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Mr. Pink online
05.12.2020, 04:41
Ich meinte Vorreiterrolle in Europa. Die Gesundheitsversorgung in den USA ist für uns in Deutschland noch nie ein Maßstab gewesen. Man braucht auch eine Bevölkerung, die bereitwillig solche Konzepte mitträgt und annimmt. In Deutschland würde sowas so oder so erstmal zu Zusatzversicherungen mit "Arztbehandlung" führen, weil sich doch niemand freiwillig von einem PA behandeln lässt, wenn er die Wahl hat. Außer vielleicht in defavorisierten Landstrichen im Osten. Und dann ist es mir ehrlich gesagt auch egal.

Ich verstehe die Sorgen, die einen bei dem Thema umtreiben können, aber letztlich liegt es an jedem selbst, sich durch seine medizinische Weiterbildung "unersetzlich" zu machen.

davo
05.12.2020, 07:03
Noch einmal: Diese US-Links sind IMHO radikale Einzelmeinungen, die völlig unrepräsentativ sind. Dort gibt es insgesamt wenige Ärzte und wenige Medizinabsolventen, und man verdient auch als Allgemeinmediziner in der Provinz hervorragend. Niemand dort hat Angst, von einem PA oder einer NP ersetzt zu werden.

In Deutschland liegt es eben an den Ärzten selbst, die Zukunft des Berufs PA zu formen. Man kann entweder die Arme vor dem Körper verschränken, beleidigt sein und nichts tun. Dann wird die Politik den Beruf so formen, wie sie es will. Oder man kann sich aktiv in die Diskussion einbringen und sich überlegen, wie einem der PA-Beruf beruflich und finanziell nutzen könnte. Dazu muss man sich allerdings gestaltend einbringen.

Und natürlich könnte die US-Gesundheitsversorgung in vielerlei Hinsicht Vorbild für Deutschland sein. Aber in Deutschland herrscht halt eine große Arroganz - man glaubt, besser zu sein, und sieht gar nicht die Notwendigkeit, sich im Detail mit den USA zu beschäftigen. Was die angenehme Konsequenz hat, dass man gar nicht begreift, wo man überall schlechter ist :-p

cartablanca
05.12.2020, 08:58
Man kann entweder die Arme vor dem Körper verschränken, beleidigt sein und nichts tun. Dann wird die Politik den Beruf so formen, wie sie es will. Oder man kann sich aktiv in die Diskussion einbringen und sich überlegen, wie einem der PA-Beruf beruflich und finanziell nutzen könnte. Dazu muss man sich allerdings gestaltend einbringen.

Ich werde mit Sicherheit nicht an der Entprofessionalisierung meines Berufs mitwirken. Wer unbedingt Medizin ausüben will, kann meinetwegen an einer Privat Uni in Rumänien volle 6 Jahre lang studieren so wie Alle anderen auch, wenn er weder warten will noch gut genug in der Schule oder im TMS war.
"Formen" suggeriert, dass man den Prozess lenken könnte, wenn er erst mal im Gange ist. Das halte ich für naiv. Die PAler werden mit der Zeit ihre Rechte einfordern und die Lobbies werden diese durchdrücken, um Geld zu sparen.

tarumo
05.12.2020, 09:23
Genau diese "Mitmachgeschichte" ist ja das, worauf die Ärzt*innen immer wieder reinfallen. Alleine die Namensgebung "Selbstverwaltung" und die nachgeordneten Institutionen wie ÄK, KV, MB us. suggerieren ja, man könnte da wie in einem Kneipenkollektiv in einem Berliner Kiez eintreten, mitmachen und mitgestalten. Stattdessen werden diese Worthülsen benutzt, um staatliche Entscheidungen durchzudrücken, und anschließend zu suggerieren, es wäre doch der Wille der Betroffenen. Etwa so wie in der DDR, wo auch alles mit "Volks-" bezeichnet wurde.
Diejenigen, die noch im MB sind, können ja mal eine verschäfte e-mail-Aktion starten (und gleichzeitig den Coronabonus einfordern), sich ausnahmsweise nicht mit Textbausteinen abspeisen lassen und dann auch mit Austritt drohen.
Wer nichts tut (und noch nicht mal Mumm für eine e-mail hat) macht sich erstens mitschuldig an der weiteren Erosion des Berufsstandes und darf sich zweitens nicht wundern, wenn er irgendwann zum Spartarif als Alibi-und Unterschreiberarzt in einem PA-dominierten MVZ oder Gemeindepraxis roboten muss.

Trüffel
05.12.2020, 09:46
Wäre es ein funktionierendes Konzept Ärzte im stationären und ambulanten Bereich durch PA zu ersetzen, wäre das schon vielerorts passiert
Naja, weiß ich nicht. "Wir beobachten eine Tendenz, wir kritisieren sie. Naah, wird schon nicht stimmen. Sonst wäre ja schon vor 20 Jahren passiert." Ist irgendwie so gar kein funktionierendes Argument für mich.


Wer nichts tut (und noch nicht mal Mumm für eine e-mail hat) macht sich erstens mitschuldig an der weiteren Erosion des Berufsstandes und darf sich zweitens nicht wundern, wenn er irgendwann zum Spartarif als Alibi-und Unterschreiberarzt in einem PA-dominierten MVZ oder Gemeindepraxis roboten muss.
Ich finde dieses konstante Ankämpfen gegen alle anderen Berufsgruppen und gegen die eigene Berufsgruppe wirklich ermüdend. Auch eine Folge der Tarifbindung. In anderen Branchen verhandel ich mein Gehalt und wenn sich andere mit weniger abspeisen lassen, ist das deren Problem. So sitzt man mit einem Haufen maximal angepasster Drückeberger in einem Boot und muss realisieren, dass man als einziger Querulant unter 14 Ko-Assistenzärzten nunmal realistisch nichts drehen kann, wenn man es aber nicht mindestens versucht, gleichzeitig Teil des Problems ist. Lose/Lose auf allen Ebene, Windmühlen halt. Das schafft Frust und irgendwann Resignation.

tarumo
05.12.2020, 10:04
So sitzt man mit einem Haufen maximal angepasster Drückeberger in einem Boot und muss realisieren, dass man als einziger Querulant unter 14 Ko-Assistenzärzten nunmal realistisch nichts drehen kann, wenn man es aber nicht mindestens versucht, gleichzeitig Teil des Problems ist. Lose/Lose auf allen Ebene, Windmühlen halt. Das schafft Frust und irgendwann Resignation.

100% agree. Dann fängt man einfach an, die anderen 14 KO-"Kollegoiden" zu überzeugen. Müssen ja gar nicht alle sein. Und zwar damit, wie sie sich ins eigene Fleisch schneiden. Das geht im Arbeitsumfeld auch einfacher (eigene Erfahrung) als in einem Internetforum, wo In-die-Tasche-Lügen , whataboutism oder das Beschimpfen von kritischen Stimmen als "AfDler" "Finanztype" oder wie gestern als "Chauvi" als Reaktion üblich sind.
Und über den Entzug von Geldmitteln kann man tatsächlich eine Institution "drehen". Wenn neben kläglichen Tarifabschlüssen nur Textbausteine und Floskeln zu kritischen Fragen wie Coronabonus, eHBA, PA oder warum der MB die erleichterte Einwanderung von Ärzten aus dem Nicht-Eu-Gebiet fordert, zurückkommen, kann man sich das Geld nämlich sparen. In dem Moment, wo dann durch Geldmangel Arbeitsplätze anfangen zu wackeln, setzt schon mal ein Umdenken ein.
Die Eisenbahner haben mit der GdL einen eigenen Laden aufgemacht, nachdem die eigentlich zuständige EVG sich als systemtreu bis unfähig erwiesen hatte.
Auch den Beitrag an die "Antiärztekammer" kann man sich mit juristischen Tricks sparen, da man aber zumindest bis zum FA von denen abhängig ist, empfehle ich das nicht.
Und "KV" ist sowieso freiwillig, wie Jens Spahn sagte, es "wird ja niemand gezwungen, als Kassenarzt zu arbeiten" (es sei denn, er/sie ist "Quotenstudent/in", aber das ist ja wieder eine andere Geschichte).

Mr. Pink online
07.12.2020, 10:11
Es ist die eine Sache zu argumentieren, dass PA für die WBA eine Gefahr darstellen, weil sie in den Funktionen oder im OP die Stelle von WBA einnehmen und damit deren Ausbildung erschweren, denn damit bin ich sogar d'accord. Auf der anderen Seite aber Panik zu schieben, dass ein Bachelor of PA dir deine Kassenpatienten im ambulanten Bereich streitig macht ... das finde ich ehrlich gesagt peinlich, denn damit degradiert man seinen eigenen Berufsstand.

Zu Punkt 1: Wenn ein PA anstatt auf Station die Aufnahmen und die Arztbriefe zu machen im OP oder in der Funktion steht, dann ist das nicht so weil BÄK und Krankenkassen das so beschlossen haben, sondern weil Personal-OA oder CA die Leute dort einsetzen und ihrer Aufgabe als Weiterbilder nicht nachkommen. Sowas sollte und muss sanktioniert werden. Ich persönlich würde ein solches KH verlassen.
Zu Punkt 2: Der von euch ja richtigerweise prognostizierte Ärztemangel im ambulanten Bereich wird ganz sicher nicht dazu führen, dass eine Gruppe der anderen den Kuchen wegnimmt, sondern dass die Kuchenstücke für den einzelnen vermutlich noch größer werden. Die größten Kuchenstücke werden sich dann sicher nicht die PA oder Studied Nurses nehmen können. Schon allein weil die KK riechen wird, wieviel Geld sich mit Zusatzversicherung à la "Nur-Arzt-Behandlung" machen lässt. Es ist einfach fernab jeder Lebenswirklichkeit, dass ein PA nach drei Jahren Studium nur annähernd die gleichen Leistungen anbieten und sinnvolle Therapiekonzepte entwickeln kann wie momentan ein niedergelassener FA. Sie können dort bestenfalls unterstützend mitwirken, wobei, wie schon vorher gesagt, das auch durch eine gute MFA oder Pflege gelingt. Wenn ihr trotzdem glaubt, dass der Bachelor of dingsbums an eure Kompetenzen rankommt und euch am Ende sogar ersetzt, dann ist in der Ausbildung was gehörig falsch gelaufen.

Autolyse
07.12.2020, 13:37
[...]Zu Punkt 1: Wenn ein PA anstatt auf Station die Aufnahmen und die Arztbriefe zu machen im OP oder in der Funktion steht, dann ist das nicht so weil BÄK und Krankenkassen das so beschlossen haben, sondern weil Personal-OA oder CA die Leute dort einsetzen und ihrer Aufgabe als Weiterbilder nicht nachkommen. Sowas sollte und muss sanktioniert werden. Ich persönlich würde ein solches KH verlassen.[...]
Das setzt voraus, dass man die Alternativen hat. Wenn sich die Landschaft weiterhin dahin entwickelt, dass man nur noch Großbunker hat, dann wird das deutlich schwieriger. Die gleiche Kammer, die Multistandortchefärzten problemlos die Beleihung mit der Weiterbildungsermächtigung gewähren, werden nach der Krähentheorie sowieso nicht einschreiten und die Rechtsaufsicht über die Kammer ist sowieso nur auf dem Papier existent.

Thomas24
07.12.2020, 20:50
Ein westdeutsches Unternehmen versucht gerade ein neues Geschäftsmodell im Osten zu etablieren:

Ausgangsproblem:
Eine überalternde Bevölkerung in ländlichen Gebieten (mit vergleichsweise niedrigerer Kaufkraft und mentalitätsmäßig auch kein Selbstzahler oder IGEL Klientel darstellen) = Unattraktive Niederlassungsbedingungen für niedergelassenen Fachärzte für Augenheilkunde, z.B. Erzgebirge, Lausitz etc.

Hoher Beratungs- und Behandlungsbedarf angesichts der Demographie (diabetische Retinopathien, AMD, Glaukome, Cataracte etc.) trifft auf eine personell ausgedünnte Facharztlandschaft.

Mangel an niederlassungswilligen Augenärzten, die vornehmlich a) Work Life Balance bei gutem Einkommen wollen- gerne in Anstellung- ohne eigenes wirtschaftliches Risiko, und -falls doch eine Niederlassung angestrebt wird- dann b) Ballungsräume mit entsprechendem kulturellen Angebot und kaufkräftiger Patientenklientel bevorzugen, keinesfalls jedoch eine propevolle KV Praxis auf dem platten Land, in dem man nur über 'Masse und hoher Schlagzahl' von GKV Patienten auf seine Umsätze kommen kann.
Vakante KV Sitze können zum Teil nicht mehr nachbesetzt werden, mangels Interesse.
Bisherige Lösungen der betroffenen KV haben den Mangel bislang nicht abstellen können. Teilweise gibt es Umsatzgarantien, bzw. Praxen in KV Eigenbetrieb an, in denen die Kollegen in Anstellung arbeiten können, darüber hinaus gibt es Sonderprogramme mit Fördergeldern. Dennoch finden viele Patienten keine Praxis, geschweige denn eine Klinik, die eine Dauerbetreuung übernehmen würde.

Das Geschäftsmodell:
das MVZ beschäftigt Optometristen (nein, keine im US Sinne weitergebildeten Optometristen mit mind. 4 jöhriger Weiterbildung, sondern oft in Schmalspurkursen weitergebildete Optiker- in Deutschland ist das Berufsbild des Optometristen nämlich noch nicht bundeseinheitlich reguliert) anstelle von teuren, seltenen und niederlassungsunwilligen Augenärzten. Diese übernehmen das Screening der Patienten (für kleines Geld als Selbstzahlerleistung, denn die Optometristen können noch nicht zu Lasten der GKV arbeiten). Falls beim Screeningprozess eine behandlungs- und vor allem Op würdige Erkrankung vorliegt (mal angenommen, diese wird auch richtig erkannt), kommt ein vom MVZ angestellter Augenarzt ins Spiel, der dann die Behandlung übernimmt. Das MVZ spart sich die ärztliche Manpower, die Sie auf dem freien Markt für das ländliche Ostdeutschland eh nicht bekommen könnte, und schöpft dafür den Rahm ab- die extrabudgetären operativen Leistungen.

Wenn das Modell Schule macht, wäre das auch was, was im ländlichen Westen Schule machen könnte.
Das wäre dann ein echtes Problem für die Masse der rein konservativ tätigen Kollegen.

tarumo
07.12.2020, 21:02
Vielen Dank an die Einblicke aus der Perspektive einer anderen Fachrichtung.

Tja, 30 Jahre nach der Wende gibt es zwar Bananen für jedermann und Autos ohne Wartezeit.

Dafür aber Schlangen um den ganzen Block bei der Terminvergabe bei Kassen-Augenärzten:

https://www.lvz.de/Region/Doebeln/An-der-Grenze-des-Machbaren-Augenzentrum-zieht-Reissleine
https://www.otz.de/regionen/gera/nach-schlangen-vor-augenarzt-praxis-in-gera-neuer-arzt-und-termine-ab-2015-id220380983.html
https://www.volksstimme.de/sachsen-anhalt/aerztemangel-harzer-stehen-schlange-beim-augenarzt
https://www.aerztezeitung.de/Wirtschaft/Schlange-stehen-fuer-Augenarzttermin-268556.html

Sozialismus scheitert immer und überall. Und wenn es nur im Gesundheitswesen ist. Auch die staatlichen Lösungsrezepte sind die gleichen:

https://www.aerzteblatt.de/archiv/134031/Neue-Bedarfsplanung-Erst-eine-bessere-Verteilung-dann-bessere-Verhaeltnisse

Ärzte "umverteilen", neue "Bedarfsplanung" im Fünfjahresplan des ZK der KV der BRDDR und dann wird alles besser. Der Sozialismus siegt!

Thomas24
07.12.2020, 21:16
Vielen Dank an die Einblicke aus der Perspektive einer anderen Fachrichtung.

Tja, 30 Jahre nach der Wende gibt es zwar Bananen für jedermann und Autos ohne Wartezeit.

Dafür aber Schlangen um den ganzen Block bei der Terminvergabe bei Kassen-Augenärzten:

https://www.lvz.de/Region/Doebeln/An-der-Grenze-des-Machbaren-Augenzentrum-zieht-Reissleine
https://www.otz.de/regionen/gera/nach-schlangen-vor-augenarzt-praxis-in-gera-neuer-arzt-und-termine-ab-2015-id220380983.html
https://www.volksstimme.de/sachsen-anhalt/aerztemangel-harzer-stehen-schlange-beim-augenarzt
https://www.aerztezeitung.de/Wirtschaft/Schlange-stehen-fuer-Augenarzttermin-268556.html

Sozialismus scheitert immer und überall. Und wenn es nur im Gesundheitswesen ist. Auch die staatlichen Lösungsrezepte sind die gleichen:

https://www.aerzteblatt.de/archiv/134031/Neue-Bedarfsplanung-Erst-eine-bessere-Verteilung-dann-bessere-Verhaeltnisse

Ärzte "umverteilen", neue "Bedarfsplanung" im Fünfjahresplan des ZK der KV der BRDDR und dann wird alles besser. Der Sozialismus siegt!

Tja, ich kenn ein paar Kollegen aus der betroffenen Region, die den Sozialismus noch live und in Farbe erlebt haben. Wenn das mit der KV Gängelei so weitergeht, dann kann es sein, dass der ein odere andere seine ' dann zieh ich den IT Konnektor aus der Steckdose und stöpsel stattdessen ein EC Kartenlesegerät ein, das funktioniert nämlich sehr gut' Ankündigung noch wahr macht :-D

Wenn Oma Müller ein Taxi in die nächste Großstadt bezahlen müsste (sagen wir mal 60 Euro pro Strecke), um eine Praxis zu finden, die noch GKV Versicherte aufnehmen möchte - und zwar im übernächsten Quartal, oder doch lieber vor Ort bleibt und stattdessen für eine fachärztliche Untersuchung (!) mal 50 bis 75 Euro als Selbstzahlerleistung bezahlt (was noch immer wahnsinnig preiswert ist) plus ggf. etwas apparativer Diagnostik, das wäre schon eine Überlegung wert.

tarumo
08.12.2020, 04:38
Privatpraxen in diesen Gebieten können sich nicht über Zulauf beklagen- zumal die Rechnung auf dem Niveau eines Damenhaarschnitt ausfällt. Und vermutlich ist die Konkurrenz geringer als in Starnberg und Co.

Allerdings steht dem die deutsche Mentalität entgegen. "´isch hab bezahlt, ´sch hab Anspruch drauf", was ja zumindest ansatzweise nachvollziehbar ist. Dann lieber als Pseudonotfall in irgendeine Klinik, dort acht Stunden warten und dann unverrichteter Dinge wieder abziehen....Und wie in der DDR macht man natürlich die "Kapitalisten" als "unsolidarisch" und "Abzocker" schlecht- nicht mit dem Schwarzen Kanal, sondern mit WIdO, IGeL-Monitor und Co.

Großkotzige Überheblichkeit im Vergleich zum US-amerikanischen Gesundheitssystem (siehe Corona-Thread) ist auf jeden Fall nicht angebracht- der typische US-Amerikaner weiß, daß er den Arztbesuch sowieso cash bezahlen muß- und da vorher keine Zwangsabgaben fällig waren, hat er , sofern nicht arbeitslos, auch genug Geld dafür oder für eine private Versicherung übrig.

In´schland heißt es blechen- und dann gibt es trotzdem keine Termine...genau mein Humor. Und daß die GKV 10 von 12 Monatsbeiträgen schon vor dem ersten Arztkontakt verbraucht hat, kommt noch dazu.

Und hat man dann einen der raren Termine ergattert, ist in der konservativen GKV- Opthalmologie nach meiner Einschätzung das Niveau eher an Venezuela als an den USA orientiert.

cartablanca
08.12.2020, 10:57
Naja bei den Psychotherapeuten gibt es ja inzwischen in den Großstädten kaum noch Praxen, die gesetzlich Versicherte nehmen. In den Großstädten findet man auch zunehmend ärztliche Privatpraxen insbesondere in den Nischenfächern mit wenig Konkurrenz wie Endokrinologie etc..
Ich kann mir gut vorstellen, dass die, die es sich erlauben können, zunehmend ihre Arbeit privatisieren, wenn Herr Spahn & Co so weiter machen.

cartablanca
08.12.2020, 11:46
Es ist die eine Sache zu argumentieren, dass PA für die WBA eine Gefahr darstellen, weil sie in den Funktionen oder im OP die Stelle von WBA einnehmen und damit deren Ausbildung erschweren, denn damit bin ich sogar d'accord. Auf der anderen Seite aber Panik zu schieben, dass ein Bachelor of PA dir deine Kassenpatienten im ambulanten Bereich streitig macht ... das finde ich ehrlich gesagt peinlich, denn damit degradiert man seinen eigenen Berufsstand.

Zu Punkt 1: Wenn ein PA anstatt auf Station die Aufnahmen und die Arztbriefe zu machen im OP oder in der Funktion steht, dann ist das nicht so weil BÄK und Krankenkassen das so beschlossen haben, sondern weil Personal-OA oder CA die Leute dort einsetzen und ihrer Aufgabe als Weiterbilder nicht nachkommen. Sowas sollte und muss sanktioniert werden. Ich persönlich würde ein solches KH verlassen.
Zu Punkt 2: Der von euch ja richtigerweise prognostizierte Ärztemangel im ambulanten Bereich wird ganz sicher nicht dazu führen, dass eine Gruppe der anderen den Kuchen wegnimmt, sondern dass die Kuchenstücke für den einzelnen vermutlich noch größer werden. Die größten Kuchenstücke werden sich dann sicher nicht die PA oder Studied Nurses nehmen können. Schon allein weil die KK riechen wird, wieviel Geld sich mit Zusatzversicherung à la "Nur-Arzt-Behandlung" machen lässt. Es ist einfach fernab jeder Lebenswirklichkeit, dass ein PA nach drei Jahren Studium nur annähernd die gleichen Leistungen anbieten und sinnvolle Therapiekonzepte entwickeln kann wie momentan ein niedergelassener FA. Sie können dort bestenfalls unterstützend mitwirken, wobei, wie schon vorher gesagt, das auch durch eine gute MFA oder Pflege gelingt. Wenn ihr trotzdem glaubt, dass der Bachelor of dingsbums an eure Kompetenzen rankommt und euch am Ende sogar ersetzt, dann ist in der Ausbildung was gehörig falsch gelaufen.

Offen gestanden bei dem was aktuell in Deutschland an Ärzten aus dem Ausland zugelassen wird kann ich mir vorstellen, dass ein erfahrener PAler einen qualitativen Fortschritt darstellt - schon allein, weil er deutsch spricht. Du irrst dich übrigens beim Kuchen. Der wird nicht nur zwischen Ärzten und PAlern, sondern zwischen allen im Gesundheitswesen Beschäftigten aufgeteilt. Vielleicht soll das Kuchenstück für Ärzte UND PAler kleiner werden, wenn Patienten älter werden, Leistungen steigen und Beiträge gleich bleiben sollen und man an so Dingen wie dem völlig aufgeblähten Verwaltungsapparat mit mehr als einem Dutzend Kassen nicht sparen will.

Das Krankenhaus zu wechseln ist sicher eine gute Idee, aber einen guten Weiterbilder zu finden ist inzwischen wie die Nadel im Heuhaufen zu suchen.

Mr. Pink online
08.12.2020, 12:10
Der "Kuchen" wird nicht kleiner nur weil Bundesregierung und Krankenkassen die Budgetierung schmälern wollen. Dass dem drohenden Ärztemangel nicht mit attraktiveren Angeboten, sondern mit Zwangsverpflichtungen (siehe Hausarztquote) und inflationärer Zulassung von Ärzten aus dem Ausland begegnet wird haben wir alle begriffen. Schaut euch aber doch mal an wie es in Ländern läuft, in denen das System so geprägt wurde, nehmen wir Frankreich als Beispiel: Die Basisversorgung wird über eine schmale Grundversicherung finanziert die garantiert, dass man nicht auf der Straße verblutet. Alles was darüber hinausgeht, gerade wenn es um Arztwahl, Zahnvorsorge etc. geht wird mit Zusatzversicherungen geregelt. Die Ärzte, die auf Kasse arbeiten verdienen zunehmend weniger. Dafür steigt die Anzahl derer die in der Niederlassung privat abrechnen. Warum können sie das? Weil im öffentlichen Gesundheitssystem Patienten und Ärzte kaum noch dieselbe Sprache sprechen. Traurig aber wahr. Das System muss als gescheitert angesehen werden. Haben die einheimischen Ärzte das Nachsehen? Nein, denn jeder Gutverdiener (und die wird es immer geben) lassen sich lieber von einem Franzosen behandeln. Das selbe ist auch hier in D zu erwarten, sollte es jemals soweit kommen.

Und bzgl. Weiterbildung sollte alles gesagt sein. Ja, viele Abteilungen verdienen die Weiterbildungsberechtigung nicht, aber man kann vieles ab einem gewissen Zeitpunkt auch einfordern, oder halt gehen. In der Chirurgie ist es schwieriger, aber in der internistischen Weiterbildung kann man sich tatsächlich vieles auch selber aneignen. Das erfordert dann zwar Eigeninitiative und Mehrarbeit, aber hintenraus kann es sich stark rechnen.
Ein Kollege aus der Chirurgie schwört selbst auf Fortbildungen, auch wenn er im eigenen Haus viel operiert. Die Weiterbildung wird einem leider nicht nachgetragen, man genießt aber auch viele Freiheiten die einem das System lässt. Ist es gerecht? Nein. Kann man als Systemprofiteur rauskommen? Definitiv ja.

Thomas24
08.12.2020, 20:15
Und hat man dann einen der raren Termine ergattert, ist in der konservativen GKV- Opthalmologie nach meiner Einschätzung das Niveau eher an Venezuela als an den USA orientiert.

Nun, wie es sich mit der Gesundheitsversorgung in Venezuela aktuell verhält, kann ich dir nicht sagen.
Aber in Deutschland ist es eben im GKV Bereich der WANZ Standard.

Wobei -aufgrund der jahrzehntelangen Beteuerungen seitens der politischen Klasse- der durchschnittliche Bürger, nicht weiß, wofür das 'A' in WANZ überhaupt steht, sondern vermutlich 'A bedeutet all inclusive' vermutet ;-)

tarumo
09.12.2020, 19:04
Wobei -aufgrund der jahrzehntelangen Beteuerungen seitens der politischen Klasse- der durchschnittliche Bürger, nicht weiß, wofür das 'A' in WANZ überhaupt steht, sondern vermutlich 'A bedeutet all inclusive' vermutet ;-)

Leider weiß das auch der typische deutsche Krankenhausarzt nicht. Kann man gut in den immer wiederkehrenden Diskussionen GKV vs. PKV erkennen, wo es im wesentlichen um servile Chefärzte, "nervige" Privatpatienten und Hotelkomfort im Krankenzimmer geht. Daß man mit "freiwillig" GKV sich nicht nur lange Finger in seiner Altersvorsoge ins Haus holt, sondern auch bei den zu 90% ambulant durchgeführten Arztkontakten und Medikamenten/Heilmittelbedarf per Gesetz auf eine Miniversorgung (Ausreichend ist immer noch Schulnote 4-) zum Maxipreis festgelegt wird, fällt regelhaft unter den Tisch. Außerhalb des SGB ist die bestmöglichste Medizin geschuldeter Vertragsgegenstand, also Schulnote 1.

tarumo
09.12.2020, 19:43
. Auf der anderen Seite aber Panik zu schieben, dass ein Bachelor of PA dir deine Kassenpatienten im ambulanten Bereich streitig macht ... das finde ich ehrlich gesagt peinlich, denn damit degradiert man seinen eigenen Berufsstand.

Von dem Nebenaspekt abgesehen, daß ich keine ambulanten Kassenpatienten mehr behandle, verhält es sich ein wenig anders. Ein PA wird schon per Definition niemals ein Kassenarzt sein können. Es ist aber so, daß die Kassen liebend gerne gleiche Leistung unterschiedlich bezahlen, und zwar je unprofessioneller, desto mehr Geld(!). Es gilt ja immer noch, daß die niedergelassenen Fachärzte weitgehend abgeschafft werden sollen "Doppelte Facharztschiene nach Lauterbach", nur sagt man das aktuell aus opportunistischen Gründen nicht ganz so laut...Und da ist jedes Mittel recht.
Aktuelles Beispiel: Grippeimpfung durch Arzt 7 EUR, durch Apotheker 12 EUR (der kann sicher auch professionell einen allergischen Schock behandeln..), Quartalspauschale für den Dermatologen 12 EUR, der Hausarzt bekommt aber 40 EUR für ein zweifelhaftes Hautkrebsscreening. Eine Gemeindeschwester kommt auch nicht für 60 EUR Quartalspauschale zur Sprechstunde, sondern wird jede Minute einzeln abrechnen (wie Sozialstationen heute schon). Und Thomas24 wird auch Beispiele aus der Augenheilkunde anbringen können.
Und da man jeden EUR auch in der GKV nur einmal ausgeben kann, wird der Kuchen für die Approbierten rasend schnell kleiner, weil 1) PA und Co. aus politischen Motiven höhere Beträge abrechnen dürfen und 2) nicht auf Budgets und Pauschalen angewiesen sind. Sind ja keine Kassenärzte.
Ansonsten: Röntgenstrahlen dürfen auch heute schon durch Assistenzberufe angewendet werden, die "Befundung" ist bei PA ja auch mit im Curriculum und ein paar kleine Änderungen in der StrlSchV machen vielleicht zukünftig auch die Indikationsstellung wasserdicht. Da aber Befunderhebungsfehler in der Radiologie auch in 30 oder 50 Jahren noch zweifelsfrei nachzuweisen sind (im Gegensatz zur köperlichen Untersuchung, Sono und Co.) wird da aber keine BHP-Versicherung mitspielen. Insofern bin ich da ganz gelassen.



Zu Punkt 1: Wenn ein PA anstatt auf Station die Aufnahmen und die Arztbriefe zu machen im OP oder in der Funktion steht, dann ist das nicht so weil BÄK und Krankenkassen das so beschlossen haben, sondern weil Personal-OA oder CA die Leute dort einsetzen und ihrer Aufgabe als Weiterbilder nicht nachkommen. Sowas sollte und muss sanktioniert werden. Ich persönlich würde ein solches KH verlassen.

Die Bundesärztekammer, der Marburger Bund und damit die personalidentischen Landesärztekammern BEGRÜSSEN den PA doch. Warum sollten sie das sanktionieren? Die Mißstände in der WB kann man oder will man ja jetzt schon nicht abstellen, und wenn dann ein PA z.B. die Funktion übernimmt, hat man ein wunderbares Druckmittel mehr seitens der KH.



Zu Punkt 2: Der von euch ja richtigerweise prognostizierte Ärztemangel im ambulanten Bereich wird ganz sicher nicht dazu führen, dass eine Gruppe der anderen den Kuchen wegnimmt, sondern dass die Kuchenstücke für den einzelnen vermutlich noch größer werden. Die größten Kuchenstücke werden sich dann sicher nicht die PA oder Studied Nurses nehmen können. Schon allein weil die KK riechen wird, wieviel Geld sich mit Zusatzversicherung à la "Nur-Arzt-Behandlung" machen lässt. Es ist einfach fernab jeder Lebenswirklichkeit, dass ein PA nach drei Jahren Studium nur annähernd die gleichen Leistungen anbieten und sinnvolle Therapiekonzepte entwickeln kann wie momentan ein niedergelassener FA.
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Siehe oben. Die Kuchenstücke für die Approbierten werden KLEINER. Wie übrigens schon seit Jahren.
Oben nicht erwähnt habe ich, daß die PA den Approbierten die "Verdünnerscheine "entziehen werden, d.h. der PA wird ambulant die Kopfschmerzen, die Rückenschmerzen und die Magenverstimmung behandeln, die MS, die Knochenmetastasen und das HCC landen dann bei den Gebietsfachärzten, wo eine zeitfressende und teure Diagnostik im Pauschalensystem nicht mehr zu stemmen sein wird.

Und es wird der politische Druck rausgenommen, weil Lieschen Müller gar nicht so richtig den Unterschied zwischen Arzt und Arztassistent weiß. Der nette junge Doktor hat sie untersucht, mit ihr gesprochen und vielleicht noch ein Rezept ausgestellt. "Toll, meine Krankenkasse hat sich gekümmert".

Der Arztanspruch der 90% GKV-"Versicherten" wird ja heute bereits verwässert, indem z.b. Diabetiker von irgendeinem Callcenter angerufen und "motiviert" werden (die DAK hat das eingeführt, wenn ich mich erinnere..) oder in dem ganze Planungsbezirke frei sind von dem entsprechenden Gebietsfacharzt. Solange dann Hinz und Kunz den Anspruch auf Arztkonsultation durchsetzen, in dem sie Tag und Nacht ins KH der Wahl rennen dürfen (völlig kostenfrei), wird es aber keinen nennenswerten Markt für "Facharztgarantie-Zusatztarife" geben. Im Gegensatz zu anderen Ländern übrigens... und die Zeche zahlen die KH-Ärzte mit Minder- und Minusstunden im BD. Es hängt also alles mit allem irgendwie zusammen...

Popliteus
10.12.2020, 14:29
Leider weiß das auch der typische deutsche Krankenhausarzt nicht. Kann man gut in den immer wiederkehrenden Diskussionen GKV vs. PKV erkennen, wo es im wesentlichen um servile Chefärzte, "nervige" Privatpatienten und Hotelkomfort im Krankenzimmer geht. Daß man mit "freiwillig" GKV sich nicht nur lange Finger in seiner Altersvorsoge ins Haus holt, sondern auch bei den zu 90% ambulant durchgeführten Arztkontakten und Medikamenten/Heilmittelbedarf per Gesetz auf eine Miniversorgung (Ausreichend ist immer noch Schulnote 4-) zum Maxipreis festgelegt wird, fällt regelhaft unter den Tisch. Außerhalb des SGB ist die bestmöglichste Medizin geschuldeter Vertragsgegenstand, also Schulnote 1.

Wäre die Folgerung für dich, dass man als Arzt mit einem erwartbaren Jahresbrutto > 100.000 Euro in die PKV sollte, zumindest wenn man sich niederlassen will (AN-Beitrag zur GKV fällt weg)? Bis auf die unklare Entwicklung des Rechnungszinses in der PKV (wenn man realistisch ist: es wird bei uns wie in Japan enden und der Rechnungszins wird nochmal deutlich sinken, mit der Folge steigender Beiträge) spricht nämlich m.E. nichts dagegen, außer eine große Familie mit Hausfrau/-mann-Modell. Insbesondere die Problematik mit der Kombination freiwillige GKV (Beiträge auf alles bis zur BBG) + Versorgungswerk (kein Zuschuss) ist vielen einfach nicht bewusst. Trotzdem habe ich kaum Kollegen, die in die PKV wechseln.

Popliteus
10.12.2020, 14:32
Der letzte Satz sollte besser heißen: Vielleicht auch deswegen (statt trotzdem) habe ich kaum Kollegen, die in die PKV wechseln.