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FirebirdUSA
25.09.2020, 23:25
In der Regel passiert die Forschung in deiner Freizeit, selbst wenn du relativ großzügig freigestellt wirst verlangt es meist mehr Flexibilität und Einsatz als schon der "normale" Arztberuf mit sich bringt.
Das macht man entweder weil es einem Spass macht, für die Karriere oder fürs Ego. Gerne auch Mischung davon, je nach Wichtung dauert es meist länger oder kürzer...
Ja ich bin an einer Uni

mbs
26.09.2020, 00:59
Betreibst du "nebenbei" oder auch längere Zeit freigestellt Forschung? Und hast du schon früh damit angefangen oder erst nach mehreren Jahren im Beruf?

Was sind denn so deine Erfahrungen, ab wann ist es "zu spät"? Hast du Kollegen die spät eingestiegen sind und aus denen trotzdem noch was geworden ist? Oder kann man sagen, dass es sich irgendwann nicht mehr lohnt bzw. man dann auch gar nicht mehr wirklich gefördert wird? (Letzteres ist vermutlich der springende Punkt)

Momentan ist leider in meinem Fachgebiet übrigens an den Unikliniken (und ich habe bei vielen die Stellenangebote durchgesehen) fast nichts ausgeschrieben...was es nochmal um einiges schwieriger machen würde.

ninakatharina
26.09.2020, 06:20
Meine Klinik würde nur im äußersten Notfall ausschreiben... Oder bewirbst du dich als Facharzt mit Subspezialisierung?

Wir erhalten hier schon Freistellungen (dafür muss man Ausschreibungen studieren, Prüfplane und Bewerbungen schreiben, ist natürlich Aufwand und klappt auch nicht immer, dann fängt man bei der nächsten Stiftung o.ä. von vorn an...), aber das läuft natürlich dann auch nur begrenzte Zeit, ein Jahr oder 1.5. Und irgendwann "muss" man dann halt auch wieder zurück in die Klinik und dann macht man seine Projekte nebenher weiter.
Ich kenne hier in der Klinik keinen, der nicht schon in der Weiterbildungszeit zumindest ein bisschen was forschungsmässig nebenher macht oder andere wichtige Aufgaben (beispielsweise in der Befundung, in meinem Fach hat man einiges an eigener Diagnostik in der Klinik). Der eine oder andere hat sich sugar noch vor der Subspezialisierung habilitiert, aber das sind jetzt nicht direkt Kollegen, die durch besondere Kollegialität oder Leistungen in der Klinik herausstechen würden. Erwartet wird es hier nicht, dass man sich zum Beispiel bis zum Facharzt habilitiert und es gibt zumindest aktuell noch auch nicht habilitierte Oberärzte (die alle extrem gute Kliniker sind!) Aber es wird erwartet, dass man kontinuierlich was tut.

Jule-Aline
26.09.2020, 11:44
Ninakatharina, welche Fachrichtung machst du? Also bei meinem Partner, Uni, wird vom Chef Forschung erwartet. Er möchte schon die Leute 1/2-1 Jahr freistellen. Nur bei dünner Besetzung ist das schwierig. Und ja, auch von Fachärzten wird das erwartet wenn sie vorher nichts gemacht haben ( soviel zum Thema später Einstieg).
In anderen Abteilungen gilt : Viel Forschung, viele Paper= großzügige Rotation in die Funktionen. Das gilt für Kardio, Gastro und auch Allgemeinchirurgie

ninakatharina
26.09.2020, 13:32
Ich bin in der Häma. Wie gesagt, wir müssen schon auch was tun. Aber es ist auch wichtig, dass man sich klinisch gut weiterbildet und es wird akzeptiert, dass das Zeit kostet. Und dass man auch eine Familie hat usw.
Bei unseren jungen Gastroenterologen (gleiche Klinik, aber anderer Chef) weht ein anderer Wind...

schnix25
26.09.2020, 14:27
Insgesamt ist diese Zeit des "Forschungszwangs" aber auch an den Unis vorbei. Ich kenne niemanden, dessen Vertrag als Assistent nicht verlängert wurde, weil keine Forschung gemacht wurde. Selbst an renommierten Unis wird es geduldet, wenn Assistenten keine Forschung machen, iwer muss schließlich noch die Alltagsarbeit machen (mit Ausnahme von vllt einzelnen Abteilungen). Eine Oberarzt Stelle ohne Habil zu bekommen wird zwar je nach Fach schwieriger, aber man muss sich nur mal umgucken auf den Uniseiten. Da gibt es zig Oberärzte ohne Habil.

mbs
27.09.2020, 01:55
Kann man also davon ausgehen dass nur weil eine Uniklinik keine Stelle ausgeschrieben hat das noch lange nicht heißt dass man keine Chance hat weil nichts frei ist? Manche Stellen sind auf deren Internetseite ja durchaus ausgeschrieben...nach welchen Kriterien entscheidet sich denn ob eine Stelle ausgeschrieben wird oder nicht?

Hab übrigens den Link gefunden an dem eine kurze Übersicht gegeben wird wie unterschiedlich die Kriterien der einzelnen Unis sind: http://www.laborjournal-archiv.de/epaper/LJ_17_11/18/

Finde das schon ziemlich krass, eine verlangt nur 5, andere 15 Publikationen - ob das jedoch heißt dass letztere dreimal so aufwändig ist sei mal dahingestellt - aus der Auflistung geht ja noch nicht hervor welche Kriterien eine Publikation erfüllen muss um da reinzuzählen. Vielleicht ist die mit den 5 deutlich strenger als die mit den 15 - das geht daraus ja nicht hervor. Und es gibt vermutlich keine Möglichkeit das irgendwie vorher rauszufinden. Man merkt es vermutlich erst wenn man schon jahrelang wo arbeitet und sich anmelden will.

Eine Vereinheitlichung wäre - wie bei allem - da schon sehr gut. Nur scheint so was in Deutschland ja grundsätzlich unmöglich zu sein...

anignu
27.09.2020, 02:41
Kann man also davon ausgehen dass nur weil eine Uniklinik keine Stelle ausgeschrieben hat das noch lange nicht heißt dass man keine Chance hat weil nichts frei ist? Manche Stellen sind auf deren Internetseite ja durchaus ausgeschrieben...nach welchen Kriterien entscheidet sich denn ob eine Stelle ausgeschrieben wird oder nicht?
Als Bewohner eines beliebten Gebiets kann ich sagen, dass es eine gewisse Politik gibt nicht auszuschreiben um sich nicht die Blöße zu geben, dass man nicht genug Initiativbewerbungen hat. Jeder der ausgeschrieben hat wurde schief angeschaut nach dem Motto "oh gott, wie schlecht muss es denen gehen dass die keine Bewerber haben". War in den letzten Jahren so. Die Zeiten ändern sich. Aber die Frage ist ob sich die Ausschreibungspolitik ändert....

http://www.laborjournal-archiv.de/epaper/LJ_17_11/18/
Auch wenn bei dem Link die offiziellen Bedingungen stehen. Nur weil man dann ... Publikationen hat ist man noch lange nicht habilitiert. Trotzdem braucht es jemanden der einen unterstützt aus der Uni etc...

Eine Vereinheitlichung wäre - wie bei allem - da schon sehr gut. Nur scheint so was in Deutschland ja grundsätzlich unmöglich zu sein...
Mei, Stammesfürstentum und so.

ninakatharina
27.09.2020, 06:44
Als Bewohner eines beliebten Gebiets kann ich sagen, dass es eine gewisse Politik gibt nicht auszuschreiben um sich nicht die Blöße zu geben, dass man nicht genug Initiativbewerbungen hat. Jeder der ausgeschrieben hat wurde schief angeschaut nach dem Motto "oh gott, wie schlecht muss es denen gehen dass die keine Bewerber haben". War in den letzten Jahren so. Die Zeiten ändern sich. Aber die Frage ist ob sich die Ausschreibungspolitik ändert....


Same here. Im Moment gibt's bei uns aber tatsächlich keine offenen Stellen, wir haben einige zu viel, da gewisse Neueröffnungen von Bereichen verschoben worden sind... Aber das ändert sich ja auch binnen Monaten wieder.
Hier braucht es 6 Vollpublikationen als Erst oder Letztautor (keine Kasuistik en, Reviews nur zum Teil), einen Didaktikkurs und Nachweis von XY Stunden Lehre und noch ein paar andere Kleinigkeiten, das hat man schon gut zu tun finde ich, neben der Patientenversorgung, die ja auch zuweilen mehr als 100 % der Arbeitszeit beansprucht, und da hat man ja auch einen gewissen Anspruch sich zu verbessern, Dinge nachzulesen usw.

tragezwerg
27.09.2020, 09:17
Initiativbewerbungen sind ein Muss! Stellenausschreibungen werden häufig aus politischen Gründen nicht gemacht, oder weil es Geld kostet irgendwo zu inserieren, oder "weil doch eh jeder weiß, dass überall Stellen frei sind, blabla".
Und forschen ist je nach Abteilung kein Muss. Ich arbeite seit 8+ Jahren an der Uni und hab noch nie irgendwas geforscht. Auch einige meiner Oberärzte sind ohne Forschung unterwegs, habilitiert sind maximal die Hälfte. Unterm Strich braucht es ja auch keine Habil, wenn man Assistenten ausbilden und den Alltagsbetrieb am Laufen halten muss. Dafür ist der akademische Kram schlichtweg Vergeudung von Lebenszeit.

freak1
27.09.2020, 10:06
Man muss sich an der Uni aber klar sein, dass die Leute, die forschen, entsprechend gefördert und bevorzugt werden. Bezahlte Kongressfahrten, Freistellung für Forschung, Liebling vom Chef etc hängt dort fast immer an der Forschungstätigkeit.

tragezwerg
27.09.2020, 10:48
Man muss sich an der Uni aber klar sein, dass die Leute, die forschen, entsprechend gefördert und bevorzugt werden. Bezahlte Kongressfahrten, Freistellung für Forschung, Liebling vom Chef etc hängt dort fast immer an der Forschungstätigkeit.

Klar, das kann je nach Chef so sein.
Die Problematik war bei mir persönlich nie so richtig relevant, mit zwei X-Chromosomen und Kindern ist Karriere ohnehin eine unerreichbare Utopie.

daCapo
27.09.2020, 12:10
Insgesamt ist diese Zeit des "Forschungszwangs" aber auch an den Unis vorbei. Ich kenne niemanden, dessen Vertrag als Assistent nicht verlängert wurde, weil keine Forschung gemacht wurde. Selbst an renommierten Unis wird es geduldet, wenn Assistenten keine Forschung machen, iwer muss schließlich noch die Alltagsarbeit machen (mit Ausnahme von vllt einzelnen Abteilungen). Eine Oberarzt Stelle ohne Habil zu bekommen wird zwar je nach Fach schwieriger, aber man muss sich nur mal umgucken auf den Uniseiten. Da gibt es zig Oberärzte ohne Habil.

Achso? Also vor einigen Jahren war das ein guter Grund nicht zu verlängern (mehrfach gesehen), kenne da einige Beispiele aus der Radiologie mit 1- und 2-Jahresverträgen. Kann natürlich auch vorgeschoben gewesen sein, weil man andere Leute wollte.


Als Bewohner eines beliebten Gebiets kann ich sagen, dass es eine gewisse Politik gibt nicht auszuschreiben um sich nicht die Blöße zu geben, dass man nicht genug Initiativbewerbungen hat. Jeder der ausgeschrieben hat wurde schief angeschaut nach dem Motto "oh gott, wie schlecht muss es denen gehen dass die keine Bewerber haben". War in den letzten Jahren so. Die Zeiten ändern sich. Aber die Frage ist ob sich die Ausschreibungspolitik ändert....


Das stimmt, kostet auch einige Hundert Euro so eine Ausschreibung, und man muss auch noch die ganzen Leute einladen. Manche haben auch eine Dauerausschreibung auf ihrer Webseite (kostet nix), damit sich immer mal wieder jmd. bewirbt.

mbs
27.09.2020, 19:00
Danke für den Tipp mit den Initiativbewerbungen; werde mich auf jeden Fall mal umschauen was in Frage kommt. Mehr als absagen können die ja im Grunde auch nicht.

Und klar, der Link vermittelt gerade mal einen Überblick, Details wie welche Publikationen "anerkannt" werden sind da ja nicht weiter ausgeführt. Wenn jemand hinter einem steht kann das ja auch positiv zählen...unter Umständen wird bei jemandem mit Mentor großzügiger geurteilt - oder täusche ich mich?

Das einzige was mich von Unikliniken abgeschreckt hat ist das Gerücht, dass man da angeblich schlecht oder teilweise sogar fast nicht operativ ausgebildet würde als Assistent...wobei ich da bei Kursen mittlerweile auch schon andere Erfahrungen gehört habe. Ist vermutlich wie immer vom konkreten Haus abhängig. Und davon wie man mit den Vorgesetzten klarkommt.

daCapo
28.09.2020, 20:19
Danke für den Tipp mit den Initiativbewerbungen; werde mich auf jeden Fall mal umschauen was in Frage kommt. Mehr als absagen können die ja im Grunde auch nicht.
.

Das ist grundsätzlich bei allen möglichen Jobs so. Wenn man sich garnicht erst bewirbt, hat man keine Chance.

mbs
28.09.2020, 22:14
Man weiß nur leider immer letztlich auch viel zu wenig über die Rahmenbedingungen - das ist nicht nur bei der Auflistung die ich verlinkt habe so. Eigentlich hat man nie genug Informationen.

Aber wenn schon Uniklinik dann wäre es natürlich besser wenn die Hab.ordung es entsprechend hergeben würde dass eine zeitnahe Erreichung des Ziels möglich ist - das spielt schon eine Rolle wenn man erst nach einiger Zeit im Beruf damit anfängt.

Kann jemand da denn einen eher "günstigen" Ort konkret empfehlen wo einem weniger Steine in den Weg gelegt werden? Oder eine allgemeinchirurgische Abteilung die Späteinstiegern gegenüber "wohlgesonnener" ist und da bessere Bedingungen bietet?

freak1
28.09.2020, 22:39
Heidelberg... Gerüchten zu Folge 2 Jahre nach Habil zum APL.

daCapo
29.09.2020, 00:18
Heidelberg... Gerüchten zu Folge 2 Jahre nach Habil zum APL.

Je nach Fach oder?
Grundsätzlich sind Heidelberg/Tübingen Forschungsmühlen, eher schwierig dort keine Forschung zu machen:-dance

mbs
29.09.2020, 17:52
Wobei man da laut diesem Link wohl gar nicht so wenige Publikationen braucht...aber vielleicht werden die Leute liberaler als Coautoren irgendwo draufgesetzt wo sie vielleicht gar nicht so intensiv beteiligt waren. Kann mir nur schwer vorstellen dass das geht wenn man niemanden hat der einen fördert.
Vermutlich muss einfach jemand Wichtiges entscheiden dass man zu den "Auserwählten" gehört und dann nehmen die Dinge fast automatisch ihren Lauf. Die Frage ist nur, ob oder wie man sich als "Quereinsteiger" mit vorhandener Berufserfahrung an anderen Häusern dafür "qualifiziert" - ob so was überhaupt realistisch wäre.

ninakatharina
29.09.2020, 18:27
Irgendwo drauf gesetzt werden nützt dir für die habil i.d
R. nix.