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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Kündigungsgrund 2.Ehe zulässig o_O



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Hypnos
06.07.2010, 20:32
Provokativ:
Als Patient gehe man besser in ein nicht konfessionelles Haus, da dort aus einem größeren Pool an Bewerbern ausgewählt werden kann und so im Schnitt dort die besseren Ärzte zu finden sein müssten.

Für jedes Problem gibt es eine Lösung, die einfach, sauber und falsch ist...:-meinung

FirebirdUSA
07.07.2010, 05:35
Nein, dass ist so auch nicht richtig. Jeder "Tendenzbetrieb" darf Arbeitnehmer aufgrund ihrer Weltanschauung nicht einstellen. Dazu gehören neben den Kirchen vor allem Gewerkschaften und Parteien.

Und das ist so wiederum auch nicht richtig. Ja, Tendenzbetriebe dürfen Teile de Betriebsverfassungsgesetz ignorieren. Nur gehören kirchliche Krankenhäuser nicht zu den Tendenzbetrieben (da sie keine politischen, erzieherischen, wissenschaftlichen oder künstlerischen Ziele verfolgen). Für Kirchen und Religionsgemeinschaften gibt es einen eigenen Absatz der noch weiter geht und sie von den Regelungen komplett ausnimmt, d.h. es muss noch nicht einmal einen Betriebsrat geben.

Reflex
07.07.2010, 06:12
Provokativ:
Als Patient gehe man besser in ein nicht konfessionelles Haus, da dort aus einem größeren Pool an Bewerbern ausgewählt werden kann und so im Schnitt dort die besseren Ärzte zu finden sein müssten.

In der Regel genießen aber kirchliche Einrichtungenn in der Bevölkerung (von KHs mal abgesehen) eher einen besseren Ruf als kommunale oder private Einrichtungen...

Evil
07.07.2010, 13:06
d.h. es muss noch nicht einmal einen Betriebsrat geben.
Jedes mir bekannt kirchliche Haus besitz aber ein gleichwertiges Gremium mit Namen "Mitarbeiterversammlung".

FirebirdUSA
07.07.2010, 13:19
Jedes mir bekannt kirchliche Haus besitz aber ein gleichwertiges Gremium mit Namen "Mitarbeiterversammlung".

Stimmt, da sich die ev. und kath. Kirche hierzu freiwillig in ihrem Kirchenrecht entsprechende Regelungen aufgenommen haben.

Espressa
07.07.2010, 16:20
Ich denke mit dem Glauben ist es so, dass man etwas seiner Meinung nach Gutes verbreiten will. Das sollte bzw. darf - das ist meine persönliche Meinung - nicht militant und gewaltsam erfolgen.

Trotzdem sieht man sich manchmal in der Situation, das auch mit einem gewissen Nachdruck zu tun.
Einem Diabetiker würde auch keiner sagen: Nehmen Sie das Insulin, oder nehmen Sie es nicht, wie sie lieber mögen.
Sondern: Wenn Sie nicht auf Ihren Blutzucker achten, stehen Ihnen viele Komplikation bis hin zu früherem Tod bevor.

Whoaaa, so ein böser Arzt der das sagt, voll die Erpressung, voll die Drohung. Oder nicht? Nein, er verleiht seiner Empfehlung Nachdruck.

Klar, dafür gibt es Studien, für den Glauben nicht. Na klar, sonst wäre es ja kein Glaube. Aber es macht auch deutlich, dass auch da manchmal gewisse unangenehme Botschaften vermittelt werden müssen. Oder zumindest die die glauben, halten das für angebracht.
Da denke ich ist die Einstellungspolitik ein eher friedfertiges Mittel, um für sich zu werben.

Keiner ist unfehlbar, am allerwenigsten die kath. Kirche und ihre Mitglieder. Aber Leute die sich zumindest bemühen sollten auch nicht so verfolgt werden. Beschimpft ruhig die einzelnen, die dem Fortschritt im Wege stehen, die Mitmenschen misshandeln, aber nicht kategorisch jene die glauben.

Ulle
07.07.2010, 18:55
Ein paar Punkte, die mir zur Diskussion einfallen:

1) "Christliche" Werte gibt es im eigentlichen Sinne nicht. Die meisten darunter gemeinten Verhaltensnormen sind Ideen der Aufklärung (z.B. Kategorischer Imperativ Kants). Wenn man so will, verdanken wir also den "christlichen" Werten, dass Religion im heutigen Alltag auf ein mehr oder weniger erträgliches Maß reduziert wurde. Und das Atheisten vermeintlich weniger für "christliche" Werte eintreten, bringt mich regelmäßig zur Weißglut. Da wird der Bock zum Gärtner gemacht.

2) Wenn man bei Volkswagen mit Manta-Fuchsschwanz, Stiffeletten und Stirntätowierten Manta-for-ever!-Schriftzug nicht eingestellt hat, braucht man sich nicht wundern. Wenn man aber Manta-Fanclubmitglied ist und dies durch Zufall beim Arbeitgeber bekannt wird, wird sich jeder auf Arbeitsrecht spezialisierter Anwalt die Hände reiben, sollte es dadurch zur Kündigung kommen.

3) Wenn man im Führungsgremium der FDP sitzt, sollte man sicher nicht der SPD angehören. Wenn man im Garten der Naumann-Stiftung das Gras mäht, sieht es schon wieder ganz anders aus. Unsinnige Vergleiche bringen uns wohl nicht weiter. Beten gehört sicher nicht zu den Kernkompetenzen eines Arztes - nur weil der Chef gerne segelt und noch einen Vorschoter brauch, darf er das wohl kaum als Einstellungskriterium (öffentlich) nutzen.

4) Mit welchem Recht gibt es eine Kirchensteuer? In anderen Vereinen, selbst in Parteien haben die Gremien keinen Einblick über die Einkünfte der Mitglieder. Mit welchem Recht darf ein Arbeitnehmer mittels Lohnsteuerkarte über die Religionszugehörigkeit seiner Mitarbeiter informiert sein, wie lässt sich das mit dem Grundrecht auf informelle Selbstbestimmung vereinbaren (in Anlehnung an Artikel 2 des Grundgesetzes - wird dringend Zeit, dass dieses Grundrecht wortwörtlich in das Grundgesetz aufgenommen wird).

5) In dem geschilderten Fall ist die betroffende Person unverschuldet in die Situation gekommen (wie schon angemerkt, gibt es kein schuldig geschieden mehr) - er wollte nicht einmal aus der Kirche austreten. Auch wenn ich diesen Passus in meinem hochgeehrten Grundgesetz am wenigsten leiden kann, steht da wortwörtlich:"Ehe [und Familie] stehen unter dem besonderen Schutze der staatlichen Ordnung" (Artikel 6). Der Mann verliert seinen Job, weil er heiratet - da muss man sich fragen, ob die Kirche ein Fall für den Verfassungsschutz ist.

Jeder darf glauben, was er will. Aber zugleich hat man als deutscher Staatsbürger auch die Pflicht, das Grundgesetz zu wahren - zur Not auch gegen die eigene Religionsgemeinschaft. Diesbezüglich sollten hier mal einige nachdenken, ob neben dem gemeinsamen Gebet mit dem Patienten auch andere Güter schützenswert sind. Mir geht dieser ganze Kuschelreligionsscheiss jedenfalls gehörig auf den Geist, weil wir eben noch nicht ein sakulärer Staat sind und noch immer Menschen aufgrund ihres Glaubens (oder Nichtglaubens) diskriminiert werden.