Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Ernsthafte Frage zu Gehalt und Lebenshaltungskosten
Ich frage mich jetzt schon länger, wie man sich als Assistenzarzt eine eigene Wohnung in Städten wie Berlin München, Hamburg oder generell einfach in den meisten Städten leisten kann.
Laut Tarifvertrag sollten es ja am Ende ungefähr um die 3‘000€ netto pro Monat sein. Wenn ich mir die Wohnungsangebote anschaue sehe ich, dass die meisten Wohnungen (1 bis 2 Zimmer wohnung) fast gar nicht für unter 1‘000€ warm zu bekommen sind. Wenn ich dann überlege, dass ich mir eigentlich auch ein auto leisten möchte frage ich mich wie das die meisten Assistenzärzte schaffen ? Wenn man die Mietpreise und Inflation betrachtet.
Ich kann leider nicht finanziell von meinen Eltern unterstützt werden und muss auch noch Bafög zurück bezahlen.
Langsam bekomme ich das Gefühl, dass ich dann weiter in WGs oder in der Provinz leben muss… male ich es mir jetzt nur zu schlecht aus oder ist das die Realität von Assistenzärzten ?
Ich würde mir keine Sorgen machen. Wenn man gewohnt war mit Bafög zu leben und zu haushalten, funktioniert das alles mit dem ersten Arztgehalt sehr gut. Sicher auch in teureren Städten. Ein Auto leisten würde ich mir in den Großstädten überlegen und vielleicht auf später verschieben, wenn das Bafög zurückgezahlt ist.
Qwert1133
24.04.2023, 19:03
Wenn man erst jetzt sein Medizibstudium beendet hat, verdient man trotzdem ordentliches Geld, kann ein Auto, eine Wohnung und Urlaub haben. Alles nicht so schlecht, für Berufsanfänger. Wichtig wird sein, die gestiegene Inflation in die Tarife abgebildet zu bekommen. Das geht alle Ärzte was an, mir ist das auch nicht egal, unsere WBÄ kriegen im Sommer auch eine Einmalzahlung und ab Juli dann 5% mehr Lohn.
P.s.: Wenn Du in meiner Gegend nen katdiologischen Sitz für 300k findest, gib mir Bescheid, den kauf ich sofort, auch für 5% Zinsen!
Ja, mieten kann ich natürlich ne Wohnung, allerdings auch zu exorbitant höheren Preisen als 2005. Komm, wir wissen beide doch beide dass die Kaufkraft heute vs 2005 eine ganz andere war. Dass es dir besser geht liegt nicht daran dass du härter/klüger gearbeitet hast, sondern du hattest einfach mit mit der Wirtschaftslage. Ich verstehe nicht, warum man das nicht einfach zugeben kann sondern irgendwelche Binsen um sich wirft, dass jeder wusste das die Party irgendwann vorbei ist…
@nie: Den Lohn eines Handwerkers mit dem eines studierten Arztes zu vergleichen hat doch keine Aussagekraft. Ich habe 6 Jahre studiert, promoviert und arbeite zu Unzeiten an 2 Wochenenden im Monat. Natürlich würde ich auch mit Mindestlohn überleben, ich schäme mich aber nicht dafür für gute Arbeit ein anständiges Gehalt zu verlangen. Und da vergleiche ich mich natürlich mit den Löhnen anderer Akademiker aus der Wirtschaft, alles andere ist doch nicht aussagekräftig…
DrSkywalker
24.04.2023, 20:08
Meine MFAs werden über Tarif bezahlt und verdienen netto Vollzeit zwischen 1900 und 2500. Wisst Ihr was die machen: Die Fahren ein kleines, aber schickes Auto (Fiat 500), haben ein teureres Handy als ich, fliegen 1-3 x im Jahr in den Urlaub, auch gerne mal Bali oder so, gerne auch Städtereisen. Meiner Frau kaufe ich den dyson-föhn nicht zu Geburtstag, meine angestellte kauft ihn für 500 Tacken. Sie sind zufrieden. Klar, könnte mehr sein, aber es geht. Leben auf dem Land, renovieren sich die Wohnung über der der Eltern im Zweifamilienhaus am Wochenende mit Freunden und bleiben dort wohnen, wo sie aufgewachsen sind oder ziehen mit dem Freund zusammen ins ehemlige Haus der Oma ins Nachbardorf.
Es ist alles eine Frage des Anspruches.
,aber die sind zufrieden. Ich bewundere das.
Als Arzt hat man alle Möglichkeiten, sehr gut zu verdienen, man muss es aber wollen. Ich war mit Mitte 30 in eigener Praxis niedergelassen, das war schon der Plan in der Vorklinik, ohne das ich von Papa was übernehmen konnte. Auch als fähiger OA mit AT-Vertrag geht was. Oder auch gerne freiberulich Praxisvertretungen und KV-Dienste, kann auch sehr lukrativ sein.
@nie: Den Lohn eines Handwerkers mit dem eines studierten Arztes zu vergleichen hat doch keine Aussagekraft. Ich habe 6 Jahre studiert, promoviert und arbeite zu Unzeiten an 2 Wochenenden im Monat. Natürlich würde ich auch mit Mindestlohn überleben, ich schäme mich aber nicht dafür für gute Arbeit ein anständiges Gehalt zu verlangen. Und da vergleiche ich mich natürlich mit den Löhnen anderer Akademiker aus der Wirtschaft, alles andere ist doch nicht aussagekräftig…
Es geht doch nicht darum ob das Arztgehalt angemessen ist für die Leistung, die wir bringen. Das ist doch eine ganz andere Baustelle.
Es ärgert mich einfach, dass Leute mit 3000 € und mehr netto auf dem Konto behaupten, dass sie davon ihren Lebensunterhalt nicht bestreiten können.
Irgendwie ist das schon jammern auf hohem Niveau, oder? Wer hat denn in D ein Gehalt von 3- 4TEUR am Monatsende auf dem Konto?
Wie viele Ing-, Info-, Nawi-, Jura-, WiWi-Berufseinsteiger kennst du so? Wir haben nicht mehr 2013. €60k für 40h/Woche mit großzügiger HO-Regelung ist für Akademiker mit Masterabschluss in einem wirtschaftlich verwertbaren Fach wirklich nichts besonderes.
Christoph_A
24.04.2023, 22:20
Und wieviel netto haben die dann so und wieviel Ärzte? Gerade Juristen ist übrigens ein interessantes Beispiel, im Staatsdienst wirst Du nicht mit 60k anfangen, in kleineren Kanzleien auch nicht, klar, in ner Großkanzlei geht das easy, aber die Streubreite ist schon dtl. höher als bei Medizinern.
Aber, wenns Dich beruhigt, komme aus ner Industriestadt, genügend meiner Freunde sind Chemiker, Physiker und Ingenieure, also ja, kenne die betreffenden Gehaltsstrukturen ein bisschen.
Was Dich betrifft Qwert, wann habe ich behauptet, daß ich besser gearbeitet hätte als Andere? Allerdings habe ich es anders als viele andere meiner gleichaltrigen Kollegen verstanden, Situationen auszunutzen. Ich hab mir 2009 eine Wohnung in München gekauft, als es noch gut ging, viele meiner Kollegen fanden das damals zu stressig, jahrelang Kredite abzubezahlen, Miete war easier. Dieselben Kollegen jammern jetzt rum, was Wohnungen heute kosten. Was ja auch stimmt, meine ist mittlerweile gut das 4 fache Wert. Nur hab ich auch zugegriffen, als die Chance da war. Hab ich auch im Job so gemacht, manchmal muß man eben riskieren im Leben. Da hat Skywalker 100% Recht.
Was die Binse mit der Wirtschaftslage betrifft-ich musste damals 37 Bewerbungen schreiben, um einen Job zu kriegen, und das mit nem 1er Examen. Nach der Abschaffung des AIP war zuerst einmal monatelang überall Einstellungsstop, so einfach war die Wirtschaftslage für Ärzte damals. Heute sind Unikliniken hier froh, 2 bis 3 halbwegs adäquate Bewerber einladen zu können.
Jede Zeit hat Vor- und Nachteile, aber ich bleibe dabei, das Nettogehalt eines Assistenzarztes ist jetzt eher das geringste Problem.
Arbeitszeiten, Arbeitsverdichtung und immer noch bestehende toxische Arbeitsatmosphäre sind da dtl. eher korrekturbedürftig
Und wieviel netto haben die dann so und wieviel Ärzte? Gerade Juristen ist übrigens ein interessantes Beispiel, im Staatsdienst wirst Du nicht mit 60k anfangen, in kleineren Kanzleien auch nicht, klar, in ner Großkanzlei geht das easy, aber die Streubreite ist schon dtl. höher als bei Medizinern.
Aber, wenns Dich beruhigt, komme aus ner Industriestadt, genügend meiner Freunde sind Chemiker, Physiker und Ingenieure, also ja, kenne die betreffenden Gehaltsstrukturen ein bisschen.
Mit Masterabschluss kannst du davon ausgehen bei EG10 eingruppiert zu werden, also zB in Bayern, IGM-Tarif €70k bei 35h/Woche, HO je nach Betriebsvereinbarung. Unter 2 Tage die Woche ist sehr unüblich. Ärzte arbeiten für diesen Bruttolohn gern die doppelte Zeit mit dreifachem Aufwand. Wohlgemerkt ohne Aussicht auf Kardio-Kassensitz und Immo in Muc. Ja komisch, wo sind bloß die Bewerber.
Juristen A13/R1 als Eingangsamt bei Justiz oder Verwaltung (wo man mittlerweile im Übrigen auch deutlich unter 2x VB reinkommt) €3,7k netto vor PKV, was etwa €67k Angestelltenbrutto entsprechen würde. Sollen wir noch Pension, Unkündbarkeit, Kinderzuschläge etc einpreisen? Großkanzleien zahlen Berufseinsteigern im ersten Jahr mehr als der durchschnittliche Hausarzt nach Hause mitnimmt, von denen reden wir gar nicht.
Und deine Bekannten sind 25 und gerade mit dem Master fertig? Mit Verlaub, du schätzt die Gehaltsstrukturen für Berufseinsteiger völlig falsch ein.
Christoph_A
25.04.2023, 06:29
Mit Verlaub, das Einstiegsgehalt eines Volljuristen im bayrischen Stastsdienst beträgt, je nach Eingruppierung zwischen 4500 und 4900 Euro brutto, wie Du da auf 3700 netto kommst, erklärst Du mir jetzt bitte. Und dann auch noch dazu, wie die Gehaltssteigerungen die nächsten 10 Jahre so aussehen werden. Zumal es viele gar nicht zum Staat schaffen.
Mit Verlaub, derjenige, der Strukturen falsch einschätzt, bist eher Du.
Kann Dir gerne auch von Personalern Zahlen bzgl. Chemiker, Physiker und Ingenieuren in der örtlichen Industrie liefern, die sind zwar keine 25 mehr, stellen diese Leute aber ein, haben also, mit Verlaub, etwas mehr Ahnung von Gehältern als Du.
Das führt jedoch zu nix, da es mit dem Ursprungsthema nichts zu tun hat. Einigen wir uns einfach darauf, daß Du und ich, wie eigentlich fast immer, unterschiedlicher Meinung sind.
Und ich bleibe dabei, wer als Berufsanfänger mit 3000 Euro netto nicht zurecht kommt, der jammert auf verhältnismäßig hohem Niveau.
DrSkywalker
25.04.2023, 06:41
[I]Großkanzleien zahlen Berufseinsteigern im ersten Jahr mehr als der durchschnittliche Hausarzt nach Hause mitnimmt, von denen reden wir gar nicht.
.
Ich kann vor allem für Süddeutschland sprechen, hier gilt: Das ist einfach völlig falsch.
In der Großkanzlei kannst du vielleicht sogar 150k im Jahr bekommen als Einsteiger, dafür hast du die 70-80 Stunden-Woche aber gebucht, das machen die meisten mal 1-2 Jahre und merken dann, dass der Netto-Stundenlohn (habs überschlagen, ca 20 euro netto bei 150k und 80h-Woche) nicht so gut ist und wechseln in eine kleine Kanzlei für 80k im Jahr.
Der durchschnittliche Hauarzt liegt da deutlich drüber mit einer echten 40 Stunden-Woche.
Christoph_A
25.04.2023, 06:53
@DrSkywalker: Das trifft auf fast alle von OhDaeSu angeführten Zahlen zu.
Das mit den Großkanzleien kenn ich auch, kenne auch ein paar Juristen, die da relativ schnell den Hut draufgehauen haben. Muß ein sehr toxisches Umfeld sein.
Ich kann vor allem für Süddeutschland sprechen, hier gilt: Das ist einfach völlig falsch.
In der Großkanzlei kannst du vielleicht sogar 150k im Jahr bekommen als Einsteiger, dafür hast du die 70-80 Stunden-Woche aber gebucht, das machen die meisten mal 1-2 Jahre und merken dann, dass der Netto-Stundenlohn (habs überschlagen, ca 20 euro netto bei 150k und 80h-Woche) nicht so gut ist und wechseln in eine kleine Kanzlei für 80k im Jahr.
Der durchschnittliche Hauarzt liegt da deutlich drüber mit einer echten 40 Stunden-Woche.
Das mag in Süddeutschland so sein, für Deutschland insgesamt weist das statistische Bundesamt im Jahr 2019 einen Reinertrag von €192k für allgemeinmedizinische Einzelpraxen und €180k je Inhaber von BAGs aus. Du wirst mir zustimmen, dass das nach Abzug der AG- u. AN-Anteile weniger ist, als die €180k brutto für einen angestellten Associate im ersten Jahr bei z.B. Milbank.
Natürlich hat man als niedergelassener Hausarzt ökonomisch insgesamt den besseren Deal, aber wir vergleichen hier Berufsanfänger mit einem selbstständigen Facharzt mit mind. 5 Jahren BE. Aus Interesse: Hast du auch mal den Netto-Stundenlohn für so einen typischen Innere-WBA im ersten Jahr berechnet?
Mit Verlaub, das Einstiegsgehalt eines Volljuristen im bayrischen Stastsdienst beträgt, je nach Eingruppierung zwischen 4500 und 4900 Euro brutto, wie Du da auf 3700 netto kommst, erklärst Du mir jetzt bitte.
Beamte zahlen keine Beiträge zu den Pflichtversicherungen. Bei einem Bruttogehalt von €4700 gehen in Steuerklasse I somit nur etwa 22% Lohnsteuer ab und es bleiben €3700 netto. Davon zahlst du dann PKV, dank Beihilfe als Berufseinsteiger 300-400€. Um ein vergleichbares Netto zu bekommen müsstest du als Angestellter etwa €67k verdienen. Da haben wir die Pension (>70% des letzten Gehalts) noch nicht mit drin. Und irgendwo mit A13 beim Landratsamt einsteigen ist tatsächlich nicht so die große Hürde.
Kann Dir gerne auch von Personalern Zahlen bzgl. Chemiker, Physiker und Ingenieuren in der örtlichen Industrie liefern, die sind zwar keine 25 mehr, stellen diese Leute aber ein, haben also, mit Verlaub, etwas mehr Ahnung von Gehältern als Du.
Ja gerne. Meine Zahl kommt aus dem aktuellen IGM-Tarifvertrag für Bayern.
Und ich bleibe dabei, wer als Berufsanfänger mit 3000 Euro netto nicht zurecht kommt, der jammert auf verhältnismäßig hohem Niveau.
Das sehe ich schon auch so, aber es ist im Vergleich zu anderen Berufseinsteigern, selbst wenn die Arbeitszeiten halbwegs eingehalten würden, mittlerweile eben nur noch 'ok'. Und mir geht diese Schönrederei auf den Sack.
Christoph_A
25.04.2023, 08:36
Wir halten also fest, Juristen im Staatsdienst, welche bei weitem nicht die Mehrheit der Juristen darstellen, verdienen ungefähr so viel Grundgehalt wie ein Assistenzarzt ohne Dienste, nach Diensten dreht sich das dann schon um, Respekt, ist schon ein Brett. Das Durchschnittsgehalt aller Jursiten im ersten Berufsjahr liegt lt Statista übrigens deutlich unter dem Staatsdienstgehalt, aber das nur als Randnotiz.
Machen wir weiter, warum gruppierst Du Berufsanfänger in E13 ein, dies gilt überwiegend ab dem 2. Berufsjahr, im 1. Berufsjahr wird oft deutlich weniger gezahlt, weißt Du sicher auch, passt Dir aber halt nicht in die Agenda. Und 70k im 2. WBJ mit Diensten (und damit höherem netto) schaffen jetzt auch nicht grade wenige Ärzte. Jetzt sind Chemiker aber noch eine sehr gut entlohnte Berufsgruppe, wenn auch eher selten im HO für 2 Tage die Woche zu finden. Bei Ingenieuren und anderen Mintlern sieht das dann auch schon wieder anders aus. Auch das solltest Du wissen, tust es wahrscheinlich auch, passt aber halt wieder nicht in die Agenda.
Alles in allem sehe ich hier bei keiner Deiner Gruppen eine signifikante Differenz zu Ärzten und das sind, von allen Akademikern, die mit am besten bezahlten Beispiele. Was willst Du jetzt nem Informatiker, VWLer oder Germanisten sagen?
Nochmal, um nicht falsch verstanden zu werden, unser Gehalt muß jetzt tariflich auch an die gestiegene Inflation angepasst bleiben, aber unterbezahlt sind Ärzte, im Vergleich zu allen Akademikern in Deutschland, auch im 1. WBJ nicht (mehr).
Wir halten also fest,
Ich halte mal was anderes fest: Entlohnung und Arbeitsbedingungen sind aktuell in Deutschland so attraktiv, dass man (abseits von Unikliniken und wenigen Maximalversorgern mit Top-Ausbildung) in Fächern wie der Inneren Medizin oder der Chirurgie froh sein kann, dass es Länder wie Syrien und den Libanon gibt, in denen die einheimischen Mediziner noch weniger Perspektive für sich sehen.
Christoph_A
25.04.2023, 09:09
Und deshalb sind die Wartezeiten auf einen Medizinstudienplatz ja auch praktisch nicht existent und der NC nicht bei ungefähr 1,1 weil es ja sooooo unattraktiv ist, Arzt zu werden.....
:-keks
Der Ärztemangel ist zu einem guten Teil hausgemacht, die Studienplatzzahlen sind seit den 90ern (gell, Herr Seehofer) unverändert und der Bedarf, auch aufgrund der mittlerweile deutlich verbesserten Arbeitszeitrichtlinien sowie des Trends zur Teilzeit, deutlich höher als die jährliche Absolventenzahl.
Dazu kommt noch die Unwucht, daß viele in attraktive Großstädte/Lagen wollen und damit in unattraktiveren Gefilden Deutschlands mittlerweile wirklich alles genommen werden muß, was nicht bei 3 aufm Baum sitzt und 5 Worte deutsch kann.
Wir halten also fest, Juristen im Staatsdienst, welche bei weitem nicht die Mehrheit der Juristen darstellen, verdienen ungefähr so viel Grundgehalt wie ein Assistenzarzt ohne Dienste, nach Diensten dreht sich das dann schon um, Respekt, ist schon ein Brett.
Äpfel und Birnen. Wenn der Beamte am WE oder Nachts zusätzlich noch an der Tanke arbeitet, kann er sein Gehalt auch aufstocken.
Machen wir weiter, warum gruppierst Du Berufsanfänger in E13 ein
Wie gesagt, EG10, all-in 70k, 35h Woche
Alles in allem sehe ich hier bei keiner Deiner Gruppen eine signifikante Differenz zu Ärzten und das sind, von allen Akademikern, die mit am besten bezahlten Beispiele.
Das ist schön, denn gestern klang es ja noch so:
Irgendwie ist das schon jammern auf hohem Niveau, oder? Wer hat denn in D ein Gehalt von 3- 4TEUR am Monatsende auf dem Konto?
Was willst Du jetzt nem Informatiker, VWLer oder Germanisten sagen?
Den würde ich zu seiner Studienwahl beglückwünschen.
Dieselben Kollegen jammern jetzt rum, was Wohnungen heute kosten. Was ja auch stimmt, meine ist mittlerweile gut das 4 fache Wert. Nur hab ich auch zugegriffen, als die Chance da war. Hab ich auch im Job so gemacht, manchmal muß man eben riskieren im Leben. Da hat Skywalker 100% Recht.
Was sollen die jüngeren Generationen denn hier riskieren?
Das Gehalt eines Assistenzarztes lag damals bei etwa 2,5 netto am Anfang vor Diensten, ist damit also seitdem um 1/6 gestiegen. Die Wohnung hat sich vervierfacht, die Zinsen sind deutlich höher - mittlerweile dürften allein die Zinsen für einen Kredit für eine solche Wohnung das Gehalt eines Assistenzarztes um ein Vielfaches übersteigen.
Was die Binse mit der Wirtschaftslage betrifft-ich musste damals 37 Bewerbungen schreiben, um einen Job zu kriegen, und das mit nem 1er Examen. Nach der Abschaffung des AIP war zuerst einmal monatelang überall Einstellungsstop, so einfach war die Wirtschaftslage für Ärzte damals. Heute sind Unikliniken hier froh, 2 bis 3 halbwegs adäquate Bewerber einladen zu können.
Das liegt aber auch ganz maßgeblich daran, dass den Job einfach immer weniger Leute machen wollen.
Jede Zeit hat Vor- und Nachteile, aber ich bleibe dabei, das Nettogehalt eines Assistenzarztes ist jetzt eher das geringste Problem.
Arbeitszeiten, Arbeitsverdichtung und immer noch bestehende toxische Arbeitsatmosphäre sind da dtl. eher korrekturbedürftig
Das ist der springende Punkt. Es ist im Vergleich zu Arbeitszeit und Arbeitsbelastung zu wenig.
Ich habe auch relativ gute Einblicke in die Gehaltsstrukturen anderer Akademiker.
In meinem Freundeskreis habe ich zum Beispiel mehrere Juristen.
Die hier angeführte 70h-80h-Woche hat nur einer, der im M&A arbeitet. Der hat dafür auch im zweiten Jahr die 200k geknackt. Ein anderer macht Litigation in der GK, der arbeitet von 9 bis 9 (im Mittel), mit Officejob-typischer ausgedehnter Mittagspause. Der ist bei 140k. Ein Dritter arbeitet in einer mittelgroßen Kanzlei, at völlig reguläre Arbeitszeiten und verdient ebenfalls sechsstellig. Alle drei sagen aber auch, dass der Staatsdienst sich absolut nicht lohnt und dass man ohne Prädikatsexamen verloren ist. Aber das schafft auch ein gutes Drittel der Jura-Absolventen, in einem Studiengang ohne NC.
Im AT-Bereich großer Industriekonzerne verdient man ebenfalls sechsstellig. Bei 35h-/40h-Woche. Und da kommt man mit ein paar Jahren Berufserfahrung (im Zweifel reicht der Bachelor!), etwas Fleiß und Glück auch hin. Hat ein weiterer Freund aus Abi-Zeiten mit dualem Studium geschafft, kurz, nachdem ich Assistenzarzt wurde.
Ich verdiene etwa so viel wie ein Freund von mir, der mit 35h-Woche 100% im Home Office chillt (Informatiker). Der hat freilich nicht die Upside-Perspektive eines Arztes. Wobei die eben auch nicht so gut ist, wie sie mal war, weil Kassensitze entweder unbezahlbar teuer oder schlicht gar nicht mehr zu haben sind.
Wer jetzt als Schwerpunkt FA in ein MVZ wechselt und 80-100 K kassiert, hat schlicht nicht gut verhandelt. Kenne kaum einen angestellten Schwerpunkt FA, der unter 100k in Vollzeit arbeitet.
Eine Bekannte von mir bekommt jetzt, als in einem MVZ angestellte Fachärztin, in einer 75%-Stelle so wenig, dass sie aus der PKV geflogen ist. Ich weiß nicht, ob es das falsche Fach ist (nicht Allgemeinmedizin, nicht Psych, nicht Neuro, nicht Päd), schlecht verhandelt oder der "Mutti-Malus". Aber mir kommen 100k für einen angestellten Facharzt in Vollzeit eher wie die Obergrenze vor, zumindest am Anfang.
Klar war das gehalt vor 1-2 Jahren noch deutlich besser, ist auch der Tatsache, der seit damals deutlich gestiegenen Inflation geschuldet, keine Diskussion. Deshalb bräuchte es ja auch jetzt einen vernünftigen Tarifabschluß.
Korrekt. Ich glaube, wir sind uns auch alle einig. Die Diskussion um "man kann als AA von seinem Geld nicht leben" ist doch aktuell eine Phantomdiskussion. Wenn es aber so weitergeht (5-10% Inflation, 0% Gehaltssteigerung) kann sich das auch bald ändern. Und irgendwann wird es auch für die Niedergelassenen enger, weil man die erheblichen Kostensteigerungen wegen der staatlichen Preisfestsetzung (EBM/ GOÄ) leider nicht weitergeben kann.
Was stimmt ist die Tatsache, daß Immobilien in Großstädten unverschämt teuer geworden sind, da rentiert sich ein Kauf nicht mehr, Mieten ist immer noch deutlich billiger. Wird sich die nächsten Jahre auch wieder einpendeln. Momentan muß man da abwarten können.
Ich denke eher, dass die Mieten nachziehen. Die meisten Immobilien wurden sauteuer gekauft, das Geld muss reinkommen und Wohnraum ist weiter knapp. Wenn der WBA dann irgendwann genau so viel verdient wiejetzt nominal, aber 1500€+ kalt für seine Wohnung ausgibt, wird es langsam eben doch immer enger.
Hohe Inflation ist immer Wohlstandsverlust, allerdings auch eine Chance, weil sich nun auch Anlagen rentieren, was früher bei 0 zinsen nicht lukrativ war.
Verstehe nicht ganz, was du mit diesem Satz sagen möchtest :)
Christoph_A
25.04.2023, 09:41
Und was sagt Dein EG 10 nem Berufsanfänger, der nicht in E13 eingruppiert wird, weil das erst ab dem 2. Jahr der Fall ist?
Dienste gehören zum Arztberuf, sind also keine Äpfel und Birnen sondern Teil des Jobs und des Gehalts. Daß dieses dann höher ist, ist ein Fakt.
Du betreibst schon wieder Wortklauberei. Die von Dir als besser angeführten Gruppen erhalten im Endeffekt ungefähr das gleiche oder ein geringeres Gehalt. Das steht in keinem Widerspruch zu meiner gestrigen Aussage, wer in D überhaupt 3-4k netto verdient. Das war auf die Gesamtheit der Republik bezogen. Das Durchschnittsgehalt aller Vollzeitbeschäftigten in D ist ungefähr 4100 brutto (Quelle: Statistisches Bundesamt 04´22). Damit kriegt jeder Berufsanfänger hier automatisch schon mal deutlich mehr Grundgehalt (Dienste noch gar nicht eingerechnet). Stehe daher voll zu meiner Aussage, daß es unlauter ist, über ein ANFANGSGEHALT, welches bereits deutlich über dem deutschen Gehaltsdurchschnitt liegt, zu jammern.
Damit lassen wir das hier, wir sind eh Lichtjahre vom Thema weg.
P.s.: Einstiegsgehalt Informatiker ca. 47000 Euro, warum bist Du das nicht geworden, wäre ja ein Bombenupgrade zum Arztberuf....
Endoplasmatisches Reticulum
25.04.2023, 09:50
......
Christoph_A
25.04.2023, 09:51
@ Wiwi: Nur ganz kurz, auch als Arzt verdienst Du nach ein paar Jahren sechsstellig, kein Problem.
Was die Anstellung im MVZ betrifft, keiner unserer Vollzeitkollegen im Angestelltenverhältnis verdient unter 100 k, kenne auch sonst keine in vollzeit beschäftigten Schwerpunktinternisten, die billiger gewesen wären.
Bezüglich Mieten: Sogar in München stagnieren diese mittlerweile, beziehungsweise gehen in vielen Stadtteilen leicht bis sogar mäßig nach unten.
Staatsdienst hat für Juristen aber auch was Gutes: Mein bester Freund aus Schultagen ist Richter am Amtsgericht, die Welt verdient er da nicht, aber totmachen tut er sich arbeitstechnisch jetzt auch nicht. Und Pension und Jobsicherheit ist da jetzt auch nicht das Schlechteste.
P.p.s: Das Anfangsgehalt lag "damals" bei 2000 Euro netto ohne Diensten.....been there, done that. Und die Wohnungsmiete hat sich nicht vervierfacht, aber verdoppelt. Daher ist mieten aktuell deutlich lukrativer als kaufen. Warte etwas ab, bis viele ihre Anschlußkredite für auf Kante gekaufte Immobilien nicht mehr bedienen können, dann sind auch wieder Schnapper auf dem Markt.
Christoph_A
25.04.2023, 09:52
Nö. Nicht in jedem Fach, nicht an jeder Weiterbildungsstelle, und selbst wenn: Nicht in jeder Abteilungsstruktur sprengt man durch Dienste die vertraglich vereinbarten 40 Stunden Arbeit pro Woche.
In welchem klinischen Fach leistest Du jetzt keine Dienste? Wo schaffst du es mit Diensten nicht über 40h Vollzeit?
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