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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Parallelen zwischen Medizin und Militär



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rafiki
22.08.2023, 01:51
...dass man dem Chefarzt eher nicht auf den Tisch kacken sollte, ...

*Kopfkino*

Tramaldol
22.08.2023, 06:00
Darf man in letzteren wirklich alles? Glaube ich eher nicht. Bei Transfusionsmedizin gelten "Schutzvorschriften", bei den Psycho-Fächern muss man wieder mal etwas "repräsentieren". Die Psychologen scheinen etwas freier, aber bei Ärzten gelten scheinbar strengere Richtlinien. Zumindest habe ich es so erlebt, wobei ich auch nur begrenzte Kontaktpunkte (Studium, Konsile etc) damit hatte.

Militärisch sind Transfusionsmedizin, Labormedizin und Psychiatrie/Psychosomatik oder Arbeitsmedizin nicht. Das ist jetzt eine Pseudodiskussion. In der Biologie nutzt man auch mal nen Kittel. Bei der Kontrolle zum Beispiel von Trinkwasser gelten bestimmt auch Schutzvorschriften. In der Psychiatrie/Psychosomatik oder Arbeitsmedizin ist sich "Repräsentieren" nicht unbedingt das, was man den ganzen Tag tut.
Die wahrscheinlich schwierigste Entscheidung ist es, welchen FA man nach dem Studium macht.
Im Studium kriegt man dank Blockpraktikum ja einen ganz netten Einblick in die Fächer. Leider nahmen das damals viele Kommilitonen nicht besonders ernst. Auch von Nachbar-Unis weiß ich, dass gern mal das Praktikum hier und da geschwänzt wird, weil man ja eh der Star-Chirurg oder der Star-Kardiologe wird. Wenn die gewählten Fächer dann doch nicht zusagen, kramt man wieder: Was gab's denn sonst so. Ich bin dann erstaunt, dass manche scheinbar garnix mehr wissen von Psychiatrie, Labormedizin oder Arbeitsmedizin

Beim besten Willen sind die Fächer nicht militärisch strukturiert und ja man kann davon ausgehen, dass mal eher was durchgeht an Kuriositäten, was in der Chirurgie oder Inneren zu einem Mitarbeitergespräch geführt hätte.

@mbs: Ich würde dir empfehlen einen FA mal durchzuziehen. Wenn's in der Chirurgie nicht klappt, dann woanders, aber irgendwann muss das ganze ja auch mal enden. Ewig diese FA Ausbildung ist ja wirklich nix dolles.

davo
22.08.2023, 10:58
Darf man in letzteren wirklich alles? Glaube ich eher nicht. Bei Transfusionsmedizin gelten "Schutzvorschriften", bei den Psycho-Fächern muss man wieder mal etwas "repräsentieren". Die Psychologen scheinen etwas freier, aber bei Ärzten gelten scheinbar strengere Richtlinien. Zumindest habe ich es so erlebt, wobei ich auch nur begrenzte Kontaktpunkte (Studium, Konsile etc) damit hatte.

Da stellt sich mir die Frage, wieviel von diesen Wahrnehmungen auf der Realität basiert, und wieviel davon einfach ein Ergebnis deines vielen Grübelns ist.

Schock des Tages: Sobald du mit anderen Menschen zusammenarbeitest, sobald du für einen Patienten oder Kunden arbeitest, wirst du nie ganz frei sein ;-)

Tramaldol
22.08.2023, 11:24
Außer man ist selbstständig, aber selbst da hat man die KV, MD oder bei Selbstständigkeit Aufsichtsbehörden. Soweit waren wir auch schon.

Ich finde diese Militarismusdiskussion hat sich erschöpft. In der Chirurgie ja, in mancher Inneren oder Neuro gehts auch noch althergebracht her, aber sonst: Labor, Arbeitsmedizin, Psychiatrie...hält sich in Grenzen. Kann man sich aussuchen.

mbs
22.08.2023, 16:50
Die entscheidende Determinante ist wohl auch wo man ist und wie die Abteilung "tickt", unabhängig vom Fach.

Endoplasmatisches Reticulum
22.08.2023, 17:09
Außer man ist selbstständig, aber selbst da hat man die KV, MD oder bei Selbstständigkeit Aufsichtsbehörden.
Vor wenigen Tagen erst habe ich einen sehr herzlichen Abgesang auf die Niederlassung von einem Hausarzt gelesen. Fazit: Alles rotzescheiße! Teures Personal, teure Praxis, hohe Investitionskosten, die jungen Ärzte wollen alle nur noch am Krankenhaus arbeiten und außerhalb der Selbstständigkeit geht die ärztliche Qualität flöten, weil kein Angestellter Bock hat, nach Feierabend noch Paper zu lesen oder sich mit Kollegen auszutauschen.

Man könnte glatt meinen, systematisch den Nachwuchs aus dem Beruf zu mobben hätte langfristige berufspolitische Konsequenzen. Oh no! Aber ... nah, das kann nicht sein.

Tramaldol
23.08.2023, 05:28
Die entscheidende Determinante ist wohl auch wo man ist und wie die Abteilung "tickt", unabhängig vom Fach.

Eine chirurgische Abteilung ohne Militärgehabe ist mir unbekannt. Entscheidend ist schon allein die Fachwahl. Das weiß man auch vorher, wenn man Chirurgie wählt. Alle hatten das PJ Fach und Blockpraktika, ggfs. Famulaturen; und kündigen kann man in der Chirurgie auch jeden Tag an dem man will.


Vor wenigen Tagen erst habe ich einen sehr herzlichen Abgesang auf die Niederlassung von einem Hausarzt gelesen. Fazit: Alles rotzescheiße! Teures Personal, teure Praxis, hohe Investitionskosten, die jungen Ärzte wollen alle nur noch am Krankenhaus arbeiten und außerhalb der Selbstständigkeit geht die ärztliche Qualität flöten, weil kein Angestellter Bock hat, nach Feierabend noch Paper zu lesen oder sich mit Kollegen auszutauschen.

Man könnte glatt meinen, systematisch den Nachwuchs aus dem Beruf zu mobben hätte langfristige berufspolitische Konsequenzen. Oh no! Aber ... nah, das kann nicht sein.


Das fällt unter "die Klage ist der Gruß des Kaufmanns". Teilweise finde ich sowas dann auch grenzwertig. Hier haben Praxisinhabter Gehälter >200k und dann müssen sie auch noch arbeiten, Achherrje. Ich dachte das Gehalt gibts ohne Arbeit für nur Rumsitzen und Beaufsichtigen der Angestellten, die die Arbeit machen.

Junge Ärzte können erstmal nur im Krankenhaus arbeiten, weil sie dort ihre Erfahrungen sammeln müssen. Bringt ja nix in der Hausarztpraxis zu stehen und schwere Krankheitsbilder nicht zu erkennen oder zu wissen, jetzt muss jemand stationär kommen. Im Gegenteil ist dies hochgefährlich.
In der Regel finden sich schon viele Bereitwillige nach dem KH in den ambulanten Bereich zu wechseln. Bessere Bezahlung, keine Nachtarbeit oder Wochenenden.

Frisko
23.08.2023, 07:39
Vor wenigen Tagen erst habe ich einen sehr herzlichen Abgesang auf die Niederlassung von einem Hausarzt gelesen. Fazit: Alles rotzescheiße! Teures Personal, teure Praxis, hohe Investitionskosten, die jungen Ärzte wollen alle nur noch am Krankenhaus arbeiten und außerhalb der Selbstständigkeit geht die ärztliche Qualität flöten, weil kein Angestellter Bock hat, nach Feierabend noch Paper zu lesen oder sich mit Kollegen auszutauschen.

Man könnte glatt meinen, systematisch den Nachwuchs aus dem Beruf zu mobben hätte langfristige berufspolitische Konsequenzen. Oh no! Aber ... nah, das kann nicht sein.

Ah, spannend, ich hatte überlegt, das Thema nochmal im Allgemeinmedizin-Thread aufzugreifen. Das macht gerade ganz schön die Runde. Wurde in einem anderen Forum auch lebhaft diskutiert, da waren die Meinungen sehr gespalten. Gerade, wenn man die Niederlassung in der Planung hat, sorgt das nicht zwingend für mehr Optimismus.

Thomas24
23.08.2023, 07:46
Vor wenigen Tagen erst habe ich einen sehr herzlichen Abgesang auf die Niederlassung von einem Hausarzt gelesen. Fazit: Alles rotzescheiße! Teures Personal, teure Praxis, hohe Investitionskosten, die jungen Ärzte wollen alle nur noch am Krankenhaus arbeiten und außerhalb der Selbstständigkeit geht die ärztliche Qualität flöten, weil kein Angestellter Bock hat, nach Feierabend noch Paper zu lesen oder sich mit Kollegen auszutauschen.

Man könnte glatt meinen, systematisch den Nachwuchs aus dem Beruf zu mobben hätte langfristige berufspolitische Konsequenzen. Oh no! Aber ... nah, das kann nicht sein.

Gerade die Allgemeinmedizin ist nicht gerade dafür bekannt, den Nachwuchs systematisch aus dem Fach/Beruf zu "mobben".

Endoplasmatisches Reticulum
23.08.2023, 08:02
Müssen sie auch nicht. Das übernehmen andere.

Tramaldol
23.08.2023, 08:36
Ja gut, der eine Allgemeinmediziner ist Geschäftsmann, Organisator und Arzt. Und der andere vielleicht nur Arzt und mit Geschäftssinn und Organisation hat er es nicht so, was fatal für eine Praxis sein kann. Das wird einem nirgends im Studium beigebracht.

mbs
24.08.2023, 15:43
So vieles wird im Studium nicht beigebracht - dafür viele andere Dinge, wie "nicht aufmucken".

Ein Bekannter ist Lehrer, und trägt nur schwarz. Und auch wenn man als Arzt nicht überall Schutzkleidung braucht dürfte es auch in den Psycho-Fächern oder Reha-Kliniken nicht akzeptiert werden wenn man nur in schwarz daherkäme. Auch wenn es für solche Verbote keine rationale Begründung gibt. Der genannte Bekannte durfte das auch erst seit er einen höher qualifizierten Job hat - als Triebwerksführer durfte er das nicht. Je ungelernter desto unfreier - oder man ist Mediziner. Was scheinbar auch kein richtiger Akademiker ist ...

Feuerblick
24.08.2023, 16:39
…was alles ziemlicher Quatsch ist. Wo bist du so traumatisiert worden, dass du glaubst, Mediziner dürften quasi gar nichts und müssten sich zitternd vor jeglicher Obrigkeit in den Staub werfen?

Übrigens: Menschen, die in einer Bank arbeiten, müssen (ja, auch die leitenden Angestellten) immer einem Dresscode folgen. Der schreibt oftmals sogar im Hochsommer für die Herren lange Hosen und Hemden mit langen Ärmeln vor. Die Damen „dürfen“ Kostümchen und Blüschen tragen. Nein, keine Ausnahmen. Schlimm, schlimm, das Medizinerleben… wo man unter dem Kittel tragen kann, was man will.

Philip_MHH
24.08.2023, 17:09
Irgendwann nervt dieses Gejammer halt auch nur noch. Akzeptier es oder lass es…

Sternenprinzessin
24.08.2023, 17:23
Ein Bekannter ist Lehrer, und trägt nur schwarz. Und auch wenn man als Arzt nicht überall Schutzkleidung braucht dürfte es auch in den Psycho-Fächern oder Reha-Kliniken nicht akzeptiert werden wenn man nur in schwarz daherkäme.


Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie hier, mittlerweile als Oberärztin an einem Fachkrankenhaus tätig. Ich trage ausschließlich schwarz und in allen drei Kliniken, in denen ich bisher gearbeitet habe, war das nie ein Thema. Es wurde nicht mal von einem Vorgesetzten angesprochen.

Tramaldol
24.08.2023, 17:27
…was alles ziemlicher Quatsch ist. Wo bist du so traumatisiert worden, dass du glaubst, Mediziner dürften quasi gar nichts und müssten sich zitternd vor jeglicher Obrigkeit in den Staub werfen?


In der Chirurgie. Ja klar die gewitzten Chirurgen suchen ne billige Arbeitskraft, die aber eigentlich nicht für das Surrounding hier geeignet ist. Typisch Chirurgen und jetzt gibt's nur Probleme und andere dürfen mal wieder deren Suppe auslöffeln, Na toll.


So vieles wird im Studium nicht beigebracht - dafür viele andere Dinge, wie "nicht aufmucken".


Ganz im Gegenteil, es gab einige Beschwerden im Studium bzgl. Klausuren, auch durchaus erfolgreich. Eigentlich waren die Studenten deutlich aufmüpfiger und aufgeweckter als die Assis, die nur ihrem grauen Alltag hinterhertingelten. Nach dem Motto: Ich bin ein Assi, holt mich hieraus. Wann werde ich FA?



Ein Bekannter ist Lehrer, und trägt nur schwarz. Und auch wenn man als Arzt nicht überall Schutzkleidung braucht dürfte es auch in den Psycho-Fächern oder Reha-Kliniken nicht akzeptiert werden wenn man nur in schwarz daherkäme.


Also ich kenne ein Innere-MVZ, wo es in Ordnung wäre, wenn du in Straßenkleidung kommst. Jetzt nur in schwarz etwas ungewöhnlich. Die Blutabnahmen machen die Schwestern. Für Untersuchungen gibts Handschuhe. Punktionen werden nicht gemacht.
In der Psychosomatik oder eine Suchtklinik wäre das möglicherweise überhaupt kein Problem.
Allerdings gibt's grad in der Suchtklinik einige Labore. Und da ist ein Kittel aus Hygienegründen einfach angebracht.



Je ungelernter desto unfreier - oder man ist Mediziner. Was scheinbar auch kein richtiger Akademiker ist ...

Die alte Laier. Im Krankenhaus bist du als Assi nix. Das wurde aber schon 100x erzählt und du glaubst es nicht?
Das ist auch in anderen Ländern so. Erst nach dem FA nimmt man dich ernst. Erst mit dem FA kannst bei der KV abrechnen. Erst nach dem FA kannst du eigenständig als Arzt arbeiten ohne Aufsicht.
So ist es auch aus in anderen Ländereien. Versteht du das? (Ernstgemeinte Frage)

Reflex
24.08.2023, 17:43
Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie hier, mittlerweile als Oberärztin an einem Fachkrankenhaus tätig. Ich trage ausschließlich schwarz und in allen drei Kliniken, in denen ich bisher gearbeitet habe, war das nie ein Thema. Es wurde nicht mal von einem Vorgesetzten angesprochen.

Mein Kollege und unsere Praxismanagerin tragen beide ausschließlich schwarz. Ich frag mich, wo der Schmu herkommt, dass es einen Kleiderkodex in der Psychiatrie geben soll. Die Psychiater sind da sogar eher extravaganter gestylt. Unsere MFAs tragen mit Freude am letzten Tag vor Weihnachten ihre blinkenden Weihnachtspullis… und ich zum 4.5. Star Wars TShirts…

Tramaldol
24.08.2023, 18:16
Ja gut, Chirurgen und Psychiater sind bekanntlich sehr unterschiedliche Charaktere und wir haben MBS jetzt schon zum wiederholten Male gesagt, dass ein militärischer Umgangston in der Psychiatrie vollkommen ungewöhnlich wäre. Keine Ahnung, was du im Studium gemacht hast. Hattest du nur Augen für die Chirugie? Hast du dabei das militärisch-archaische Gehabe der Chirurgen vollkommen übersehen? Das ist kein Geheimnis in der Chirurgie. Das bemerkt jeder Famulant oder Blockpraktikant in der Chirurgie nach einem Tag.

Die anderen Fächer sind auch im Studium wichtig. Anscheinend müssen die Anforderungen hochgeschraubt werden, damit was hängen bleibt.

nie
25.08.2023, 04:56
Der leitende Oberarzt unserer Chirurgie sieht aus als wäre er direkt aus den Gothic-Club zur Arbeit gekommen. Den habe ich außerhalb des OPs auch noch nie in grün gesehen und wenn der mal Kittel trägt, dann offenen wie einen Mantel.
Aber selbst mit Kittel verraten Frisur, Hose und Schuhe immer noch, dass dieser Mann eine gewisse Affinität zur Gothic-Szene hat.

Kenne auch eine neurologische Oberärztin, die immer schwarz und dazu auch immer hohe schwarze Stiefel trägt.

Ich selbst besitze auch fast nur schwarze Kleidung. Ich war auch ganz in schwarz bei Vorstellungsgespräch und hatte schwarz auf dem Bewerbungsfoto an. Trage halt auf der Arbeit in der Regel Funktionskleidung weil ich nicht will, dass meine private Kleidung mit Patient kontaminiert wird aber wenn man mich in Privatkleidung sieht, ist die schwarz und es hat in den letzten 4 Jahren niemanden gestört.

Und warum genau ist schwarze Kleidung eigentlich keine „repräsentative“ Kleidung?

Tramaldol
25.08.2023, 05:32
Anscheinend haben hier einige Leute eine Affinität zu Schwarz.