Anmelden

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Keine Lust mehr Arzt zu sein



Seiten : 1 2 3 4 5 [6] 7 8 9

Sterling Archer
12.02.2022, 09:38
I feel you. Geht mir ähnlich. Mache aktuell Psychosomatik und da geht es mir relativ gut. Kenne viele Kolleg*Innen mit bunteren Lebensläufen und wenn man eine gute Klinik findet kann die Arbeit auch wirklich befriedigend sein. Die Patient*Innen (und auch das ärztliche Personal) profitieren ungemein von guter Psychotherapie und wir laufen nicht mit weißen Kitteln und Wägelchen über den Flur. Mache nebenbei viel Kunst und Musik.

GP1001
12.02.2022, 10:48
Naja wenn man man 24h Bereitschaften macht, die nahe oder gleich 24h Dauereinsatz kommen, sollte man drüber nachdenken, ob man das mit sich machen lässt. Irgendwann merken viele, dass diese Dienste an die Substanz gehen und man nicht mehr so leistungsfähig ist wie früher. Spätestens dann kommt der Zeitpunkt für eine Veränderung. Einfach auf sich selbst und seinen Körper hören und nicht weitermachen und über die Arbeit krank werden.

Aeonflux
17.02.2022, 07:45
Naja wenn man man 24h Bereitschaften macht, die nahe oder gleich 24h Dauereinsatz kommen, sollte man drüber nachdenken, ob man das mit sich machen lässt. Irgendwann merken viele, dass diese Dienste an die Substanz gehen und man nicht mehr so leistungsfähig ist wie früher. Spätestens dann kommt der Zeitpunkt für eine Veränderung. Einfach auf sich selbst und seinen Körper hören und nicht weitermachen und über die Arbeit krank werden.

Das ist ehrlich gesagt sowieso verboten. Bei regelhafter Inanspruchnahme im Dienst über 50% muss ein Schichtdienst eingeführt werden.

Bonnerin
17.02.2022, 10:17
Das ist ehrlich gesagt sowieso verboten. Bei regelhafter Inanspruchnahme im Dienst über 50% muss ein Schichtdienst eingeführt werden.

Den wollen dann aber viele nicht, weil sie Schichtdienst sofort mit einem fiesen 8h-Rotationssystem gleichsetzen. Es gibt aber auch durchaus andere Modelle (z.B. von 20 - 8 Uhr 12h).

Nefazodon
17.02.2022, 11:59
Das ist ehrlich gesagt sowieso verboten. Bei regelhafter Inanspruchnahme im Dienst über 50% muss ein Schichtdienst eingeführt werden.

Das wurde hier im Forum schon sooo oft diskutiert....
Letztlich scheitert es oft daran, dass es Sache der Arbeitnehmer ist, diese Belastung auch zu dokumentieren. Das ist erstmal für 1-2 Monate zusätzlicher Dokumentationsaufwand. Und dann haben tatsächlich viele Angst vor einem Schichtdienstsystem und wollen es nicht, aus verschiedensten Gründen.

Also bleibt einem als Einzelner nur, abzuwandern, wenn man die 24h-Dienste mit nahezu Volllarbeit nicht mehr kann oder will.:-nix

SineNomine
17.02.2022, 16:03
Den wollen dann aber viele nicht, weil sie Schichtdienst sofort mit einem fiesen 8h-Rotationssystem gleichsetzen. Es gibt aber auch durchaus andere Modelle (z.B. von 20 - 8 Uhr 12h).

bin froh, Schichtdienst zu haben. Sonst geh ich ja noch mehr gratis arbeiten ;)

tragezwerg
17.02.2022, 16:42
Ich gehöre ja zu der Fraktion, die lieber wenige Male im Monat 24h durcharbeitet, als mehrere Schichtnächte am Stück zu haben (Schichtdienst zerschießt mir derartig den Biorhythmus, das macht mich richtig krank wenn es länger als wenige Monate am Stück vorkommt). Und mit vier 24h-Diensten im Monat hatte ich 1000€ mehr auf dem Konto als mit Schichtdienst, das war dann nur Grundgehalt mit den lächerlichen Zuschlägen.
Jetzt mit Kindern daheim könnte ich Schichtdienst erst recht nicht mehr betreuungstechnisch abdecken. Eine Umstellung auf Schichtdienst wäre für mich immer ein Kündigungsgrund.

Endoplasmatisches Reticulum
17.02.2022, 19:02
Und mit vier 24h-Diensten im Monat hatte ich 1000€ mehr auf dem Konto als mit Schichtdienst, das war dann nur Grundgehalt mit den lächerlichen Zuschlägen.
Die 1.000 € mehr auf dem Konto hast du nicht wegen der 24-Stunden-Dienste, sondern weil du jeden Monat 32 geplante Überstunden machst, die bloß nicht so genannt werden.

mbs
17.02.2022, 20:18
Genau das ist der Punkt, man arbeitet im Schnitt deutlich mehr als 40h pro Woche. Vielen "normalen" Arbeitnehmern sind die ja schon zu viel. In meinem Bekanntenkreis haben schon einige Stunden reduziert weil ihnen selbst diese Stundenzahl ihre Lebensqualität zerschossen hat.
Bei Ärzten ist es dadurch ja auch so, dass sogar so genannte "Teilzeitkräfte" mehr Stunden arbeiten als Vollzeitkräfte in anderen Branchen - zumindest sofern es ein 24h-Modell gibt.

Aber es stimmt - die einfachste und wahrscheinlich auch beste Lösung des Problems wird es sein einen Job jenseits der Klinik zu suchen.
Hintergrunddienste sind ja auch nicht besser - im Gegenteil. Egal wie man es dreht und wendet, die Perspektiven sind ungünstig.

Brutus
17.02.2022, 21:03
Ich gehöre ja zu der Fraktion, die lieber wenige Male im Monat 24h durcharbeitet, als mehrere Schichtnächte am Stück zu haben (Schichtdienst zerschießt mir derartig den Biorhythmus, das macht mich richtig krank wenn es länger als wenige Monate am Stück vorkommt).
Eine Umstellung auf Schichtdienst wäre für mich immer ein Kündigungsgrund.
So sieht das aus! Das Problem sind auch nicht die 24h Dienste. Ich kenne 24h Dienste, selbst in Uni-Kliniken, wo Du am nächsten Tag ausgeruht nach Hause / in die Sauna / an den See gefahren bist. Das Problem ist, dass mittlerweile jeder Pickel am Arsch zum Notfall erklärt wird, der im Zweifel um 2:30 Uhr Nachts auf den Tisch gezogen werden muss. Ich habe Verständnis für jeden ECHTEN Notfall, und den auch zu jeder Uhrzeit, aber diese Pseudonotfälle, die einem sonst den OP-Plan des nächsten Tags zerschiessen, die kotzen einen nur noch an.
Das Gleiche gilt für die konservativ oder operativ werkelnden Kollegen. Vor 10 Jahren war es eher die Ausnahme, dass Du Nachts nach 22/23 Uhr noch arbeiten musstest. Heute ist es eher die Ausnahme, wenn man pro Nacht mal länger als 1-2 Stunden Schlaf bekommt.

Nichtsdestotrotz mag ich meinen Beruf trotzdem total gerne. Auch wenn man mal :-kotz durch die Klinik läuft.
Weil: klar kann man mal in die Scheiße packen. Aber wenn das nicht im jeden Dienst geschieht...
Und der Rest macht mir immer noch Spaß. Gerne auch mal richtig anspruchsvoll und gerne im Dienst. Vielleicht nicht morgens um 3 oder 4 Uhr. Aber wenn es so richtig notfallig ist, auch dann!
:-love

SineNomine
17.02.2022, 22:12
Die 1.000 € mehr auf dem Konto hast du nicht wegen der 24-Stunden-Dienste, sondern weil du jeden Monat 32 geplante Überstunden machst, die bloß nicht so genannt werden.

So ist es und Schichtsystem muss nicht einmal zwangsweise bedeuten, dass man Blöcke hat, auch wenn das zugegebenermaßen meist der Fall ist. Und diese Bereitschaftsdienste sollten auch voll bezahlt werden, auch wenn das die Höchstarbeitszeit aushebelt. Dafür sollte es eher einen Zuschlag auf die 100% wegen verlängerter Arbeitszeit geben.

Das gilt zumindest für die Fächer, in denen man nicht wirklich 60% der Zeit schläft, sowas mags ja auch geben, die Regel ist es aber nicht.

Endoplasmatisches Reticulum
17.02.2022, 22:38
Ich stellte die Frage schon mehrfach, habe aber noch nie eine echte Antwort bekommen. Wenn unser Standpunkt ist, dass wir im 24h-Dienst durcharbeiten und das zwar illegal aber immer noch viel besser als Schichtdienst ist - wie kommt es, dass von hunderttausenden Krankenpflegern in Deutschland noch nie gefordert wurde, deren Schichtdienst auf 24h-Dienste umzustellen? Wissen die alle nicht, wie viel besser sie es haben könnten? Wieviel einfacher die Kinderbetreuung wäre? Dass sie für 48 bis 56 Stunden pro Woche nen Tausender oder mehr zusätzlich auf dem Konto hätten?

(Mir ist auch nicht ganz klar, in wiefern Durcharbeiten von 21 bis 7 Uhr den Biorhythmus zerstört, Durcharbeiten von 8 bis 8 Uhr aber nicht? Das ist keine Frage des Dienstsystems, sondern des Dienstplans.)

anignu
17.02.2022, 23:37
Was willst du denn auf so polemische Fragen hören?
- bei einem 24h-Dienst muss ein Großteil Bereitschaftsdienst sein. Dann ist es NICHT illegal.
- bei der Pflege wäre das illegal weil die meist keinen Bereitschaftsdienst machen... oh, es gibt Ausnahmen, ich kenn eine Klinik in der macht die OP-Pflege einen 24h-Dienst. Es geht also doch. Aber halt nicht auf Normalstation.
- hast du Kinder? Hast du ungefähr eine Ahnung was Kinderbetreuung einfacher oder schwieriger macht?
- Das Problem mit dem Biorhythmus ist dass man bei Schichtdienst beispielsweise eine ganze Woche lang Spätdienst oder Nachtdienst macht. Die Alternative ist ein einziger 24h in der Woche mit frei am nächsten Tag. Wenn du einen einzigen 24h-Dienst machst, stellt sich der Biorhythmus nicht um, bei einer ganzen Woche Spät-/Nachtdienst schon. - Bei einer ganzen Woche Spätdienst oder Nachtdienst ist auch die Kinderbetreuung eine Katastrophe. Da brauchst du diese für eine ganze Woche. Ansonsten mal für einen Tag.
- Nochmal: hast du Kinder? Einen Tag Kinderbetreuung am Nachmittag und am nächsten Morgen wegbringen bekommt man schon irgendwie organisiert. Über Partner oder Freunde/Verwandte. Dann kommt der Partner an dem Tag vielleicht bissl früher aus der Arbeit und kommt am nächsten Tag bissl später oder wie auch immer. Ein Tag in der Woche geht schon immer irgendwie. Eine ganze Woche ist Wahnsinn. Sowohl organisatorisch als auch für die Kinder.
Nimm einfach mal 5 Assistenzärzte. Entweder man macht 3 im Frühdienst, 1 Spät, 1 Nacht oder jeder einmal pro Woche einen 24h-Dienst. Würde bedeuten dass der einzelne Arzt in 2 von 5 Wochen ein zerstörtes Familienleben hat, oder eben nur einmal pro Woche ein Tag bissl komplizierter ist.

Meine Empfehlung: red nicht davon wieviel einfacher deiner Meinung nach Kinderbetreuung wäre, wenn du offensichtlich keine Ahnung davon hast.

Pflaume
18.02.2022, 00:43
Als Assistent im 1. Jahr habe ich damals die älteren Assistenten nicht verstanden, die Schichtdienst in der Klinik unbedingt verhindern wollten und dazu sogar Belastungsdokumentationen im Bereitschaftsdienst fälschten, damit bloß nicht der Bereitschaftsdienst abgeschafft und ein Schichtsystem eingeführt wird. Sobald man mal ein paar Monate oder Jahre im Schicht-System gearbeitet hat, versteht man es aber. 2-Schicht-System ist für die meisten ein wenig erträglicher als 3-Schicht-System, aber 24h-Dienste mit ein bißchen Schlaf in der Nacht sind immer noch am angenehmsten. Selbst dann, wenn man im 24h-Dienst nur 1 bis 3 h Schlaf bekommen hat, ist das für fast alle Menschen immer noch besser als zu schichten.

Man braucht sich doch nur mal anschauen, welche enormen Schwierigkeiten die Kliniken, die ein 3-Schicht-System auf Intensiv und ZNA haben, haben, Leute zu finden, die das mitmachen. Die stecken da üblicherweise Weiterbildungs-Assistenten hin, die keine Chance haben, abzuhauen, und das ganze einfach ein halbes Jahr lang aushalten, weil sie wissen, dass es vorbei geht. Wenn die Zahl der abhängigen Weiterbildungsassistenten nicht ausreicht, und erst recht in den Bereichen, in denen man im Dreischicht-System eine Facharzt-Anwesenheit braucht (Maximalversorger), sieht es aber ganz schnell ganz duster aus auf der Suche nach Personal. Weiß nicht, wo du arbeitest, Endoplasmatisches Retikulum, aber ganz offensichtlich nirgends, wo es jemals ein Voll-Schichtsystem gegeben hat.

Pflegepersonal macht meistens deshalb keine 24h-Dienste mit Bereitschaft, weil sie es nicht *dürfen*, nicht weil sie es nicht wollen. Gibt übrigens genug, die nur deshalb in die OP- oder Anästhesie-Pflege gehen (statt z.B. auf Intensiv), weil ihnen das die Möglichkeit gibt, Bereitschaftsdienste zu leisten statt Vollarbeits-Schichtsystem.

Die Zeiten, wo Bereitschaftsdienst massiv schlechter bezahlt wurde als Vollarbeit, sind auch vorbei. Im TVÄ/VKA gibt Bereitschaftsdienst in der höchsten Bereitschaftsdienst-Stufe in manchen Gehaltsgruppen inzwischen einen deutlich höheren Stundenlohn als die Vollarbeitszeit. Gerade deshalb befürchte ich (für die nachfolgenden Assistenten-Generationen, nicht für mich selbst), dass die Kliniken in den nächsten Jahren viele Bereitschaftsdienste für dem System sowieso ausgelieferte Weiterbildungsassistenten durch Schichtsysteme mit Vollarbeit ersetzen. Da werden dann direkt die Bereitschaftsdienstzimmer leergeräumt und Büros draus gemacht. Und verlasst euch drauf, dass der Geschäftsführung genug Dinge einfallen werden, um Nachtdienste mit Vollarbeit zu füllen. So wie Krankenschwestern nachts Medikamente sortieren, Zettel abheften und irgendwelche Protokolle ausfüllen, werden Ärzte dann eben nachts um 2 die Krebsregister-Meldungen bearbeiten, Arztbriefe schreiben und Akten vervollständigen, sofern nicht durchgehend Patientenversorgung anfällt. Bett gibts keins mehr.

Colourful
18.02.2022, 04:59
@Anignu
Das kann ich genau so unterschreiben. Und als arbeitende Eltern ist es momentan wirklich die Hölle. Mein Kleiner darf nur noch "komplett ohne" Erkältungssymptome in die Kita. Er wird übernächste Woche zwei Jahre alt, schon mal ein Kleinkind im Februar gesehen, dem nicht ab und zu mal die Nase läuft, der auch mal niest und einmal hustet? Ich nicht. Und ein, er ist überhaupt nicht krank, sondern topfit.

Endoplasmatisches Reticulum
18.02.2022, 08:52
- bei einem 24h-Dienst muss ein Großteil Bereitschaftsdienst sein. Dann ist es NICHT illegal.
- bei der Pflege wäre das illegal weil die meist keinen Bereitschaftsdienst machen...
Der Punkt war ja gerade, dass wir mit Bereitschaftsdienst verarscht werden, eben oft NICHT ein Großteil Bereitschaft ist, es damit illegal ist - aber manche Ärzte das TROTZDEM lieber so wollen, weil die Vorstellung arbeitszeitgerechter Dienstplanmodelle für sie dermaßen unerträglich scheint, dass sie lieber Verbotenes mitspielen. Wir sind so ziemlich die einzige Berufsgruppe in ganz Deutschland, die regelhaft in 24h-Diensten tanzen gelassen werden. Und obwohl so ziemlich jede andere Berufsgruppe es falsch beweist, halten manche Vertreter unserer eigenen Zunft Vorträge, warum das immer noch das beste und alternativlose Dienstsystem sei. Da kann ich nur den Kopf schütteln.

Nein, ich will keinze Lanze für Dreischicht brechen. Dreischicht ist Bockmist. Aber hier kommen Leute und vergleichen miese Schichtpläne in offensichtlich übel unterbesetzten Teams mit gechillten 24h-Diensteinhörnern, wo man einmal pro Woche bleiben muss und nachts schläft. Ich weiß nicht, wo sich diese ganzen Kliniken mit tollen und fairen 24h-Dienstmodellen verstecken. Aber es bleibt nunmal das Dienstmodell, das konzeptionell den meisten Missbrauch ermöglicht. Wir geben dem Arbeitgeber damit ein nukleares Schweizer Taschenmesser zum Arbeitsbetrug an die Hand. Was soll schon schiefgehen?

Dann kommt die individuelle Perspektive. Ich verrate dir mal, wie meine bisherigen Dienstpläne im 24h-Coronarechtfertigtalles-System aussahen: Alle 3 Tage Dienst. Ja, jeden dritten Tag. Ein Monat bestand bei mir mal aus 2 regulären Arbeitstagen, jeder einzelne andere gottverdammte Arbeitseinsatz war ein Dienst! Hätte ich sofort getauscht gegen einen Nachtblock alle 4-5 Wochen und dafür den Rest ein gechilltes Leben mit geregelten Arbeiszeiten. Merkst du? Die Argumentation kann man genau so einfach umdrehen, der eigene Dienstplan muss nur beschissen genug sein und der möglichen Alternative eine viel fairere Implementierung als bisher unterstellt werden. Damit ist das aber erstmal weniger ein Problem des Schichtdienstsystems per se, sondern (wie so oft) dessen Umsetzung.

Ich persönlich träume ja von einem 16h-Bereitschaftsdienst, wo man wirklich etwas Schlaf findet (haha, pun intended). Bin ich sofort dabei. Gibt es leider nur sehr selten. Und auch da heulen dann wieder Leute, dass sie weniger in den OP kommen ...


Nimm einfach mal 5 Assistenzärzte. Entweder man macht 3 im Frühdienst, 1 Spät, 1 Nacht oder jeder einmal pro Woche einen 24h-Dienst. Würde bedeuten dass der einzelne Arzt in 2 von 5 Wochen ein zerstörtes Familienleben hat, oder eben nur einmal pro Woche ein Tag bissl komplizierter ist.
Das ist bloß ein unfairer Vergleich. Wenn von 5 Assistenzärzten jeder nur einen 24h-Dienst pro Woche machen soll, bleiben je nach Monat ~10 Tage unabgedeckt. Wir sind also schon wieder bei 1.5 - 2 24h-Diensten im Monat, also vielleicht jeden 4. bis 5. Tag. Klingt gleich weniger geil.


Pflegepersonal macht meistens deshalb keine 24h-Dienste mit Bereitschaft, weil sie es nicht *dürfen*, nicht weil sie es nicht wollen. Gibt übrigens genug, die nur deshalb in die OP- oder Anästhesie-Pflege gehen (statt z.B. auf Intensiv), weil ihnen das die Möglichkeit gibt, Bereitschaftsdienste zu leisten statt Vollarbeits-Schichtsystem.
Eben! Kein Pfleger will in seinem Job von Schicht auf Bereitschaft wechseln, da gebe ich dir Brief und Siegel. Eher wird gleich der dreiviertel Beruf gewechselt.

tragezwerg
18.02.2022, 10:55
Ich kenne tatsächlich mehrere Kliniken, in denen Pflegekräfte Bereitschaftsdienst machen. In OP- und Anästhesiepflege ist das recht häufig und auch beliebt.
Schichtsysteme in denen nur eine Nacht gearbeitet wird werden ja kaum praktikabel sein, weil dadurch ja jede Menge Fehlzeit/Minusstunden generiert wird. Daher halt Blöcke, und die machen definitiv den Biorhythmus kaputt. Einzelne Bereitschaftsdienste sind halt dann wie ne durchgefeierte Nacht, das steckt man besser weg (Voraussetzung ist natürlich, dass man nicht mehrmals die Woche 24h-Dienst hat. Was aber in den Tarifverträgen, zumindest TV-Ä, ja eigentlich nicht vorkommen sollte, da dort auf 4 Dienste im Monat gedeckelt ist.)

Brutus
18.02.2022, 11:07
Eben! Kein Pfleger will in seinem Job von Schicht auf Bereitschaft wechseln, da gebe ich dir Brief und Siegel. Eher wird gleich der dreiviertel Beruf gewechselt.
JEDER Pfleger / JEDE Schwester würde vom Schichtdienst ITS in die Anästhesie mit Bereitschaftdienst wechseln! Und das passiert in unserem Haus auch REGELMÄSSIG! In unserer Anästhesieabteilung ist kein einziger Pfleger / Schwester, die nicht vorher im Schichtdienst auf der ITS gearbeitet hat. Und ALLE wollten dort weg und in die Wohlfühloase BD / RB. :-nix

Endoplasmatisches Reticulum
18.02.2022, 11:32
JEDER Pfleger / JEDE Schwester würde vom Schichtdienst ITS in die Anästhesie mit Bereitschaftdienst wechseln! Und das passiert in unserem Haus auch REGELMÄSSIG! In unserer Anästhesieabteilung ist kein einziger Pfleger / Schwester, die nicht vorher im Schichtdienst auf der ITS gearbeitet hat. Und ALLE wollten dort weg und in die Wohlfühloase BD / RB. :-nix
Bestreite ich doch gar nicht. Aber hätten sie auch in einen 24h-Dienst auf der ITS wechseln wollen?

Ihr vermengt hier etwas. Irgendwie kommen immer sofort die Emotionen raus, wenn man die Pflege in den Raum wirft. Die dient hier aber nur als Strohmann, um den logischen Widerspruch aufzuzeigen. Der Arzt arbeitet 24 Stunden durch und kriegt keine Ruhe in der Nacht, was verboten ist, aber das ist immer noch besser als Schichtdienst. Der Pfleger arbeitet im Schichtdienst und macht natürlich keinen 24h-Dienst, weil er ja in der Nacht keine Ruhe kriegen würde, und das somit illegal und viel schlimmer wäre. So explizit verständlich? Es geht nicht um einen Vergleich zwischen Arzt und Pflege, erstrecht nicht einzelner Spezialfälle wie ITS. Das ist einfach nur ein Gedankenexperiment. Und das Argument, dass hier immer pro 24h-Dienste kommt, zerfällt halt, wenn gleichzeitig das Argument gegen 24h-Dienste in der Pflege ist, dass die dann im Wesentlichen die Situation hätten, die wir bereits haben.

Also kann man die Diskusison runterbrechen auf "Dreischicht bei einem Arbeitgeber, der dich verarscht, ist schlimmer als 24h-Schichten bei einem Arbeitgeber, der dich verarscht." Wir diskutieren am Kern vorbei - nämlich dass das Problem weniger das Dienstmodel ist als die Verarsche durch den Arbeitgeber. Was dann übrig bleibt sind Einzelfallbetrachtungen, die mal so und mal so ausfallen können.

Brutus
18.02.2022, 12:39
Bestreite ich doch gar nicht. Aber hätten sie auch in einen 24h-Dienst auf der ITS wechseln wollen?
Die Option stellt sich doch gar nicht. :-nix
Da Du schlecht auf der ITS pflegerisch einen BD einführen kannst. Wer geht zum Alarm, wenn der BD schläft? Also ruht...


Ihr vermengt hier etwas. Irgendwie kommen immer sofort die Emotionen raus, wenn man die Pflege in den Raum wirft.
Nicht wirklich. Ich gönne jeder Pflegekraft einen BD-Dienst, so er denn auch realisierbar ist. Warum soll nicht in Funktionsbereichen ein BD funktionieren, egal ob Pflegekraft oder Arzt? Wir haben bei uns im OP nicht nur keinen BD, sondern eine RB. Pflege und Operateure. Dass die in den letzten Jahren nicht wirklich RB hatten, okay. Aber das ist so gewollt! Die Anästhesisten haben einen 20 Stunden BD. Und wenn man es über die Monate überblickt... ja, da sind halt immer wieder Scheißdienste dabei, aber im großen und ganzen passt es. Von den 12 Stunden Bereitschaftszeit dürfte gut die Hälfte Ruhezeit sein. Die RB OP verdient den Namen sicher nicht. Aber wenn dort die RB gegen einen ähnlichen Dienst wie wir ihn haben gewechselt würde, dürfte das auch okay sein. Will aber keine, wie schon gesagt...


Die dient hier aber nur als Strohmann, um den logischen Widerspruch aufzuzeigen. Der Arzt arbeitet 24 Stunden durch und kriegt keine Ruhe in der Nacht, was verboten ist, aber das ist immer noch besser als Schichtdienst. Der Pfleger arbeitet im Schichtdienst und macht natürlich keinen 24h-Dienst, weil er ja in der Nacht keine Ruhe kriegen würde, und das somit illegal und viel schlimmer wäre. So explizit verständlich?
Okay, dann anders: In dem Bereich ITS kann, genauso wie auf den Stationen, kein BD seitens des Pflegedienstes angeordnet werden. Soweit sind wir uns einig? Jetzt würdest Du doch nicht fordern, dass für die periphere Station ein ärztlicher Schichtdienst eingerichtet wird? Was soll der Nachts machen? Die Patienten visitieren? Intensivstation pauschal kann man auch nicht sagen, was da sein MUSS. Auf unserer schnuckeligen Intensiv kannst Du den operativen Anteil ganz sicher im BD abdecken. Internistisch im Verbund mit Peripherie UND ZNA ganz sicher eigentlich nicht. Warum da trotzdem BD gewollt ist? Frag mal die Assistenten?
Zudem kann man den BD ja auch anpassen: Es muss doch kein 24h BD sein. Wenn ich erst um 12 oder 14 Uhr anfange, dann den Rest vom Tag abarbeite, ab 20 oder 22 Uhr BD habe und dann auch tatsächlich Ruhe ist, warum sollte das so schlimm sein?


Es geht nicht um einen Vergleich zwischen Arzt und Pflege, erstrecht nicht einzelner Spezialfälle wie ITS. Das ist einfach nur ein Gedankenexperiment. Und das Argument, dass hier immer pro 24h-Dienste kommt, zerfällt halt, wenn gleichzeitig das Argument gegen 24h-Dienste in der Pflege ist, dass die dann im Wesentlichen die Situation hätten, die wir bereits haben.
S.o. Dafür muss man sich eben ansehen, wie die Belastungen im BD sind. Aber pauschal einen Schichtdienst auf bestimmten Stationen zu fordern ist genauso falsch, wie BD ohne Rücksicht auf Belastung durchzudrücken...


Also kann man die Diskusison runterbrechen auf "Dreischicht bei einem Arbeitgeber, der dich verarscht, ist schlimmer als 24h-Schichten bei einem Arbeitgeber, der dich verarscht." Wir diskutieren am Kern vorbei - nämlich dass das Problem weniger das Dienstmodel ist als die Verarsche durch den Arbeitgeber. Was dann übrig bleibt sind Einzelfallbetrachtungen, die mal so und mal so ausfallen können.
Aber zum Verarschen gehören doch immer zwei. Und wenn auf unserer Seite die MA eher die Belastung niedriger ansetzen, als sie wirklich ist, warum ist das denn so? Weil sie sich gerne vom AG verarschen lassen? Doch wohl eher nicht. Weil Schichtdienst von zwei schlechten Alternativen die Schlechtere ist? Wohl eher ja?!