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davo
04.07.2019, 09:08
Ich habe es auf der Stufe unter Oberarzt selbst noch nie erlebt, dass man das Gehalt frei verhandeln kann, gerade das soll ja m.E. ein Tarifvertrag verhindern.

Eigentlich sollte ein Tarifvertrag die Arbeitnehmer nach unten hin absichern. Aber bei deutschen Ärzten ist die kuriose Situation entstanden, dass die Tarifverträge zur Zeit eher dafür sorgen, dass sich die Arbeitgeber viel Geld sparen, weil viele Ärzte nie gelernt haben, zu verhandeln.

Kackbratze
04.07.2019, 09:29
...und dann reiben sich die Politiker und Verbandvertreter verwundert die Augen, warum bloss dieses gelobte Land so häufig von Ärzten verlassen wird.

tarumo
04.07.2019, 09:58
Aber bei deutschen Ärzten ist die kuriose Situation entstanden, dass die Tarifverträge zur Zeit eher dafür sorgen, dass sich die Arbeitgeber viel Geld sparen, weil viele Ärzte nie gelernt haben, zu verhandeln.
Das ist nicht "entstanden", sondern genauso gewollt. Und zwar seit Jahrzehnten. Ganz aktuell versucht man ja, die eh schon lasche Anerkennung von Nicht-EU-Abschlüssen noch weiter aufzuweichen, mit MB und NRW als Vorreiter. Und die neuen einnsfuffzich Vergütungzuschlag für Nachtdienste sehen auch nicht so aus, als habe man vor, hier gundlegend was zu ändern (dabei hat sich die Arbeitsbelastung gerade im Dienst die letzten 10 Jahre mehr als verdoppelt). Und die Forderung nach einem bezahlten PJ wird gerade wieder aus Studentenkreisen gestellt, und nicht etwa von "Ärztevertretern" oder den ewig "gerechtigkeitsbeschwörenden" Politikern.
Nachdem es jetzt so aussieht, daß der Spahnsinnige der Nachfolger von Flintenuschi wird, werden noch Wetten angenommen, ob Propellerkalle oder die CDU-"Gesundheitsexpertin" mit Doppelnamen, dafür aber ohne Berufs- oder Studienabschluss , hier die Nachfolge antreten. Besser wird es sicher nicht...

Silent1
04.07.2019, 10:43
Ich seh schon, ich werd mich dann hier wieder melden, wenn ich das genaue Dienstmodell kenne. Haben die dafür einen Vordruck, den ich mir mitnehmen kann? Im Internet steht sowas ja nicht...ich möchte mir das zu Hause in Ruhe einfach nochmal durchlesen, weil das Vorstellungsgespräch eh etwas stressig ist und ich mir dann nicht jedes Detail merken kann, wie was genau vergütet wird.

tarumo
04.07.2019, 10:54
Welches Dienstmodell und die Stufe - sollte der CA oder wenigstens der OA wissen. In den meisten Häusern bekommt man einen der MB-Standardtarifverträge vorgelegt, die sind zwar bisweilen inhaltlich fragwürdig, aber juritisch nicht zu hinterfragen...die Mühe muß man sich nicht machen.
Das eigentlich Wichtige ist doch, wie es in der Realität gehandhabt wird (Papier ist geduldig)- deswegen sind Gespräche mit den möglichen Kollegen so wichtig. Und wenn man mit mehr als einem spricht, reduziert sich auch die Gefahr, auf einen Blender reinzufallen.

Silent1
04.07.2019, 12:19
ich kenne aber keinen der Assistenten...

tarumo
04.07.2019, 12:32
ich kenne aber keinen der Assistenten...

Abteilung vorher nicht gesehen? Sollte eigentlich Standard sein. Wenn der CA mir die zukünftigen Kollegen nicht vorstellen will, wäre es für mich schon ein Alarmzeichen...

rafiki
04.07.2019, 13:02
Wer ist denn Propellerkalle?

tarumo
04.07.2019, 13:53
Wer ist denn Propellerkalle?

Der Spitzname für einen der maßgeblichen GroKo-Gesundheitspolitiker heutzutage und gleichzeitig Klinikkettenlobbyist. Dauerpräsent im TV. Angehörig einer baldigen Splitterpartei, Erkennungszeichen neben Hitlerfrisur eine Fliege bzw. "Propeller"...

Silent1
04.07.2019, 14:17
Abteilung vorher nicht gesehen? Sollte eigentlich Standard sein. Wenn der CA mir die zukünftigen Kollegen nicht vorstellen will, wäre es für mich schon ein Alarmzeichen...

warum? beim Gespräch sind höchstens die OÄ dabei und selbst wenn man einem Assistenten vorgestellt wird...meinst du ernsthaft, dass ich ihn/sie gleich bzgl. der Tarife ausquetsche?

tarumo
04.07.2019, 14:50
warum? beim Gespräch sind höchstens die OÄ dabei und selbst wenn man einem Assistenten vorgestellt wird...meinst du ernsthaft, dass ich ihn/sie gleich bzgl. der Tarife ausquetsche?

Der CA und die OÄ können eh nichts ändern an den Tarifen. Aber die Einstufung, Arbeitsbelastung usw... erfährt man am ehesten von den WBA. Einmal die Abteilung zeigen gehört doch zum guten Ton. Und wenn nicht vom CA angeboten- dann ruhig nachfragen. Zeugt von Interesse. Oder ist das Dein allererstes Vorstellungsgespräch?

Edit: ich meine die Diensteinstufung. Die wird normalerweise mit Buchstaben bezeichnet und erst später laut Tarif, sprich in Geld umgerechnet. Und natürlich ist es wichtig, wieviel Arbeit pro Stufe anfällt...
Sollte eigentlich jeder beantworten könne, der Dienste macht, und ist auch völlig legitim, das zu erfragen. Und zwar primär von den WBA und nicht CA/OA.

Silent1
04.07.2019, 16:20
ich verstehe das ganze mit den stufen irgendwie nicht. kann mir das jemand erklären?

Feuerblick
04.07.2019, 16:38
*seufz* Boardsuche würde dir helfen, aber meinetwegen...
Bereitschaftsdienste (d.h. die Dienste, bei denen du in der Klinik hockst und auf Kunden wartest) sind je nach Arbeitsauslastung in Stufen eingeteilt und werden entsprechend vergütet/berechnet. Abteilungen, bei denen im Dienst tote Hose ist, werden natürlich in eine niedrigere Stufe eingeteilt (und erhalten damit weniger Geld/Stunden), Abteilungen mit hohem Durchlauf erhalten eine Einstufung in eine höhere Gruppe.
Ich empfehle die Lektüre einschlägiger Tarifverträge, die man ergoogeln kann. Da steht das drin.

Und ja, natürlich möchtest du die Abteilung kennenlernen, herumgeführt werden und auch Assis kennenlernen. Und NATÜRLICH fragst du die über Arbeitsbedingungen, Überstunden, Häufigkeit von Diensten, Bereitschaftsdienststufe etc aus. WEN DEN SONST????
Mach dir eins bewusst: Du bist kein Bittsteller. Du stellst dich vor und die Abteilung stellt sich vor.

anignu
04.07.2019, 19:45
Welches Dienstmodell und die Stufe - sollte der CA oder wenigstens der OA wissen.
Mein Chef hat keine Ahnung. Interessiert ihn nicht. Hat einmal einer Bewerberin irgendwas erzählt, die hat mich danach ausgefragt und von mir andere Dinge erzählt bekommen. Sie meinte "das hat der Chef aber anders gesagt" und ich hab ihr erklärt, dass der Chef davon einfach keine Ahnung hat und ihr die Dienstpläne der letzten Monate gezeigt und wir haben mal durchgezählt...

Und ja, natürlich möchtest du die Abteilung kennenlernen, herumgeführt werden und auch Assis kennenlernen. Und NATÜRLICH fragst du die über Arbeitsbedingungen, Überstunden, Häufigkeit von Diensten, Bereitschaftsdienststufe etc aus. WEN DEN SONST????
Genau: frag die Assistenten. Frag die wie die WEiterbildung ist. Der Chef wird immer sagen "die Weiterbildung ist toll". Er kann ja gar nichts anderes sagen. Aber frag mal einen der schon 5 Jahre WBA im Haus ist: hat er seine Rotationen? Hat er die Intensivzeit? Wieviel ist er im OP/Funktion? etc. Aus Sicht des Chefs ist immer alles toll. Muss ja auch so sein...

agouti_lilac
05.07.2019, 09:23
Aber es ist halt die Frage, wann man einen Assistenten fragen kann! Wenn der Chef ihn über die Station führt, dann wird der Assi im 4. WBJ sich hüten, offen die negativen Seiten darstellen.

Das wäre im Rahmen einer Hospitation deutlich einfacher.

Feuerblick
05.07.2019, 09:33
...weshalb man ja hospitieren sollte.
Wobei meine sämtlichen Klinikführungen immer von einem Assistenten oder Assistentensprecher und ohne jegliche Führungsetage durchgeführt wurden. Die Chefs hatten für sowas günstigerweise keine Zeit. Da konnte man prima den potentiellen Kollegen ausquetschen.

tarumo
05.07.2019, 09:33
Aber es ist halt die Frage, wann man einen Assistenten fragen kann! Wenn der Chef ihn über die Station führt, dann wird der Assi im 4. WBJ sich hüten, offen die negativen Seiten darstellen.


Natürlich nicht. Man kann das ganze auch in unverfängliche Fragen kleiden. Und natürlich mehrere fragen...

Federgt
05.07.2019, 13:26
Na ja, wenn der Tarifvertrag unter dem "Marktwert" abgeschlossen wurde und im wesentlichen nur noch attraktiv für nicht EU-Ausländer mit eingeschränkter Berufserlaubnis (..keine Dienste, keine Fachkunde etc...) ist, kommt dann sowas heraus. Neben Hochstufung (z.B. wenn eine Fachkunde oder "Dienstreife" schon vorliegt) kann man u.a. verhandeln: Entfristung, kostenfreies Wohnen, Umzugsprämie etc. Bei sowas tun sich die AG leichter, weil ein übertarifliches Gehalt im Betriebsrat durchgewunken werden müßte und das ist u.U. schwierig.
Poolbeteiligung ist "eigentlich" nicht verhandelbar, wenn im Gesetz des jeweiligen Bundeslandes festgeschrieben, dazu legen die MB-Tarifverträge auch fest, daß alle nachgeordneten Ärzte zu beteiligen sind und nicht nur OA. Die Höhe der Poolbeteiligung kann aber durchaus als Maß der Wertschätzung oder indirekte Gehaltsaufstockung herhalten...
Noch gefunden:
https://www.mt.de/lokales/regionales/22492086_Kopfgeld-OWL-Kliniken-werben-sich-Aerzte-gegenseitig-mit-Fangpraemien-ab.html
Hier ist die Rede vom bis zu vierfachen Tarifgehalt als VHB, vmtl. aber auf FA-Basis.

Nichts für ungut, man muss aber auch den Willen haben und selbstbewusst sein. Ich habe eine nicht gerade kleine Prozentzahl rausgehandelt, als anbsoluter Anfänger. Ist Uni, ich finde das Team klasse. Man muss seinen eigenen Wert kennen.

In jedem meiner Bewerbungsgespräche habe ich nach der Poolbeteiligung gefragt, jeder hat anders reagiert, aber keiner pampig.

Aber Leute, wacht auf. Je nach Fachgebiet und außerhalb der beliebten Städte sucht JEDES Haus früher oder später. Und in der "freien" Wirtschaft wird auch verhandelt, sogar als Anfänger. Wenn jemand sich daran stößt, würde ich mich Fragen ob man diese Person als Chef haben will.

Cingulum123
05.07.2019, 14:04
In meiner Klinik haben die Chefärzte da nicht wirklich viel zu sagen. Die Geschäftsführung entscheidet über Bewilligung von Stellen. Oft werden im Rahmen von absurden Sparplänen nicht mal die bewilligt. Eine Diskussion über übertarifliches Gehalt kann ich mir da beim besten Willen nicht vorstellen. Allerdings hat die Klinik, abgesehen von der Chirurgie auch Bewerber en masse.

Federgt
05.07.2019, 14:13
In meiner Klinik haben die Chefärzte da nicht wirklich viel zu sagen. Die Geschäftsführung entscheidet über Bewilligung von Stellen. Oft werden im Rahmen von absurden Sparplänen nicht mal die bewilligt. Eine Diskussion über übertarifliches Gehalt kann ich mir da beim besten Willen nicht vorstellen. Allerdings hat die Klinik, abgesehen von der Chirurgie auch Bewerber en masse.

Auch dein Chefarzt wird Privatliquidationen haben. Klar, gibt er die nicht gerne ab, aber so ist das halt. Es gibt inzwischen natürlich sogar Chefärzte, die nur ein Boni vereinbahrt haben, und dafür auf die Privateinahmen verzichten. Die sind wiederum selbst schuld mMn.

Wenn die Klinik sich die Bewerber aussuchen kann, dann ist es ein Glücksfall für die. Wenn Sie gute Bewerber aber bei den von dir genannten "absurden Sparplänen" halten möchte, wird das in Zukunft auch schwierig. Wobei das auch nur ne Vermutung von mir ist, bin immer wieder erstaunt wie viele Ärzte schlecht mit sich umgehen lassen und dann noch nichtmal mehr Geld wollen/ sich umschauen. Die miesen Abteilungen bekommen genau deswegen trotz Mangel doch noch Leute, obwohl es 20 km weiter deutlich besser abläuft.

Ich sehe das so: ich arbeite überdurchschnittlich hart am UK, also muss auch über dem Durchschnitt kompensiert werden. Dabei rede ich noch nicht von Überstunden, das steht nochmal auf einem anderen Blatt. Es geht um die reine Arbeitsverdichtung, die seit Jahren voranschreitet. Wenn man da nicht sagt: ich verdiene mehr, bekommt man auch nicht mehr.