Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Erfahrungen Psychosomatik?
Antracis
05.05.2011, 18:18
Ich bin schon ziemlich erschüttert, welche Häme hier über psychiatrische "Kollegen" ausgeschüttet wird. Da darf man dann lesen, was einem "gut tun" würde und das man letztlich nur in der Psychiatrie ist, weil man das Ganze nicht checkt und eh nur ******* labert ?
Ich mache also Konsile aus Rache für Verachtung, die mir entgegen gebracht wird ? Ganz ehrlich, da bin ich dann doch etwas platt. Das ich verachtet werde, war mir bisher nicht klar. Nicht ernstgenommen zu werden, gut. Daran gewöhnt man sich, aber auch darüber muß nicht nur eine Seite nachdenken.
Ich hab komischerweise kein Problem damit, die Arbeit anderer Fachrichtungen zu wertschätzen. Warum fällt das einigen anderen nur so schwer ? Vielleicht auch mal, ganz kurz, innehalten und daran denken, welche Probleme man selbst so gerne deligiert, welche Patienten man nicht mag ? Und was man eigentlich auch im Studium gelernt haben sollte, aber dennoch nicht kann ?
Ganz ehrlich, das ärgert mich hier alles nicht, sondern macht mich nur traurig.
Ich bin schon ziemlich erschüttert, welche Häme hier über psychiatrische "Kollegen" ausgeschüttet wird. Da darf man dann lesen, was einem "gut tun" würde und das man letztlich nur in der Psychiatrie ist, weil man das Ganze nicht checkt und eh nur ******* labert ?
Ich mache also Konsile aus Rache für Verachtung, die mir entgegen gebracht wird ? Ganz ehrlich, da bin ich dann doch etwas platt. Das ich verachtet werde, war mir bisher nicht klar. Nicht ernstgenommen zu werden, gut. Daran gewöhnt man sich, aber auch darüber muß nicht nur eine Seite nachdenken.
Ich hab komischerweise kein Problem damit, die Arbeit anderer Fachrichtungen zu wertschätzen. Warum fällt das einigen anderen nur so schwer ? Vielleicht auch mal, ganz kurz, innehalten und daran denken, welche Probleme man selbst so gerne deligiert, welche Patienten man nicht mag ? Und was man eigentlich auch im Studium gelernt haben sollte, aber dennoch nicht kann ?
Ganz ehrlich, das ärgert mich hier alles nicht, sondern macht mich nur traurig.
So weit reicht es leider bei einigen hier nicht ...
Das sind dann wahrscheinlich die, die mit einem leicht depressiven Patienten nicht zurecht kommen und gleich auf Übernahme drängen, weil er sich ja umbringen könnte und dass bei rechtsverdreht einiges verdreht ist, wissen wir ja schon ...
Antracis
05.05.2011, 18:53
...und dass bei rechtsverdreht einiges verdreht ist, wissen wir ja schon ...
Das Post habe ich erst gar nicht gelesen. ;-)
Und ansonsten: Ich stelle meine "Sesselpupser"-Dienste gerne zur Verfügung, die wird aber keiner haben wollen. :-))
Das Post habe ich erst gar nicht gelesen. ;-)
Und ansonsten: Ich stelle meine "Sesselpupser"-Dienste gerne zur Verfügung, die wird aber keiner haben wollen. :-))
stimmt, da muss man ja die ganze zeit über konsile an richtige ärzte schreiben, das schlaucht dann ganz schön :-))
Antracis
05.05.2011, 19:04
Jetzt hab ich das Post von rechtsverdreht (leider) doch gelesen und kann mich nicht enthalten, einen Satz zu zitieren:
Wer sich als wirklich psychisch kranker Mensch mit Problemen unter Schizophrenen wiederfindet, die an Aliens glauben oder sonstige Wahnvorstellungen haben, hat allen Grund, sich die Pulsadern aufzuschneiden.
Ich könnte Ihn jetzt noch kommentieren, aber umso öfter ich Ihn lese, meine ich, er spricht für sich selbst. Ist es aber wert, nochmal herausgehoben zu werden...
was wieder beweist, dass die Psychiatrie nie aussterben wird, da immer genug Patienten rumlaufen ...
Dr. Psycho
07.05.2011, 09:41
Hmmm....
jetzt melde ich mich als sonst eher stiller Mitleser und nutzloser Psychiater im Neurojahr doch auch nochmal zum Thema...
Zuerst mal teile ich Anthracis Sicht, dass ich es wirklich traurig, aber auch erstaunlich finde, mit welcher Heftigkeit und Feindseligkeit die Diskussion hier geführt wird- und zwar von allen Seiten.
Insbesondere, wenn man sich noch mal anschaut, mit welcher harmlos gestellten Eingangsfrage dieser Thread mal begonnen hat...
Jemand, der sich über das Fach Psychosomatik informieren möchte, kriegt aufs Brot geschmiert, was Psychosomatiker für eine faule, nutzlose, überflüssige, nur die "Elite-Patienten" behandelnde Fachrichtung sind...und aufs Brot geschmiert kriegt er /sie es ungefragt von Psychiatern oder jenen, die vorgeben, Psychiater zu sein...
Da ist das "Psychiater checken nichts und sind faul"-Echo als Reaktion nicht so verwunderlich, Fachdisziplinen-Bashing halt...:-nix
Was den Kommentar von "Rechtsverdreht" angeht, so ist dieser in Teilen sicher provokant und -m.E- verallgemeinernd, trotzallem finde ich Punkte, denen ich ohne Weiteres zustimmen kann...
"Es kommt auf's Haus an, auf die Strukturen einer Einrichtung, auf die Leitung und auf's Störungsbild, ob Psychiatrie oder Psychosomatik besser helfen kann."
-> dem habe ich nichts hinzuzufügen, seh ich ganz genau so.
"In einer optimalen Welt wäre sowohl die Psychiatrie als auch die Psychosomatik nicht wegzudenken. Allerdings müssen sich beide Fachrichtungen - wenn sie ehrlich sind - eingestehen, dass sie je nach Störungsbild dem anderen massiv unterlegen sind und sich, wenn sie reife und verantwortungsbewusste Ärzte sind, an die andere Fachrichtung im Bedarfsfall wenden."
-> Vielleicht etwas "hart" formuliert, finde ich im Kern aber wahr. Ich habe als Maßstab nur meine ehemalige Klinik (Maximalversorger), in der ich vor dem Wechsel ins Neuro-Jahr die letzten gut 1,5 Jahre auf der geschlossenen Akut-Aufnahme gearbeitet habe. Und ich hatte oft das Gefühl, zwischen all den Manikern und Psychotikern den PTBS-Patienten und Depressiven nicht gerecht werden zu können.
Zum einen fand ich das wuselige aber oft auch aggressionsgeladene Umfeld für letztere Patienten denkbar suboptimal, zum anderen hatte ich das Gefühl, dass sich die PTBSler und Co. hinter dieser lauten Patientenfront quasi "unsichtbar" machten und mir aus dem Blick gerieten.
Das andere ist, dass sicherlich die psychotherapeutische Ausbildung an vielen Psychiatrien noch verbesserungswürdig ist, auch wenn sich da in den letzten Jahre glaube ich schon was getan hat.
Ich hatte immer das GEfühl, für meine Weiterbildung außerhalb der Klinik in Eigeninitiative noch ne Menge investieren zu müssen - und wenn ich mit befreundeten Psychosomatikern (JA! Manche von DENEN zähle ich zu meinen Freunden!)sprach, schien das in deren Kliniken immer deutlich strukturierter abzulaufen. Auch wurde dort häufig sehr viel mehr an Weiterbildungskosten übernommen.
Ich zumindest kenne das doofe Gefühl ganz gut, wenn man denkt, das die eigene psychotherapeutische Handwerkszeug (noch) nicht ausreicht, um einem z.B. PTBSler wirklich gut weiterhelfen zu können...
"Wozu diese Diskussion hier geführt wird, ist für mich nicht nachvollziehbar."
-> :-top . Genau das fragt sich der Threadersteller wahrscheinlich auch, wenn er /sie überhaut noch mitliest...
"Die Psychiatrie will in der Regel nach Schema F behandeln und sich nicht verausgaben."
-> sehe ich ganz klar anders, das ist mir wirklich zu sehr verallgemeinert. Zumindest kenne ich das aus meiner alten Kllinik nicht - weder das Schema F, noch das man sich da nicht verausgaben wollte.
Ich habe dort viele, sehr engagierte, kompetente Kollegen erleben und von ihnen lernen dürfen.
Ich habe bisher nicht das Gefühl gehabt, dass in der Psychiatrie im Schnitt mehr faule Eier rumlaufen, als in anderen Fachrichtungen. Vielleicht findet man sie in die Psychiatrie nur schneller.
Aber die Psychiater generell als ein Sammelbecken dummer, menschenhassender, gescheiterter, fauler Existenzen zu sehen....das kommentier ich jetzt mal weiter nicht:-nix
Just my 2 cents,
Dr. Psycho
(im Übrigen mittlerweile ein großer Freund von "Fremdjahren" geworden- ich glaube, nach der Neuro folgt erstmal die Innere :-bee)
Antracis
07.05.2011, 12:28
Ich kann das Post von Rechtsverdreht nur im Zusammenhang mit seinen bisherigen Stellungnahmen zu diesem Themenkomplex begreifen und damit die wenigen zustimmungsfähigen Gemeinplätze(!) als geschickte rhetorische Zugeständnisse, um nicht gleich jeden Leser mit seinen diffamierenden Psychiatrieschmähungen sofort zu verschrecken.
Und primitives Psychiaterbashing gibt es ja wohl auch genügend außerhalb von Psychosomatikdiskussion. Als fauler Sesselpupser oder unterbelichteter Absolvent diffamiert zu werden, sorry: Das ist das gleiche Niveau wie Leute, die sich (immer noch...) im Strassenverkehr über den Vorausfahrenden aufregen und hinterherschicken, dass dies bestimmt ein "Ossi" sei. Da entlädt sich eigener Frust spontan und sehr primitiv auf vermeintlich prügelgeeignete Gruppierungen. Ist das die Arztgeneration Abi 1.0 ?
Aber da ich von meiner Arbeit trotzdem überzeugt bin, ist das tatsächlich nicht das Hauptproblem, sondern die Schäden, die daraus für die Patienten entstehen:
Das Psychiatriepatienten außerhalb ihrer Abteilungen in den Häusern Patienten zweiter Klasse sind, das ist das Problem. Da unterscheidet sich die heere Professionellenschaft nicht wirklich vom Bevölkerungsdurchschnitt. Da warten Patienten auf Konsile zwei Wochen, in den Rettungsstellen werden sie behandelt wie Dreck und bis ich mal einen Patienten verlegt bekomme, reichen schon fast nur noch abgelaufene Reamaßnahmen als Begründung.
Fremdjahre ? Gerne, hätte ich mehr Zeit, fallen mir für mich viele sinnvolle Fächer ein. Aber wie ist es eigentlich mit Fremdjahren in der Psychiatrie und deren Notwendigkeit ? Welchen Stellenwert haben denn beispielsweise Suchterkrankungen und Essstörungen und generell Somatisierungsphänomene in der Inneren Medizin ? Wie viele Panikstörungen in den Rettungsstellen landen initial nicht beim Psychiater, wieviele Patienten haben komorbid Depressionen und Demenzen und welchen Stellenwert hat das Delir fachübergreifend als Störungsbild ? Klar, ein absolutes Randfach. Ein hohes Risiko das ausgerechnet den Faulen und Dummen zu überlassen.
Das Problem der Akut(!)-Behandlung unterschiedlicher Störungsbilder ist aus meiner Sicht weniger ein Problem zwischen Psychiatrie und Psychosomatik, sondern eines der Konzepte, die zur Notfallbehandlung in der Psychiatrie genutzt werden. Nach meiner Erfahrung funktioniert eine Akutbehandlung von heterogenen Störungsbildern auf einer Station sehr gut, die Station sollten dann aber insgesamt vollkommen durchmischt sein, also keine eigene Aufnahmestation. Wir machen das seit vielen Jahren und entgegen aller möglichen Theorien (und natürlich auch manchen Nachteils gegenüber einem vorstellbarem Ideal) funktioniert das sehr gut. Wir haben so schon schwerste Dissoziative Störungen neben Manikern und akuten Psychosen behandelt. Voraussetzung ist der Mut zur Durchmischung, zur nur fakultativ geschlossenen Tür und einem Team bzw. einer Konzeption, die dieses trägt.
Ein Problem im Konzept der Trennung in Psychiatrie und Psychosomatik sehe ich eher in einer Vertiefung der Gesellschaftlichen Gräben, eine Zementierung der Zwei-Klassen-Psychiatrie. Es gibt ja Studien zu den Einkommens- und Bildungsstandverhältnissen in beiden Fächern hinsichtlich der Patienten, das ist halt sehr aufschlussreich. Ganz ehrlich, auch ein Patient mit einer Schizophrenie würde von einem breitaufgestellten Therapieprogramm in einer weniger akuten Krankheitsphase in einer entsprechenden Klinik profitieren, aber dafür will die Gesellschaft ja kein Geld ausgeben.
Wie Rechtsverdreht schon umrissen hat, es gibt da die wirklich psychisch Kranken und dann noch die Irren. Letztere will keiner haben und da ist es natürlich nur konsequent, dass man diejenigen, die sich um die Irren kümmern, auch nicht haben möchte. War mir bisher allgemein nicht neu, aber doch nicht ganz klar, wie verbreitet dieses Denken auch unter Ärzten ist.
Dr. Psycho
07.05.2011, 13:05
"Und primitives Psychiaterbashing gibt es ja wohl auch genügend außerhalb von Psychosomatikdiskussion. Als fauler Sesselpupser oder unterbelichteter Absolvent diffamiert zu werden, sorry: Das ist das gleiche Niveau wie Leute, die sich (immer noch...) im Strassenverkehr über den Vorausfahrenden aufregen und hinterherschicken, dass dies bestimmt ein "Ossi" sei."
-> Ist mir bisher in der Realität in einer solchen Form noch nie passiert. Beziehst Du das jetzt auf Diskussionen innerhalb des Forums oder auf das reale Leben?
"Das Psychiatriepatienten außerhalb ihrer Abteilungen in den Häusern Patienten zweiter Klasse sind, das ist das Problem. Da unterscheidet sich die heere Professionellenschaft nicht wirklich vom Bevölkerungsdurchschnitt. Da warten Patienten auf Konsile zwei Wochen, in den Rettungsstellen werden sie behandelt wie Dreck und bis ich mal einen Patienten verlegt bekomme, reichen schon fast nur noch abgelaufene Reamaßnahmen als Begründung."
-> Ist mir in dieser Extremform so auch noch nicht untergekommen. Klar sind mir in den Diensten einzelne Vollspaten verschiedenster Profession untergekommen, sei es unter den RD'lern, Notärzten oder auch Konsiliarärzten. Auf der anderen Seite stehen aber auch viele positive Erfahrungen.
Was sicherlich beibt, ist eine große Unsicherheit und daraus resutlierend oft Unverständnis gegenüber Psychotikern, Manikern, Borderlinern - natürlich wäre von unserer Warte aus ein Fremdjahr in der Psychiatrie wünschenswert!
"Fremdjahre ? Gerne, hätte ich mehr Zeit, fallen mir für mich viele sinnvolle Fächer ein."
-> Und genau das Gleiche sagen in Bezug auf die Psychiatrie möglicher Weise auch der ein oder andere Internist oder Allgemeinmediziner...
-> In Anbetracht der Tatsache, dass mir vom Studium bis zur Rente mindestens 43 Jahre Zeit bleiben, habe ich mir gedacht, dass es da auf ein Fremdjahr mehr oder weniger auch nicht ankommt...aber da setzt eben jeder seine Prioritäten anders - ob Psychiater oder Chirurg.
"Das Problem der Akut(!)-Behandlung unterschiedlicher Störungsbilder ist aus meiner Sicht weniger ein Problem zwischen Psychiatrie und Psychosomatik, sondern eines der Konzepte, die zur Notfallbehandlung in der Psychiatrie genutzt werden. Nach meiner Erfahrung funktioniert eine Akutbehandlung von heterogenen Störungsbildern auf einer Station sehr gut, die Station sollten dann aber insgesamt vollkommen durchmischt sein, also keine eigene Aufnahmestation."
-> Meiner Erfahrung nach kam es dabei dann immer sehr auf die aktuelle "Mischung des Tages" an...es gab Wochen, da lief das toll, es gab aber auch Zeiten, in denen das für alle Beteiligten verdammt hart war, multiprofessionelles Team und Hingabe an den Beruf hin oder her...und bei mir blieb schon häufig das Gefühl zurück, dass gewisse Patientengruppen in den härteren Zeiten ganz schnell "hinten runter fallen" können...
"Wie Rechtsverdreht schon umrissen hat, es gibt da die wirklich psychisch Kranken und dann noch die Irren. Letztere will keiner haben und da ist es natürlich nur konsequent, dass man diejenigen, die sich um die Irren kümmern, auch nicht haben möchte. War mir bisher allgemein nicht neu, aber doch nicht ganz klar, wie verbreitet dieses Denken auch unter Ärzten ist."
-> Das die Irren keiner haben möchte, wurde mir eigentlich schon während des Studiums relativ deutlich. Und natürlich ist dieses Denken auch unter Ärzten vebreitet und wird es auch immer sein. Und Psychiatrie wird auch immer ein vorurteilsbehaftetes Randgruppenfach bleiben. Da ist nun mal die Realität, derer ich mir vor Jobantritt zum Glück vollauf bewusst gewesen bin Ich habe in der Hinsicht keine Lust und ENergie, gegen Windmühlenflügel anzurennen und die Umwelt eines vermeintlich Besseren zu belehren. Jedem seine eigene Realität, ob vor oder hinter der geschlossenen Stationstür.
Ich liebe meine Irren und das ist auch gut so.
Antracis
07.05.2011, 14:09
-> Ist mir bisher in der Realität in einer solchen Form noch nie passiert. Beziehst Du das jetzt auf Diskussionen innerhalb des Forums oder auf das reale Leben?
In dieser Form nur in Einzelfällen direkt ins Gesicht, aber was hier im Schutze der virtuellen Realität abgelassen wird, spricht ja eine deutliche Sprache. Was ich in Famulaturen und PJ in nicht-psychiatrischen Abteilungen so über Psychiater gehört habe, sprach auch Bände. Und das, obwohl meine Berufspräfenz allgemein bekannt war. Ich denke mal, auf die Realität darf man einiges drauf rechnen.
Ist mir in dieser Extremform so auch noch nicht untergekommen. Klar sind mir in den Diensten einzelne Vollspaten verschiedenster Profession untergekommen, sei es unter den RD'lern, Notärzten oder auch Konsiliarärzten. Auf der anderen Seite stehen aber auch viele positive Erfahrungen.
Klar, dennoch sprechen die Wartezeiten auf Konsile Bände, es geht wirklich in anderen Abteilungen deutlich schneller und meist kooperativer. In der Rettungsstelle gibt keine auch nur annäherend psychiatrisch erfahrenen Pflegekräfte oder gar jemanden, der sich zuständig fühlt. Die Ansage ist nur die eine: Möglichst schnell weg mit denen aus unserer schönen heilen Welt oder schlicht: Die Nerven! Wie gesagt, bis ich einen Patienten verlegt bekomme, ist das ein Witz. Das geht bis zu Höhepunkten, dass auf dem für uns zuständigen Konsilhandy einer rangeht, der sagt, er wisse nicht, wer zuständig sei, er jedenfalls nicht. Und wenn wir dann den schwerstkranken Patienten endlich verlegt bekommen, heisst es vermutlich wieder: Die habens mal wieder verbockt . Und nebenbei: Es soll auch andere Fachrichtungen geben, die manchmal Probleme haben, einen Zugang zu legen. Komischerweise war das meine Erfahrung auch in anderen Disziplinen. Ja ich gestehe, ich hab bisher zweimal im Dienst ein sehr höfliches Konsil gemacht wegen einer Viggo. Einmal habens auch die Internisten nicht geschafft, einmal die Anästhesisten im 4ten Versuch. Was hätte ich jetzt machen sollen, den Patienten austrocknen lassen ?
Und Psychiatrie wird auch immer ein vorurteilsbehaftetes Randgruppenfach bleiben.
Ja, und eine Tendenz in der Schaffung vermehrt Psychosomatischer Abteilungen ist es, diesen Zustand auch so bleiben zu lassen. Dann kann man da nämlich irgendwann auch alle nicht-wahnhaften Depressionen, Angststörungen und Süchte behandeln. Den Rest kann man dann wieder wegsperren, ist auch viel bequemer.
Ich habe in der Hinsicht keine Lust und ENergie, gegen Windmühlenflügel anzurennen und die Umwelt eines vermeintlich Besseren zu belehren. Jedem seine eigene Realität, ob vor oder hinter der geschlossenen Stationstür.
Ich kämpfe gelegentlich schon und versuche, Überzeugungsarbeit zu leisten. Aber wenn ich dann so geballte, menschlich defizitäre Statements wie hier in dem Thread lese, dann bin ich doch zumindest ganz kurz mal desillusioniert und verfalle ins lamentieren. Vielleicht auch aufgrund der Erkenntnis, dass man diesbezüglich einfach nichts erreichen wird.
Ich liebe meine Irren und das ist auch gut so.
Klar, ich auch. Niemand arbeitet ohne Grund in der Psychiatrie. :-))
Keenacat
07.05.2011, 14:29
Ich kann mal wieder garnicht so viel fressen, wie ich kotzen will.
:-kotz
Kein Wunder, dass man als psychiatrisch vorbehandelter Patient von einigen Kollegen behandelt wird wie der letzte Rotz, wenn den eigenen Fachkollegen in dieser Disziplin schon so viel Ablehnung entgegengebracht wird. Kein Wunder, dass psychiatrische Störungen nicht selten überhaupt keine adäquate Therapie erhalten, weil sie nie einen Facharzt sehen - der "Somatiker" (weil Psychiatrie bekanntlich mit Somatik nichts zu tun hat... *hust*) kanns nämlich eh besser, jawoll.
Danke an Antracis, der sich hier tatsächlich noch in den Morast kniet und versucht, noch was zu retten. Du bist definitiv ein gefestigterer Mensch als ich, ich hätte nämlich höchstens noch ein paar Dinge dazu zu sagen, die die Moderatoren nicht gerne sähen.
Als Patientin und zukünftige Kollegin (oh ja!) von psychiatrischen Kollegen empfehle ich, die verdammt großen Pferde mal abzusatteln.
stennadolny
07.05.2011, 15:41
Karl Kraus, ein Wiener Sarkastiker, soll schon gemeint haben, daß die häufigste Krankheit in der Psychiatrie die Diagnose ist.
Und die "Psychofritzen" stehen allen, am meisten sich selbst und noch viel mehr den "Patienten" im Wege. Was aber auch viel Reibungswärme und Heißluft-Abwärme erzeugt, die man als "Leistung" tituliert. Wo der Krankheitsbegriff schon mehr als schwammig, die "Erfolgs"kriterien von Therapie eher anekdotisch sind, da sind destruktive NLP-Techniken breit im Schwange.
Als jemand, der selbst in diesem Affenzirkus tätig ist und einschlägige professionelle Erfahrungen im europäischen Ausland gemacht hat, erlaube ich mir zu sagen, daß die deutsche Psychiatrie (Psychosomatik gibt es weltweit ohnehin nur hier, warum wohl ?) und ihr Verhältnis zum Rest der ("somatischen") Medizinerbande nahezu einmalig erbärmlich ist. (Netzbetten in Österreich auf der Geschlossenen sind freilich unübertroffen.)
Das hängt naturgemäß mit der mindestens seit der Nazizeit nie mehr aufgeholten Rückständigkeit der deutschen Psychoszene zusammen: Personell, wissenschaftspolitisch und auch strukturpolitisch. Mit furioser Inzucht und Selbstbezogenheit. Mit einem völlig verkrampften Verhältnis zu (übler) Psychotherapie. Statt sich um gute Psychotherapie(ausbildung) zu kümmern, sollen mit die größten Pharmanutten Europas deutsche prominente Lehrstuhlinhaber in der Psychiatrie sein.
Statt sich in einem schmerzhaften Prozeß an die westeuropäisch-amerikanische Entwicklung anzudocken, nahm man das chefärztliche Feudalwesen in teils grotesker Ausprägung an und betoniert es vielerorts auch noch ein, weil man sonst keine Ideen hat.
Die rein biologische Ausrichtung des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie in München im jetzigen, therapeutisch-wissenschaftlich-klinisch monströs erfolglosen Design, spricht Bände. Art-Deco-Wissenschaft nennt man das: Nett zu haben, aber überflüssig und sündhaft teuer. Diese Forschungsgelder fehlen komplett in der Patientenversorgung.
Und um auch meiner geliebten Psychosomatik die Leviten zu lesen: Einer der bekanntesten Psychosomatiker Süddeutschlands hat Privatpatienten mit Chefarztbehandlung so ziemlich alles bescheinigt, was sie nicht hatten. Zum Beispiel (als chirurgischer, schwerst alkoholkranker Chefarzt) Alkoholkarenz usw.. Vielfacher Lehrbuchautor und auch akademisch gut beleumundet (in Deutschland....).
Und daß sich Psychiater (der Belegung und der eigenen Feigheit wegen) sehr gerne als verlängerten Arm der Polizei sehen (Stichwort: Unterbringung), ist ein Skandal, der aber durch die meist himmelschreiend primitive Gesetzgebung der Länder noch begünstigt wird: Wo man noch nicht mal FA für Psychiatrie (oder Neurologie) sein muß, noch nicht mal irgendwelche Kenntnisse der einschlägigen rechtlichen Regeln bzw. von Akutpsychiatrie FORMAL nachweisen muß, um Leute wegzusperren, da kann etwas nicht stimmen. Ist aber völlig legal, z.B. in Bayern.
Zu guter Letzt soll nicht unerwähnt bleiben, daß man "Irre" nicht lieben kann- dann hat man nämlich viel zu wenig Distanz zu ihrer Problematik. "Irre" können mehr als nerven- die selbstverliebten Psychofritzen aber meist noch viel mehr. Psycho ist ein Job wie jeder andere auch - leider meist mit den völlig falschen, "berufenen" Leuten, die sich einer normalen Arbeitswelt nicht stellen wollen oder können.
Keenacat
07.05.2011, 16:21
*mimimi*
Ich hör immer nur "Ihr mögt eure Patienten? Vooooooll unprofessionell. Ich halte grundsätzlich alle für Vollspacken, das ist viel professioneller." und "Aaaaaber einer von den Begründern/Anführern ist voll blöd und gemein! Also ist der ganze Rest auch blöd und gemein!".
Das steht eigentlich für sich, kein weiterer Kommentar erforderlich. :-oopss
Und ich hatte oft das Gefühl, zwischen all den Manikern und Psychotikern den PTBS-Patienten und Depressiven nicht gerecht werden zu können.
Das geht mir auch oft so. Ist aber kein Argument gegen eine Behandlung dieser Patientengruppen in einer ganz normalen Psychiatrie (zur Erinnerung: Psychiatrie = Behandlung von seelischen Erkrankungen, und zwar mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln -> umfaßt somit die Versorgung sämtlicher psychischer "Probleme") In meiner Klinik ist diesbezüglich oft die Situation so, daß es keine freien Betten auf offenen Stationen (und also das passende "Setting") gibt und dass es schlicht an Stationsärzten mangelt. Es sind also rein (gesundheits)politische Mangelzustände.
Ich hatte immer das GEfühl, für meine Weiterbildung außerhalb der Klinik in Eigeninitiative noch ne Menge investieren zu müssen...
Jo, das ist wohl so. Sollte aber einem Akademiker auf dem Wege zum Spezialisten nicht allzu schwerfallen. Alles als "Fertiggericht" vorgesetzt zu bekommen, womöglich noch von den klinikeigenen Oberärzten, die einem nicht mehr erzählen, als das, was man in jedem einschlägigen Lehrbuch findet und auch im Prinzip schon für Staatsexamen wissen mußte - nein, das spare ich mir gerne!
LasseReinböng
07.05.2011, 22:44
Neben all dem Geätze bleibt die Frage, warum überhaupt die Aufteilung Psychiatrie und Psychosomatik in Deutschland existiert.
Was können internistisch vorgebildete, oder besser "internistisch halbgebildete" Psychosomatiker besser als Psychiater und vice versa ?
Warum muß es diese Trennung überhaupt geben und warum gibt es sie auf diesem Planeten anscheinend nur in Deutschland ?!
Warum ist man als Psychiater dem hier gängigen Klische nach nur der "Pillenonkel" für die "unheilbaren Irren", während der eher psychotherapeutisch arbeitende Psychosomatiker für die "heilbaren" psychisch Kranken zuständig ist ?
Diese Trennung ist inkonsequent und falsch. :-dafür
@LasseReinböng:
Du hast es exakt auf den Punkt gebracht!
Es braucht noch nicht einmal die Bezeichnung "Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie". Nach meiner Ansicht reicht "Psychiater", und der hat dann die Möglichkeit, aus einem großen Spektrum von Therapiemöglichkeiten biologischer und psychologischer oder sonstwelcher Art, einen bestimmten Patienten zu behandeln.
Und übrigens, was machen wir mit den vielen, vielen chronisch Schizophrenen, die oft erhebliche "psychosomatische" Beschwerden haben - mal eben ein Konsil für die "Psychosomatik", oder was? Ich lach mich scheckig!
(Mal nebenbei: Es gibt ja auch keine Einteilung der Chirurgen nach denen, die gerne ein Skalpell benützen und denen, die "konservativ" zu arbeiten, grundsätzlich besser finden. Das wäre völliger Unsinn und nicht im Sinne guter Patientenversorgung.)
Es braucht noch nicht einmal die Bezeichnung "Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie". Nach meiner Ansicht reicht "Psychiater", und der hat dann die Möglichkeit, aus einem großen Spektrum von Therapiemöglichkeiten biologischer und psychologischer oder sonstwelcher Art, einen bestimmten Patienten zu behandeln.Ich bin ja im psychiatrischen Territorium nicht so firm, aber wieso erscheint es Dir so sinnvoll in einer Zeit, in der die Therapiemodalitäten zunehmend differenzierter und spezieller, die Behandlungskompetenzen aller psychiatrischen Erkrankungen in einem einzigen Facharzt zu poolen?
In allen anderen Fachrichtungen - Innere und Chirurgie voran - werden die verschiedenen Entitäten zunehmend unter den verschiedenen Subspezialitäten aufgeteilt.
Und übrigens, was machen wir mit den vielen, vielen chronisch Schizophrenen, die oft erhebliche "psychosomatische" Beschwerden haben - mal eben ein Konsil für die "Psychosomatik", oder was? Ich lach mich scheckig!Wieso ist das so abwegig?
Wenn ein Diabetiker in der Kardiologie liegt, dann wird der Kardiologe auch den Diabetologen anrufen, weil er z.B. nicht mehr alle Finessen der Insulinpumpentherapie kennt. Umgekehrt wird der Gatroenterologe den Kardiologen hinzuziehen wenn der Patient ein nicht ganz banales kardiales Problem hat.
Ist in der Psychiatrie alles so übersichtlich, dass das ohne Probleme alles von einer einzigen Person, bzw. einem einzigen FA beherrscht werden kann?
(Mal nebenbei: Es gibt ja auch keine Einteilung der Chirurgen nach denen, die gerne ein Skalpell benützen und denen, die "konservativ" zu arbeiten, grundsätzlich besser finden. Das wäre völliger Unsinn und nicht im Sinne guter Patientenversorgung.)Aber es gibt z.B. einen Unfallchirurgen und einen Viszeralchirurgen, weil es doch ein Unterschied ist ob man ne neue Hüfte reinklopft oder nen Whipple operiert...
Und es gibt Chirugen und Internisten, die z.B. zusammen ein Colon-Ca oder eine chronisch entzündliche Darmerkrankung behandeln und jeder wird jeweils dann aktiv wenn es seitens des Krankheitsverlaufs erforderlich ist. Die Existenz der einen Fachrichtung schließt hierbei nicht die Berechtigung der anderen Fachrichtung aus...
In allen anderen Fachrichtungen - Innere und Chirurgie voran - werden die verschiedenen Entitäten zunehmend unter den verschiedenen Subspezialitäten aufgeteilt.
Wieso ist das so abwegig?
Das ist so abwegig weil es sich in beiden "Fachrichtungen" jeweils um die gleichen Krankheitsbilder (auch im Sinne des ICD) handelt. Das Organ, das in den meistenfällen betroffen ist, ist das Gehirn.
Antracis
08.05.2011, 14:35
@Rico:
Das Erstaunliche ist halt nur, dass die angebliche Trennung nach Krankheitsbildern doch häufig bis immer mit einer Trennung nach Schweregraden innerhalb einzelner Krankheitscluster korreliert. Und auch mit dem Sozialstatus, den beruflichen Persepektiven ect. Das gibt es meines Wissens nicht in den anderen Fächern.
Und das breite Therapiespektrum bietet die Psychiatrie auch, nur wird anderes "vermutet", wie man hier ja auch lesen darf. Überhaupt ist die Unwissenheit über die Psychiatrie der Ursprung allen Übels. Aber was will man Erwarten, wenn sogar der Gesetzgeber, dem ja (zumindest eingeholte) Fachkompetenz unterstellt werden darf, anlässlich des aktuellen Problems um die Sicherungsverwahrung einfach hirnrissigen Unfug zusammenzimmert, der nichts weiter bringen wird, als eine weitere Stigmatisierung der Psychiatrie.
Gruß
Anti
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