oben". Genauso wie die Mietenfestsetzung und der Eingriff in die Tarifautonomie alleine diese Woche. Ich bin mal gespannt, wann dieser ganze Schwachsinn höchstrichterlich kassiert wird.

Aber im "Wir-geben-blöden-Gesetze-noch-blödere-Namen" ist ´schland einfach Weltspitze. Vielleicht kommt auch noch ein "Bessere-und-mehr-Ärzte-Gesetz" gemäß den Zuwanderungsvorstellungen von R. Henke.

Kackbratze
20.06.2019, 12:02
Direkt nach dem "Internationale-Zeugnisse-muss-man-so-anerkennen-Gesetz" und dem "Pflegepersonal-endlich-wertvoll-Tarifvorschlag". :-kotz

rafiki
20.06.2019, 12:14
Aber was will man schon von einem Minister erwarten,... dessen akademische Ausbildung sich auf 20 Semester (!!!) an einer aus TV-Zeitschriften bekannten Fernuni beschränkt.


Ich will Herrn Spahn keineswegs verteidigen, aber wieso sollte eine 20-semestrige Einschreibung an der Hochschule per se schlecht sein? Was er an der Fernuni geleistet hat, dürfte deutlich über das hinausgehen, was ein durchschnittlicher Medizinabsolvent akademisch geliefert hat.

Autolyse
20.06.2019, 12:16
Direkt nach dem "Internationale-Zeugnisse-muss-man-so-anerkennen-Gesetz" und dem "Pflegepersonal-endlich-wertvoll-Tarifvorschlag". :-kotz
Zu schade, dass Flinten-Uschi nicht dort am Ruder ist, sonst hättest Du mit den Namen bereits deinen Beratervertrag sicher.

tarumo
20.06.2019, 12:28
Ich will Herrn Spahn keineswegs verteidigen, aber wieso sollte eine 20-semestrige Einschreibung an der Hochschule per se schlecht sein? Was er an der Fernuni geleistet hat, dürfte deutlich über das hinausgehen, was ein durchschnittlicher Medizinabsolvent akademisch geliefert hat.

Steile These. Gibt es eine Fernuni, die Medizin anbietet? Wenn nein: warum nicht? Daß in einem philosophischen Fach die Klausuren nur in Freitextform gehalten werden, sollte jetzt den Wust an Kreuz- und sonstigen Fragenprüfungen in der Medizin nicht als unakademisch diskreditieren.

Je nach Studienordnung bewegt man sich an einer Präsenzuni mit einer derartigen Semesterzahl aber schon an der Grenze zur Zwangsexmatrikulation. Und ja: ich weiß, daß Politiker ein zeitaufwendiger Job ist. Dann kann man derartige Akademisierungsversuche aus Prestigegründen aber auch unterlassen, zumal diverse renommierte Politiker der deutschen Nachkriegsgeschichte keineswegs einen akademischen Abschluß vorzuweisen hatten.

tarumo
20.06.2019, 12:53
Was sonst?
"Der Spahn hat ja mal als Gesundheitsminister richtig gut durchgegriffen, der gibt bestimmt einen guten Kanzler ab".
Reine Effekthascherei.

Wir sind ja selten einer Meinung. *gefaelltmir*
Es hängt aber auch von den Ärzten ab, ob Spahn als "Macher" oder Zerstörer des deutschen Gesundheitswesens wahrgenommen wird.
Im "Versorgungsstärkungsgesetz" (alleine der Name erinnert schon an DDR) steht u.a. folgendes:
"4.1.1. Terminservicestellen
Durch die Regelungen (....) entstehen der gesetzlichen Krankenversicherung keine Mehrausgaben ."
Heißt auf gut Deutsch: der ganze Zinnober wird durch Einsparung an anderer Stelle gegenfinanziert und die Behauptung von Spahn, man würde "endlich mehr Geld zur Verfügung stellen" ist eine ziemliche Lüge.
Wie wäre es, wenn man den Patient*innen ehrlich gegenüber treten würde:

"Tut mir leid, ich darf: Sie nicht stationär aufnehmen/keine BZ-Streifen verschreiben/kein MRT durchführen/einen Augenarzt-Termin im Juli 2020 anbieten/keine Beinprothese anpassen lassen. Und Grippeimpfstoff: hamwanich. Aaaber, falls Sie zufällig homosexuell sind, darf ich Ihnen eine sauteure HiV-Prophylaxe verschreiben. Falls Ihnen das nicht passt, können Sie sich gerne 24/7 an ein vollständig aus Ihren Kassenbeiträgen finanziertes Callcenter in Mumbai wenden. Mit freundlichen Grüßen, Ihr ArztX"

Gesocks
20.06.2019, 15:15
[...]Bachelor und Master in Politikwissenschaft haben bei Teilzeit-Studium an der Fernuni-Hagen gemeinsam eine Regelstudienzeit von 20 Semestern.

Dr.Bundy
27.06.2019, 22:11
Hier in Deutschland kann man für beide Partner insgesamt 14 Monate bezahlte Elternzeit nehmen (sofern einer mindestens 2 Monate nimmt).
In der Schweiz bekommen Väter wie viel? Zuletzt habe ich gelesen EINEN Tag. Das ist quasi der eine Tag Urlaub den man hier zur Geburt auch bekommt... wow... da kann man sich auf jeden Fall umfangreich um den Nachwuchs kümmern!
Die Mütter stehen zwar etwas besser dar, aber ich glaube das sind auch nur 14 Wochen? (immerhin bei 80% Lohn). Auf jeden Fall weit weg von 12 Monaten.
Unbezahlt kann man natürlich trotzdem nehmen (Applaus!).

("Der Vaterschaftsurlaub in der Schweiz ist nicht gesetzlich vorgeschrieben. Gerade einmal ein Tag bezahlter Urlaub ist in Schweizer Unternehmen üblich. Manche Unternehmen bieten ihren Angestellten freiwillig mehr. Dies reicht von einer Woche voll bezahltem Vaterschaftsurlaub, wie zum Beispiel bei SBB, Novartis oder Raiffeisen, bis zu vier Wochen, wie bei der Alternativen Bank Olten oder der Katholischen Kirche im Kanton Zürich.")
Also ja es hätten sich m.M.n. hier mehr Männer anschließen müssen!

Mir kam auch der Gedanke: Schweiz? Geil, da verdiene ich mehr! Schön was zur Seite legen und dann hier nen Haus kaufen in Deutschland.
Für Singles die keine Familie haben und besonders solche, die in ihrer Arbeit aufblühen ist es also sicherlich genial! Wunderschönes Land!

Für Familien halt eher mau.


Deutschland steht insgesamt eigentlich ganz gut dar finde ich.
Schaut Euch doch mal Frankreich z.B. an. Da entscheidet die Abschlussnote über die Facharztwahl! Hier in Deutschland kann man doch wenn wir alle ehrlich sind jeden Facharzt machen den man will, egal mit welchem Abschluss.
Es ist nicht das Netto-Einkommen, was Deutschland attraktiv macht, sondern das Gesamtpaket.
Gute Infrastruktur, insgesamt gute Absicherung, hohe Jobsicherheit, große Auswahl, mittlerweile zumindest theoretisch bzw. im Vergleich mit anderen Ländern "gute" Planbarkeit von Familie (mit Absicht in Anführungsstrichen!).
Und verklagt wird man auch noch nicht so viel und so teuer wie in den USA ;-)

Aber ja, Arbeitszeit, Arbeitsbedingungen, da kann sich noch einiges tun!
Wer für 9-17 bezahlt wird, der sollte halt auch 9-17 arbeiten. Und wer nen Nachtdienst schiebt, sollte auch für die komplette Zeit Stundenlohn + Nachtarbeitzuschlag bekommen und nicht nur die Hälfte als normalen Stundenlohn.
Und wenn man dann frisch aus dem Studium kommt, gleich auf die Welt losgelassen zu werden ohne tatsächliche Ansprechpartner, da die Ausbildung der Ärzte halt nicht als Aufgabe der Kliniken wahrgenommen wird... das ist auch minder optimal.

Zum Topic:
Da meine Frau aus einer Nichtakademikerfamilie kommt, wo sich auch diverse Vorstellungen von "zu gut verdienenden reichen Ärzten" halten und "das Arztgehalt!" auch so im Umfeld manchmal als sooo toll angesehen wird, kann ich die Aussage des OP verstehen.
Hier werden gerne die wenigen Ärzte die geschäftlich sehr geschickt und/oder skrupellos waren genommen, die dann Millionen verdient haben, und das ist dann "der Arzt!".
Aber vermutlich weit >90% verdienen halt nen normales Gehalt. Das ist besser als das Durchschnittsgehalt in Deutschland, auch besser als das Gehalt vieler anderer Akademiker, aber nicht massiv viel besser.
Lehrer verdienen jetzt ja z.B. auch nicht schlecht. 3000-3500 Euro Netto ist schon in Ordnung.
Psychologen, sofern sie nicht "dumm" genug sind in die Medizin zu gehen, verdienen in der freien Wirtschaft auch sehr gut.

Aber ja, als Facharzt dann eben die doch realitisch erreichbaren 4000-5000 Euro netto sind schon nochmal ein Sprung, den Lehrer dann eher nicht machen werden.

Der Durschnitts-Kardiologe verdient mehr als der -Hausarzt.
Und auf dem Land verdient man weniger als in der Großstadt an der Einkaufsmeile im Luxusviertel... so ist es halt.

Wir verdienen sehr gut.
Arbeitsbedingungen sind ausbaufähig - aber es hat sich ja auch schon einiges getan.
Die Wahrnehmung, dass Ärzte reich sind, trifft laut Definition ab wann man reich ist aber tatsächlich zu, sofern man denn Facharzt in entsprechender Position ist.
Laut meiner persönlichen Definition würde ich Ärzte als generell wohlhabend beschreiben.
Die Einstellung, dass viele Menschen denken Ärzte wären "überreich", finde ich allerdings auch anstrengend.

Das ist ein richtig guter und ausführlicher Beitrag. Ich komme zum entscheidenden Punkt:
Familienleben... Also das Familienleben in Deutschland ist so eine Blamage, das ist so peinlich, da bleibe ich lieber ein freier Mann und habe sicherlich eine höhere Lebensqualität und eine weit höhere Sicherheit, dass meine Existenz nicht gefährdet wird und zwar durch Scheidungen, Falschbeschuldigungen durch Frauen und ungleicher Behandlung von Mann und Frau vor dem Gesetz.

Du stellst hier das deutsche Familienleben als besser dar als in der Schweiz, aber ich meine sie sind in beiden Ländern gleich ... scheisse. Nur auf eine andere Weise: In Deutschland hast du in der Tat viel weniger Kosten: Krankenversicherung vor allem. Elternzeit hast du angesprochen, aber da fehlt ein grosses Detail in deiner Argumentation: die Elternzeit wird nur bei bestimmten Bedingungen ausbezahlt und nur bis zu einer Maximalhöhe (1800€ glaube ich). Aber so oder so, wir können es gelten lassen, das ist richtig gut im Vergleich zur Schweiz. Dafür habe ich das Gefühl gehabt, dass der Zusammenhalt in der Familie in der Schweiz höher ist als in Deutschland. Dennoch auch in der Schweiz leben Ehemänner und Väter extrem gefährlich.
Auf solche (Ehe-) Geschäfte lasse ich mich nicht ein, weil sie so einseitig sind, dass es fast schon dumm und naiv ist in Mitteleuropa und in vielen anderen Ländern zu heiraten. Wer sich mal die Geschichten von älteren Männern, Freunden oder vielleicht jemand in der Familie anhört, der müsste schockiert sein. Und nein, solche Bedingungen sind nicht normal. Das hat mit Gleichberechtigung gar nix zu tun. Es gibt auch andere Länder und in vielen werden Frauen nicht so heftig übervorteilt. Also auswandern ist wohl die beste Möglichkeit oder man baut eine Familie ausserhalb der EU auf und arbeitet aber weiter innerhalb der EU, so kann man juristisch auch abgesichert sein.

Das ist ein riesiger Themenkomplex, wer mehr darüber lesen will:
https://www.trennungsfaq.com/

Evil
28.06.2019, 04:43
Na, dann schnapp Dir mal rasch Deine Keule und Deinen Speer und such Dir im Ausland eine Höhle, in der Du für Recht und Ordnung sorgen kannst! Schönes Restleben dann noch!