PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Lohndumping durch Möchtegernärzte



Seiten : 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 [11] 12 13 14 15

Christoph_A
04.12.2020, 12:18
Andererseits stellt sich halt die Frage, was so ein PA in 3 Jahren Pseudostudium lernen soll, um dann Blut abzunehmen und eine Anamnese zu betreiben, das kann ich auch einem entsprechend motivierten Pfleger lernen, ohne wieder einen Pseudoakademiker Bäpschler zu züchten. Irgendwas wird man den PA dann also anbieten müssen, daß sich ihr Studium für sie auch rentiert, was über Hilfstätigkeiten hinaus geht. Und da fängt dann ganz schnell das Kompetenzgerangel an.
Am konsequentesten entlastet man meiner Meinung nach die Kollegen mit flächendeckendem Einsatz von Stationssekretärinnen und Codierassistenten. Diese Schaffung von Pseudoakademikern nach dem Vorbild der angloamerikanischen Länder bringt da nicht die Welt.

Christoph_A
04.12.2020, 12:21
Wenn die ÄK nicht sanktioniert (was sie erfahrungsgemäß nie macht), dann machen das eben die WBA. Kein guter Bewerber geht mehr an eine solche Klinik, das ist für die Kliniken mittelfristig eine Katastrophe. Ich bin mir aber auch nicht so sicher, ob die ÄK so richtig auf die Probe gestellt worden. Bislang dürfte es Beschwerden bzgl. mangelnder Weiterbildung kaum gegeben haben, da die WBA das geschlossen nicht hinkriegen. Und wenn, dann sind es ja eh nur "Einzelfälle".

Und mehr wird auch nie passieren........Revolutionsträume in der deutschen Medizin sind fast schon süß, hat sogar beim AIP damals Jahre gedauert, bis sich der Unmut wirklich Bahn gebrochen hat und das ist mit der Kritik an WB Inhalten nicht nur ansatzweise vergleichbar.

davo
04.12.2020, 12:23
Der deutsche PA hat allerdings mit dem amerikanischen PA überhaupt nichts zu tun. Kann man in Sachen Ausbildungsniveau und Tätigkeitsprofil überhaupt nicht miteinander vergleichen.

Dass niedergelassene Ärzte gerne PAs anstellen würden, ist logisch. Die VERAHs tragen ja auch ordentlich zur Gewinnsteigerung bei. Für uns Ärzte sind PAs keine Bedrohung sondern eine Chance.

Mr. Pink online
04.12.2020, 12:43
Die "Akademisierung" von ehemals gut strukturierten Ausbildungsberufen ist leider ein zunehmender Trend und folgt eher dem Angebot/Nachfrage-Prinzip als dem Anspruch etwas nachhaltig zu verbessern. Mit der Zunahme der Abiturientenquote ist in den letzten Jahrzehnten auch die Nachfrage nach Hochschulabschlüssen exponentiell gestiegen. Das ist wie gesagt ein generelles Problem. Seitdem gibt es Studiengänge für jeden "Dingsbums" und gleichzeitig leidet das Handwerk und letztlich auch die Pflege unter Bewerbermangel. Die Einführung von PA ist vermutlich ein Versuch dem zumindest teilweise zu begegnen. In Ländern in denen Pflege ein "Studium" ist, wird der Berufsstand tatsächlich auch mehr wertgeschätzt, obwohl faktisch kein Unterschied in den Tätigkeitsinhalten liegt.

Christoph_A
04.12.2020, 12:47
Der deutsche PA hat allerdings mit dem amerikanischen PA überhaupt nichts zu tun. Kann man in Sachen Ausbildungsniveau und Tätigkeitsprofil überhaupt nicht miteinander vergleichen.

Dass niedergelassene Ärzte gerne PAs anstellen würden, ist logisch. Die VERAHs tragen ja auch ordentlich zur Gewinnsteigerung bei. Für uns Ärzte sind PAs keine Bedrohung sondern eine Chance.

Für Dich und für mich nicht, ob man das allerdings gleich so pauschalisieren muß, sei dahingestellt.
In den Staaten sind die PAs ja gerade im ländlichen raum allerdings auch in die Kritik geraten, siehe frühere Posts hier.
P.s.: Ich brauche keinen PA für meine Praxis, allerdings würde ich meine Codierexperten nicht für viel Geld hergeben. Die werden gehegt und gepflegt.

Christoph_A
04.12.2020, 12:49
Die "Akademisierung" von ehemals gut strukturierten Ausbildungsberufen ist leider ein zunehmender Trend und folgt eher dem Angebot/Nachfrage-Prinzip als dem Anspruch etwas nachhaltig zu verbessern. Mit der Zunahme der Abiturientenquote ist in den letzten Jahrzehnten auch die Nachfrage nach Hochschulabschlüssen exponentiell gestiegen. Das ist wie gesagt ein generelles Problem. Seitdem gibt es Studiengänge für jeden "Dingsbums" und gleichzeitig leidet das Handwerk und letztlich auch die Pflege unter Bewerbermangel. Die Einführung von PA ist vermutlich ein Versuch dem zumindest teilweise zu begegnen. In Ländern in denen Pflege ein "Studium" ist, wird der Berufsstand tatsächlich auch mehr wertgeschätzt, obwohl faktisch kein Unterschied in den Tätigkeitsinhalten liegt.

Und schon sind wir einer Meinung. Dieser Mist mit künstlicher Entwertung des Abiturs und konsekutiver Pseudoakademisierung mittels 1 Mio Bäpschler nach Bologna Modell ist und bleibt ein Holzweg.

davo
04.12.2020, 13:08
Kurzer Exkurs bzgl. PAs in den USA:


In den Staaten sind die PAs ja gerade im ländlichen raum allerdings auch in die Kritik geraten, siehe frühere Posts hier.

Das sind IMHO radikale Einzelmeinungen. (Was man auch gut daran merkt, wie hysterisch die Links, die hier gepostet wurden, waren.) Die Mehrheit der amerikanischen Ärzte sieht IMHO weder in PAs noch in NPs eine Konkurrenz, hat weder mit PAs noch mit NPs ein Problem. Aber die amerikanische Arbeitswelt lässt sich halt auch nur schwer mit der deutschen vergleichen. Die Knappheit der Ärzte führt dort viel eher als in Deutschland zu Einkommenssteigerungen. Aber dort verdient man halt auch als NP so viel wie in Deutschland als FA. In Deutschland dominiert halt leider das Denken in Tarifverträgen - was Krankenhäusern sehr nützt, aber Ärzten sehr schadet.

Zurück zum Thema PAs in Deutschland:

Ich denk mir halt, dass man als Ärzteschaft eher daran arbeiten sollte, solche Berufe so zu formen, dass sie einem nützen können. Beruflich und natürlich auch finanziell. Statt entweder (fast) gar nicht an ihrer Entstehung mitzuarbeiten (wie es bei den PAs in Deutschland bisher der Fall war) oder auf Totalopposition zu setzen (wie es bei manchen Usern in diesem Thread der Fall ist).

Meines Erachtens gibt es bisher, um auf den Beitrag von Mr. Pink zurückzukommen, kaum Nachfrage seitens der Pflege hinsichtlich PAs. Da geht es IMHO eher darum, dass sich einzelne Hochschulen profilieren wollen, dass v.a. mehrere private Hochschulen damit gut Geld machen wollen. Die Pflege ist ja nicht doof, die weiß, dass das Gehalt viel wichtiger als die Frage nach Bachelor ja/nein ist.

Die Akademisierung dieser Berufe geht IMHO v.a. auf (private) Hochschulen und Politik zurück, nicht auf die Betreffenden selbst.

Mr. Pink online
04.12.2020, 13:24
Meines Erachtens gibt es bisher, um auf den Beitrag von Mr. Pink zurückzukommen, kaum Nachfrage seitens der Pflege hinsichtlich PAs. Da geht es IMHO eher darum, dass sich einzelne Hochschulen profilieren wollen, dass v.a. mehrere private Hochschulen damit gut Geld machen wollen. Die Pflege ist ja nicht doof, die weiß, dass das Gehalt viel wichtiger als die Frage nach Bachelor ja/nein ist.

Die Akademisierung dieser Berufe geht IMHO v.a. auf (private) Hochschulen und Politik zurück, nicht auf die Betreffenden selbst.

Ich sage ja auch nicht, dass es Nachfrage von Seite der Pflege gibt, sondern, dass wir Ärzte gerne einen guten Teil unserer semi-professionellen Arbeitsaufgaben an jemand anderen wegturfen würden. Häufig ja gerne an Pflege (siehe Blutentnahmen, EKG usw). Insgesamt mangelt es im Gesundheitssystem an "Handlangern" denen man diese Aufgaben zudelegieren kann. PA wären da optimal. Letztlich werden die trotzdem mehr pflegerische, als ärztliche Aufgaben am Ende übernehmen, denn dort besteht eher ein Mangel.

Dass Hochschulen sich freuen, jetzt vermutlich auch noch kostenpflichtig einen neuen Studiengang anbieten zu können ist klar.

Mr. Pink online
04.12.2020, 13:35
Btw so war es ja auch mit den Pflegewissenschaften. Ich war an der Uniklinik und am Maximalversorger, es gab nirgends eine Schlüsselposition, wo ich diese Leute gesehen hätte. Letztlich sollte sich sowas schließlich auch finanziell widerspiegeln, sonst ergibt es keinen Sinn.

Christoph_A
04.12.2020, 13:41
Kurzer Exkurs bzgl. PAs in den USA:



Das sind IMHO radikale Einzelmeinungen. (Was man auch gut daran merkt, wie hysterisch die Links, die hier gepostet wurden, waren.) Die Mehrheit der amerikanischen Ärzte sieht IMHO weder in PAs noch in NPs eine Konkurrenz, hat weder mit PAs noch mit NPs ein Problem. Aber die amerikanische Arbeitswelt lässt sich halt auch nur schwer mit der deutschen vergleichen. Die Knappheit der Ärzte führt dort viel eher als in Deutschland zu Einkommenssteigerungen. Aber dort verdient man halt auch als NP so viel wie in Deutschland als FA. In Deutschland dominiert halt leider das Denken in Tarifverträgen - was Krankenhäusern sehr nützt, aber Ärzten sehr schadet.

Zurück zum Thema PAs in Deutschland:

Ich denk mir halt, dass man als Ärzteschaft eher daran arbeiten sollte, solche Berufe so zu formen, dass sie einem nützen können. Beruflich und natürlich auch finanziell. Statt entweder (fast) gar nicht an ihrer Entstehung mitzuarbeiten (wie es bei den PAs in Deutschland bisher der Fall war) oder auf Totalopposition zu setzen (wie es bei manchen Usern in diesem Thread der Fall ist).

Meines Erachtens gibt es bisher, um auf den Beitrag von Mr. Pink zurückzukommen, kaum Nachfrage seitens der Pflege hinsichtlich PAs. Da geht es IMHO eher darum, dass sich einzelne Hochschulen profilieren wollen, dass v.a. mehrere private Hochschulen damit gut Geld machen wollen. Die Pflege ist ja nicht doof, die weiß, dass das Gehalt viel wichtiger als die Frage nach Bachelor ja/nein ist.

Die Akademisierung dieser Berufe geht IMHO v.a. auf (private) Hochschulen und Politik zurück, nicht auf die Betreffenden selbst.

Imho ist es allerdings auch so, daß der Absolvent einer Medschool in den USA erst mal den A**** voller Schulden hat, die er abbezahlen darf und die Aussicht auf 1 bis 2 Jahre, die er annähernd komplett im KH verbringen darf vor der Brust, da nehme ich gerne etwas Gehaltseinbußen in Kauf und bleibe in unserem DE Tarifsystem, bei dem allerdings auch jeder Anspruch auf Versorgung hat und nicht ein beträchtlicher Anteil der Bevölkerung, ähnlich einem 3. Welt Land von adäquater medizinischer Versorgung abgeschnitten ist, aber das ist ebenfalls ein anderes Thema.

Was den Abschnitt zur studied nurse betrifft, kriegste von mir 100% Zustimmung, Quatsch, den keiner, außer ein paar private Hochschulen braucht.

cartablanca
04.12.2020, 14:26
Ich denk mir halt, dass man als Ärzteschaft eher daran arbeiten sollte, solche Berufe so zu formen, dass sie einem nützen können. Beruflich und natürlich auch finanziell. Statt entweder (fast) gar nicht an ihrer Entstehung mitzuarbeiten (wie es bei den PAs in Deutschland bisher der Fall war) oder auf Totalopposition zu setzen (wie es bei manchen Usern in diesem Thread der Fall ist).

Und ich denke, dass man sich hier grad das eigene Grab schaufelt. Sämtliche nicht ärztliche Aufgaben des Arztes können von nicht akademischem Personal erledigt werden. Und die ärztlichen sollte der Arzt selbst erledigen.
Mal ganz abgesehen davon ist dieser Job eine Sackgasse für diejenigen, die ihn ausüben. Völlig abhängig vom Krankenhaus ohne Aufstiegschancen, ohne Wechselmöglichkeiten.

Es gibt nicht DIE Ärzteschaft. Es gibt diejenigen, die von billigen abhängigen Arbeitskräften profitieren und diejenigen, die es nicht tun. Aber am Ende werden Alle darunter zu leiden haben.

Mr. Pink online
04.12.2020, 15:06
Grundsätzlich hast du recht, es reichen gute MTA und Stationssekretärinnen + mehr Pflege. Deshalb glaube ich auch nicht, dass sich der PA langfristig durchsetzen wird.

Chriman
04.12.2020, 19:21
Hier mal die Stellenausschreibung einer großen Uniklinik.
Klingt für einen motivierten Pfleger sicher ansprechend.




Stellenbeschreibung
Einsatzgebiet
Sie haben eine dreijährige abgeschlossene Berufsausbildung als Gesundheits- u. Krankenpfleger*in oder eine vergleichbare medizinische Ausbildung absolviert? Sie möchten sich über Ihre derzeitige Tätigkeit hinaus weiterentwickeln und aufbauend auf Ihren Kenntnissen und Fähigkeiten zusätzlich Verantwortung übernehmen? Dann ist das Berufsbild des Physician Assistant eine gute Möglichkeit, sich in der Medizin weiter zu qualifizieren. Sie fungieren als Bindeglied zwischen dem Arzt und allen an der Patientenversorgung beteiligten Berufsgruppen. Das Studium befähigt Sie, ärztliche Tätigkeiten zu übernehmen und somit die behandelnden Ärzte zu entlasten. Der Physician Assistant besitzt formal die Voraussetzungen, delegierbare ärztliche Tätigkeiten selbständig durchzuführen. Hierfür werden Sie während des Studiums und in den verschiedenen Praxiseinsätzen optimal vorbereitet.

Aufgabengebiet
Sie sind Teil des ärztlichen Teams. Im Rahmen delegierbarer ärztlicher Tätigkeiten werden Sie eine Vielzahl von Einsatzmöglichkeiten haben, wie z.B. auf der Normalstation oder Intensivstation, im OP, in Funktionsbereichen oder der Rettungsstelle. Je nach Einsatzbereich gibt es eine Vielzahl definierter Aufgaben. So können Sie u.a. vorbereitende Anamnesen und körperliche Untersuchungen durchführen, die Einhaltung von Behandlungsplänen überwachen, Patientengespräche führen, Visiten und ärztliche Besprechungen begleiten, medizinische Tätigkeiten durchführen und bei operativen Eingriffen assistieren oder kleine Eingriffe durchführen.
Wir bieten Ihnen ein berufsbegleitendes 3jähriges Studium an der xxxx Hochschule. Ca. 40% Ihrer Arbeitszeit werden Sie in Ihrem zukünftigen Arbeitsbereich tätig sein. 60% Ihrer Arbeitszeit wird das Studium einnehmen. Die 5.400 Stunden teilen sich ca. in 25% Theorie, 25% Selbststudium, 25% Praxiseinsätze und 25% Projektarbeit incl. Bachelorarbeit

Voraussetzungen
Abitur oder Fachhochschulreife mit mindestens 2 Jahren Berufserfahrung oder mittlere Reife mit mindestens 3 Jahren Berufserfahrung
Abschluss in einem dreijährigen Gesundheitsfachberuf (Gesundheits- und (Kinder)krankenpflege, operationstechnische Assistenz oder medizinisch- technische Assistenz
Sozialkompetenz und Interesse am interdisziplinären Arbeiten
Zu Ihrer Information: Es sind keine vollständigen Bewerbungsunterlagen erforderlich. Wir freuen uns über Ihre formlose Bewerbung, der wir Ihr Interesse an dem Studium und an dem Beruf entnehmen können und sehen, dass Sie die formellen Voraussetzungen erfüllen.
Scheuen Sie sich nicht, bei Fragen die genannten Ansprechpartner zu kontaktieren.


Arbeitsbedingungen & Leistungen
Einstellungstermin
ab sofort

Beschäftigungsdauer
unbefristet

Arbeitszeit
39 Wochenstunden

Vergütung
unverändert bis zum Studienabschluss, dann EG 12 gem. TVöD VKA - K Die Eingruppierung erfolgt unter Berücksichtigung der Qualifikation und der persönlichen Voraussetzungen

tarumo
04.12.2020, 19:55
Berufsbegleitend bezahlt studieren, drei kurze Jahre, dann eine unbefristete Stelle und eine Vergütung, die ca. 600 EUR unter der eines WBA liegt, dafür aber Jahressonderzahlung und Coronazahlung einstreichen...
Vermutlich auch keine Dienste.
Und Ihr glaubt, die Arbeitgeber werden solche Kräfte für Anlerntätigkeiten wie Schreibkram und Blutentnahmen einsetzen?

Der Marburger Bund begrüßt (wie viele andere Maßnahmen auch, die seiner Klientel schaden) selbstverständlich auch dieses Berufsbild, ebenso wie die Bundesärztekammer.

https://www.faz.net/aktuell/karriere-hochschule/campus/gruendung-einer-hochschule-fuer-medizinische-assistenzberufe-16168376.html



„grundsätzlich begrüßenswert“, heißt es bei der Ärztegewerkschaft Marburger Bund.
(...) sprach sich inzwischen auch die Bundesärztekammer für das neue Berufsbild aus.


Selbstverständlich ist dann auch die mit der MB-Spitze identische jeweilige Landesärztekammer auch dafür und schafft den theoretischen Überbau.

Man stelle sich vor, die IG Metall würde auf Wunsch der Arbeitgeber die Facharbeiter- und Meisterbriefregelung aushebeln und dafür das Berufsbild des "Assistenten in Verarbeitung von Metallen- AVM" etablieren.

ABER OFFENSICHTLICH WILL DIE MEHRZAHL ES GANZ GENAU SO. Kann man hier im Forum immer wieder nachlesen. No mercy.

tarumo
04.12.2020, 20:03
Mal ganz abgesehen davon ist dieser Job eine Sackgasse für diejenigen, die ihn ausüben. Völlig abhängig vom Krankenhaus ohne Aufstiegschancen, ohne Wechselmöglichkeiten.
.

Auch das ist falsch. Abgesehen davon, daß man auch ein KH wechseln kann, steht selbstverständlich einem PA die "Niederlassung" offen, ähnlich einer VERAH oder NÄPA. Spätestens dann, wenn die Kassen aus Spargründen, und weil es wirklich keiner mehr machen will, vom ambulanten Facharztstandard abweichen, gehen da die Schleusentore auf.


Letztlich gibt es in unserem System nicht führend einen Ärzte- sondern einen Pflege-/Pflegehelfermangel.

Das stimmt eingeschränkt fürs Krankenhaus, wo sich die Arztanzahl auch bis auf n=1 im Bereitschaftsdienst herunterdrücken läßt. Dummerweise finden aber 90% der Arztkontakte ambulant statt. Und vom vielfach zitieren "Ärztemangel" , der sich im Regelfall auf die ambulante Medizin bezieht, hast Du vermutlich schon gehört...


Behandlungsplan aufstellen? Wie kann es sein, dass die das rechtlich dürfen? Vermutlich soll dann der approbierte Assistent diesen Behandlungsplan wieder unterschreiben und das Ganze legitimieren? Wie bei den "ärztlichen" Ebtscheidungen auf Intensiv. Was läuft hier eigentlich für ein Film?

Richtig, der Arzt darf das dann absegnen und geradestehen. Und er spendiert auch noch eine sündhaft teure Karte dazu, damit er das dann auch darf. Der PA braucht vermutlich keinen eHBA. Und anders als bei der aktuellen Impfkampagne wird man das "Absegnen" natürlich nicht vergolden.

Der Film läuft schon ein paar Jahre (erster Diskussionsstrang dazu hier bei ML 2012) und offensichtlich will eine schweigende Mehrheit genau diesen Film ansehen, dokumentiert durch freiwillige Zahlungen an Institutionen, die sowas durchwinken, völliges berufspolitisches Desinteresse oder gelegentliches anonymes Herunterputzen von Leuten, die den Film mit kritischen Beiträgen "stören"...

Mr. Pink online
04.12.2020, 20:43
Das stimmt eingeschränkt fürs Krankenhaus, wo sich die Arztanzahl auch bis auf n=1 im Bereitschaftsdienst herunterdrücken läßt. Dummerweise finden aber 90% der Arztkontakte ambulant statt. Und vom vielfach zitieren "Ärztemangel" , der sich im Regelfall auf die ambulante Medizin bezieht, hast Du vermutlich schon gehört...


Und wovor genau hast du dann Angst? Dass der Marburger Bund und die BÄK den Grundstein dafür legen, dass statt des Facharztes jetzt ein PA einen Kassenplatz bekommt? Das halte ich für ziemlich weit hergeholt. Die PA werden bestenfalls in irgendwelchen staatlichen Versorgungszentren eingesetzt und bis die tatsächlich irgendwann mal kommen sollten sind einige Winter ins Land gegangen.

tarumo
04.12.2020, 20:53
Und wovor genau hast du dann Angst? Dass der Marburger Bund und die BÄK den Grundstein dafür legen, dass statt des Facharztes jetzt ein PA einen Kassenplatz bekommt? Das halte ich für ziemlich weit hergeholt. Die PA werden bestenfalls in irgendwelchen staatlichen Versorgungszentren eingesetzt und bis die tatsächlich irgendwann mal kommen sollten sind einige Winter ins Land gegangen.

Daß in Gemeinden mit vakanten Arztsitzen eine "Agnes/VERAH/NÄPA" eine Sprechstunde abhält, ist doch genau der Weg, der von der Politik forciert wird. Bitte einfach informieren.
Der erste Nachteil ist, daß die Patienten und Lokalpolitiker fürs erste ruhiggestellt werden und somit der Druck entfällt, den Platz für einen Arzt/Ärztin attraktiv zu machen.
Der zweite Nachteil ist, daß diese Kräfte selbstverständlich eine angemessene Bezahlung erwarten (die sind sicher nicht so servil wie manche hier) und daß das im Konzept der vorab gezahlten, budgetierten Gesamtvergütung heißt, daß die Approbierten dann pro Fall weniger bekommen, dafür aber die "Verdünner" entfallen und nur die komplexen Fälle für die Approbierten übrigbleiben.
Mit Kassensitzen hat das wenig zu tun, im Allgemeinmedizin-Bereich (und um den geht es hier) bekommt man die mittlerweile nachgeworfen.

Mr. Pink online
04.12.2020, 21:12
Wenn da kein Arzt arbeiten will, dann kann von mir aus auch der Tierarzt die Sprechstunde machen. Das sind doch alles nur Notlösungen. Wäre es ein funktionierendes Konzept Ärzte im stationären und ambulanten Bereich durch PA zu ersetzen, wäre das schon vielerorts passiert (damit meine ich nicht nur Deutschland). Das ausnahmsweise Deutschland da jetzt den großen Vorreiter geben soll, wäre ein Novum.

Davon abgesehen gäbe es doch eine viel einfachere Lösung: man könnte doch mehr Medizinstudienplätze rekrutieren und die dann mit Leuten besetzen, die sich verpflichten in bestimmten Landstrichen oder Kliniken zu arbeiten. ... warte mal, da gabs doch was

tarumo
04.12.2020, 21:32
Wäre es ein funktionierendes Konzept Ärzte im stationären und ambulanten Bereich durch PA zu ersetzen, wäre das schon vielerorts passiert (damit meine ich nicht nur Deutschland). Das ausnahmsweise Deutschland da jetzt den großen Vorreiter geben soll, wäre ein Novum.
s

Seit wann ist Deutschland Vorreiter für funktionierende Konzepte?
Außerdem ist das ganze ein halbgarer Aufguss von DDR-Konzepten, wie vieles andere im Gesundheitswesen auch. Seinerzeit hatten einfach zuviele Ärzt*innen "rübergemacht" und Akademiker war auch per se verpönt...

Da diese Berufe schon jetzt mit den Kassen abrechnen dürfen (ganz ohne KV-Sitz- wie jeder Physiotherapeut oder Orthopädietechniker übrigens auch...) , geht es bloß noch um die konkrete Festlegung von erlaubten Tätigkeiten, und wie die aussehen, kann man ein paar Zeilen weiter oben ablesen...

Line of Scrimmage
04.12.2020, 23:06
Wäre es ein funktionierendes Konzept Ärzte im stationären und ambulanten Bereich durch PA zu ersetzen, wäre das schon vielerorts passiert (damit meine ich nicht nur Deutschland). Das ausnahmsweise Deutschland da jetzt den großen Vorreiter geben soll, wäre ein Novum.

In den USA passiert es gerade vielerorts, daher muss Deutschland gar keine Vorreiterrolle einnehmen.

Hier ist ein Link dazu: https://www.medicaleconomics.com/view/replacing-doctors

Der Artikel verdeutlicht sehr schön, wie einflussreich und umtriebig die NPs und PAs sind, während die US-amerikanischen Ärzte die Entwicklung offenbar komplett verschlafen haben. Ich schätze, hier in Deutschland wird es irgendwann genauso laufen.