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pineapple
21.01.2022, 19:48
…………….

OhDaeSu
21.01.2022, 21:18
Wird dieses Forum eigentlich moderiert?

ImaginaryElement
22.01.2022, 23:47
@Eustasskid: Das klingt ziemlich schrecklich, was du da erzählst...
Ich kann deine gesamte Situation nachvollziehen, bis auf dass ich noch nicht ganz verstehe, weshalb du deine Sozialkontakte abgebrochen hast. Meine Sozialkontakte sind momentan das Einzige, was mich morgens dazu bringt, aufzustehen...damit ich in meiner Freizeit mit ihnen das Leben sinnvoll verbringen kann...ohne diese würde ich erst recht in einen Abgrund fallen.

Ich habe mich nun auch intensiver mit alternativen Fachrichtungen beschäftigt, in denen man weniger "direkten Schaden" anrichten kann. Labormedizin, MiBi, Patho und alle anderen Richtung außer vielleicht Transfusionsmedizin, die mir die anderen bereits im Forum vorgeschlagen haben, scheinen mir da wirklich eine gute Wahl zu sein. Mittlerweile finde ich mich auch immer mehr damit ab, nicht so ein Arzt sein zu können wie viele andere, aktiv und menschlich und zuversichtlich, sondern dann doch eher ein Mensch, der aus Versehen in den Arztberuf gerutscht ist...und daher lieber aus sicherer Entfernung unterstützt bzw. es zumindest versucht, und es weitaus kompetenteren Leuten überlässt, bevor man mehr schadet als hilft. Ich fühle mich deshalb auch wie ein Versager und habe wie du starke Zweifel an meinen Fähigkeiten, da ich auch ständig überfordert bin bei vergleichsweise geringerer Belastung als von anderen Erfahrungsberichten, die ich höre.
Aber auch wenn es pessimistisch klingt: Inkompetenzgefühle sind sowieso da, egal ob ich in der Klinik am Patienten weiter mache oder Patientenkontakt aufhöre. Ich werde mich immer fragen, warum ich nicht so wie die anderen Ärzte oder Vorbilder sein kann, die ich innerlich angestrebt habe, aber ich kann es offensichtlich einfach nicht mit diesem Frohmut und dieser Leidenschaft.
Also versuch ich es so zu machen, dass ich halbwegs durch das Leben komme...im Endeffekt geht es ja ums Überleben, und ich weiß, dass ich eher ohne Job als Arzt überleben könnte als ohne mein soziales Umfeld oder mein bisschen Freizeit.

Wir sind übrigens ungefähr im selben Alter, und ich scheue mich ebenfalls davor, nochmal komplett neu anzufangen...nicht mal, weil ich es mir nicht zutrauen würde, auch wenn die Aussicht, noch einmal zu studieren, nicht die Berauschendste ist...aber weil ich mir eben nicht sicher bin, ob das Gras auf der anderen Seite wirklich grüner ist. Was ist, wenn man am Ende sehr viel Zeit in eine neue Fachrichtung investiert und dann auch merkt, dass es nur an der eigenen Person liegt? Und dann natürlich die Sorge mit dem Lebenslauf...die verstehe ich auch sehr. Heutzutage muss man in der Gesellschaft voll funktionsfähig sein, sonst wird man direkt als faul und nicht leistungsfähig und Schande oder schade eingestuft und hinterfragt und dieser Druck von außen ist nervig...
Daher versuche ich erst einmal, mich mit dem Papierwisch, der bezeugt, dass ich irgendetwas kann (Approbation), durchs Leben zu schlagen, und wenn auch die anderen Richtungen nichts für mich sind...dann vielleicht komplett neu umorientieren?

Ich drück dir auf jeden Fall die Daumen, dass du aus deinem Loch rauskommst...es klingt bei dir wirklich so, als ob du evtl. professionelle Hilfe in Anspruch nehmen solltest, wenn es dein Leben insgesamt bereits so sehr beeinträchtigt hat. =/

Colourful
23.01.2022, 06:54
Psychotherapie und Sertralin? Wäre vielleicht mal eine Idee, wobei man auf das Sertralin bei guter Psychotherapie wahrscheinlich schnell verzichten kann.

Und abgesehen davon, dass ich das bei solchen Ansprüchen und Ängsten für sinnvoll halte, mal anzuschauen, warum das da ist und wie man besser damit umgehen kann - kaum ein Arzt muss Vollzeit arbeiten, um nicht zu "verhungern". Klar, wenn man eine Familie zu versorgen hat und ein Haus abbezahlen muss, dann sieht das etwas anders aus. Aber davon lese ich bei euch nichts.

Was hindert euch daran auf 80% zu reduzieren und einen Tag in der Woche frei zu haben? Ist für die Freizeitgestaltung und den Haushalt nämlich auch für junge Leute ohne Kinder, die zusätzlich noch viele Dienste machen, ein gutes Konzept.

EustassKid
23.01.2022, 15:21
Danke nochmal für die Antworten an alle und an ImaginaryElement, bin mit selbst mit den patientenfernen Fächern auch nicht so sicher, dort gibt es auch eine hohe Arbeitsdichte. Große Genauigkeit und Sorgfalt sind gefordert. Ich wünschte einfach ich wüsste vorher, dass ich in einem anderen neuen Beruf besser zurecht kommen würde, vielleicht sogar aufblühen kann. Aber wenn ich so bleibe wie ich bin, hätte ich einfach nur viel Zeit verloren und das ist eigentlich unser kostbarstes Gut. Der Gedanke einer 80% Woche ändert nicht so viel bei mir, ich habe ja große Probleme mit Selbststrukturierung und Zeitmanagment (Ich werde mir hier auch ein Kurs suchen), da würde ich dann Workload, die ich in 5 Tagen nicht schaffe auch nicht in 4 Tagen schaffen. Mit den Diensten in der KJP komme ich eigentlich ganz gut zurecht.

Und ich bin auch am überlegen einfach ab jetzt jeden Tag hinzugehen, auch an meinen freien Wochenenden um mir die Arbeit zu entzerren. Nicht die nächsten 4 Jahre aber zumindest 6 Monate probieren bzw. bis es mir besser geht. Ich bin auf der Arbeit und in dem Haus auch nicht unglücklich, ich mag die Kollegen von allen Stationen, der Gedanke dort in meiner Freizeit in Ruhe arbeiten zu können gibt mir ein spannungsabbauendes Gefühl. Nur mich macht es tierisch unglücklich, dass ich es nicht auf die Kette bekomme gute strukturierte Arbeit leisten zu können, in der Zeit die ich dafür habe, manchmal einfach sogar vor den Arbeitsaufträgen voller Angst wie gelähmt bin und noch mehr Zeit verliere. Es ist auch nicht sowas wie Selbstverletzung oder medikamentöse Einstellung, sondern die Perspektivplanung für die Patienten und die ganzen Schriftkontakte die dafür nötig sind.

ehem-user-07-02-2022-0851
23.01.2022, 16:57
Mit den Diensten in der KJP komme ich eigentlich ganz gut zurecht.

Und ich bin auch am überlegen einfach ab jetzt jeden Tag hinzugehen, auch an meinen freien Wochenenden um mir die Arbeit zu entzerren. Nicht die nächsten 4 Jahre aber zumindest 6 Monate probieren bzw. bis es mir besser geht. Ich bin auf der Arbeit und in dem Haus auch nicht unglücklich, ich mag die Kollegen von allen Stationen, der Gedanke dort in meiner Freizeit in Ruhe arbeiten zu können gibt mir ein spannungsabbauendes Gefühl.

Wieviel Dienste muss du denn machen? Hast/muss du Opt-Out unterschrieben?

Warum willst du an deinen freien Tagen die zur Erholung da sind in die Klinik?

Mr. Pink online
23.01.2022, 17:01
An deinen freien Tagen solltest du schon aus Versicherungsgründen keine Arbeit in der Klinik aufnehmen.

hebdo
23.01.2022, 18:26
Vielleicht gibt es bei dir eine Diskrepanz zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung. Bitte zur Objektivierung um ein Mitarbeitergespräch. Deine Probleme musst du dabei nicht unbedingt ansprechen. Aber vielleicht hast du einen guten Draht zu einem Vorgesetzten, der dich einschätzen kann.

RussianAngel
23.01.2022, 18:59
OMG!!! An Deinen freien Tagen solltest Du wirklich nur eins machen: an deiner Genesung arbeiten und glaub mir, das ist teilweise wirklich zeitintensiver als der Vollzeitjob...

dissection
23.01.2022, 21:52
https://www.reddit.com/r/Finanzen/comments/sapkte/an_alle_gutverdiener_wie_sehr_fordert_euch_euer/ Auf die Tätigkeit als praktizierender Arzt habe ich angesichts der heutigen beruflichen Landschaft und der Möglichkeiten bzgl. Work-Life-Finance-Balance auch keine Lust mehr. Entweder mehr verdienen oder angenehmere Arbeitsbedingungen, anderenfalls lohnt der Job nicht mehr.

WiWi18
24.01.2022, 10:49
https://www.reddit.com/r/Finanzen/comments/sapkte/an_alle_gutverdiener_wie_sehr_fordert_euch_euer/ Auf die Tätigkeit als praktizierender Arzt habe ich angesichts der heutigen beruflichen Landschaft und der Möglichkeiten bzgl. Work-Life-Finance-Balance auch keine Lust mehr. Entweder mehr verdienen oder angenehmere Arbeitsbedingungen, anderenfalls lohnt der Job nicht mehr.

Das ist nicht repräsentativ.

Fakt ist: In der freien Wirtschaft sind die Gehälter wesentlich variabler - mehr Potential nach oben, aber auch nach unten. Und oft ohne, dass man es selbst beeinflussen kann. Vor 10 Jahren hieß es noch, Maschinenbau sei ein Top-Studium, inzwischen werden die Absolventen dieses Fachs kaum noch gesucht. Pech gehabt.

In der Medizin ist a) das erwartete Durchschnittsgehalt höher und b) die Streubreite niedriger. Nach den "klassischen ökonomischen Kriterien" (Erwartungswert des Einkommens und Varianz) ist der Arztjob optimal. Wer die Hoffnung hegen möchte, zu den ganz wenigen zu gehören, die das ganz große Geld machen, sollte nicht als Arzt arbeiten, stimmt. Aber diese Einstellung erfordert schon eine gewisse Risikoaffinität.

Das sehr hohe Lebenseinkommen erkauft man sich halt dadurch, dass die Weiterbildungszeit sich, je nach Stelle, zwischen "unangenehm" und "Hölle auf Erden" bewegt. Aber auch das ist eigentlich nur eine Verteilungsfrage. Die Niedergelassenen machen im Schnitt nach Abzug der Investitionskosten >200.000€ im Jahr (auch wenn das gerne relativiert wird - das ist brutal viel, das kriegen DAX-Abteilungsleiter, und an eine solche Stelle kommen deutlich weniger als 5% aller BWL- oder MINT-Absolventen). Man könnte stattdessen staatlicherseits die Ärztegehälter in den Kliniken mitsubventionieren, anstatt zum Beispiel auch noch die Weiterbildungsstellen in den Praxen zu 100% zu finanzieren.

Als WBA zu arbeiten ist auch deswegen so schei*e, weil die "Ärztevertreter" oft entweder selbst niedergelassen sind oder Leitungspositionen in den Kliniken haben oder anstreben. Natürlich gehen die nicht an die eigenen Pfründe.

Dem Ganzen die Krone aufgesetzt wird dadurch, dass die Niederlassung, ebenfalls politisch gewollt, immer schwerer wird. Auch das ist für die niedergelassenen Ärztevertreter super, denn ihre Kassensitze werden so mehr wert. Und warum soll man die eigene Praxis für 300.000€ an einen jungen Facharzt abdrücken, wenn einem ein Private Equity Fonds 500.000€ dafür zahlt, der ein MVZ schmiedet, den Arzt dann einfach anstellt und zweistellige Kapitalrenditen einfährt?

Letztlich ist das auch ein Generationenkonflikt. Die Boomer-Ärzte machen sich auf Kosten der Perspektiven des medizinischen Nachwuchses ein schönes Leben. Ist in anderen Bereichen ganz ähnlich.

Die Medizin ist und bleibt ein attraktiver Weg. Aber: Die Perspektiven werden schlechter, und ob man sich unter diesen Bedingungen die doch ätzenden Umstände der ersten Dekade geben möchte, muss jeder selbst wissen.

Endoplasmatisches Reticulum
24.01.2022, 11:56
Fakt ist: In der freien Wirtschaft sind die Gehälter wesentlich variabler - mehr Potential nach oben, aber auch nach unten.
Das vernachlässigt allerdings Einflussfaktoren wie z.B. die starke Leistungsselektion in der Medizin. Der 1er-Abiturient mit 1er-Medizinabschluss und Magna-Promotion ist womöglich wenig beeindruckt, wenn man ihm erzählt, dass er es als 3er-Abiturient mit 2er-BWL-Bachelor in der Industrie schlechter hätte. Hyperbolisch formuliert: In der Medizin ist jeder Absolvent ein High Potential, entsprechend der Anspruch der Arbeitgeber, und darum ist es niemand, entsprechend die Wertschätzung der Arbeitgeber.

Nicht vergessen sollte man auch, dass der Beispielökonom zu dem Zeitpunkt, wo der Arzt erstmals bezahlt arbeitet, bereits 3,5 bis 4,5 Jahre Berufserfahrung mit entsprechenden Karrieremöglichkeiten gesammelt hat. Der ist dann schon fast "Senior Irgendwas", während der Arzt sich weiter mit "Lehrjahre sind keine Herrenjahre" abspeisen lassen muss. Es ist ja nicht so, als gäbe es in der Industrie zwischen den Gehaltspolen keine Durchlässigkeit. Man kann höher oder niedriger einsteigen, aber man bleibt in der Regel nicht dort.


Und oft ohne, dass man es selbst beeinflussen kann. Vor 10 Jahren hieß es noch, Maschinenbau sei ein Top-Studium, inzwischen werden die Absolventen dieses Fachs kaum noch gesucht. Pech gehabt.
Das ist eben ein Schweinezyklus. Den gibt es bei uns Ärzten ja auch. Die Älteren hier berichten doch oft, wie schlimm es früher war. Dann ist es post 2006 wohl besser geworden und aktuell brechen wieder viele Errungenschaften weg. Ob unser Tarifvertrag jetzt eher ein Auffangnetz darstellt oder Leistung erstickt, darüber kann man sich streiten. Ich persönlich habe es immer eher als Letzteres empfunden.


Die Medizin ist und bleibt ein attraktiver Weg. Aber: Die Perspektiven werden schlechter, und ob man sich unter diesen Bedingungen die doch ätzenden Umstände der ersten Dekade geben möchte, muss jeder selbst wissen.

Genau so ist es! Die Frage ist doch, wieviel Trost eine Karriereendspekulation dem Assistenzarzt spenden kann, der sich zunächst mit 5 bis 10 Jahren Dreckfressen konfrontiert sieht, in denen er maximal abhängig ist und fast jeden Einfluss auf Gehalts-, Karriere- und Lebensplanung aus der Hand gibt. Da sind wir beim "muss man durch", das hier öfters von älteren Forummitgliedern gebracht wird. Mag ja stimmen, geht aber auch irgendwo am Kernargument der jüngeren Generation vorbei.

Der Bauer fährt die Gülle aus. Es stinkt bestialisch.
Ja und? Im Winter riecht's besser!
Da hat das Freibad aber zu.

WiWi18
24.01.2022, 12:39
Das vernachlässigt allerdings Einflussfaktoren wie z.B. die starke Leistungsselektion in der Medizin. Der 1er-Abiturient mit 1er-Medizinabschluss und Magna-Promotion ist womöglich wenig beeindruckt, wenn man ihm erzählt, dass er es als 3er-Abiturient mit 2er-BWL-Bachelor in der Industrie schlechter hätte. Hyperbolisch formuliert: In der Medizin ist jeder Absolvent ein High Potential, entsprechend der Anspruch der Arbeitgeber, und darum ist es niemand, entsprechend die Wertschätzung der Arbeitgeber.

Völlig richtig. Wenn ich die Leute anschaue, die meine Abi-Noten-Peergroup waren und ihr Studium mit derselben Konsequenz durchgezogen haben, sitzen die meisten in Großkanzleien oder anderen Spitzenjobs und verdienen mehr als Oberärzte. Frage ist halt die mittelfristige Perspektive. Für die heißt es irgendwann Partner Track or out.



Nicht vergessen sollte man auch, dass der Beispielökonom zu dem Zeitpunkt, wo der Arzt erstmals bezahlt arbeitet, bereits 3,5 bis 4,5 Jahre Berufserfahrung mit entsprechenden Karrieremöglichkeiten gesammelt hat. Der ist dann schon fast "Senior Irgendwas", während der Arzt sich weiter mit "Lehrjahre sind keine Herrenjahre" abspeisen lassen muss. Es ist ja nicht so, als gäbe es in der Industrie zwischen den Gehaltspolen keine Durchlässigkeit. Man kann höher oder niedriger einsteigen, aber man bleibt in der Regel nicht dort.

Naja. Der Senior Billing Manager ist auch nur ein Abrechnungssachbearbeiter mit hübschem Namen. Diese aufgehübschten Namen dienen meines Ermessens nach vor allem dazu, zu verschleiern, dass viele überhaupt nicht befördert werden. Viele klassische Sachbearbeiter-Jobs werden halt heutzutage mit Akademikern und nicht mehr z.B. mit ausgebildeten Kaufleuten besetzt. Also muss man halt den karrierebewussten BWLern einen stetigen Fortschritt vorgaukeln, der aber im Endergebnis nur die Gehaltssteigerung durch längere Betriebszugehörigkeit und Erfahrung und keinen Karriereschritt darstellt.



Das ist eben ein Schweinezyklus. Den gibt es bei uns Ärzten ja auch. Die Älteren hier berichten doch oft, wie schlimm es früher war. Dann ist es post 2006 wohl besser geworden und aktuell brechen wieder viele Errungenschaften weg. Ob unser Tarifvertrag jetzt eher ein Auffangnetz darstellt oder Leistung erstickt, darüber kann man sich streiten. Ich persönlich habe es immer eher als Letzteres empfunden.

Jap. Aber erschwerend kommt hinzu, dass sich die Perspektiven im deutschen Gesundheitssystem zunehmend verdunkeln. 50% Steigerung der Leistungsausgaben in den letzten 10 Jahren sind ein Wort. Da ist sehr wenig Spielraum. Die Rente der Boomer wird auch die Einnahmenseite schwer treffen.



Genau so ist es! Die Frage ist doch, wieviel Trost eine Karriereendspekulation dem Assistenzarzt spenden kann, der sich zunächst mit 5 bis 10 Jahren Dreckfressen konfrontiert sieht, in denen er maximal abhängig ist und fast jeden Einfluss auf Gehalts-, Karriere- und Lebensplanung aus der Hand gibt. Da sind wir beim "muss man durch", das hier öfters von älteren Forummitgliedern gebracht wird. Mag ja stimmen, geht aber auch irgendwo am Kernargument der jüngeren Generation vorbei.



Absolut :)

mbs
24.01.2022, 17:43
Hat man denn unter gewissen Umständen mehr Chancen einen Quereinstieg in einen neuen Bereich hinzukriegen bzw einen solchen Job zu bekommen wenn man bei seinen Gehaltsvorstellungen bescheiden auftritt? In meinem Fall ist das sekundär, ich denke als Akademiker kann man immer irgendwie gut überleben wenn die Ansprüche nicht allzu hoch sind.

Man hat ja oft das Problem, dass einen ein Job anspricht oder interessieren würde, man das in der Stellenanzeige genannte Anforderungsprofil nicht erfüllt - woher sollte man auch mehrere Jahre Industrieerfahrung haben? Wenn das für fast alles erwartet wird, wie schaffen es dann eigentlich Berufseinsteiger einen Job zu finden? Oder gelten für diese komplett andere Regeln? Und wenn ja warum? Weil sie jünger sind? Was genau soll das für einen Vorteil haben? Flexibler? Ist das altersabhängig? Weil sie weniger kosten?

Klar könnte man sich einfach auf Stellen bewerben wo man einen Teil der Erwartungen nicht erfüllt. Man braucht nur die Resilienz Ablehnungen - die dann ja vorprogrammiert sind - wegzustecken. Und das ist leichter gesagt als umgesetzt.

_calendula_
24.01.2022, 19:50
Langsam frage ich mich, wo dein Problem ist, mbs. Du kommst und kommst aus deiner Leier nicht heraus?!

roxolana
24.01.2022, 20:10
Es gibt auch Firmen, die gezielt Studienabgänger suchen. Bieten dann entsprechend auch unterirdische Gehälter, dafür kann man etwas Erfahrung sammeln und dann später woanders höher einsteigen. Ich habe nach dem Studium so einen Job im Pharma-nahen Bereich gemacht. Man braucht allerdings für die alternativen Jobs in der Regel Kenntnisse, die man im Medizinstudium nicht unbedingt vermittelt bekommt. In meinem Fall hatte ich die über die Doktorarbeit. Ausgehend von diesem ersten Job hatte ich danach eine gute Auswahl aus verschiedenen anderen, deutlich besser bezahlten Jobs, zu denen ich nur Zugang hatte, weil mir die Erfahrungen aus dem ersten Job die entprechenden Türen geöffnet haben.

Letzlich sollte man sich mal ein paar Stellenanzeigen durchlesen und schauen, was die fordern, und sich dann überlegen, wie man diese Kenntnisse und Fähigkeiten erwerben könnte. Es gibt aber genug Stellenangebote, wo außer einem Medizinstudium und vielleicht ein paar Jahren klinischer Erfahrung eigentlich gar nix besonderes gefordert wird... Hier mal beispielhaft ein Job im Medizintechnik-Bereich: https://www.stepstone.de/stellenangebote--Arzt-im-Therapiemanagement-Telemedizin-m-w-d-Berlin-Biotronik-SE-Co-KG--7250033-inline.html?utm_campaign=google_jobs_apply&utm_source=google_jobs_apply&utm_medium=organic

Leucovorin
24.01.2022, 20:24
Genau so ist es! Die Frage ist doch, wieviel Trost eine Karriereendspekulation dem Assistenzarzt spenden kann, der sich zunächst mit 5 bis 10 Jahren Dreckfressen konfrontiert sieht, in denen er maximal abhängig ist und fast jeden Einfluss auf Gehalts-, Karriere- und Lebensplanung aus der Hand gibt. Da sind wir beim "muss man durch", das hier öfters von älteren Forummitgliedern gebracht wird. Mag ja stimmen, geht aber auch irgendwo am Kernargument der jüngeren Generation vorbei.

Der Bauer fährt die Gülle aus. Es stinkt bestialisch.
Ja und? Im Winter riecht's besser!
Da hat das Freibad aber zu.

Danke. Deine Beiträge sind Gold wert.
Den einzigen Rat, den man geben kann ist ein Fach mit für einen selbst erträglichen Arbeitsbed. in der Weiterbildung zu wählen. Zu guter letzt brauchen viele wegen Wechsel oder fehlenden Zahlen oder Fachwechsel ein paar Jahre länger.

Cor_magna
27.01.2022, 20:14
https://www.reddit.com/r/Finanzen/comments/sapkte/an_alle_gutverdiener_wie_sehr_fordert_euch_euer/ Auf die Tätigkeit als praktizierender Arzt habe ich angesichts der heutigen beruflichen Landschaft und der Möglichkeiten bzgl. Work-Life-Finance-Balance auch keine Lust mehr. Entweder mehr verdienen oder angenehmere Arbeitsbedingungen, anderenfalls lohnt der Job nicht mehr.

Wieso wird hier eigentlich immer so viel gejammert? Dann mach halt was anderes wenns dir da wo du bist nicht taugt.
Bin nicht mehr so oft online hier, aber gefühlt wird das Gejammere immer lauter. Klar, Assi sein ist kein Ponyhof, aber wenns mich irgendwo ankotzt, dann geh ich woanders hin. Ich bin ja kein Baum.

Kackbratze
27.01.2022, 21:24
Da die Tarifverträge ja langfristig erkennbar sind, frage ich mich, warum dieses Geweine mit dem Geld auftaucht. Man kann Stunden reduzieren, dann ist es weniger Geld, aber mehr Life in der Balance. Man kann voll durchziehen, dann sieht man die Gehälter der Zukunft und kann für sich entscheiden, ob man es dafür leisten will. AT-Verträge kommen ab einem gewissen Punkt noch dazu.

Diesen Teil, dass in der freien Wirtschaft Gehälter auch mal niedriger sein können, überlesen manche User gerne.
Für die "perfekte" Work-Life-Balance kann man ja Lehramt machen, da weiss man, wieviel Ferien man so hat und wann potentiell der Arbeitstag endet. Zusammen mit einem super planbaren Gehalt.

Wenn es euch nicht gefällt, sucht euch was Anderes. Das Bällebad ist eben nur für die Kinder, die auch ins Smaland wollen, sonst geht einfach nicht zu IKEA.

Leucovorin
27.01.2022, 21:39
Bin nicht mehr so oft online hier, aber gefühlt wird das Gejammere immer lauter. Klar, Assi sein ist kein Ponyhof, aber wenns mich irgendwo ankotzt, dann geh ich woanders hin. Ich bin ja kein Baum.

Gut, dass kommt von Leuten mit zum Teil sehr tiefen Tiefpunkten in der Weiterbildung. Alles halbe Jahr wechseln geht auch nicht, und ja kann auch mal sein, dass man 2 Stellen hintereinander hat, die sich als nicht erträglich rausstellen. Und ja es ist sehr frustriend 5 Jahre Weiterbildung gemacht zu haben, und dann nicht zugelassen zu werden vom Weiterbilder zur Prüfung. Weiterbildung ist kein Zuckerschlecken. Assistenzärzte haben keine Lobby, niemand interessiert sich wirklich für sie. Sie selbst wollen alsbald als möglich (verständlicherweise) aus der Assi-Zeit raus.
Als Facharzt oder gar Praxis Inhaber/Oberarzt finde ich das Gejammer tatsächlich sehr unangebracht. Es gibt echt viele Optionen und erträgliches Auskommen für jedermann.
Lediglich Chefärzte haben in den letzten 20 Jahren Federn lassen müssen. Da sind sicher Tränen geflossen angesicht von früher je nach Fach 1 Mio+ Jahreseinkommen. :-nix
Die Jobs sind natürlich trotzdem noch begehrt, auch wenn das Gehalt nicht mehr ganz so hoch ist.