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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : administrativer Umgang mit nonbinären Patienten



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Feuerblick
31.01.2022, 18:34
Ich habe Patienten immer mit Vor- und Nachnamen aufgerufen. Nicht, weil mir jemals die Idee gekommen wäre, das jemand mit Frau/Herr X ein Problem haben könnte ( :-nix ) sondern vielmehr, weil so manch ein Vorname nicht dazu angetan ist, den Besitzer als Frau oder Mann zu identifizieren.

Endoplasmatisches Reticulum
31.01.2022, 18:54
Ich persönlich glaube, dass auch Meinungen aus einer anderen Bubble als der eigenen durchaus hilfreich sein können. Findest du nicht? Ich glaube auch nicht, dass hier irgendwer zustimmendes Schulterklopfen erwartet. Aber das Beharren auf der eigenen Meinung ohne Gegenargumente hören zu wollen (und diejenigen, die sie gerne liefern würden, durch solche Postings u.a. wie deines zu vergraulen) ist jetzt auch nicht die beste Diskussionskultur, finde ich.
Klar, finde ich auch. Was ich nur kritisch sehe ist es, die Gegenseite a priori zum Aufklärer zu adeln. Das stört mich allgemein ein wenig am "Wir sollten zuhören"-Wortlaut, bei dem doch oft irgendwie die Implikation mitschwingt, der Zuhörende hätte einseitigen Aufklärungsbedarf. Also lieber "Lass uns über Thema X reden" oder "Erklär mir doch bitte, was du mit Y meinst". Aber vielleicht weniger "Erkläre mir doch bitte Thema Z, worin du dich so gut auskennst." Ist nur eine Nuance, aber mit großer Wirkung.

(Natürlich war mein letzter Post provokant. Vergiss aber nicht, dass er darauf folgte, dass eine Seite die Sachebene verlassen, mit durchaus nicht unstrittigen Postulaten um sich geworfen, sich über die mangelnde Zustimmung empört und dann den Cartman'schen Abgang à la "Screw you guys, I'm going home" verkündet hat.)


(...)
Sehr guter Post! Im Wesentlichen sind wir da, denke ich, gar nicht weit voneinander entfernt.

Muriel
31.01.2022, 19:17
Ich habe Patienten immer mit Vor- und Nachnamen aufgerufen. Nicht, weil mir jemals die Idee gekommen wäre, das jemand mit Frau/Herr X ein Problem haben könnte ( :-nix ) sondern vielmehr, weil so manch ein Vorname nicht dazu angetan ist, den Besitzer als Frau oder Mann zu identifizieren.

Hatte ich mal gemacht und wurde gaaaaaaanz böse angegangen. Datenschutz... Ja, frag nicht.

Endoplasmatisches Reticulum
31.01.2022, 19:35
Ist ja auch ein sehr berechtigtes Interesse. Mit vollem Namen kann man mich googeln, kann mich v.a. als Frau in sozialen Medien stalken, findet ggf. mit wenigen Klicks meinen Arbeitgeber oder wenn ich eine Website habe gleich meine Adresse.

Aber gut. Rufen wir jetzt also grundsätzlich alle Patienten mit vollem Namen, um nicht Gefahr zu laufen, eine sehr kleine Minderheit zu misgendern. "Michael Mustermann bitte." - "Wie können Sie nur! Ich heiße Michelle!" Hmm.

Feuerblick
31.01.2022, 19:43
Hatte ich mal gemacht und wurde gaaaaaaanz böse angegangen. Datenschutz... Ja, frag nicht.
Nee, ich frag lieber nicht. :-)) Hat sich bei uns sowohl in Klinik als auch in der Praxis bewährt.
Das mit dem Datenschutz muss ich immer ein wenig begrinsen. Auf Facebook und Co jeden Pups teilen und damit ohne Probleme auffindbar zu sein, aber die einmalige Nennung des vollen Namens in der Öffentlichkeit (90% der Leute haben den Namen sowieso direkt vergessen und wer stalken will, kann das auch ohne im Arztwartezimmer Opfer zu suchen) Schnappatmung bekommen. :-nix

Espressa
31.01.2022, 19:43
Ich hab es öfters geschafft, Patienten mit dem falschen „Herr“ oder „Frau“ aufzurufen, obwohl es ja eigentlich in der Akte steht; oder versehentlich mit Vornamen aufgerufen, wenn die Namen eben entweder völlig ausländisch oder auch deutsch mystifizierend waren. Ist menschlich, ich entschuldigte mich jeweils, noch nie war einer beleidigt. Finde das also kein so großes „Ding“, dass es so ultimativ bedeutend ist, wie man angesprochen wird. Die transfrau unter meinen Patienten hatte eine männliche Versicherungskarte und war mir auch nicht böse dass ich „Herr…“ aufgerufen hab, hab dann einen Vermerk gemacht „möchte als Frau … aufgerufen werden“.
Darüber hinaus tangiert es mich also wirklich gar nicht welches Geschlecht meine Patienten haben, hatten oder haben werden.

Ich komme nur nicht dahinter WIE man sich denn als Mann oder als Frau so spezifisch fühlt. Oder eben nicht als das. Fühle mich halt als „ich“ und frage mich woran non-binäre die non-binarität fest machen.

Mukopolysaccharid
31.01.2022, 20:26
. Unsere westlichen Kulturkreise sind binär. Mehr Geschlechter hat es in anderen Kulturkreisen ( polynesisch, indisch, albanisch z.b.) immer gegeben. Nur weil unsere Gesellschaft durch Herrschaft von Kirche etc. diese Welt binär diesbezüglich unterteilt hat, so ist das ebenso nur ein Konstrukt. Selbst die reine Biologie ist nicht binär ( Stichwort Intersexualität, XY- Frauen, etc. ). Von daher ist dieses bestehen auf Binärität eiglich nur der versuch sich die Welt zu simplifizieren.

@muriel : Teile deine Meinung und finde das Unwissen, die fehlende Empathie und die Ignoranz die hier wie eine Monstranz vor sich hergetragen wird schwer erträglich.

Du meinst damit aber hoffentlich nicht jene Diener irgendwelcher Sultan oder Konsule, denen man ihre Geschlechtsteile abgeschnitten hat, damit diese ungeschlechtlich waren und an Höfen dienen konnten? (Eunuchen).Sondern es gibt tatsächlich noch ein anderes freies Geschlecht in diesen Ländern ?

xyl15
31.01.2022, 21:55
Ich möchte mich nur kurz zu dem Thema äußern, da ich mich, wenn ich es zuordnen müsste, am ehesten als "nonbinary" bezeichnen würde denn als Mann oder Frau. Ich bin biologisch (einigermaßen) eine Frau, und kann auch im sozialen mich dem unterordnen ohne dass es mir ein Problem bereitet. Ich habe dieses Gefühl des Unbehagens dem biologischen Geschlecht auch erst begreifen können, als diese Begriffe und zugehörige Diskussion aufkamen. So dass mir klar wurde: ich hatte ein derartiges Befremdheitsgefühl meiner Entwicklung zur biologischen Frau gegenüber, dass ich (unbewusst) stark und langjährig magersüchtig wurde- un damit erfolgreich sämtliche geschlechtsmerkmale inklusive Menstruation abzuwenden, die ich als etwas vollkommen absurdes, für mich krankhaftes und unerträglches empfand. Aber dafür keine Worte oder Erklärungen und ANsprechspartner hatte.

Auch heute stößt es mir kurz auf, wenn ich irgendwo Frau oder Mann ankreuzen muss, weil "Frau" sich irgendwie nicht stimmig anfühlt. Daher bin ich erleichtert, wenn ich "keine ANgabe" schreiben kann.


Wenn man es mal aus der Alien-Perspektive betrachtet ist es doch vollkommen absurd, dass wir in allen möglichen Zusammenhängen als erstes nach dem Namen das Geschlecht angeben müssen. WOZU?!!! Bei der Versicherung, bei der Bank, der ANmeldung zu was weiß ich. Das spielt doch streng genommen nur im medizinischen Kontext (teilweise) eine Rolle und wenn es um Fortpflanzung geht. Ok allenfalls noch in Sportwettkämpfen. Aber sonst? was soll das?

Ich wünsche mir so sehr eine Gesellschaft, in der man in erster Linie als MENSCH, als Person betrachtet wird, und nicht als "Mann" oder "Frau". Ich denke das würde viele Probleme von selsbt lösen. Aber ein weiter Weg. Da ich mich zumindest einigermaßen als nonbinär identifiziere würde ich auch weitere Frage dazu gerne beantworten, da ein Verständnis dafür unter Kollegen wirklich erstrebenswert ist.

rafiki
01.02.2022, 05:59
Das zeigt doch beispielhaft, dass hinter "Unbehagen" etwas steckt, was zu schweren gesundheitlichen Störungen, in diesem Falle mit Anorexie, führt, oft auch sehr viel mehr. Das kann man natürlich so lassen, jeder hat die Freiheit zur Störung, aber man könnte auch schauen, welche Zusammenhänge es in der Tiefe gibt und möglicherweise das Unbehagen des "falschen" Geschlechtes aufzuheben. Das erforderte viel Mühe und Bereitschaft und wäre sicherlich kein leichter Weg, aber möglicherweise langfristig befriedigender, als sich selbst eine problematische Identität zu geben.

Ich bin mir bewusst, dass diese Ansicht nicht unbedingt "gesellschaftskonform" nach heutigen Strömen des Denkens ist und möglicherweise Anstoß erregt. Aber ich habe eben auch einige Pat. gesehen, wo es sich genau so verhält und die letztlich froh waren, auf einen langfristig heilsamen Weg geführt zu werden. Darüberhinaus bin ich aber der Ansicht, dass selbstverständlich jeder Mensch Männliches und Weibliches in sich trägt und beides pflegen sollte.

xyl15
01.02.2022, 06:09
Danke! Ja ich kann mir gut vorstellen, wenn ich das vor 20-25 Jahren schon hätte anders begreifen, Worte finden und eine Unterstützung diesbezüglich gehabt hätte es sich nicht in diese ungesunde Weise unbewusst verlaufen wäre. Ich kann natürlich nicht ausschließen ,dass es die einzige Ursache war, aber tiefgründig doch den Anstoß gegeben hat. So eine Art dauernde Inkongruenz zwischen dem Selbstempfinden/- bild und dem was man weiß und gespiegelt bekommt zu "sein".

Espressa
01.02.2022, 09:24
@xyl15 danke für deine Sichtweise!
Genau das wäre aber meine Frage, wie es mit der „sozialen Unterordnung“ aussieht; also ob/ wieso/ welcher Art das Problem dabei ist, wenn man eben mit Herr oder Frau angesprochen wird. Denn darum geht es letztlich; es kann darf und soll sich doch jeder fühlen wie er will, solang man eben im gesellschaftlichen Miteinander nicht extra darauf eingehen muss.

So in etwa wie ich als Frau, mich trotzdem angesprochen fühle von im generischen Maskulinum verfassten Texten. Dem könnte ich mich sozial total unterordnen, aber es geht ja eher in die andere Richtung grad.

rafiki
01.02.2022, 09:38
So in etwa wie ich als Frau, mich trotzdem angesprochen fühle von im generischen Maskulinum verfassten Texten.

Warum "trotzdem"? Das generische Maskulinum hat nichts mit dem biologischen Geschlecht oder einem psychosozial "gefühlten Gender" zu tun, sondern umfasst alle Personen. Nur leider wissen das heutige ideologisch hirnamputierte Leute nicht mehr, da sie keine Ahnung von deutscher Grammatik haben (warum auch immer....) und daher glauben, unsere Sprache verhunzen zu müssen.

Espressa
01.02.2022, 09:44
Naja genauso könnte man sich auch darauf einigen, dass mit „Damen und Herren“ auch nonbinäre mitgemeint sind?
Wird aber nicht passieren, da man ja schon Frauen extra benennen muss, jedenfalls scheint es - wohin ich sehe - nicht ohne „-in/-innen“ und „m/w/d“ zu gehen.

Endoplasmatisches Reticulum
01.02.2022, 10:59
Ich finde, der Erfahrungsbericht zeigt eindrücklich, dass es in der Thematik eben doch oft um Psychopathologien mit hohem Leidensdruck geht. Die sollte man enttabuisieren, keine Frage. Aber doch nicht, indem man sie wegdefiniert?

Hier reiben sich die Ideologien. Progressiver Tenor: Es sei nicht pathologisch, weil die Andersartigkeit nur wahrgenommen wird auf Grund der intoleranten und hasserfüllten Gesellschaft. Das finde ich zu einfach gedacht. Einmal vernachlässigt es, dass Normalität ein Mehrheitsprinzip ist, man sich im Intersektionalismus durch Anzahl und Lagewahl der Schnitte aber immer irgendwann in einer Minderheit wiederfindet. Andererseits resultiert der empfundene Leidensdruck wohl doch maßgeblich aus den Ingroup-Outgroup-Dynamiken der Menschen, denn andernfalls würde die Einführung neuer Label und die Forderung nach Normativierung nicht als Linderung versprechend empfunden und verfolgt werden. So eine Präferenzierung wird es aber ebenfalls immer geben, und sie ist ja im Wesentlichen von allen Seiten des politischen Spektrums gewollt. Der linke Empath mag Toleranz und Empathie fordern, aber wenn er in sein Tinder-Profil "keine AFD-Wähler" schreibt, ist auch das eine Ingroup-Präferenz.

Mal weiter gedacht: Wenn wir den Leidensdruck einer Minderheit zum Motor für gesellschaftlichen Planwandel machen, was wollen wir damit letztlich erreichen? Und wie grenzen wir ab, wessen Leidensdruck berechtigt eine gesamtgesellschaftliche Gesinnungswäsche lostreten darf, und wessen Gefühle wir hingegen einfach abtun und ignorieren? Incels leiden, aber die werden verlacht und verächtet. Wie begründen wir gegenüber Pädophilen, dass sie hoffentlich nicht in den Genuss kommen, zum akzeptierten Lebensstil erklärt zu werden, auch wenn ihre Abweichung von der Norm sie stigmatisiert und belastet?

Leidensdruck ist schlimm und man sollte Empathie zeigen. Aber nur weil eine Person leidet, hat sie nicht Recht oder ist über Kritik erhaben. Insbesondere wenn es um Umdefinition von Realitäten geht, um Ersatz von Logik durch Emotionen, oder letztlich um Forderungen, die gesamte Funktionsweise und Struktur der Gesellschaft zu reformieren, um die eigenen Inselinteressen besser vertreten zu sehen. Und das meine ich nicht abwertend. Jeder will seine eigenen Interessen durchsetzen. Aber gleichzeitig ist das Leben halt auch kein Wunschkonzert. Ich möchte z.B. keine sterile, geschlechtslose Gesellschaft. Und ich glaube, damit bin ich alles andere als allein.

Mr. Fox
01.02.2022, 13:04
Ich finde, der Erfahrungsbericht zeigt eindrücklich, dass es in der Thematik eben doch oft um Psychopathologien mit hohem Leidensdruck geht. Die sollte man enttabuisieren, keine Frage. Aber doch nicht, indem man sie wegdefiniert?

Hier reiben sich die Ideologien. Progressiver Tenor: Es sei nicht pathologisch, weil die Andersartigkeit nur wahrgenommen wird auf Grund der intoleranten und hasserfüllten Gesellschaft. Das finde ich zu einfach gedacht.

Sehe ich genauso. Man kann Transsexualität und Non-binary Identität auf viele Arten konzeptualisieren - als Psychopathologie, als nicht-pathologische Abweichung von der Normvariante, oder wie auch immer. Das sind alles (naja, nicht alles, aber das meiste) valide Ansichtspunkte.

Aber gesellschaftlich bestehen von gewissen Gruppen massive Bestrebungen die exklusive Deutungshoheit über dieses Phänomen zu übernehmen, und jeden mit anderen Ansichten als hasserfüllten Phobiker darzustellen. Wir sind mittlerweile eigentlich doch in Sachen psychischer Gesundheit soweit, dass wir eine Diagnose von z.B. Depressionen oder Angststörung nicht als Angriff oder persönliche Beleidigung sehen, den Patienten nicht abwerten oder diskriminieren. Daher wundert es mich, dass man für die Ansicht, dass es sich z.B. bei Transsexualität nach objektiven Kriterien (Leidensdruck, Abweichung von der statistischen Norm, Probleme in verschiedenen Lebensbereichen etc.) um eine psychische Störung handelt, als 'transphob' dargestellt wird, als ob man Menschen, die sich so fühlen, abwerten oder angreifen würde.

Dasselbe gilt, wenn man abseits aller Diskussionen um Psychopathlogie für sich entschieden hat, das Geschlecht über das biologische Geschlecht zu definieren - eine naturwissenschaftlich-objektiv absolut vertretbare Haltung. Selbst wenn man Menschen, die in ihrer Genderidentität von ihrem biologischen Geschlecht abweichen absolut respektvoll behandelt und höflicherweise auch die von ihnen gewünschten Namen und Pronomina verwendet, reicht das vielen Kreisen nicht. Nein, entweder übernimmt man ihre Definition von Geschlechteridentität komplett, oder man ist ein zurückgebliebener, intoleranter Mensch.

pineapple
01.02.2022, 18:38
. ch finde, der Erfahrungsbericht zeigt eindrücklich, dass es in der Thematik eben doch oft um Psychopathologien mit hohem Leidensdruck geht. Die sollte man enttabuisieren, keine Frage. Aber doch nicht, indem man sie wegdefiniert?

Hier reiben sich die Ideologien. Progressiver Tenor: Es sei nicht pathologisch, weil die Andersartigkeit nur wahrgenommen wird auf Grund der intoleranten und hasserfüllten Gesellschaft. Das finde ich zu einfach gedacht. Einmal vernachlässigt es, dass Normalität ein Mehrheitsprinzip ist, man sich im Intersektionalismus durch Anzahl und Lagewahl der Schnitte aber immer irgendwann in einer Minderheit wiederfindet. Andererseits resultiert der empfundene Leidensdruck wohl doch maßgeblich aus den Ingroup-Outgroup-Dynamiken der Menschen, denn andernfalls würde die Einführung neuer Label und die Forderung nach Normativierung nicht als Linderung versprechend empfunden und verfolgt werden. So eine Präferenzierung wird es aber ebenfalls immer geben, und sie ist ja im Wesentlichen von allen Seiten des politischen Spektrums gewollt. Der linke Empath mag Toleranz und Empathie fordern, aber wenn er in sein Tinder-Profil "keine AFD-Wähler" schreibt, ist auch das eine Ingroup-Präferenz.

Mal weiter gedacht: Wenn wir den Leidensdruck einer Minderheit zum Motor für gesellschaftlichen Planwandel machen, was wollen wir damit letztlich erreichen? Und wie grenzen wir ab, wessen Leidensdruck berechtigt eine gesamtgesellschaftliche Gesinnungswäsche lostreten darf, und wessen Gefühle wir hingegen einfach abtun und ignorieren? Incels leiden, aber die werden verlacht und verächtet. Wie begründen wir gegenüber Pädophilen, dass sie hoffentlich nicht in den Genuss kommen, zum akzeptierten Lebensstil erklärt zu werden, auch wenn ihre Abweichung von der Norm sie stigmatisiert und belastet?

Leidensdruck ist schlimm und man sollte Empathie zeigen. Aber nur weil eine Person leidet, hat sie nicht Recht oder ist über Kritik erhaben. Insbesondere wenn es um Umdefinition von Realitäten geht, um Ersatz von Logik durch Emotionen, oder letztlich um Forderungen, die gesamte Funktionsweise und Struktur der Gesellschaft zu reformieren, um die eigenen Inselinteressen besser vertreten zu sehen. Und das meine ich nicht abwertend. Jeder will seine eigenen Interessen durchsetzen. Aber gleichzeitig ist das Leben halt auch kein Wunschkonzert. Ich möchte z.B. keine sterile, geschlechtslose Gesellschaft. Und ich glaube, damit bin ich al .

Für mich hörte sich das auch eher nach einem Hilferuf und einer tiefgreifenden Problematik an. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass man diesen inneren Konflikt und seine Symptome damit lösen kann, in dem man sagt, dann bist du halt divers. Akzeptieren und lieben wie man ist, muss man trotzdem lernen. Und das ändert das Abstempeln und ein Kreuz in einer anderen Spalte auf dem Aufnahmebogen oder Briefpapier, sicher nicht

LasseReinböng
01.02.2022, 23:28
Etwas OT aber doch irgendwie bezeichnend für den momentanen Sprech-Wahn:


Der Duden hat jetzt den Eintrag "Jude" mit einem Warnhinweis versehen....als eine möglicherweise diskriminierende, verletzende Bezeichnung...einfach mal selber ausprobieren.

Ich weiß nicht ob für diesen Quatsch auch nur ein einziger Jude auf der Welt konsultiert wurde...ich glaube es nicht denn es ist m.E. eine absolute Beleidigung gegenüber jedem Juden auf der Welt.

Macht aber nix... der deutsche Duden weiß es natürlich besser als die betroffene Gruppe die mit Antisemitismus seit gut 2000 Jahren lebt und noch nie auf die Idee gekommen wäre sich für die Bezeichnung zu schämen.

rafiki
02.02.2022, 06:49
Auch OT: Wenn du das Thema schon ansprichst: Es geht fast nie um "Antisemitismus", sondern um Antijudaismus bzw. Antiisraelismus in perfidesten Formen, z. B. der BDS-Bewegung der guten Menschen.

WiWi18
02.02.2022, 15:31
Auch OT: Wenn du das Thema schon ansprichst: Es geht fast nie um "Antisemitismus", sondern um Antijudaismus bzw. Antiisraelismus in perfidesten Formen, z. B. der BDS-Bewegung der guten Menschen.

Antisemitismus ist heutzutage (mit Recht) so definiert, dass er die grundsätzliche Delegitimierung des jüdischen Staates miteinschließt.

Den religiös/christlich motivierten Antijudaismus gibt es, abgesehen von ein paar katholischen Hardlinern kaum noch. Aber auch da spricht meiner Ansicht nach nichts dagegen, ihn als Spielart des Antisemitismus zu sehen.

Markian
02.02.2022, 17:47
Heutzutage reicht es doch gegen Zionismus zu sein, um als Antisemit bezeichnet zu werden.