Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Augenzahn
Feuerblick
13.09.2007, 17:03
Beeinflussung in dem Sinne, dass zb dauernde Schmerzreize wegen eines entzündeten Zahns oder entzündetem Zahnfleisch die parasympathische Innervatiobn der Tränendrüse vermindert. ZB. bei Menschen mit einer anatomischen Besonderheit der Trigeminusäste.Hemmend auf die Tränenproduktion wirkt der Parasympathikus.
ABER: Bei deinem Beispiel hat der Augenarzt ein trockenes Auge mit schaumigem Sekret festgestellt. Will heißen, die Störung des Tränenfilms findet sich eben NICHT im Bereich unserer lieben Glandula lacrimalis sondern im Bereich von Meibom-Drüsen, Becherzellen und Co. Interessant wäre:
1. die Tränenfilmaufrißzeit (ich wette, sie war zumindest im unteren Normbereich bis vermindert)
2. die Beurteilung der Lidränder und insbes. der Meibom-Ausführungsgänge (die sind vermutlich verklebt und verpfropft)
Zu den immer noch gesuchten Ursachen: Studien belegen, dass über 80% aller Sicca-Patienten tatsächlich eine Meibom-Dysfunktion haben, der Tränenfilm dadurch nicht stabil genug ist, das Auge trocken wird und reflektorisch tränt (das kommt dann von der Glandula lacrimalis). Wird entsprechende Lidrandhygiene betrieben, dann bessern sich die Beschwerden innerhalb von 6-8 Wochen deutlich.
Hat der von dir hier dauernd angeführte und inzwischen bis zum kleinsten Molekül durchdiagnostizierte Patient das denn geraten bekommen?
Er bekommt nur, ziemlich kommentarlos, künstliche Tränenflüssigkeit empfohlen, manchmal auch ein kostenloses Muster davon vom Arzt geschenkt.
Die künstliche Tränenflüssigkeit wird nicht von der Kasse bezahlt, das macht den Patienten noch skeptischer. Er meint, wenn es nicht von der Kasse bezahlt wird kann es kein notwendiges Medikament sein.
Frage:
Die Tatsache, dass die Beschwerden nur einseitig auftreten, lässt das auf etwas schliessen?
Feuerblick
13.09.2007, 17:32
Kommentarlos: Schade.
Nicht von der Kasse bezahlt: Tja, Nasenspray, Hustensaft und Co werden für Erwachsene auch nicht mehr übernommen. Notwendig fürs Befinden sind sie aber meines Erachtens trotzdem.
Genausowenig übernimmt die Kasse die Glaukomvorsorge. Notwendig wäre sie für manche Menschen, die heute heftigste Gesichtsfeldausfälle haben, schon gewesen.
Die Tropfen lindern aber nur die Symptome, das muss der Patient wissen. Und auch, dass es KEINE kausale Therapie gibt (in den allermeisten Fällen).
Einseitig: Wie gesagt, ich würde nach einer Meibomdysfunktion suchen und Lidrandhygiene betreiben (wie schon dreimal geschrieben).
Dass die gesetzliche Krankenkasse die Glaukomvorsorge nicht mehr übernimmt ist auch ein interessantes Thema. Weiss jemand darüber genaueres? Ich habs neulich, für ich glaube 16 Euro in bar, beim Augenarzt extra machen lassen.
Grundsätzlich vertraue ich der Entscheidung der Kassen über die Notwendigkeit von Vorsorgeuntersuchungen.
Feuerblick
13.09.2007, 18:23
Tja, das solltest du nicht. Die Glaukomvorsorge sollte bei allen Menschen über 40 eigentlich Standard sein, aber die Krankenkassen zahlen ja lieber OPs oder vergrößernde Sehhilfen etc. für Patienten, denen man 10 Jahre vorher mit einer Vorsorge und entsprechender lokaler drucksenkender Therapie hätte helfen und das Augenlicht in Gänze hätte erhalten können.
Für dich ist das noch nicht allzu relevant, aber wie gesagt: Ich rate es ab 40 Jahren aufwärts jedem (auch meinen Eltern) an.
Ist es nicht so, dass die tonometrische Augeninnendruckmessung von den gesetztlichen Kassen nicht mehr bezahlt wird, mit der Begründung es gibt die Gefahr der Keimverschleppung und als diagnostisches Kriterium ist eine Beurteilung der Papille im Rahmen einer Netzhautuntersuchung viel aussagekräftiger?
Nur dann kann der Augenarzt die Glaukomvorsorge nicht mehr extra abrechnen.
hennessy
13.09.2007, 19:40
Grundsätzlich vertraue ich der Entscheidung der Kassen über die Notwendigkeit von Vorsorgeuntersuchungen.
oh je!
Und Du glaubst sicher auch noch an den Weihnachtsmann!
Den Kassen gehts nur ums Geld. Deswegen heißen sie auch Kassen und nicht Hilfen!!!!!
Sorry, falls ich Dich jetzt beleidigt haben sollte. Das war nicht mein Ansinnen.
Feuerblick
13.09.2007, 19:50
Tja, wenn es so einfach wäre, dann würde man viel mehr Menschen mit Glaukom mal locker flockig aus der Hand finden, aber zu einer Beurteilung, ob Glaukom oder nicht beinhaltet:
- eine Messung des Augeninnendruckes (hier ist durchaus die non-contact-Methode zumindest für Screeningzwecke ausreichen und der Kram mit der Keimverschleppung schlichtweg fadenscheiniges Argument)
- eine Beurteilung der Papille (um diese ausreichend sicher vornehmen zu können, gehört die Pupille weitgestellt)
- eine Gesichtsfelduntersuchung (wir übrigens auch nicht als "Routine" bezahlt)
DENN:
Ein Glaukom kann sich an allen drei Eckpunkten zeigen.
Eine exkavierte Papille spricht noch nicht alleine für ein Glaukom.
Ein hoher Augeninnendruck muss nicht sofort eine Veränderung der Papille verursachen. Im Gegenteil: Bis das eintritt, könnte man den Augendruck schon per Tropfen gesenkt haben, der Papillenschaden würde nicht eintreten.
Wenn man den relativ geringen Aufwand einer Augeninnendruckmessung, bei der die meisten Patienten schon auffallen würden, BEVOR man der Papille irgendetwas ansieht, mit dem Aufwand einer genauen (!) Papillenbeurteilung (notwendig, wenn sie das alleinige Kriterium sein soll) vergleicht, dann greift man sich schon an den Kopf, warum das nicht mehr von den Krankenkassen bezahlt wird.
Glaub mir, bangen, die Augenärzte würden nicht Amok gegen diese Bestimmung laufen, wenn sie nicht totaler Schwachsinn und zum Nicht-Wohle des Patienten wäre. Bloß muß man als Praxisinhaber leider auch wirtschaftlich denken. Die Kassen vergüten das nicht, aber einfach mal als Serviceleistung an alle Patienten verschenken geht nun rein finanziell nicht.
Es mag viele IGeL geben, die totaler Schwachfug sind (und die ich niemals an meine Patienten verkaufen könnte), aber dieser IGeL kann Augenlicht retten. Ohne Übertreibung...:-nix
Nein hast mich nicht beleidigt.
Hast du nicht schon mal völlig überbehandelte Privatversicherte gesehen?
Die einen riesigen Arzneischrank, Operationen ohne Ende hinter sich haben und vollkommen verunsichert über ihren Gesundheitszustand sind?
Davor ist ein gesetzlich Versicherter leidlich geschützt.
hennessy
13.09.2007, 19:56
Tja, wenn es so einfach wäre, dann würde man viel mehr Menschen mit Glaukom mal locker flockig aus der Hand finden, aber zu einer Beurteilung, ob Glaukom oder nicht beinhaltet:
- eine Messung des Augeninnendruckes (hier ist durchaus die non-contact-Methode zumindest für Screeningzwecke ausreichen und der Kram mit der Keimverschleppung schlichtweg fadenscheiniges Argument)
- eine Beurteilung der Papille (um diese ausreichend sicher vornehmen zu können, gehört die Pupille weitgestellt)
- eine Gesichtsfelduntersuchung (wir übrigens auch nicht als "Routine" bezahlt)
DENN:
Ein Glaukom kann sich an allen drei Eckpunkten zeigen.
Eine exkavierte Papille spricht noch nicht alleine für ein Glaukom.
Ein hoher Augeninnendruck muss nicht sofort eine Veränderung der Papille verursachen. Im Gegenteil: Bis das eintritt, könnte man den Augendruck schon per Tropfen gesenkt haben, der Papillenschaden würde nicht eintreten.
Wenn man den relativ geringen Aufwand einer Augeninnendruckmessung, bei der die meisten Patienten schon auffallen würden, BEVOR man der Papille irgendetwas ansieht, mit dem Aufwand einer genauen (!) Papillenbeurteilung (notwendig, wenn sie das alleinige Kriterium sein soll) vergleicht, dann greift man sich schon an den Kopf, warum das nicht mehr von den Krankenkassen bezahlt wird.
Glaub mir, bangen, die Augenärzte würden nicht Amok gegen diese Bestimmung laufen, wenn sie nicht totaler Schwachsinn und zum Nicht-Wohle des Patienten wäre. Bloß muß man als Praxisinhaber leider auch wirtschaftlich denken. Die Kassen vergüten das nicht, aber einfach mal als Serviceleistung an alle Patienten verschenken geht nun rein finanziell nicht.
Es mag viele IGeL geben, die totaler Schwachfug sind (und die ich niemals an meine Patienten verkaufen könnte), aber dieser IGeL kann Augenlicht retten. Ohne Übertreibung...:-nix
Hallo Funkelstern!
Sollte es aus irgendeinem Grund mit der Medizin nichts mehr werden bei Dir, dann schul bitte um auf Jura.
Das war eins der besten Plädoyers, die ich in der letzten Zeit gesehen oder gehört habe! Chapeau!
Feuerblick
13.09.2007, 19:56
Japp... und auch vor einer vernünftigen medizinischen Versorgung, wenn er nicht gerade gut betucht ist... :-nix
Feuerblick
13.09.2007, 19:58
Hallo Funkelstern!
Sollte es aus irgendeinem Grund mit der Medizin nichts mehr werden bei Dir, dann schul bitte um auf Jura.
Das war eins der besten Plädoyers, die ich in der letzten Zeit gesehen oder gehört habe! Chapeau!*lach* Danke, Henn, aber ich glaube, ich bleibe bei meinem Job. Ein bißchen kann man sicher herauslesen, dass ich ihn verdammt gerne tue, oder? ;-)
Danke für die vernünftige gute Erklärung Feuerblick.
Nun habe ich natürlich wieder einen kritischen Gedanken.
Sind die Augenärzte überhaupt daran interessiert die Glaukomvorsorge wieder als Kassenleistung anbieten zu können? Dann würde wieder das Budget gekürzt, oder sehe ich das falsch? Als igel ist es eine 100 prozentige Zusatzeinnahme.
hennessy
13.09.2007, 20:03
Nein hast mich nicht beleidigt.
Hast du nicht schon mal völlig überbehandelte Privatversicherte gesehen?
Die einen riesigen Arzneischrank, Operationen ohne Ende hinter sich haben und vollkommen verunsichert über ihren Gesundheitszustand sind?
Davor ist ein gesetzlich Versicherter leidlich geschützt.
leider nein, bangen.
Die Selbstmedikation ufert immer weiter aus, daneben ist es ein leichtes, sich Rezepte oder Überweisungen zu holen und Doctor-hopping zu betreiben.
Ich habe viele Patienten, die mit bereits mehreren ausgefüllten Heil- und Kostenplänen zu mir kommen und nun auch noch meine Meinung bzw. meinen Plan wollen. Wenn die Erstellung eines Heil- und Kostenplanes wie bei den privaten Patienten liquidiert werden könnte, sähe das z.B. schon ganz anders aus. Aber so kostet es mich Zeit, Mühen und Ärger und alles, was ich abrechnen kann ist die Ä1 (kurze Beratung).
Feuerblick
13.09.2007, 20:05
Ja, die Augenärzte sind daran interessiert, ihre Leistungen wieder normal als Kassenleistung bezahlt zu bekommen. Zwar ist es als IGeL eine 100%ige Einnahme, aber auch aus finanziellen Gründen (die rein medizinischen hab ich dir ja dargelegt) wäre die Kassenleistung wohl besser, denn wie viele alte Leutchen sagen mit Blick auf ihren schmalen Geldbeutel "Ach nee, lassen se mal, dat brauch ich nich". Die Leute, auf die es ankäme, können sich solche teuren Spielereien nämlich oft nicht leisten.
hennessy
13.09.2007, 20:05
*lach* Danke, Henn, aber ich glaube, ich bleibe bei meinem Job. Ein bißchen kann man sicher herauslesen, dass ich ihn verdammt gerne tue, oder? ;-)
absolut, funkel! Absolut!
Dein inneres Engagement blitzt aus jeder Silbe.
lg
hennessy
Ja, die Augenärzte sind daran interessiert, ihre Leistungen wieder normal als Kassenleistung bezahlt zu bekommen.
Nur ich finde nichts darüber im Internet, dass ein Verband der Augenärzte konkrete Schritte, zb. eine Klage gegen die GKV, unternommen hätte um die Finanzierung der Glaukomvorsorge wieder zu ermöglichen.
Feuerblick
13.09.2007, 20:23
Nur ich finde nichts darüber im Internet, dass ein Verband der Augenärzte konkrete Schritte, zb. eine Klage gegen die GKV, unternommen hätte um die Finanzierung der Glaukomvorsorge wieder zu ermöglichen.Es wird sogar immer und immer wieder vom Berufsverband versucht, nicht nur die Glaukomvorsorge sondern auch andere notwendige und sinnvolle Leistungen wieder in den Bereich der GKV zu bekommen. Leider fruchtlos. Aber nicht alles kann man im Internet finden. Gerade solche Interna stehen nicht einfach mal auf Nachrichtenseiten...
docmoechtegern
13.09.2007, 20:25
. Wird entsprechende Lidrandhygiene betrieben, dann bessern sich die Beschwerden innerhalb von 6-8 Wochen deutlich.
Sag mal Feuerblick, was meinst Du mit Lidrandhygiene? Dass man sich beim Waschen auch die Augenlider wäscht, ist klar. Muss man da noch extra was machen?:-nix
Und wenn sich die Beschwerden der Leute mit tränenden Augen durch Lidrandhygiene bessern: Heißt das, die sind alle Ferkel und waschen ihre Augenlider nicht richtig? :-nix
Feuerblick
13.09.2007, 20:31
Nee, Doc. Das meinte ich nicht. Es ist so, dass der Tränenfilm aus mehreren Schichten besteht. Dazu gehört als äußerste Schicht eine fettige SChicht, die von den Meibomdrüsen produziert wird. Deren Ausführungsgänge enden genau auf dem Lidrand. Wenn das Sekret aus irgendwelchen Gründen (Alter, Hormonumstellung, Veranlagung, Verstopfung durch zuviel Makeup etc) nicht richtig austreten kann, bilden sich Pfröpfe, die ähnlich wie Wachs recht fest sein können. Es fehlt die äußere Schicht, der Tränenfilm verdunstet schneller und das Auge wird "trocken".
Wenn du nun zuerst mit sehr warmen Augenkompressen zehn Minuten lang das "Wachs" verflüssigst, dann mit den Fingern die Augenlider zum Lidrand hin ausstreichst (also das Sekret aus den Gängen raus) und zum Schluß die Lidränder mit einem Q-Tip und Babyshampoo säuberst, wirst du diese Verstopfungen auf Dauer los und schon klappts wieder mit dem Tränenfilm.
Mit "nicht richtig waschen" hat es also nur bedingt zu tun. :-top
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