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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Parallelen zwischen Medizin und Militär



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Tramaldol
16.08.2023, 23:14
Einfach ignorieren. Rafiki hat gerade eine Edgelord-Phase. Mehr als Trollposterei kam da schon länger nicht mehr. Wobei ich seine Therapieempfehlung, wenn man viele 24h-Dienste körperlich belastend findet, und die Mär, nach ein paar Jährchen würde man als Arzt locker-flockig eine halbe Mille aufwärts im Jahr bei einer 40-Stunden-Woche verdienen, noch ganz lustig fand. Da war das jetzt im Verhältnis ein eher öder Take.

Ja das stimmt. Da sollte er nochmal ganz tief in sich gehen.
Trotzdem ein paar Worte:
Man beachte, dass es in der Psychiatrie eine große Reform gab in den 70er Jahren. Zuvor sah das da ja ganz anders aus. Überhaupt sind doch ganz "leichte" Unterschiede zwischen Psychiatrie und Chirurgie und auch Innere auszumachen. Hier redet man aneinander vollkommen vorbei. Die Zustände in einer Psychiatrie sind nicht mit der in einer Chirurgischen oder internistischen Abteilung vergleichbar.
Klar, wozu brauch man in der Psychiatrie unbedingt einen Kittel 24h. Vllt für Blutabnahmen und Zugänge stundenweise. Eine psychiatrische Visite verläuft grundlegend anders als eine chirurgische oder internistische Visite. Das sollte allen bewusst sein nach dem Studium zu dem ein Praktikum in der Psychiatrie und natürlich auch Chirurgi/Innere standardmäßig gehört.
In der Chirurgie kann ich es verstehen, wenn man in Scrubs/und oder Kittel rumläuft zwischen all den Wunden und Verbandwechseln, Klammern und Fäden ziehen. Zugang hier, Blutentnahme dort.
Ja ich kann mir vorstellen, dass die Weiterbildung in der Psychiatrie nicht vom hierarchischen Gehabe und ausgeprägter Ellebogenmentalität 24h unbedingt geprägt ist. Das Fach zieht diesen Typ-Mensch weniger an. Es ist einfach was ganz anderes als Chirurgie. Es ist etwas ganz anderes. Vom Patientengut, vom Personal, von der Arbeitsweise. Es ist doch toll, wenn rafiki das so genossen hat. Grundsätzlich bräuchte es noch viel mehr Leute, die Weiterbildung Psychiatrie machen. Da herrscht ein sehr hoher Bedarf. Die meisten psychiatrischen Kliniken sind inzwischen zu Dauerausschreibungen übergegangen.

Man kann es drehen und wenden. Die Assistenzarztzeit ist sowas wie die Azubi Zeit im Handwerk, nur mit dem Schmankerl von Diensten und dem Studium von 6 Jahren vorab. Gerade in den chirurgischen Fächern errinnert es doch sehr an Handwerksbetriebe.

anignu
16.08.2023, 23:58
die dann auch garnicht im Krankenhaus, geschweige denn Chirurgie tätig sind, nicht angebracht.
Moment! ;-)

aber unsere Pflege war zutiefst asozial.
Das tut mir echt leid für dich bzw. euch. Ich mag unsere Pflege. Das ist echt ein gutes Miteinander.
Meine Theorie ist, dass Kleidungszwänge und Auswendiglernen von sinnlosen Fakten dazu dienen, maximalen Gehorsam zu erzwingen und jegliches Hinterfragen gnadenlos abzutrainieren. Dass es nicht um "Schutz" oder "Hygiene" geht sieht man schon allein daran, dass es vielerorts erlaubt ist, weiße Privatkleidung zu tragen, aber keine dunkle.
Ich kann nur wiederholen: bei uns trägt jeder was er will...

Und auch in Praxen ist oft ein "vertrauenserweckendes", einheitliches Erscheinungsbild gefordert.
Aber nicht als Uniform. Uniform hast du bei Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienst, Fluggesellschaften, Militär oder auch in manchen Vereinen. Bayern grüßt die Welt sag ich nur. Das hat aber doch nix mit Uniform ist immer gleich Militär ist immer gleich Gleichschaltung zu tun. Einheitliche Kleidung haben sogar die Bauarbeiten in der Zimmerei. Oder die Elektriker auf Montage. Damit man weiß wo und wie man die Leute zuordnen kann/muss. Wenn ich dem nächsten Handwerker der zu mir kommt und ein T-Shirt mit dem Logo der Firma hat erzählt dass das wie beim Militär ist und ob er gleichgeschalten wäre, der zeigt mir einen Vogel. Also man kann es wirklich übertreiben.

Virtuelle Sprechstunden wären möglich, haben sich aber nach wie vor noch nicht durchgesetzt.
Da hast du mich jetzt wieder. Nein, es gibt keine virtuellen Sprechstunden, es gibt kein Homeoffice (doch schon, ich kenn tatsächlich eine HNO-Oberärztin die schon vor Corona zwei Home-Office Tage hatte). Es gibt nach wie vor das Faxgerät und CTs kann man ja auch auf CDs verschicken. Der Franke würde nicht mal einen Unterschied erkennen.
Insofern ja, stimmt, auch die Medizin arbeitet mit völlig veralteter Technik, tut sich schwer mit Innovationen Schritt zu halten und ist diesbezüglich quasi wie das Militär.

Die Impfpflicht ist das nächste
Für welche Impfungen denn? Masern? Oder gibt es noch eine weitere? Und wen betrifft das?
Beschäftigte in Kindergärten, Horte, Kindertagesstätten, Schulen, Gemeinschaftsunterkünften, Asylbewerber-, Geflüchteten-, oder Spätaussiedlerunterkünfte, Krankenhäuser oder Arztpraxen sowie alle Kindergartenkinder und alle Schüler. Alles Militär oder was? Und weil es alle Schüler trifft ist das Thema in ein paar Jahren eh durch. Da hat man dann mit "alle Schüler" auch alle zukünftigen Beschäftigten woauchimmer abgedeckt.

Egal was ein Mediziner macht, oder in welchem Fach, man ist nicht mehr Herr über sich selbst.
Das tut mir leid für dich. Für Assistenzärzte mag das noch relativ sein, aber das nimmt brutal ab. Irgendwann bist du an einem Punkt an dem der Rahmen stimmen muss, aber wie man den füllt bleibt einem selbst überlassen. Da wünsche ich dir, dass du mal an den Punkt kommst.

Anders sind die Abläufe in manchen Chefvisiten nicht zu erklären.
Viele dieser Abläufe sind Show! Ein Theaterstück für Privatpatienten die viel Geld bezahlen dass das Schauspiel aufgeführt wird. Wenn ich ins Opernhaus geh und viel Geld hinleg erwarte ich auch eine gewisse Leistung. Aber das hat doch nix mit Medizin zu tun!

Die Assistenzarztzeit ist sowas wie die Azubi Zeit im Handwerk, nur mit dem Schmankerl von Diensten und dem Studium von 6 Jahren vorab. Gerade in den chirurgischen Fächern errinnert es doch sehr an Handwerksbetriebe.
Ich dachte es soll grad über die Diskussion Medizin = Militär gehen.

rafiki
17.08.2023, 05:10
:-)):-))
Das ist mit Verlaub, eine verbrecherische Ansicht. In Deutschland hat man sich an das Arbeitszeitgesetz zu halten. Dieses ja du wusstest auf was du dich einlässt ist einfach nur ekelhaft.

Warum das? Wenn ich zwei 24-Dienste pro Woche mache und vollständig bezahlt werde, sehe ich da kein Verbrechen. Überstunden habe ich übrigens nicht gemacht.

Und jetzt verdiene ich für kaum mehr als 40 Wochenstunden als OA weit über eine Viertel Million. Bin sehr dankbar für meine harte Assistentenzeit.:-dance

O, mir ist doch noch ein Verbrechen eingefallen. Weil es kaum noch Assistenten gibt bzw. überwiegend Jammerlappen, habe ich diese Woche einen Nachtdienstvordergrund samt Hintergrund übernommen. Am nächsten Tag hab ich vollständig durchgearbeitet. Allerdings hab ich auch die Dienstnacht vollständig durchgeschlafen. Die Kohle dafür kommt übrigens noch oben drauf.:-))

Endoplasmatisches Reticulum
17.08.2023, 08:00
......

fightinglizard
17.08.2023, 09:43
:-)):-))

Warum das? Wenn ich zwei 24-Dienste pro Woche mache und vollständig bezahlt werde, sehe ich da kein Verbrechen. Überstunden habe ich übrigens nicht gemacht.

Und jetzt verdiene ich für kaum mehr als 40 Wochenstunden als OA weit über eine Viertel Million. Bin sehr dankbar für meine harte Assistentenzeit.:-dance

O, mir ist doch noch ein Verbrechen eingefallen. Weil es kaum noch Assistenten gibt bzw. überwiegend Jammerlappen, habe ich diese Woche einen Nachtdienstvordergrund samt Hintergrund übernommen. Am nächsten Tag hab ich vollständig durchgearbeitet. Allerdings hab ich auch die Dienstnacht vollständig durchgeschlafen. Die Kohle dafür kommt übrigens noch oben drauf.:-))

Deine Posts lesen sich als wärst du vom Assistenzarzt für Psychiatrie zum Patienten befördert worden.
Ist ja ganz toll für dich du Wunderkerze, vielleicht haben deine Jammerlappen ein Leben außerhalb der Klinik und deshalb einfach keinen Bock auf noch einen Nachtdienst? Ich bevorzuge es manchmal auch einfach zuhause zu schlafen, statt 200 oder 300€ Netto mehr zu kriegen.

Zwei 24-Stunden-Dienste pro Woche ergibt eine Arbeitszeit von 48 Stunden. Damit bist du bereits 6-8 Stunden über der Höchstarbeitszeit. Und die restlichen Tage hast du frei oder was? Montag, Mittwoch Dienst und Dienstag bis Sonntag frei? Und das zu 100% bezahlt auf dein Grundgehalt drauf?
Nenn mir die Klinik, vielleicht ist Psychiatrie ja doch was für mich. Nur schade, klingt halt alles nach Stuss und nicht mehr.

Feuerblick
17.08.2023, 10:13
Bei allem Verständnis für eine gewisse Emotionalität: Bitte keine persönlichen Angriffe und keine Beleidigungen!
Sonst muss der Thread nämlich auf die stille Treppe.
Ach ja: Und zurück zum Thema, denn die Arbeitsbedigungen eines einzelnen Users sind NICHT Threadthema.

Danke!

Feuerblick
MediLearn-Moderatorin

Endoplasmatisches Reticulum
17.08.2023, 10:36
......

Tramaldol
17.08.2023, 10:43
:-)):-))

Warum das? Wenn ich zwei 24-Dienste pro Woche mache und vollständig bezahlt werde, sehe ich da kein Verbrechen. Überstunden habe ich übrigens nicht gemacht.

Und jetzt verdiene ich für kaum mehr als 40 Wochenstunden als OA weit über eine Viertel Million. Bin sehr dankbar für meine harte Assistentenzeit.:-dance

O, mir ist doch noch ein Verbrechen eingefallen. Weil es kaum noch Assistenten gibt bzw. überwiegend Jammerlappen, habe ich diese Woche einen Nachtdienstvordergrund samt Hintergrund übernommen. Am nächsten Tag hab ich vollständig durchgearbeitet. Allerdings hab ich auch die Dienstnacht vollständig durchgeschlafen. Die Kohle dafür kommt übrigens noch oben drauf.:-))

Also dahin verschiebt sich das Gehaltsgefüge. Naja wenn man in der 40h Woche eh nicht soviel zu tun hat, macht ein Dienst nix. Gerade Freitag->Samstag ist ja lukrativ, da nicht abgezogen wird vom Gehalt. Samstag ist dann schade um den freien Tag, obwohl auch lukrativ. Auf der anderen Seite wird es bei >250k dann auch nebensächlich.

Ich weiß auch nicht wie man das Fach Psychiatrie den Ärzten näher bringt. Ich hatte letztens eine (Sehr nette) Gefäßchirurgin als Patient, die als FA für Gefäßchirurgie in die Psychiatrie (auch noch etwas abgeschiedene Klinik) gewechselt ist wegen der guten Arbeitszeitmodelle für Familien.
Der Bedarf ist sehr hoch und die Umgangsformen sind ganz anders als in der Chirurgie oder Inneren.

Heerestorte
17.08.2023, 11:04
Zwei 24-Stunden-Dienste pro Woche ergibt eine Arbeitszeit von 48 Stunden. Damit bist du bereits 6-8 Stunden über der Höchstarbeitszeit. Und die restlichen Tage hast du frei oder was? Montag, Mittwoch Dienst und Dienstag bis Sonntag frei? Und das zu 100% bezahlt auf dein Grundgehalt drauf?
Nenn mir die Klinik, vielleicht ist Psychiatrie ja doch was für mich. Nur schade, klingt halt alles nach Stuss und nicht mehr.

Bei aller Liebe...
Ein Dienst enthält Bereitschaftszeit, ansonsten wäre es gar nicht möglich, einen 24H Dienst anzubieten, da die gesetzliche Arbeitszeit nicht länger als 13h zusammenhängend sein darf. Also nix mit 48h Arbeitszeit... Wenn man meckert, dann richtig.

Tramaldol
17.08.2023, 11:11
Alle diskutierten Punkte sind für mich Ausdrücke einer Berufspolitik auf Abwegen.

Die Branche feminisiert. Gen Z fühlt sich von der Welt und den vorherigen Generationen nicht zu Unrecht verarscht. Immobilienbesitz als früheres Fernziel ist für viele junge Menschen in unerreichbare Ferne gerückt. Corona hat selbst hartgesottene Arbeitstiere zermürbt und desillusioniert. Die Gewerkschaftsvertretung ist ein höhnischer Witz auf Zahnstochern. Die Inflation zerreibt einen Großteil des Wohlstandes, den der Job und die Schererei früher als Ausgleich versprochen haben. Als Oberarzt geht der Beschiss auf andere Art weiter, als Chefkeks tanzt man an der Leine der Ökonomen und die Niederlassung wird durch Planwirtschaft und Kassensitzhorterei reicher Investorengruppen ebenfalls zerfressen. Die restliche Bevölkerung überschüttet einen mit vitriolischen Anfeindungen, weil man ja kein unterbezahlter und hart schuftender Pfleger ist. Man wird per Gesetz von Schadensbegrenzungsmechanismen (ArbZG) und Schmerzensgeldleistungen ausgenommen. Und weil das alles noch nicht reicht, kündigt der Gesellschaftswandel eine unaufhaltsame weitere Verschärfung aller Missstände an.

Natürlich sinkt da die Bereitschaft, sich ausbeuten zu lassen, ins Bodenlose. Die älteren Generationen hatten ihre eigenen Probleme, aber sie hatten eine ganz andere Perspektive. Die wurde und wird systematisch zerstört. Und das ist ruinös für eine Branche, die es in Jahrzehnten nie geschafft hat, für ihren Nachwuchs irgendeine andere Motivation als "Später zahlt sich die Tortur mal aus!" zu formulieren.

Dass der Old Boys Club da wenig Veständnis für aufbringt und sich am Gatekeeping festklammert, auf dem sein gesamtes eigenes Berufsleben aufgebaut war, kann ich gut verstehen.

Das schreibst du als Assi oder? Wie gesagt, da gibt's keine große Lobby für euch. Das Gröbste hat man ja schon verbessert. Niemand interessiert sich so wirklich dafür etwas zu tun. So ist es einfach.

Als Ober- oder Chefarzt hast du kein schlechtes Leben. Die strukturellen Defizite werden abgegolten. Niedergelassene haben sehr viel Freiheit, soviel wirst du in keinem anderen Land haben, wie hier. Der Verdienst ist selbst für die Low-Performer sehr gut.
Chefarzt ist jedoch inzwischen deutlich unattraktiver geworden. Früher hatten die Uniklinikchefärzte ein Gehalt >1 Mio. mit der Privatliquidation. Das ist jetzt vorbei. Aber auch weil die Uniklinikchefs weniger Leistungen insb. in der Forschung gebracht haben. In manchen Fächern ziehen die Niedergelassenen gehaltstechnisch am Uniklinikchefarzt vorbei. So ist die Entwicklung. Überhaupt ist im ambulanten Bereich der Verdienst besser als in der Klinik. Dann gehen Top Leute in die Niederlassung statt zur Uniklinik.

Die Immobilienpreise fallen, unerreichbar ist das alles nicht, wenn es nicht 300qm in Berlin-Mitte sein muss. Ein Haus im Berliner Speckgürtel ist im Rahmen der Möglichkeiten.
Im deutschen Gesundheitswesen steckt viel mehr Geld als in anderen Systemen. Übrigens sind die Bedingungen für Assis in den USA deutlich schlechter als hier.

Es gibt übrigens jetzt die Möglichkeit, dass der FA in den USA anerkannt wird (in einigen Staaten). Falls du es hier so furchtbar findest. Da gibt's dann richtig hohes Gehalt.

Du musst erstmal FA werden, als Assi stehst du vor verschlossenen Toren.

Tramaldol
17.08.2023, 11:18
Bei aller Liebe...
Ein Dienst enthält Bereitschaftszeit, ansonsten wäre es gar nicht möglich, einen 24H Dienst anzubieten, da die gesetzliche Arbeitszeit nicht länger als 13h zusammenhängend sein darf. Also nix mit 48h Arbeitszeit... Wenn man meckert, dann richtig.

Nur, dass die Bereitschaftsdienste oft >50% aktive Arbeit beinhalten. Was so nicht in Ordnung ist, aber hingenommen wird.

Feuerblick
17.08.2023, 11:27
Könnt ihr bitte von Arbeitszeiten zurück zum Thema kommen? Arbeitszeiten wurden ja wirklich überall schon diskutiert.

Danke!

Feuerblick
MediLearn-Moderatorin

Endoplasmatisches Reticulum
17.08.2023, 11:37
......

Tramaldol
17.08.2023, 11:54
Das ist der springende Punkt. Die Weiterbildungszeit ist mit 5-6 Jahren zu lang, um sich bedingungslos irgendwie durchzubeißen. Das braucht eine im Verhältnis zu den Bedingungen adäquate Motivation. Wenn diese Zeit in Summe so unerträglich und die Gratifikation so gering wird, dass Ärzte sie sich flächendeckend nicht mehr antun wollen, also das "Durchhalten, dann wirds besser" nicht mehr als Pep-Talk ausreicht, dann kann nicht die einzige Antwort darauf wieder sein: "Durchhalten, dann wird's besser".


Ja die Weiterbildung ist lang und schlecht organisiert. Aber einfach ist sie anderswo auch nicht. Dafür kannst du hier auch NC oder Herzchirurgie machen, während es anderswo extrem schwierig ist in solche WB reinzukommen. Eine grundlegende Reform der Weiterbildung kannst mit den alten Leutchen vergessen. Daher bleibt es leider dabei: Schau, dass du die WB schnell zu Ende bekommst. Irgendwann ist alles mal zu Ende. Als FA ist das Leben besser...

Bezüglich des allgemeinen Personalmangels im Gesundheitswesen wird ja bereits versucht umzuschichten mit überfälligen Reformen (Versorgungsstufen, Zentren usw.).

Tramaldol
17.08.2023, 11:59
oder Lücken mit ausländischen Ärzten füllen, bis wir Arabisch als Prüfungsfach im Staatsexamen haben. Die kommen aber auch nur für die Arbitrage her, da soll man sich mal nicht blenden lassen.

https://t3n.de/news/expats-deutschland-ungluecklich-einsam-1569848/?fbclid=IwAR2CpduBoK9HE6KU7_It4RWHxfNnurVv65_JXxrW GEJXHk6iUGvl3un1BiA

Expats sind hier nicht besonders glücklich.

mbs
17.08.2023, 16:09
Wenn ich mir ansehe, wie die letzten beiden chirurgischen Chefs ihre Oberärzte behandelt haben, dann scheint mir das nicht attraktiver zu sein. Die durften nichts selbst entscheiden und wurden in den Besprechungen regelmäßig mit dummen Bemerkungen und Sticheleien attackiert. Bis auf wenige Ausnahmen, die Lieblinge der entsprechenden Chefs eben. Und die Chefs selbst schienen im Gegenzug von der Geschäftsführung gepeinigt zu werden.

Meine Theorie ist mittlerweile, dass scrubs oder Kittel nur dazu dienen, etwas zu repräsentieren. Auch in der Psychiatrie halte ich es für unwahrscheinlich, dass beispielsweise ein Freund, der schwarz und Metall und teilweise auch schwarzen Nagellack gern trägt so erscheinen dürfte - als Lehrer scheint das zu gehen, seltsamerweise (andererseits hatte er nur einen Zweimonatsvertrag bis zu den nächsten Ferien).

In Rehakliniken ist es dasselbe - die Leute haben Dienstkleidung, obwohl keinerlei invasive Maßnahmen durchgeführt werden. Wozu? Wahrscheinlich damit man in den Gehorsamsmodus gerät, der vielleicht durch so was getriggert wird. Oder damit man "etwas repräsentiert". Wozu auch immer. Weiße Privatkleidung wird ja immerhin akzeptiert. Wenn jemand da ausscheren würde, dann würde er vermutlich schnell gekündigt werden. Maximal die Wahl der Schuhe scheint frei zu sein, selbst in solchen Fächern.

Klar ist es auch praktisch, nur ist mir aufgefallen, dass ich mir keine Berufsgruppe außer vielleicht Verkäufer bei bestimmten Ketten oder Fließbandarbeiter ähnlichen Regularien unterliegen. Oder Servicekräfte - nur sind Ärzte Servicekräfte?

Gut, in Fächern wie der Pathologie dürfte man wahrscheinlich anziehen was man will, aber wenn man sich ansieht was da gemacht wird kann das niemand ernsthaft wollen. Auch wenn steril gearbeitet werden muss sind die Verhältnisse klar. Aber auf Station? Bei Visiten? In reinen Sprechstunden? Sehr fraglich.

Aber es ist ja nicht nur das, es ist ein Beispiel. Visiten sind nach wie vor Aufmärsche, haben oft was sehr Formelles, vor allem Chefvisiten. Dann die Sitzordnungen in Morgenbesprechungen. Und Namensschilder auf denen die Hierarchiestufe genau spezifiziert wird. Gibt es so was bei Consultants oder Entwicklern? Senior-versus Junior Developer? Junior Consultant, Associate, Partner? Damit keiner aus Versehen einem Einsteiger zu viel Achtung entgegenbringt.

Ich finde es einfach interessant, solche Vergleiche zu ziehen, da ich schon oft darüber nachgedacht habe. Und mich wirklich interessiert, wie andere darüber denken. Das scheint je nach Fach und Erfahrungslevel sehr unterschiedlich zu sein.

Tramaldol
17.08.2023, 16:24
Naja, in der Psychiatrie wird die Rangordnung nicht so gravierend sein. Falls es dir noch nicht aufgefallen ist: So mancher Psychiater, aber auch Gastroenterologe (außerhalb der Endo) läuft in seiner Straßenkleidung rum mit einem schnell angezogenem Kittel drüber. Könnte man auch weglassen und ist in anderen Ländern auch so üblich. Allerdings muss man dann sehr förmlich mit Hemd, Hose und ggfs. Krawatte anrücken.

In der Chirurgie brauchst du auf den Stationen die Kleidung, weil du dir eitrige Wunden anschaust, etwas punktierst oder sonst was. Frage der Hygiene.

Die Parallelen bzgl. Namensschilder und Gehabe in manch (chirurgischen) Fach bei Besprechungen, Sitzordnungen und Vistien sind sicherlich aus der alten militaristischen Preußenzeit übertragen worden. Das kann kaum jemand bestreiten.
Das wirst du so aber nicht in der Psychiatrie finden. Da ist der militärische Aspekt nur noch sehr gering ausgeprägt oder kaum noch sichtbar, wie ich finde.

mbs
17.08.2023, 19:42
Wie gesagt, Schutz bei sterilen Tätigkeiten ist das eine, aber man könnte es darauf begrenzen. Es ist ja ein bekannter psychologischer Mechanismus, dass eine bestimmte Uniform auch das Mindset verändert; manche tragen ja bewusst im Job was anderes als zuhause, manche nutzen das im Homeoffice beispielsweise um runterzukommen. Nur kann das auch schädlich sein, wenn man am Anfang der Karriere zum "Falschen", also Gehorsam und Abwesenheit jeglichen Hinterfragens, "erzogen" wurde - das wird dann immer wieder getriggert. Konditionierung sozusagen. Es fängt ja schon im Studium mit all dem Auswendiglernen an, von Dingen die man genau so gut in Datenbanken nachschlagen könnte - was sogar zuverlässiger und schneller wäre. Aber darum ging es offenbar nie - schon damals schien es mir, dass es nur dazu diente zum Masochismus zu "erziehen".
Auf das mit der Kleidung kam ich auch, weil eine Kollegin, von der ich viel gelernt habe, höchstwahrscheinlich deshalb gekündigt wurde. So was ist meiner Meinung nach falsch. Da braucht man sich nicht wundern, wenn man keine Leute mehr findet.

nie
17.08.2023, 20:28
Ich finde Dienstkleidung tatsächlich ziemlich geil. Ich mache mir nichts aus Klamotten und bin froh, dass ich morgens keinen großen Kopf machen muss, was ich jetzt anziehe. Ich hätte auch wenig Bock in meinem Privatklamotten in ISO-Zimmer zu gehen, Blut abzunehmen/Viggos zu legen oder irgendwelche andere Dinge am Patienten zu machen. Kittel nerven mich, ziehe ich nur an wenn ich Dienst habe und die Taschen brauche. In meiner Klinik trägt aber auch jeder was er will, viele auch Privatkleidung. Die nervt das wohl nicht so wie mich.

Vielleicht wurde ich aber auch schon zu Rettungsdienstzeiten zum „Gehorsam“ erzogen, da gabs nämlich schon Ärger wenn man bunte Schnürsenkel in den Sicherheitsschuhen hatte oder das T-Shirt nicht in der Hose steckte. Mütze im Winter war auch nur für die Kollegen erlaubt, die keine Haare auf dem Kopf hatten. Und dann auch nur die mit Firmenlogo. Jeder Form von Privatkleidung war grundsätzlich verboten. Vermutlich finde ich deshalb Dienstkleidung so geil, mir wurde meine Individualität bereits in jungen Jahren aberzogen :-nix

JAK1
17.08.2023, 21:03
Dienstkleidung bietet sehr viele Vorteile und ich bin sehr froh, dass es welche gibt.