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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : administrativer Umgang mit nonbinären Patienten



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pineapple
28.01.2022, 18:25
Ich glaube, es ging hier nicht darum, wenn die Person schon bei der Aufnahme m/w angibt, sondern um den Umgang mit Patienten, die sich als divers identifizieren.
Gerade die besonders machohaften, heterosexuellen Männer werden (überspitzt gesagt) glaube ich eher selten "divers" angeben, nur um dann auf ein "Frauenzimmer" zu kommen...

aber auch nur so lange, bis sie das System dahinter verstanden haben :P .P


Diese Diskussion läuft doch ezh nur darauf hinaus, dass einer schreien wird, er werde diskriminiert oder benachteiligt. Frauen die einen Mann ins Zimmer bekommne, werden sich sexuell belästigt fühlen, ein Mann der nicht ins Frauenzimmer darf, fühlt sich diskriminiert. Ich bin mir sogar sicher, manche Patientinenn würden sogar auf eine stationäre Behandlung, möglicherweise aus religiösen Gründen verzichten, wenn sie in ein Männer Zimmer kommen würden.

Es könnte genauso gut auch sein, dass der nächste transgenderPAtient sehr gerne mit einem Mann oder mit einer Frau ins Zimmer will und fühlt sich dann ausgeschlossen, wenn er das nicht kann sondern separiert wird.

Ich denke so schnell wird die Einteilung nicht vom Tisch sein in Mann und Frau-Zimmer, weil die meisten Menschen, bis auf bestimmte Chromosomenaberrationen, eben mit oder ohne Penis/ Vagina zur Welt kommen. Ich bin tendenziell eher für mehr Integration statt Separation... und denke je weniger Trennung desto besser, vlt auch einheitliche Zimmer, aber man wirds nie allen recht machen können. Nicht mal mit dem Slogan "Wer zahlt, hat Recht"- denn dann sind die von Armut betroffen ausgeschlossen.

Bonnerin
28.01.2022, 18:49
Da machst du es dir jetzt sehr einfach. Gerade Transfrauen und nichtbinären Männern ist das biologische Geschlecht oft sehr deutlich anzusehen und/oder anzumerken. Dazu kommt, dass es gerade im nichtbinären Spektrum regelhaft keinen immanenten Drang gibt, das gegenteilige biologische Geschlecht optisch zu repräsentieren.

Die letzte transsexuelle Person, die ich betreut habe, war (überspitzt gesagt) Hagrid im Minirock.

Eine transgender (das ist schon länger der adäquate Ausdruck) Person wird aber gegebenefalls auch vor OP eben als Geschlecht sein/ihr richtiges Geschlecht auf dem Aufnahmebogen angeben, auch wenn es sich vom biologischen Geschlecht unterscheidet.

Und gerade non-binäre Personen werden halt verhaltnismäßig oft "divers" angeben und dann würden sie eben wie Proxima meinte - gefragt, wo sie sich wohler fühlen.

Generell sollte man einfach einsehen, dass man weg muss von der binären Zimmereinteilung. Klappt auf den IMC-Stationen dank Wandschirm halt auch. Und ansonsten eben auch mehr Einzelzimmer, für die, die es bezahlen. Und dann fallen "religiöse Gründe" eben auch da runter...

Endoplasmatisches Reticulum
28.01.2022, 19:35
Eine transgender (das ist schon länger der adäquate Ausdruck) Person wird aber gegebenefalls auch vor OP eben als Geschlecht sein/ihr richtiges Geschlecht auf dem Aufnahmebogen angeben, auch wenn es sich vom biologischen Geschlecht unterscheidet.
Das ist der springende Punkt. Was das "richtige" Geschlecht ist, darüber streiten sich die Geister bzw. sind je nach individuellem Standpunkt schlichtweg unvereinbar gegensätzlicher Ansicht. Wie du selbst in dieser Debatte positioniert bist, ist dabei unerheblich - du stehst als Arzt zwischen den Fronten und egal wie du dich entscheidest, du setzt dich einem hohem Risiko aus, dich an einer Seite zu verbrennen. Dieses Spiel kannst du nicht gewinnen. Du kannst nur versuchen, es nicht zu spielen. Und damit landen wir bei:


Generell sollte man einfach einsehen, dass man weg muss von der binären Zimmereinteilung.
Da bin ich ganz bei dir. Das würde das Krankenhausleben auf so vielen Eben vereinfachen ...

Espressa
28.01.2022, 21:51
Wie fühlt man sich denn als non-binär?
Wie fühlt man sich als Mann, oder als Frau?
Wenn ich die Augen zumache, fühle ich mich einfach nur als ich. Ich weiß gar nicht ob, würde ich mich nicht sehen können, oder wüsste ich nicht was für einen Körper ich habe, ob ich sagen könnte als was ich mich fühle.
Ich mache dann aber die Augen auf und stelle fest, ich bin eine Frau.
Wahrscheinlich wäre es auch ok, wäre ich ein Mann - dann wäre das eben so. Keine Ahnung.
Mir fehlt eindeutig die Phantasie, zu hinterfragen ob ich mich schon als das fühle was ich bin.
Aber selbst wenn ich mich nicht einigen könnte, wo genau läge denn das Problem, das Zimmer mit jemandem zu teilen, der sich da doch eins der beiden Geschlechter aussuchen kann?
Diskriminiert in diesem Moment nicht die non-binäre Person alle binären, wenn sie aus diesem Grund ein gemeinsames Zimmer verweigert?

freak1
29.01.2022, 16:23
Es geht bei diesem Thema einfach sehr viel um Aufmerksamkeit, wie man auch sehr schön beim TE sehen kann. Alles richtig gemacht, sich verbogen und mit dem Chef verkracht und trotzdem kommt die Anzeige. F-Diagnose lässt grüßen.

MissGarfield83
29.01.2022, 16:59
F-Diagnose lässt grüßen.

Mit der Aussage wäre ich an deiner Stelle durchaus vorsichtig - das kann nach einem Urteil des OLG Koblenz als falsche Tatsachenbehauptung durchaus satisfaktionsfähig sein und teuer werden.

OhDaeSu
29.01.2022, 17:21
satisfaktionsfähig

Schwer vorstellbar, dass der beschriebene Patient einer schlagenden Verbindung angehören soll...

pineapple
29.01.2022, 18:47
Geht’s jetzt hier im Thread eigentlich wirklich um die 0,1% Menschen, die divers sind aufgrund einer genetischen Sexualdifferenzierungsstörung und sich nicht einfach entscheiden können, jetzt Mann oder Frau zu sein. Oder um Menschen, die genetisch Mann oder Frau sind und sich eines Tages sagen „ich bin kein Mann mehr. Aber Frau auch nicht. Vielleicht aber in zehn Jahren wieder.“ ?

mbs
29.01.2022, 18:59
Mal ne andere Frage in dem Zusammenhang: Wann und durch wen genau wurden Flurbetten eigentlich abgeschafft bzw. verboten? Als ich im Studium Blockpraktika an der zugehörigen Uniklinik hatte war das was ganz normales, teilweise standen da 6-8 Betten pro Station auf dem Gang. Kann mir vorstellen, dass das für die Diensthabenden damals eine große Entlastung war - denn das Suchen nach verfügbaren Betten ist nachts teilweise wirklich ein Nervenkrieg und nimmt sehr viel Zeit in Anspruch.

freak1
29.01.2022, 19:27
Mit der Aussage wäre ich an deiner Stelle durchaus vorsichtig - das kann nach einem Urteil des OLG Koblenz als falsche Tatsachenbehauptung durchaus satisfaktionsfähig sein und teuer werden.

Das F64. so im ICD Katalog existiert mag manchen Leute nicht passen, ändert aber nichts daran, das sie dort zu finden ist. Sollen sie doch die WHO verklagen.

anignu
29.01.2022, 23:49
Wann und durch wen genau wurden Flurbetten eigentlich abgeschafft bzw. verboten?
Sind nicht verboten. Aber halt auch nicht offiziell erlaubt.
Bei uns im Haus ist es so, dass die Nachtschwestern manchmal vor allem demente Patienten einfach auf den Gang schieben zum Schlafen weil sie sie dort besser im Blick haben. Denen werden dann mit dem Bügel und ein paar Bettbezügen so eine Art Zelt gebaut dass sich wohl und behütet fühlen und das geht dann schon irgendwie. Auch hab ich es schon erlebt dass ein Patient einfach ins Untersuchungszimmer geschoben wurde um dort ruhig schlafen zu können. Mei, so wie es halt läuft wenn du nachts ein Problem auf Station und gleichzeitig eine erfahrene Schwester hast. Bei uns laufen so Sachen völlig an den Ärzten vorbei. Das entscheiden die Pflegekräfte die auf Station sind und ich bin froh darüber. Ich will mich mit sowas gar nicht beschäftigen.

nie
30.01.2022, 01:14
Flurbereinigung kenn ich nur aus den Kliniken, die ich zu meiner Rettungsdienstzeit angefahren habe.

In meiner Klinik ist das ein absolutes No-Go. Abgesehen davon, dass die Pflege da nicht mitmacht, würde der Chef mich am
nächsten Morgen nicht nur einen Kopf kürzer machen wenn ich Patienten auf dem Flur parken würde. Aber wir haben auch den „Luxus“, dass die ZNA Patientenzimmer hat und Patienten, die spätabends/nachts in die ZNA kommen oder für die es kein freies Bett gibt, in der ZNA bleiben können.

MissGarfield83
30.01.2022, 05:21
Das F64. so im ICD Katalog existiert mag manchen Leute nicht passen, ändert aber nichts daran, das sie dort zu finden ist. Sollen sie doch die WHO verklagen.

Nunja das DSMIn der aktuellen Version zählt es nicht mehr zu den psychischen Störungen, von daher… Die neue ICD stellt es auch nicht mehr in diese Ecke…

https://de.wikipedia.org/wiki/Geschlechtsidentit%C3%A4tsst%C3%B6rung

pashtunwali
30.01.2022, 12:51
Das ist der Zeitpunkt an dem man Zeugen, den zuständigen OA und (auch gerne nachts) die Rechtsabteilung hinzuzieht.



"Transperson diskriminiert andere nonbinäre Transpersonen und benennt diese als Männer" Gameover. ;-)

:D:D:D musste laut auflachen! das wäre echt ne super antwort gewesen!

Espressa
30.01.2022, 23:14
Nunja das DSMIn der aktuellen Version zählt es nicht mehr zu den psychischen Störungen, von daher… Die neue ICD stellt es auch nicht mehr in diese Ecke…

https://de.wikipedia.org/wiki/Geschlechtsidentit%C3%A4tsst%C3%B6rung

In deinem Wikipedia-link steht aber auch:

Der Weltverband für Transgender Gesundheit (WPATH) wies schon 2010 ausdrücklich darauf hin, dass eine Störung oder Erkrankung nicht den Menschen oder seine Identität beschreibe, sondern etwas, mit dem der Mensch möglicherweise zu kämpfen habe. Transsexuelle, transgender und geschlechts-nichtkonforme Personen gelten demnach nicht als grundsätzlich gestört. Vielmehr sei es das Leiden unter einer eventuell auftretenden Geschlechtsdysphorie, die diagnostiziert und behandelt werden könne.[3]

Wie behandelt (=therapiert) man nun non-binäre Personen?
Bzw warum therapiert man etwas, das nicht pathologisch ist, oder warum ist etwas nicht pathologisch, wenn man es doch behandeln kann?
Ich finde hier wird sehr viel sehr unterschiedliches zusammengefasst. Oder gar: über einen Kamm geschoren. Und überhaupt darf man das Wort „normal“ oder „pathologisch“ am besten überhaupt nicht mal in der Nähe eines Satzes mit o.g. Bezeichnungen verwenden.

„Der Mensch habe mit etwas zu kämpfen“. Aha.
Ich finde es überhaupt schwierig über das Thema zu sprechen; weil man immer Angst haben muss, dass irgendwer findet man habe irgendwen beleidigt, diskriminiert, oder wäre selbst sowieso ein Monster wenn man da auch nur eine Frage dazu hat.

Wenn im anderen Bereich am Mensch irgendwas „anders“ ist, sind wir so fein damit, es zu diagnostizieren, es als abweichend von der Mehrheit oder vom der Gesundheit zuträglichsten Durchschnittszustand (oh Gott ich hab echt Sorge welche Worte man noch wählen darf) zu beschreiben. Und damit wird doch keiner „diskriminiert“? Nur mit diesen seltenen Geschlechtsdysphorien anscheinend schon?

anignu
31.01.2022, 00:58
Ich kann Espressa nur zustimmen: nur weil es eine Diagnose gibt, heißt das noch lange nicht dass es behandelt werden muss oder es einen Krankheitswert hat.
Meine Fachrichtung ist ja bekannt. Hier gibt es beispielsweise das Subclavian-Steal-Phänomen (eine Diagnose) das vom Subclavian-Steal-Syndrom (einer Erkrankung die man ggf. behandelt) abzugrenzen ist. Auch eine A. lusoria (Diagnose) gibt es nicht selten, behandelt werden weil symptomatisch (Erkrankung) muss sie aber nur selten. Usw. usw. Behandelt wird nur das was aktuell oder zukünftig einen echten Krankheitswert hat.

Und wenn ich mir vorstelle wie viele Patienten ich mit I70.20 oder I70.21 in der Sprechstunde seh. Was ich da alles behandeln könnte wenn ich wollte... operieren sag ich bloß. Immer operieren. Am liebsten Bypässe.

rafiki
31.01.2022, 06:09
Das Genderthema ist bekanntlich sehr stark politisch aufgeladen und hat relativ wenig mit medizinischen Tatsachen zu tun, färbt entsprechend in die Diagnosenkataloge hat, die ja - zumindest im Psychobereich - durch Abstimmung zustande kommen. Das Problem ist, dass dadurch wirklich schwierige Tatsachen geschaffen werden, z. B. eine Flut von Wünschen nach Wandel der Geschlechtszugehörigkeit unter jungen Menschen, hinter den in Wirklichkeit schwere Störungen der Persönlichkeitsentwicklung stehen. Wenn man das nicht erkennt, lässt man sie womöglich im wahrsten Sinne des Wortes ins Messer laufen, was ihnen in ihrer. Identitätsentwicklung in keiner Weise hilft, sondern massive Nachfolgeprobleme physischer, psychischer und sozialer Art nach sich zieht.

roxolana
31.01.2022, 07:39
Das Problem ist, dass dadurch wirklich schwierige Tatsachen geschaffen werden, z. B. eine Flut von Wünschen nach Wandel der Geschlechtszugehörigkeit unter jungen Menschen, hinter den in Wirklichkeit schwere Störungen der Persönlichkeitsentwicklung stehen. Wenn man das nicht erkennt, lässt man sie womöglich im wahrsten Sinne des Wortes ins Messer laufen, was ihnen in ihrer. Identitätsentwicklung in keiner Weise hilft, sondern massive Nachfolgeprobleme physischer, psychischer und sozialer Art nach sich zieht.

Interessant finde ich in diesem Zusammenhang auch folgenden Absatz aus dem von Miss Garfield verlinkten Wikipedia-Artikel:

"Die seit 2007 an der Charité eingerichtete interdisziplinäre GIS-Spezialsprechstunde (Jugendpsychiatrie, Sexualmedizin, pädiatrische Endokrinologie) diagnostizierte bei allen bis Mitte 2008 vorstellig gewordenen Patienten (im Alter von fünf bis 17 Jahren; zwölf männlichen, neun weiblichen Geschlechts) psychopathologische Auffälligkeiten, die in vielen Fällen zur Vergabe einer weiteren psychiatrischen Diagnose führten. In der Regel fanden sich deutliche psychopathologische Auffälligkeiten auch bei den Eltern. Hintergrundproblematik beziehungsweise „Umwandlungsmotiv“ bei den Jugendlichen war überwiegend eine abgelehnte (ich-dystone) homosexuelle Orientierung. Letztere hätte man durch pubertätsblockierende Maßnahmen in ihrer Entfaltung aufgehalten."

Ist Transition in einigen Fällen also eine Art self-made Konversionsbehandlung einer abgelehnten Homosexualität?

MissGarfield83
31.01.2022, 08:32
Da habe ich jetzt ein Fass aufgemacht, obwohl es mir darum ging darzustellen, dass die Variante Transsexualität/transgender nicht gleichzusetzen ist mit einer psychiatrischen Erkrankung. Dass daneben psychiatrische Störungen auftreten können habe ich jedoch nicht bestritten. Daher gehört ja auch vor jede medizinische Maßnahme eine passende Begutachtung, da manche dieser Maßnahmen ja nicht mehr rückgängig zu machen sind. Zudem ist ja auch eine sogenannte Alltagserprobung vorgesehen, wo der Patient sich in seiner Alltagsrolle erprobt und bestenfalls dabei psychologisch/psychiatrisch begleitet wird.

Espressa
31.01.2022, 08:53
Ich hinterfrage jetzt nur mal ob ein non-binäres Gefühl wirklich so gesund und normal ist, dass man es nicht gegenteilig benennen darf um damit keinem zu nahe zu treten.
Bzw wo es angefangen hat, dass gewisse Zustände nicht mehr als pathologisch bezeichnet werden dürfen, weil damit jemand diskriminiert wird. Es ist doch zunächst nur eine rein deskriptive Feststellung, in Kombination damit dass es im Alltag durchaus aufgrund dessen Schwierigkeiten gibt.
Um diese zu umgehen, sollen aber stattdessen alle anderen es einfach als normal betrachten und damit wird das Problem aus der Welt geschafft? Vor allem schiebt es dann automatisch den Schwarzen Peter „den anderen“ zu. Nicht die non-binäre Person „schafft Probleme“ indem sie kein Zimmer mit anderen teilen will, sondern plötzlich schafft der Arzt Probleme, sogar obwohl er den Wunsch erfüllt. Das ist doch verrückt!