Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : späte Schwangerschaften sind im Trend
Original geschrieben von luckyblue
Niemand will die Gleichberechtigung umkrempeln. Es geht hier um Auswüchse der Emanzipation. Falsch, wenn, wie es hier mehr oder weniger explizit geschieht, gefordert wird, daß Frau sich wieder mehr um ihre Rolle als Mutter und Hausfrau kümmern soll, ist das ein Rückschritt in Sachen Gleichberechtigung.
Letztlich aber egal wie mans nun nennt, doof ist es allemal.
Rugger
"..Emanzipation und Gleichberechtigung verhalten sich ungefähr so zueinander wie Sozialismus und Kommunismus, ..."
Das hieße ja, dass Gleichberechtigung ein Idealzustand ist, der nie erreicht werden kann, und Emanzipation wäre der Weg dorthin. Was ist am Streben nach dem Idealzustand schlecht?
Original geschrieben von luckyblue
Nö, da liefen sie nur hinterher, das ist schon ein Unterschied. Vielleicht ein kleiner ... Ok, war schlecht formuliert. Fakt ist aber, daß die gesellschaftlichen Rollen bis dahin de fakto nur von Männern vorgegeben wurden und es an der Zeit war, daß diese sich auch mal ein wenig auf die Frauen zubewegt haben.
Rugger, der sich nun endgültig anhört wie ein Frauenversteher :-((
Noch mal was etwas Allgemeineres, etwas überspitzt formuliert:
Mir kommt es so vor, als würden die ganzen Jungs, die mit der neuen Rolle der Frau so ihre Problemchen haben, vielmehr nicht mit selbstbewußten Frauen klarkommen, sich aber hinter den gesellschaftlichen Problemen verstecken.
Dazu kann ich nur sagen:
Wake up, lads! Die Smarten sind die Interessanten!
Rugger
Feuerblick
14.12.2002, 14:43
Soooo, Ihr Lieben, denn mal der Reihe nach:
Nein, auch wenn sich meine Anspielung durchaus auf Adolf und seine Machenschaften bezog: Ich bin gewiss nicht rechtsextrem....schon alleine daher, weil ICH die Ansichten zu Frauen nicht geäußert habe :-)
Ich habe Euch auch nicht mit Hitler und seinen Schergen verglichen. Der Gedanke kam mir nur, weil ich die Erziehungs"grundsätze" im Dritten Reich vor einigen Wochen für ein Projekt durchackern mußte. Da kamen mir einige Denkansätze irgendwie bekannt vor.
Und NEIN, ich finde, daß wir Deutschen nicht unseren Wortschatz in dieser Richtung "abrüsten" sondern viel eher lernen sollten, einfach offen über alle Taten rund um Hitler und die Nazis zu reden, statt uns schon bei der bloßen Erwähnung von Hitler erschrocken umzublicken. Sorry, aber es ist nunmal geschehen. Durch Schweigen machen wirs nicht rückgängig! Dieses Thema ist immer noch ein Tabu...und aus der Psychologie weiß man ja, was mit Dingen passiert, die man verdrängt...
So, dann zu Lucky:
1.So wie Du einfach mal ein Alter angesetzt hast, hab ich auch einfach mal ein Alter angenommen. Nicht nur Ihr dürft polarisieren. Das müßt Ihr anderen auch zugestehen.
2.Weiterhin bist Du keine Frau. Woher weißt Du also, wie es Frauen bei vielen Vorstellungsgesprächen ergeht??? Ammenmärchen sind das leider immer noch keine. Wäre aber schön, wenn die Chefs das mal so sehen würden.
Frauenquoten sind genau das, was ich nicht gut heißen kann. Das schürt doch nur den Neid der anderen!
3.Zu guter Letzt: Eine Entscheidung Kind ODER Karriere hängt für sehr viele Frauen immer noch daran, dass sie nicht drei Jahre in Mutterschaftsurlaub gehen wollen, es aber müßten, weil sie ihr Kind einfach nirgends unterbringen können. Ich finde das ja auch schade, aber es ist nun einmal Fakt.
4.Ach ja, PISA: Keine Frage, alles was in den Medien darüber berichtet wird (naja, fast alles) ist totaler Quatsch. Ich mußte mich im letzten halben Jahr zwangsläufig damit beschäftigen, weil mein Freund gerade sein Erstes Staatsexamen zum Lehrer baut... PISA als solches ist kein Fake, aber das, was die Politiker draus machen wollen, das ist Fake. Wer weiß denn schon wirklich, welchen Schwerpunkt die Studie wirklich hatte??
Ich meinte eher, daß an unseren Schulen einfach zu wenig Lehrer auf zu viele Schüler kommen etc.
So, das reicht fürs erste! Ich hab jetzt bestimmt einige Sachen vergessen, aber ich wills auch nicht übertreiben :-))
Feuerblick
Und Euer einzigstes Konzept dagegen ist: Schluss mit der Gleichberechtigung, Frauen zurück an den Herd?!?! Das kann ja wohl nicht wahr sein! Wie wärs denn mal anstelle dessen mit einem vernünftigen Zuwanderungsgesetz? Es ist ja nicht so, daß die gesamte Welt überaltert...
Verdammt nochmals NEIN, NEIN, NEIN .. das darf doch nicht wahr sein!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! !!!!! Nun hast aber du ein Problem mit der Waffel!
Sich die Jungen einfach importieren, das soll nun die Lösung sein. Dann müssten wir keine Kinder aufziehen, nix, wir können dann einfach junge Arbeitskräfte aus aller Welt rekrutieren, die bezahlen uns dann die Rente und in höchstens 90 Jahren sind dann alle Mitteleuropäer ausgestorben. Tolle Aussichten! Grossartig! (Mensch - ich dreh einfach durch - das gibt's doch nicht). Europa wäre dann der Kontinent wo gearbeitet und gestorben wird und Afrika der Kontinent wo geboren wird. Heureka!
Man muß ja auch nicht unbedingt Gehirnchirurg werden. Ein Dasein als Hausarzt ist in Teilzeit durchaus sehr gut vorstellbar.
Muss ich jetzt daraus folgern, dass Neurochirurgen keine Familie haben dürfen. Wer Kinder will soll gefälligst den Rest seines Lebens als Hausarzt fristen! Nö - da bin ich gar nicht einverstanden.
In den meisten Familien, in denen Männer Teilzeit arbeiten, um ihre Frauen im Haushalt zu entlasten ist es ja gerade nicht so, dass diese Frauen dann dicke Karriere machen. Nein, diese arbeiten dann irgendwo in meist subalterner Stellung ebenfalls Teilzeit.
In den letzten 100 Jahren wurde die Arbeitszeit für den Normalarbeiter so sehr gekürzt, dass eine heutige 100%-Stellung eigentlich einer Teilzeitstelle entspricht. Daher ist es auch dem 100%-Mann zuzumuten, sich im Haushalt zu engagieren. Dafür stehe ich ein.
Das Konzept der echten Rollenumkehr (Frau ist Neurochirurgin und Mann ist meinetwegen Hausmann) ist extrem selten!
„Noch mal was etwas Allgemeineres, etwas überspitzt formuliert:
Mir kommt es so vor, als würden die ganzen Jungs, die mit der neuen Rolle der Frau so ihre Problemchen haben, vielmehr nicht mit selbstbewußten Frauen klarkommen, sich aber hinter den gesellschaftlichen Problemen verstecken.
Dazu kann ich nur sagen:
Wake up, lads! Die Smarten sind die Interessanten!
Rugger“
Du hältst dich wohl für smart? Eine Frau, welche im mainstream schwimmt und fleissig einer Karriere nachgeht – ihre innerliche Bedürfnisse nach Familie und Kindern jedoch stets verdrängt – ist für mich nicht zwangsläufig eine selbstbewusste Frau. Leider habe ich die Erfahrung gemacht, dass sehr viele Frauen in Spitzenpositionen ledig sind und – sorry – ihre Arbeit schlecht machen. Als Beispiel verinnerliche ich hier meine Professorinnen. Mit wenigen Ausnahmen glaube ich nicht, dass diese aufgrund ihrer Qualifikationen ihre Position erreicht haben.
Maja: dass ich mich meiner Mutterrolle und "Fraulichkeit" irgendwie beraubt sehen würde, wenn ich den lieben langen Tag arbeiten gehe, nach Hause komme und mein Mann hat gekocht, geputzt, das Kind versorgt und der einzige Job, den ich noch machen muss ist, meinem Kind ein Gute-Nacht-Kuss auf die Wange zu drücken.
Eine solche Frau, wie Maja eine ist, halte ich hingegen für sehr selbstbewusst. Sie steht zu ihren Gefühlen – obwohl diese nicht trendy sind.
„3.Zu guter Letzt: Eine Entscheidung Kind ODER Karriere hängt für sehr viele Frauen immer noch daran, dass sie nicht drei Jahre in Mutterschaftsurlaub gehen wollen, es aber müßten, weil sie ihr Kind einfach nirgends unterbringen können. Ich finde das ja auch schade, aber es ist nun einmal Fakt.“
Ok, aber man parkt Kinder nicht wie einen alten PkW im Hort. In einer tradionellen Gesellschaft gab es noch sowas wie Opa und Oma oder andere Verwandte. Das ist heute alles nicht mehr vorhanden. Weil; die Oma ist bereits dement, weil ihre Tochter als Primapara 40 war; oder sie steht zwecks eigener Selbstverwirklichung nicht zur Verfügung. Schade.
„Ich meinte eher, daß an unseren Schulen einfach zu wenig Lehrer auf zu viele Schüler kommen etc.“
Das ist nicht das Problem der heutigen Schulen. Fakt ist: in den Schulen wir heute einfach zu wenig gelernt. Zuwenig Mathematik, zuwenig deutsche Rechtsschreibung, zuwenig Gramatik etc.... umso mehr sind die Lehrer um allerlei Plauschveranstaltungen und mit einer Unmegen an sogenannt sozialer Erziehungsarbeit beschäftigt. Es fehlen an den Schulen wirklich echt männliche Elemente, da gebe ich lucky recht, es fehlt an Authorität und Härte. Wer fordert, der fördert.
Feuerblick
14.12.2002, 18:23
Ok, aber man parkt Kinder nicht wie einen alten PkW im Hort. In einer tradionellen Gesellschaft gab es noch sowas wie Opa und Oma oder andere Verwandte. Das ist heute alles nicht mehr vorhanden. Weil; die Oma ist bereits dement, weil ihre Tochter als Primapara 40 war; oder sie steht zwecks eigener Selbstverwirklichung nicht zur Verfügung. Schade.
Nee, Hobbes, sonder weil die Kinder auf der verzweifelten Suche nach einem Job leider 300 km weit von Oma entfernt wohnen!!!
Feuerblick
14.12.2002, 19:07
Nun ja, es ist mal wieder die Zeit gekommen, in der ich mich für gewöhnlich aus einer Diskussion ausklinke...
An die "Der Job einer Frau ist zuerst mal das Kinderbekommen"-Fraktion:
Mary hat es schon ganz am Anfang gesagt: Es steht jedem von uns frei, wen er oder sie sich als Lebenspartner aussucht. Also, geht auf die Suche nach einer Frau, die Ihr von Euren Ansichten überzeugen könnt, heiratet sie, setzt Kinder in die Welt und werdet um Himmels Willen glücklich!
Aber akzeptiert auch, dass nicht nur die meisten Frauen sondern auch eine Menge Eurer Geschlechtsgenossen sich eine etwas andere Rollenverteilung vorstellen können und sie auch verwirklichen werden. Und das sind NICHT die Weicheier der Nation!
Also, viel Glück bei der Suche an alle :-)
Feuerblick
luckyblue
14.12.2002, 19:21
Original geschrieben von Sanje
Das hieße ja, dass Gleichberechtigung ein Idealzustand ist, der nie erreicht werden kann, und Emanzipation wäre der Weg dorthin. Was ist am Streben nach dem Idealzustand schlecht?
(Ich find's immer wahnsinnig toll, wenn Sätze aus dem Zusammenhang herausgelöst zitiert werden.)
Dass Gleichberechtigung ein Idealzustand ist, dürfte richtig sein, dass der nie erreicht wird, hoffentlich nicht.
Das Streben nach dem Idealzustand ist an sich eine dufte Angelegenheit. Das Problem ist nur die Art, wie sich dieses Streben in der Gesellschaft als Niederschlag absetzt. Dass dies zumindest beim Kommunismus etwas verwegen ausfiel, dürfte ja nicht der Erwähnung bedürfen. Ähnlich verhalten sich einige Ausuferungen der Emanzipation. Ende der Ideologie.
cu
luckyblue
rolexralf
14.12.2002, 19:28
Original geschrieben von hobbes
Das ist nicht das Problem der heutigen Schulen. Fakt ist: in den Schulen wir heute einfach zu wenig gelernt. Zuwenig Mathematik, zuwenig deutsche Rechtsschreibung, zuwenig Gramatik etc.... umso mehr sind die Lehrer um allerlei Plauschveranstaltungen und mit einer Unmegen an sogenannt sozialer Erziehungsarbeit beschäftigt. Es fehlen an den Schulen wirklich echt männliche Elemente, da gebe ich lucky recht, es fehlt an Authorität und Härte. Wer fordert, der fördert.
Sorry, hobbes, aber da kann ich nur noch den Kopf schütteln. Es erstaunt mich jedesmal aufs Neue, dass nicht erst seit Pisa, jeder glaubt, er könne bei Dingen wie Pädagogik wie selbstverständlich mitreden und Patentlösungen anbieten. Nur weil wir "alle mal in der Schule waren" sind wir noch lange keine Experten auf diesem Gebiet. Kein Arzt dieser Welt würde sich von einem Laien belehren lassen, wie er eine Blutabnahme - geschweige denn etwas Komplizierteres - durchzuführen hat.
Auf Pädagogen - und Lehrer im Speziellen - darf aber jeder einprügeln, denn da kann ja jeder etwas dazu sagen. Ich finde das allerdings erbarmungslos arrogant.
Original geschrieben von rolexralf
Auf Pädagogen - und Lehrer im Speziellen - darf aber jeder einprügeln, denn da kann ja jeder etwas dazu sagen. Ich finde das allerdings erbarmungslos arrogant.
Allerdings sind die wenigsten Lehrer Pädagogen.....leider. :-(
luckyblue
14.12.2002, 20:19
@Feuerblick
Die Strategie, mit irgendwelchen Totschlagargumenten (Hitlervergleich, Mehrheit sagt, dass ...) eine Diskussion zu führen, deckt sich nicht gerade mit meinem Begriff von Streitkultur. Aber das ist natürlich auch eine Typfrage.
Und NEIN, ich finde, daß wir Deutschen nicht unseren Wortschatz in dieser Richtung "abrüsten" sondern viel eher lernen sollten, einfach offen über alle Taten rund um Hitler und die Nazis zu reden, statt uns schon bei der bloßen Erwähnung von Hitler erschrocken umzublicken.
Das ist ein Ansatz, der die unzähligen NS-Opfer verhöhnt. Ein Volk, das allein sechs Millionen Juden auf dem Gewissen hat, muss sich erschrocken umblicken bei der bloßen Erwähnung des dafür Verantwortlichen. Alles andere wäre menschenverachtender Zynismus. Wenn wir unsinnige Hitler-Vergleiche in unseren Alltagssprachgebrauch übernehmen, untermauern wir die Verharmlosung dieses Völkermords zu einer rechtmäßigen Militäroperation.
Der ganze Lehrplan in den gesellschaftwissenschaftlichen Schulfächern ab der neunten Klasse kreist um das Thema Rechtsextremismus. Darüber hinaus arbeitet die Geschichtsbewältigungs-Maschinerie der Medien auf vollen Touren. Dass das Dritte Reich in unserer Gesellschaft tabuisiert wird, halte ich auf dieser Folie für absurd.
... hab ich auch einfach mal ein Alter angenommen. Nicht nur Ihr dürft polarisieren. Das müßt Ihr anderen auch zugestehen.
Wenn du dich auf meine Äußerungen beziehst, solltest du der Fairness halber schon mit denselben Rahmenbedingungen arbeiten. Alles andere führt zu nichts.
Zu 2.: Toll, dass ich keine Frau bin, war mir unendlich neu. Ist wieder so ein Totschlagargument. Bei den soft skills punkten die Frauen immer. So weit kann's mit der Benachteiligung also nicht sein. (Außerdem - Achtung: Aufregemöglichkeit - gibt es Statistiken darüber, dass 80% aller Ärztinnen für eine gute Stelle mit ihren Vorgesetzten ins Bett gegangen wären. Die Möglichkeit gibt es also auch noch;-))
Zu 3.: Dass die Entscheidung "Kind oder Karriere" instrumentalisiert wird zu einer lamoryanten Phrase, um sich heldenhaft ins Privatleben zu verabschieden, habe ich ja oben schon thematisiert. Da können wir jetzt sicher noch lange uns die Fakten an die Köpfe knallen, ich erwähne statt dessen einfach noch mal das Buch "Das dämliche Geschlecht" . Die AutoRIN Barbara Bierach muss es schließlich besser wissen als wir.
Ein Interview mit der Autorin zu ihrem Buch gibt es hier (http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/0,1518,222558,00.html).
Zu 4.: Pisa ist wohl von sich aus schon ein Fake, weil es hier zu haarsträubenden statistischen Fehlern gekommen sein soll. Anscheinend wurde dem Ausländeranteil der Schüler nicht gebührend Rechnung getragen. Letztlich geht es wohl darum, dass das zuständige INstitut sich ungern selbst in die Arbeitslosigkeit entlassen würde und das schlechte Ergebnis zu einer Argumentationsgrundlage ummünzen will, damit in einigen Jahren die ganze Chose noch mal wiederholt werden kann. Entzieht sich aber letztendlich meiner Beurteilungsfähigkeit. Einen Artikel dazu gibt eshier (http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,203102,00.html)
So, ich hoffe, ich war nicht zu scharf;-)
cu
luckyblue
luckyblue
14.12.2002, 20:36
Wer sich mal deftigen Tobaque reinziehen will über das jungenfeindliche Lernklima an deutschen Schulen und den Konsequenzen (Jungenbeauftragter der Stadt München etc.), klickt malhier (http://www.spiegel.de/unispiegel/wunderbar/0,1518,217197,00.html), da (http://www.spiegel.de/unispiegel/wunderbar/0,1518,217209,00.html) und dahin (http://www.spiegel.de/leserbriefe/0,1518,217371,00.html)
cu
luckyblue
Feuerblick
14.12.2002, 20:40
Ein Volk, das allein sechs Millionen Juden auf dem Gewissen hat, muss sich erschrocken umblicken bei der bloßen Erwähnung des dafür Verantwortlichen. Alles andere wäre menschenverachtender Zynismus.
Nur noch eine letzte Bemerkung (auch wenn sie nicht hierhin gehört): Ich habe die Nase gestrichen voll, mich für die Greueltaten meiner Urgroßeltern (jawohl, denn meine Oma war damals gerade mal 14 Jahre alt!!!!!) verantwortlich machen zu lassen!!! Ja, es war schlimm und mir lieg nichts ferner, als das Ganze zu vergessen oder zu verharmlosen, aber wir Deutschen haben (im Gegensatz zu vielen anderen Nationen., z.B. in diesem Zusammenhang Österreicher und Italiener, in weiteren Zusammenhängen wie Hiroshima unsere amerikanischen Freunde) die fatale Angewohnheit, uns immer wieder ein schlechtes Gewissen einreden zu lassen. Nicht mal meine Eltern waren damals geplant, ICH schon überhaupt nicht...aber lasst Euch ruhig noch hundert Jahre von Kindern und Kindeskindern der Opfer (nochmal: ich verniedliche da überhaupt nichts und ich vergesse keines der Opfer von wirklich entsetzlichen Taten, die wie ich hoffe so nie mehr geschehen) abzocken!!!
So, und wenn Ihr jetzt meint, ich sei rechtsextrem, dann kann ichs auch nicht ändern und dann tuts mir leid!
Feuerblick
Und jetzt sag ich nix mehr....
luckyblue
14.12.2002, 21:01
Ich fühle mich auch nicht persönlich verantwortlich für die Machenschaften meiner Großeltern, selbstgefällige Bedenkenträger wie Friedmann und Spiegel kann ich nicht ausstehen, und es kotzt mich an, dass Staatsangehörige mit israelischem Pass in Deutschland keine Steuern zahlen. Aber das alles tut nichts zur Sache, weil wir das Rad der Zeit nicht zurückdrehen können und weil wir die Schuld, die uns unsere Ahnen aufgebürdet haben, auf den Schultern tragen müssen, solange wir leben. Und wir dürfen unseren Anspruch auf das Selbstbewusstsein eines souveränen Staates nur dann anmelden, wenn wir uns der Verantwortung vor der Geschichte stellen. Das Andenken an die Greueltaten unserer Vorfahren aufrecht zu halten und eine Wiederholung zu verhindern, ist eine moralische Pflicht und verlangt von jedem einzelnen einen pietätvollen Umgang mit der Thematik, und das jeden Tag aufs neue.
cu
luckyblue
rolexralf
14.12.2002, 21:08
Ich kann mich Feuerblick hier nur zu 100% anschliessen.
Soviel Unterwürfigkeit, dass man sich "erschrocken umblicken muss bei der blossen Erwähnung des dafür Verantwortlichen" ist m.E. absolut fehl am Platze. Knapp 60 Jahre nach Kriegsende darf unser Volk auch wieder ein Minimum an Selbstbewusstsein demonstrieren.
Als jemand der Jahrzehnte nach dem Krieg geboren wurde, sehe ich es als meine Pflicht an, dafür zu sorgen, dass sich die Ereignisse des 3. Reiches nie mehr wiederholen und dass dieses Land seine Demokratie verteidigt solange es nur irgendwie geht. Das versteht sich von selbst. Martin Walser hat aber seinerzeit sicherlich vielen Deutschen aus dem Herzen gesprochen, als er die "Moralkeule" gegeisselt hat, die teilweise pauschal und unvernünftig angewandt wurde.
Ich bin genausowenig bereit, mir die Fehler der Vergangenheit ständig vorhalten zu lassen. Dies tun im Uebrigen auch nur Leute, die von Geschichte keine Ahnung haben (wollen).
In Anbetracht der Um- und Ausschweifungen vom ursprünglichen thread könnte man ja an dieser Stelle auch ein neues Thema eröffnen. :-meinung
luckyblue
14.12.2002, 21:21
Bloß nicht, wir sollten diesen Exkurs besser an dieser Stelle abbrechen.
Da werden wir uns sowieso nur im Kreis drehen.
Jeder nach sein Fasson;-)
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