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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : "Lohnt" sich ein Medizinstudium?



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Watson
21.02.2010, 13:48
wenn man aber dabei bedenkt, dass die Nacht-, Wochenend- und Feiertagsarbeit (und das sind diese sogenannten "Bereitsschaftsdienste" in Wahrheit) in jeder Branche mit deutlichen Zuschlägen belohnt, bei Ärzten aber mit deutlichen Abzügen "bestraft" wird, relativiert sich auch dieser "Segen"

Könntest du das näher erläutern?

John Silver
21.02.2010, 14:55
Was gibt's denn da zu erläutern? Diese Dienste werden als "Bereitschaftsdienste" deklariert, und dann behaupten die Verwaltungen kackfrech, mindestens 51% der Zeit verbringe man mit Schlafen oder Eierschaukeln, deshalb werde die Zeit nur zu X% als Arbeitszeit gewertet, und Zuschläge seien sowieso nicht angemessen. Die Behauptung ist in den meisten Krankenhäusern schlicht unwahr. Wenn man Dienst hat, ist man meistens nur am Rotieren. Wenn man in der Nacht mehr als 2 Stunden Schlaf bekommt, hat man großes Glück - und wenn man Pech hat, bekommt man nicht eine Minute Ruhe und arbeitet die Nacht durch; und das meistens nach einer vollen 8-Stunden-Tagschicht. Am Wochenende und an Feiertagen ist es genauso. Die meisten Kliniken rechnen so: Die Dienstzeit wird bestenfalls zu 90% als Arbeitszeit gewertet, Zuschläge gibt es keine. Da der Arzt nach dem Dienst heim geht, werden aber die 8 Stunden, die man sonst im Tagdienst des Folgetags gearbeitet hätte, abgezogen. Es bleiben meist ca. 2-3 Stunden, die einem angerechnet werden, das sind dann rund 50 € brutto. Etwas besser wird's, wenn die Klinik noch eine Pauschale zahlt, aber das tun nicht alle. Diese Dienste sind stressig, sehr anstrengend, zehren ziemlich an den Kräften - und man bekommt so gut wie nix. Einzig Nachtdienste am Freitag und Samstag und die Tagdienste am Samstag bringen einigermaßen Geld, weil die 8 Stunden nicht abgezogen werden. Insgesamt ist aber die Bezahlung dieser Dienste ein Witz; und deshalb ist auch das Geschwafel, man könne ja als Arzt sein Einkommen durch Dienste verbessern und sei deshalb im Vorteil gegenüber anderen Berufsgruppen, nichts weiter als dummes Zeug.

sayeh
06.03.2010, 17:53
Was gibt's denn da zu erläutern? Diese Dienste werden als "Bereitschaftsdienste" deklariert, und dann behaupten die Verwaltungen kackfrech, mindestens 51% der Zeit verbringe man mit Schlafen oder Eierschaukeln, deshalb werde die Zeit nur zu X% als Arbeitszeit gewertet, und Zuschläge seien sowieso nicht angemessen.


Bin noch weit davon entfernt, aber hab trotzdem ne Frage dazu:

Wie wird das denn kontrolliert, ob man "eierschaukelt", pennt oder gerade rotiert? Also wie können die Verwaltungen da einen genauen Prozentsatz ausrechnen...?

Ehemaliger User 05022011
06.03.2010, 18:07
"Da der Arzt nach dem Dienst heim geht, werden aber die 8 Stunden, die man sonst im Tagdienst des Folgetags gearbeitet hätte, abgezogen."

Na das verstehe wer will - ein normaler Mensch sicher nicht ? Der Arzt arbeite z.B. 10 Stunden im Nachtdienst geht dann nach Hause und sie ziehen ihm 8 Stunden ab, so dass nur zwei bezahlt werden ???? Wovon ziehen die den da was ab - sorry, sicher sehr naiv gefragt, aber würd das gern auch mal verstehen, wie das mit den Diensten und so ist.

risingsun
06.03.2010, 18:41
"Da der Arzt nach dem Dienst heim geht, werden aber die 8 Stunden, die man sonst im Tagdienst des Folgetags gearbeitet hätte, abgezogen."

Na das verstehe wer will - ein normaler Mensch sicher nicht ? Der Arzt arbeite z.B. 10 Stunden im Nachtdienst geht dann nach Hause und sie ziehen ihm 8 Stunden ab, so dass nur zwei bezahlt werden ???? Wovon ziehen die den da was ab - sorry, sicher sehr naiv gefragt, aber würd das gern auch mal verstehen, wie das mit den Diensten und so ist.

na da du am nächsten tag nicht regulär arbeitest wird dir das eben als minusstunden angerechnet

Ehemaliger User 05022011
06.03.2010, 18:54
ach so, Danke für die Erklärung - nun entsteht für Laien wie mich aber die Frage: was ist regulär, gibt es ein Monats-soll an Stunden, was durch diesen "Fehltag" dann unterschritten wird ?

konstantin
11.03.2010, 10:45
Khiri: Du wirst als Arzt in der Regel - wie in jedem anderen Beruf auch - nach Stunden verguetet. Wenn du einen Bereitschaftsdienst leistest, hast du erst einmal 8 Stunden weniger auf deinem Stundenkonto, denn du kannst den Folgetag nicht arbeiten gehen. Deine 10 Stunden Bereitschaftsdienst bringen aber unterm Strich weniger Kohle, als die 8 Stunden regulaere Arbeit, die du stattdessen geleistet haettest. Der Bereitschaftsdienst ist damit nicht nur zusaetzlich belastend, sondern bringt auch noch weniger Kohle (und macht den Folgetag kaputt...).

habichnicht
11.03.2010, 11:46
Khiri: Du wirst als Arzt in der Regel - wie in jedem anderen Beruf auch - nach Stunden verguetet. Wenn du einen Bereitschaftsdienst leistest, hast du erst einmal 8 Stunden weniger auf deinem Stundenkonto, denn du kannst den Folgetag nicht arbeiten gehen. Deine 10 Stunden Bereitschaftsdienst bringen aber unterm Strich weniger Kohle, als die 8 Stunden regulaere Arbeit, die du stattdessen geleistet haettest.
Kleine Ergänzung:

Ob man für eine Bereitschaftsdienstnacht weniger als für 8 Stunden regulärer Tagesarbeit bekommt, hängt von der Einstufung der Bereitschaftsdienste und der Dauer des jeweiligen Dienstes ab.
Weniger als für 8 reguläre Arbeitsstunden erhält man nur, wenn der nächtliche Bereischaftsdienst nur 10 Studen gedauert hat und man pro Dienstunde weniger als 80% des regulären Stundenlohns bekommt.

Bei Dienststufe 3 (=> 90%) an kommunalen Häusern oder Stufe 2 (=> 95%) an Unikliniken bringen 10 BD-Stunden mehr als 8 reguläre Arbeitsstunden.

Da die Dienste meistens nicht 10 Stunden, sondern länger dauern, bringt eine Dienstnacht auch bei niedrigeren Dienststufen oft schon ein bisschen mehr als die 8 regulären Stunden des Folgetages gebracht hätten.

Für die Anhänger des alten Arbeitszeitgesetztes besteht das Problem darin, dass früher, als man nach der Dienstnacht noch den ganzen Folgetag weiterarbeiten "durfte", jede BD-Stunde, und sei der Stundenlohn auch noch so schlecht gewesen, zu einem monetären upgrade des Grundgehalts geführt hat. Das ist auch eioner der Gründe, weshalb so lang so wenig Interesse an der Abschaffung dieser Gewohnheiten bestanden hat. Vor 15 Jahren hätte es genug Bewerber für die zusätzlichen Stellen gegeben, die dafür benötigt worden wären.

Charly1234
11.03.2010, 11:59
Hab irgendwo im Forum gelesen, dass manche ihr Grundgehalt durch Dienste um bis zu 1000 Euro aufbessern?! Wie viele Dienste muss man dafür machen??? Oder gibts da noch Besonderheiten?

Bjarne
11.03.2010, 13:37
ich glaub ich studier erstmal zu ende und versuch dann durch das ganze geldgedönsel durchzublicken, im moment erzählt jeder irgendwas anderes, jede studie sagt was anderes aus und jeder artikel schreibt wieder was anderes ob ärzte nun gut verdienen oder unterbezahlt werden oder schlecht verdienne oder nur schlechter als früher oder besser als früher weil sie weniger arbeiten müssen oder ob wir doch alle auf klempner umschulen sollten...

John Silver
13.03.2010, 18:31
Bin noch weit davon entfernt, aber hab trotzdem ne Frage dazu:

Wie wird das denn kontrolliert, ob man "eierschaukelt", pennt oder gerade rotiert? Also wie können die Verwaltungen da einen genauen Prozentsatz ausrechnen...?

Die Verwaltung kontrolliert das nicht. Warum auch? Täten sie es, müssten sie insbesondere in großen Kliniken sofort feststellen, dass die Behauptung, der Nachtdienst sei ein Bereitschaftsdienst, sofort revidieren. Wenn man die tatsächliche Arbeitsbelastung im Nachtdienst kontrolliert, wird dabei eine Ruhezeit von durchschnittlich nicht mehr als 2 Stunden herauskommen (Haus der Maximalversorgung). Die Verwaltung weiss das; deshalb wird nicht nur nicht kontrolliert, sondern auch jeder Versuch einer Evaluierung mit Druck und Erpressung verhindert. Stattdessen setzt die Verwaltung einfach fest, dass es sich um einen Bereitschaftsdienst handele, und die Arbeit in maximal 49% der Bereitschaftszeit anfalle. Die Verwaltung macht also das, was bereits seit Jahrzehnten Usus ist: sie lügt.

@Bjarne:

Im Grunde ist es einfach. Absolut gesehen verdienen die meisten Assistenzärzte gut; nur Anfänger in kirchlichen Häusern, die keine Zulagen zahlen, sind meist deutlich benachteiligt. Relativ zur Arbeitsbelastung ist die Bezahlung aber schlecht.

kra-
14.03.2010, 20:38
@John Silver: und was ist, wenn man sein eigenes "Dienstheftchen" führt, in dem man seine persönliche tatsächliche Arbeitszeit dokumentiert und dieses dann der Verwaltung vorliegt? Dann können die doch eigentlich nicht anders als den Nachtdienst voll auszuzahlen, oder?

habichnicht
14.03.2010, 21:06
@John Silver: und was ist, wenn man sein eigenes "Dienstheftchen" führt, in dem man seine persönliche tatsächliche Arbeitszeit dokumentiert und dieses dann der Verwaltung vorliegt? Dann können die doch eigentlich nicht anders als den Nachtdienst voll auszuzahlen, oder?

Wenn Du darin dokumentierst, dass Du im Anschluss an einen normalen Tagdienst während eines angeblichen Bereitschaftsdienstes mehr als 50 Prozent der Zeit aktiv warst, dokumentierst Du einen Verstoß gegen das Arbeitszeitgesetz.

kra-
15.03.2010, 20:21
...und schieße mir damit selbst ins Knie?

Muriel
15.03.2010, 20:27
Wenn man annimmt, dass damit nur noch der Ausweg des Schichtdienstes winkt, dieser mehr Personal fordert, was heutzutage ja an vielen Kliniken aufgrund heftigster Besetzungsprobleme ein schwieriges Unterfangen ist, dieser zudem meiner Meinung nach extremst anstrengend ist (sieben Nächte am Stück, ohne Ausgleich direkt weiter arbeiten etc.), dann ja, dann schießt man sich damit einen ziemlichen Brocken ins Knie, zumal Schichtdienst auch noch schlechter bezahlt ist im Allgemeinen.

Ehemaliger User 05022011
15.03.2010, 20:32
Wenn Du darin dokumentierst, dass Du im Anschluss an einen normalen Tagdienst während eines angeblichen Bereitschaftsdienstes mehr als 50 Prozent der Zeit aktiv warst, dokumentierst Du einen Verstoß gegen das Arbeitszeitgesetz.

ich frag mal ganz naiv: na und ?

dem Arzt, der einen Patienten versorgt, kann man das ja wohl nicht vorwerfen

und sicher auch naiv, aber vielleicht solltet ihr es deswegen gerade dokumentieren, dann muss die Verwaltung sehen, wie sie damit umgeht, die können doch nicht nach dem Motto "es darf nicht sein, was nicht sein darf" euch zum Schweigen verpflichten

airmaria
15.03.2010, 20:35
...dem Arzt, der einen Patienten versorgt, kann man das ja wohl nicht vorwerfen
man kann das vor allem dem vorgesetzten vorwerfen, der der fürsorgepflicht für seine mitarbeiter nicht nachkommt.
leider hat sich dieses bewusstsein noch nicht in den starren hierachien der krankenhäuser etablieren können...
airmaria

Ehemaliger User 05022011
15.03.2010, 20:42
man kann das vor allem dem vorgesetzten vorwerfen, der der fürsorgepflicht für seine mitarbeiter nicht nachkommt.

airmaria
genau so meinte ich es

John Silver
20.03.2010, 23:57
ich frag mal ganz naiv: na und ?

dem Arzt, der einen Patienten versorgt, kann man das ja wohl nicht vorwerfen

und sicher auch naiv, aber vielleicht solltet ihr es deswegen gerade dokumentieren, dann muss die Verwaltung sehen, wie sie damit umgeht, die können doch nicht nach dem Motto "es darf nicht sein, was nicht sein darf" euch zum Schweigen verpflichten

Doch, die können, und die tun es vielerorts. Das Problem besteht darin, dass man, um sich in einem derartigen Konflikt mit der Verwaltung durchsetzen zu können, zwei Dinge braucht: erstens Zusammenhalt unter den Assis und die Bereitschaft, für eigene Rechte und Forderungen einzustehen, und zweitens den Chefarzt auf der eigenen Seite. Beide Dinge sind in den allermeisten Kliniken und Abteilungen unrealistisch. Unter den Assis finden sich immer genug feige Hühnchen, Popokriecher und rückgratlose Schleimer, die einen Zusammenhalt unterminieren (und die haben immer ganz superwichtige Gründe dafür, warum sie gerade jetzt keinen Streit mit der Verwaltung riskieren wollen); und die Chefärzte stehen nicht hinter den Assis, weil sie erstens selbst von den Verwaltungen stark unter Druck gesetzt werden, und zweitens nicht wollen, dass die junge Generation es besser hat, als sie es ihrerzeit hatten - jedenfalls wird kaum ein Chefarzt sich zum eigenen Schaden für die Belange der jungen Generation mit der Verwaltung anlegen.

Und was die eigene Dokumentation betrifft: man sollte es auch machen, aber man sollte nicht erwarten, dass es viel bringt. Die Verwaltung wird die Überstunden nicht akzeptieren, weil sie sonst offiziel zugeben müsste, dass es zu Verstössen gegen das Arbeitszeitschutzgesetz kommt, was die Klinik in Erklärungsnöte gegenüber der Gewerbeaufsicht brächte. Die Dokumentation ist nur aus einem Grund sinnvoll: wenn man mal kündigen sollte, kann man vor Gericht eine Auszahlung der Überstunden einfordern.

Spark
22.03.2010, 07:22
Darf man fragen wie Ihr so eine Dokumentation aufstellt?

Vom AG gibt es ja wohl kaum eine Bestätigung über alle geleisteten Überstunden, und ne hausgemachte Exceltabelle in der ich behaupte, am 09.06.2004 drei Stunden mehr gemacht zu haben ist nicht beweiskräftig.