Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Patienten und ihre Eigenarten
Giant0777
12.01.2008, 19:04
@alley: Habe mal eine Situation erlebt ( ich im KPP ), da hatten wir einen Patienten um die 60, der war absolut grausam - zu seinen Bettkollegen/Schwestern/Ärzten. Zu mir sowieso! Irgendwie war ich trotzdem versucht, ihn so nett wie nur möglich zu behandeln, um ihm keine weiteren Gründe zu geben, noch zickiger zu werden ( er hat echt die ganze Station genervt )!
Eines Abends war es dann soweit: ich habe ihm was auch immer nicht schnell genug gebracht und er maulte mich mal wieder an, es folgte dann betretenes Schweigen im ganzen Zimmer. Was passiert mir ? "Herr. G., ausser jetzt vor Ihnen Rad zu schlagen, weiss ich echt nicht mehr, was ich noch tun könnte, um es Ihnen hier einigermassen genehm machen zu können! :-((
Ups, dachte ich, saubere Sache - Patient tickt gleich aus! Nichts dergleichen, statt desses sagt Herr G."Nehmen Sie es mir nicht übel, aber ich komme hier einfach nicht klar, das KH, die Station, ich komme nicht klar!" Wir haben dann zusammen ein paar Minuten geredet, seine Zimmerkumpels und ich. Seit meinem Ausrutscher war er deutlich entspannter, unterstütze uns, war höflich. Ich habe ihn dann ein paar Monate später in der Praxis meines Vaters getroffen und er war sofort wieder äusserst nett und zuvor kommend.
Was will ich damit sagen ?! Manchmal steckt einfach mehr dahinter, als nur ein unhöflicher und ungehobelter Mensch! Ich will das nicht auf Deine Situation da überführen, ich denke auch, dass man nicht immer so springen muss, wie das schon mal unsinniger/unhöflicherweise vorausgesetzt wird.
Vllt gibt es einfach nicht den Königsweg! :-meinung
hennessy
12.01.2008, 19:11
... Nur, wie löst man derartige Konflikte?
Gute Frage!
Nächste Frage!
Nö, mal im Ernst: Eine Pauschallösung gibt es nicht. Es kommt sicherlich immer auf die Situation an und auf die Kompromissbereitschaft bzw. Hierarchieebene des ärztl. / nichtärztlichen Personals.
Als A***** vom Dienst musst Du eben schlucken und gute Miene zum bösen Spiel machen, wenn Du keine Sanktionen von oben befürchten willst. Falls Du der Obere bist, dann verfügst Du hoffentlich schon über das nötige Fingerspitzengefühl und die Routine, um Konflikte möglichst elegant zu lösen.
Wobei der Kernsatz gilt: Man kann es nicht Allen recht machen. Also einfach das anordnen, was man selbst als richtig erachtet, evtl. nach Rücksprache mit Kollegen/Vorgesetzten. :-nix
SchwesterStefanie
12.01.2008, 19:19
deleted
SchwesterStefanie
12.01.2008, 19:57
[deletd
Wie ist es eigentlich mit den oft in der PResse erwähnten Altersgrenzen für bestimmte Behandlungen? Wird in der Pädiatrie sicher keine Anwendung finden. :-)) Aber vielleicht kennst du dich damit ja auch aus. Wie sieht da so die PRaxis aus?
Gibts denn ne webseite wo man diese maximalren Wartezeiten sehen kann?
Typischerweise wird immer wieder behauptet, dass man ab 60j keine Dialyse mehr bekomme. Auch hier im Forum wurde das schon behauptet - von der Threadstellerin uebrigens...
Solche Alterbegrenzungen gibt es nicht. Wir hatten erst vor kurzem einen 84jaehrigen, der 3 Mal pro Woche Haemodialyse bekam, um nur ein einziges Beispiel zu nennen. Und nein, der Mann war nicht Privatpatient. Eine solche Quelle mit max. Wartezeiten gibt es sicherlich, ich muesste aber erst selber suchen. Melde mich dann per PN bei Dir, damit es hier nicht noch mehr off topic gibt :peace:
rate mal
12.01.2008, 20:56
Typischerweise wird immer wieder behauptet, dass man ab 60j keine Dialyse mehr bekomme. Auch hier im Forum wurde das schon behauptet - von der Threadstellerin uebrigens...
Dann muss es doch stimmen. Sie hat schließlich in der Nephrologie gearbeitet bevor sie zur Pulmologie gewechselt hat........
alley_cat75
12.01.2008, 21:24
Wir hatten erst vor kurzem einen 84jaehrigen, der 3 Mal pro Woche Haemodialyse bekam, um nur ein einziges Beispiel zu nennen.
84jährig - in der Kinderkardio? :-)) Und ich kenne eben andere einzige Beispiele, wo Patienten über 60 besagte HD nicht bekommen haben. Schwester Stefanie wartet übrigens auf PN von Dir. ;-) *nochmalganzdollzwinker*
Feuerblick
12.01.2008, 21:30
Alley, ich hätte die Patientin auch gegen ärztlichen Rat gehen lassen, wenn sie einer vernünftigen Argumentation ("Heute Nacht geht Umschieben nicht mehr, aber ich kann gerne morgen früh sehen, ob sich etwas machen lässt") nicht zugänglich gewesen wäre. Mir geht diese Hotelmentalität sowas von auf die Nerven, ich kann es kaum beschreiben. Letztens hat sich eine (P-)Patientin doch allen Ernstes bei meinem Chef beschwert, dass sie EINE Stunde auf ihr Zimmer hätte warten müssen. Und Handtücher gäbs auch keine für die Patienten. Und überhaupt...
Oder eine andere (auch P, was auch sonst?), die meinte "Nein, ich kann heute keine Heimfahrt organisieren, ich bleibe noch eine oder zwei Nächte".
Erstere wurde von meinem Chef ausgelacht ("Ich wusste nicht, dass sie in eine Klinik gehen, um deren Hotelqualitäten zu testen"), die zweite von mir im Auftrag meines Chefs freundlich aber bestimmt vor die Tür gesetzt.
:-nix
Letztlich ist man als Diensthabender immer Depp vom Dienst in solchen Situationen und man kann fast sicher davon ausgehen, dass IMMER falsch ist, wofür man sich entscheidet. Trotzdem: Ich hätte auch so reagiert - eben wie ein gesunder Menschenverstand es einem sagt.
84jährig - in der Kinderkardio? :-))
Ja genau. Wir haben naemlich auch Erwachsene mit angeborenen Herzfehlern als Patienten, die wir betreuen - ist ein Spezialgebiet (Adult Congenital Heart Disease).
Es gibt auch in Deutschland kardiologische Arbeitskreise, die sich dafuer einsetzen, dass Erwachsene mit angeborenen Herzfehlern von entsprechend erfahrenen / qualifizierten Kardiologen betreut werden, weil sie bisher in der Regel nach dem Kindesalter in ein Versorgungsloch fallen. Dumm nur, dass es kaum entsprechend qualifierte Kardiologen gibt. Und dumm nur, dass viele Internisten noch nicht einmal wissen, dass es dieses Spezialgebiet gibt - siehe Alleys Bemerkungen.
Es ist ein Privileg, nicht nur die klassische Kinderkardiologie zu betreiben, sondern auch noch miterleben zu koennen, wie es dann mit den Patienten im Erwachsenenalter weitergeht.
Wen es interessiert
angeborene Herzfehler bei Erwachsenen (http://www.kompetenznetz-ahf.de/home)
adult congenital heart disease (http://www.achaheart.org/)
Biete ihr für abends ein Atosil-Schnäpschen an, das ist gut für den Blutdruck ;-) :-))
Sie hat erst mal zum Einstieg Seroquel bekommen, das beruhigt auch, :-)) mal sehn was die Schwestern am Montag vom WE berichten.
@SchwesterStefanie: O.K., dann bin ich beruhigt ;-)
Ja genau. Wir haben naemlich auch Erwachsene mit angeborenen Herzfehlern als Patienten, die wir betreuen - ist ein Spezialgebiet Adult Congenital Heart Disease).
Es gibt auch in Deutschland kardiologische Arbeitskreise, die sich dafuer einsetzen, dass Erwachsene mit angeborenen Herzfehlern von entsprechend erfahrenen / qualifizierten Kardiologen betreut werden, weil sie bisher in der Regel nach dem Kindesalter in eine Versorgungsloch fallen.
Stimmt, in Deutschland werden z.B. Marfanpatienten im Erwachsenenalter auch in der Kinderkardiologie behandelt, bzw. bei OPs dann auch von Kinderherzchirurgen operiert.
VG Patella
rate mal
13.01.2008, 10:50
Sie hat erst mal zum Einstieg Seroquel bekommen, das beruhigt auch, :-))
Wenn es schon unbedingt ein Atypikum mit sedierender Wirkung sein sollte, wäre Olanzapin das Mittel der Wahl gewesen. Seroquel ist das weniger geeignet.
rate mal
13.01.2008, 13:06
Seid mal alle schön froh, dass Ihr nicht am Otto-Wagner-Spital in Wien arbeiten müsst:
http://www.networld.at/index.html?/articles/0802/10/194304.shtml
Wenn es schon unbedingt ein Atypikum mit sedierender Wirkung sein sollte, wäre Olanzapin das Mittel der Wahl gewesen. Seroquel ist das weniger geeignet.
Man muss ja bei einigen Patienten auch an das Gewicht denken. Und mit Seroquel haben wir als Augmentationsmittel gute Erfahrungen gemacht, mit Zyprexa zwar auch, aber wie gesagt das Gewicht ...
alley_cat75
13.01.2008, 14:02
eine andere ... meinte "Nein, ich kann heute keine Heimfahrt organisieren, ich bleibe noch eine oder zwei Nächte".
Ja, mit solchen Antworten werde ich sehr oft konfrontiert. Mein Enkel hat aber erst übermorgen Zeit, mich zu holen. Wenn Patienten therapiert sind und sie nur deshalb bei uns bleiben, habe ich ein echtes Problem damit. Dumm nur, dass die Klinikleitung das unterstützt und von den Assis verlangt wird, einen guten Grund für die Verlängerung zu bringen. Betriebswirtschaftlich leuchtet es ein - Haus will Geld verdienen. Leider führt genau das dazu, dass Patienten immer höhere Ansprüche haben und es manchmal gar nicht mehr um Heilen an sich geht - so kommt es mir zumindestens vor.
alley_cat75
13.01.2008, 14:04
Wir haben naemlich auch Erwachsene mit angeborenen Herzfehlern als Patienten, die wir betreuen
Interessant, Fino! Ist bestimmt ein interessantes Arbeiten bei derart durchmischtem Patientenklientel. :-top
@rate mal: danke für den Link. Ich denke aber, hier aus Deutschland gibt es zig ähnliche Geschichten aus psychiatrischen Kliniken. Ist halt noch mal ein ganz anderes Patientengut, das nicht umsonst vom Nervenklempner betreut wird.
Interessant, Fino! Ist bestimmt ein interessantes Arbeiten bei derart durchmischtem Patientenklientel. :-top
Ja, es ist sehr interessant! Man hat es mit einem sehr breitgefaecherten klinischen Spektrum zu tun und arbeitet unter Anleitung des Adult Congenital Heart Disease Team. Diese Spezialisten sind naemlich sowohl in der Kinderkardiologie als auch in der Erwachsenenkardiologie ausgebildet, und unsere Herzchirurgen haben sich sowohl auf Kinderherzchirurgie als auch auf die Herzchirurgie der angeborenen Herzfehler bei Erwachsenen spezialisiert. Es ist genau dieses Verlinken, das es spaeter erlaubt, Patienten mit angeborenen Herzfehlern moeglichst reibungslos im Erwachsenenalter weiterhin auf hohem Niveau betreuen zu koennen. Wir haben eigens sog. "Transition clinics" fuer aeltere Teenager / junge Erwachsene, in denen auch die Patienten auf den Uebergang vorbereitet werden und haben mit diesen sehr gute Erfahrungen gemacht.
Es ist gut fuer unserere Patienten, dass sie im Alter von z.B. 40 Jahren nicht mehr auf der kinderkardiologischen Station behandelt werden muessen, wo an den Waenden Micky Mouse und Pooh der Baer ihnen zuwinken. Aber noch wichtiger ist:
sie bekommen Herzechos von qualifizierten Aerzten, die interventionelle Katheterisierung ist auf sie abgestimmt, man kennt sich mit seltenen Erkrankungen wie pulmonaler Hypertension aus und hat Erfahrung mit Herztransplantationen bei dieser Patientenklientel. Es gibt eine grosse Marfansprechstunde. Und wir betreuen Schwangere, die angeborene Herzfehler haben zusammen mit entsprechend geschulten Gynnies. Die Genetiker sind auch sehr aktiv mit von der Partie und es gibt ein reges Forschungsprogramm fuer Interessierte. Ausserdem noch das "Department of Fetal Medicine" und und und... Nur durch diese Interdisziplinaritaet bekommen die Patienten die optimale Betreuung in jedem Lebensabschnitt.
Ach ja, PICU mitsamt ECMO decken wir auch ab!
Das wird sich auch in Deutschland im Laufe der Zeit durchsetzen (muessen).
Ui, jetzt ist die Begeisterung mit mir durchgegangen :))
(Und bevor jetzt einer OT ruft:
das hat sehr viel mit guter Kommunikation zu tun und um die geht es ja auch in diesem Thread.
:-meinung )
alley_cat75
13.01.2008, 15:39
Ui, jetzt ist die Begeisterung mit mir durchgegangen ... Und bevor jetzt einer OT ruft.
Wehe dem, der ruft! Mein thread... :-)) Nein, aber im Ernst, diese lebenslange Betreuung halte ich für wichtig und eben interessant. Daher hat es mich in die Pulmo verschlagen: wir betreuuen ebenfalls alle - vom Kleinkind bis zum Greis. Allein das ist abwechslungsreich und spannend. Vielleicht hätte ich (um wieder on topic zu sein) meine Patientin ähnlich einem Kind behandeln sollen. Das kann ich nämlich richtig gut. Mir hat noch kein Zwerg widersprochen. :-)
Mir hat noch kein Zwerg widersprochen. :-)
Hehe, du hast meinen Linus noch net kennengelernt :-)) Der findet nämlich IMMER was zum widersprechen :-)) Aber ok, er ist ja auch kein Zwerg mehr, eigentlich ... :-angel
alley_cat75
13.01.2008, 15:45
:-) :-) :-)
Ich habe nicht nur unter Erwachsenen immer das letzte Wort.
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