PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Erst Stelle sicher, dann wegen Religion wieder weg... Geht das?



Seiten : 1 2 3 4 5 [6]

Sebastian1
21.08.2011, 08:22
Ich habe früher in (kath.) kirchlichen Häusern gearbeitet und nie ein solches Merkblatt erhalten. Und habe in beiden Häusern das Kirchliche Arbeitsrecht kennenlernen dürfen. Solange ich die Wahl habe, würde ich öffentliche, nicht privatisierte Häuse jederzeit den kirchlichen (in katholischer Trägerschaft) vorziehen. Aus rein persönlicher Erfahrung, die natürlich nicht repräsentativ ist.

Kackbratze
21.08.2011, 09:37
Bei uns (kirchl. Haus) gibt es weder ein Merkblatt, noch Kündigung bei Scheidung, noch irgendwelche Einstellungsprobleme auf Grund der religiösen Ausrichtung/keine Richtung.
Klar, der Tarifvertrag ist im Vergleich zu öffentlichen Häusern anders und wenn man es genau nimmt sogar etwas schlechter, aber das wird durch die Ausstattung des Hauses, die gute Weiterbildung und die Arbeitsbedingungen wieder locker wett gemacht.
Ich bin froh über meine Stelle, Durststrecken gibt es immer, aber insgesamt bin ich zufrieden.

Anne1970
22.08.2011, 05:52
Ich habe früher in (kath.) kirchlichen Häusern gearbeitet und nie ein solches Merkblatt erhalten. Und habe in beiden Häusern das Kirchliche Arbeitsrecht kennenlernen dürfen. Solange ich die Wahl habe, würde ich öffentliche, nicht privatisierte Häuse jederzeit den kirchlichen (in katholischer Trägerschaft) vorziehen. Aus rein persönlicher Erfahrung, die natürlich nicht repräsentativ ist.

Hilfreich koennte es sein, sich eine Tarifsvergleichsuebersicht ("Berufsanfaenger-Broschuere" des MB) anzusehen, bevor man seinen kuenftigen Arbeitgeber auswaehlt. Die Unterschiede zwischen kirchlichen und nichtkirchlichen Traegern sind enorm.

Gruss Anne

Brutus
22.08.2011, 07:03
Hilfreich koennte es sein, sich eine Tarifsvergleichsuebersicht ("Berufsanfaenger-Broschuere" des MB) anzusehen, bevor man seinen kuenftigen Arbeitgeber auswaehlt. Die Unterschiede zwischen kirchlichen und nichtkirchlichen Traegern sind enorm.

Gruss Anne

Dann empfehle ich mal www.oeffentlicher-dienst.info
Hier kann man sich die einzelnen Tarifverträge ansehen und vielleicht noch interessanter schon mal vorher ansehen, wieviel man Brutto/Netto verdienen wird...

Reflex
22.08.2011, 18:00
Hilfreich koennte es sein, sich eine Tarifsvergleichsuebersicht ("Berufsanfaenger-Broschuere" des MB) anzusehen, bevor man seinen kuenftigen Arbeitgeber auswaehlt. Die Unterschiede zwischen kirchlichen und nichtkirchlichen Traegern sind enorm.


In unserer Region zahlen eigentlich die meisten kirchlichen Kliniken, die tariflich schlechter gestellt wären, außertarifliche Zuzahlungen, dass es da nur noch marginale Unterschiede, wenn überhaupt gibt, weil sie verstanden haben, dass sie sonst keine Mitarbeiter bekommen.

Christoph_A
22.08.2011, 18:55
Die Bezahlung ist wirklich kaum mehr ein Argument gegen ein kirchliches Haus. Die meisten zahlen, wie auch mein Arbeitgeber, mittlerweile aussertarifliche Zulagen, so daß man auf Augenhöhe mit den städtischen Häusern ist.
Ansonsten haben die Kirchen, also nicht nur die katholische, wie hier immer angeschnitten wird, sondern auch die evangelische, bei den Orthodoxen bin ich mir da nicht sicher, einen Vertrag mit dem deutschen Staat geschlossen, was die Sonderstellung der Kirchen in diesem Land betrifft. Dem kann man positiv oder negativ gegenüberstehen, aber er existiert und bewegt sich auch im Rahmen unserer Verfassung (und des EU Rechts, wie genug gescheiterte Klagen in der Vergangenheit dagegen beweisen dürften). Es steht jedem Bürger frei, bei einem kirchlichen Träger zu arbeiten, oder nicht und wenn er da arbeitet, dann muß er sich halt ans Regelwerk halten. Ich kann auch nicht bei 35 Grad wie jetzt grade in Flip Flops und muscle shirt in einer Bank am Schreibtisch sitzen, weil ich Kleiderordnungen doof und reaktionär finde.
Darüberhinaus ist bei uns weder Scheidung noch Wiederverheiratung ein Kündigungsgrund, allerdings wird weiterhin (sieh 2007) niemand eingestellt, der konfessionslos ist, was ich bei einem kirchlichen Träger auch irgendwie verstehen kann.
Das einzige, was mich nervt, ist die Tatsache, daß uns tatsächlich kein Streikrecht zusteht.

Leelaacoo
23.08.2011, 08:19
Auch wenn ich schon vor Jahren was zum Thema geschrieben habe und jetzt seit tagen hier mitlese mit dem gefühl "Lass es, lass es, lass es..."..jetzt muss der Senf aus der Tube.

Ich bin orthodox getauft, evangelisch konfirmiert und aus Überzeugung (nein, keine Steuerspargründe, man mag es glauben oder nicht...) ausgetreten (und zwar mit 18 Jahren)...das liegt in vielen Erfahrungen begründet und hat per se nicht unbedingt mit dem Glauben zu tun, denn der christlichen Ethik fühle ich mich am nächsten und glaube durchaus, wenn auch nicht in festgelegten konfessionellen Pfaden.
Ich habe von vornherein vermieden, mich in christlichen Häusern zu bewerben und hatte es zum Glück bei einiger Auswahl nicht nötig...was mich aber maßlos ärgert und von keinem Argument der Bürokratenkonfessionellen entkräftet werden konnte: was um Gottes Willen unterstellt die Berufpolitik einem Menschen, welcher konfessionell nicht gebunden ist/ ausgetreten ist? Was macht mich zum besseren Menschen/ Arzt etc., wenn ich die Zahl auf der Steuerkarte habe? Habe ich per se die christliche Nächstenliebe gepachtet? Was könnte ich, wäre ich noch der evangelischen Kirche zugehörig, besser/anders machen in einem Krankenhaus? Ich meine, tauft ihr? kennt ihr die Bibel besser (die ich im Übrigen komplett gelesen habe, ebenso wie das Meiste vom Koran, aus gewissem Interesse heraus). Handelt man mit dieser Vorverurteilung der nicht konfessionellen Mitarbeiten nicht diametral gegen die von Christus geforderte Toleranz und das ursprünglich christliche Menschenbild? Es iost so schade, dass gerade der Aspekt immer mit dem Totschlagargument der Kirchensteuer behandelt wird...ich zahle eine durchaus ähnliche Summe an nicht-konfessionelle Organisationen...und jetzt? Die meisten meiner Freunde sind aus beruflichen Gründen in der Kirche geblieben, nutzen die schöne Stimmung des Gottesdienstes an Weihnachten und Ostern als Ritual und keinesfalls als fester bestandteil des Lebens und sind weder moralisch besser noch schlechter als ich...aber mir wird ja per se von dem kirchlichen Häusern unterstellt, ich sei amoralisch, auch wenn ich mich ja mit den Werten identifizieren kann...ja was jetzt? Lieber lügen? Lieber heucheln? (wie die berühmte Kirchenfrauengruppe an meinem Heimatdorf, welche derart mobbend und unchristlich was, dass ich schon als Jugendliche den Respekt vor diesen Pseudochristen verloren habe...
Genau dieses Verhalten, wie es die kirchlichen Häuser zeigen, ist einer der Gründe, warum ich mich nicht mit dieser Glaubensgemeinschaft identifizieren kann und aus Protest ausgetreten bin...welche verträge sie mit qwem abgeschlossen haben, ist mir schnuppe...aber seht ihr denn nicht die Widersprüchlichkeit der ganzen Geschichte? Ich bin mir sicher, Jesus wär auch ausgetreten ;-)

So...kann es nach Nachtdienst grad nicht besser...aber diejenigen, die das Gebaren der Kirchen verstehen können, liefert mal echte Argumente...ich finde, das Ganze kann eigentlich kein vernünftig denkender Mensch (ob gläubig oder nicht) unterstützen...

LG Lee

Relaxometrie
23.08.2011, 08:49
Deinem Posting stimmte ich ziemlich zu, Lee :-)
Ich bin zwar nicht gläubig, aber Deine Argumente finde ich trotzdem sehr gut. Und was das Totschlagargument der Kirchensteuer oder die angeblich in Deutschland bestehende Trennung von Kirche und Staat angeht, so können das nur Leute vorbringen, die sich mit der Materie aus reiner Ignoranz noch nicht wirklich auseinandergestzt haben. Hier empfehle ich, sich einerseits mit dem Thema "Staatsleistungen" zu befassen, und sich andererseits mal die Finanzierung der Krankenhäuser und diverser karitativer Institutionen, die unter kirchlicher Trägerschaft stehen, klar zu machen.
Aber leider ist es so, wie Christoph_A geschrieben hat: diese Staatsleistungen sind derart geschichtlich und gesellschaftspolitisch verankert, daß sich da so schnell nichts ändern wird. Fazit für mich: ich habe den zwischenzeitlich vorgenommenen Kirchenwiedereintritt (aus rein stellentaktischen Gründen) wieder rückgängig gemacht und ziehe jetzt um, damit ich in einem nicht-kirchlichen Haus arbeiten kann. Daß ich das System dadurch allerdings nicht zu Fall bringe, ist mir klar. Dazu gibt es leider viel zu viele Opportunisten, die ungläubig in der Kirche bleiben und den Wahnsinn der kirchlichen Trägerschaft unterstützen.

Michael72
23.08.2011, 17:16
was um Gottes Willen unterstellt die Berufpolitik einem Menschen, welcher konfessionell nicht gebunden ist/ ausgetreten ist?

Jede Konfession, so auch die römisch-katholische steht für ein bestimmtes Weltbild und bestimmtes ethisch-moralisches Leitbild. Die Grundidee des Tendenzbetriebs ist es, solchen Betrieben die Möglichkeit zu geben, Menschen, die sich gegen das Weltbild oder ethisch-moralische Leitbild des Betriebs stellen wollen, oder die nicht im Sinne dieses Leitbildes arbeiten können oder wollen, nicht einstellen zu müssen.

Nun mag es jedem klar denkenden Menschen einleuchten, dass ein katholisches Haus, das nach katholischen Grundsätzen geführt wird und für ein katholisch-christliches Weltbild steht (und sei es auch nur auf dem Papier) das Recht haben sollte, beispielsweise Menschen wie gnuff, denen der Christenhass schon aus den Ohren sprudelt, nicht einstellen zu müssen. Genauso, wie es jedem klar ist, das ein SPD-Parteimitglied nicht in der CDU-Parteizentrale arbeiten dürfen sollte.

Da man nun nicht mit jedem Mitarbeiter ein langwieriges Glaubensgespräch führen kann will und darf, muss man also, ähnlich wie bei der Zulassung zum Medizinstudium, ein Regelwerk finden, das einerseits die Interessen des Betriebes schützt, andererseits aber auch mit geringem bürokratischem Aufwand fair auf alle anwendbar ist. In dem einen Fall ist das die Abinote, im anderen die Konfessionszugehörigkeit. Deshalb ist die Situation so, wie sie ist.

Edit: Wer diese Situation unbefriedigend findet sollte nicht den Tendenzbetrieb kritisieren, sondern sich dafür einsetzen, dass Religionsgemeinschaften nicht Träger von Krankenhäusern sein dürfen. Das dann aber mit allen Konsequenzen. Ich bin jedenfalls nicht wirklich davon überzeugt, das Asklepios nur darauf wartet, die Kliniken in ländlichen Gegenden Mecklenburgs von den Kirchen zu übernehmen...

Kackbratze
23.08.2011, 17:54
Die Kliniken vielleicht nicht, aber es gibt genug konfessionelle Kliniken, die sofort gekauft werden würden.

Leelaacoo
24.08.2011, 00:15
Ich gebs auf...

LG Lee

Kackbratze
24.08.2011, 08:25
Du brauchst nicht aufzugeben. Zum Einen fällt der dritte Weg langsam aber sicher weg, da sich die konfessionellen Häuser selber den ruf ruiniert haben, so dass Tarifverträge immer mehr in den Bereich eindringen, so dass die konfessionellen Häuser bei der derzeitigen Entwicklung bald wie private Kliniken im Tarifbereich behandelt werden. (stille Hoffnung, aber die Entwicklung ist da) und zum Anderen bleibt es beim Glauben nunmal beim "Glauben".
Nix mit Wissen, nur Glauben.

Die Kirche ist eine "weltliche Organisation", die den Glauben nur vermarktet, quasi wie der Fleischgenuss bei McDonalds. Manche gehen hin, andere essen woanders, wieder andere mögen kein Fleisch und ob Du bei McD arbeitest oder eine andere Burgerbraterei suchst bleibt nur Dir selber überlassen...
Jeder nach seinem Wunsch.

milz
24.08.2011, 09:16
Meine Frau hatte als Krankenschwester in einem christlichen Haus hintereinander 3 Zeitverträge. Wegen Schwangerschaft wurde der dritte dann nicht verlängert mit entsprechenden finanziellen Ausfällen. Soviel zur überlegenen christlichen Moral. Ich brauche wohl nicht zu erwähnen, dass ich mich mittlerweile, auch aus glaubenstechnischen Gründen, von dem Verein losgesagt habe.

Kackbratze
24.08.2011, 11:56
Pssst. Kirche und Religion sind 2 unterschiedliche Schuhe.

Leelaacoo
24.08.2011, 18:37
Pssst. Kirche und Religion sind 2 unterschiedliche Schuhe.

Nein, Kirche und Glauben sind 2 unterschiedliche Schuhe...das ist ja das Problem für mich...

LG Lee