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RS-USER-First_Responder
14.11.2004, 12:00
wie??????

letztes kapitel?????

das kannst du uns nich antun!!!!!!!

nefgeländefahrer
14.11.2004, 12:37
ok anditi , hab es nur angeboten...

SanMax
14.11.2004, 17:42
letztes Kapitel??? :eek: :eek: :eek:
dann aber bitte ein gaaanz langes Kapitel,
und vielleicht im anschluß n neuen Roman...? *ganzunbescheidennachfrag*
dein Lesestoff macht echt süchtig!!

RS-USER-titan_cb
14.11.2004, 23:22
Original geschrieben von Anditi


Könnt ihr noch ne woche warten?


NEIN :mad:














;)

Sanitätsdrache
16.11.2004, 12:50
Ne ganze Woche? Das wird aber verdammt hart werden....

RS-USER-rettungshamster
16.11.2004, 14:04
Lernt zu leiden ohne zu klagen ! :D

Anditi
22.11.2004, 14:24
Das letzte fehlende Kapitel (für euch gibts eh noch drei..., nur hab ich das Ende schon geschrieben und dazwischen fehlt noch was) ist leider noch nicht fertig zu Papier (oder besser Festplatte gebracht) gibts ab sofort von mir auf anfrage via pm (falls möglich) oder email.

Ein Tipp für die aufmerksamen. Diese Version stimmt nicht mehr mit allen Posts überein. Manche Kapitel habe ich nachträglich noch mal ein bisschen umgearbeitet, damit es nicht unlogisch wird. Deswegen ist das neue Kapitel auch noch nicht fertig, weil ich da weiter vorne noch was ändern muss...:cool:

Viel Spaß beim Lesen, hab heute ND, werd schauen, vielleicht krieg ichs ja fertig!

Gruss Anditi

Anditi
01.12.2004, 17:39
Ich habe fertig...

zumindest die Rohfassung. Jetzt wird überarbeitet...

Für alle, die trotzdem wissen wollen wie es ausgeht... hier ist Kapitel 17:
18.
Der Notruf kam kurz nach neun Uhr. Draußen hatte es wieder zu schneien be-gonnen und die Flocken fielen wie sanft wie Federn zu Boden. Die Landschaft war von einer weißen Decke überzogen und alles deutete darauf hin, dass es in wenigen Tagen weiße Weihnachten geben würde. Es war der Abend vor dem letzten Adventsonntag und eine vorweihnachtliche Stille lag über Klosterneuburg. Bis vor kurzem war alles friedlich gewesen. Doch dann hatte der Notarztwagen zu einem Patienten, bei dem der Verdacht auf einen Herzinfarkt bestand, fahren müssen. Der Einsatzort war zirka zehn Minuten Fahrzeit von der Dienststelle entfernt. Max saß auf der Couch neben seinem Sanitäter und sah fern. Später würde Klara kurz vorbeikommen. Sie und Max waren seit einem Monat ein Paar. Es war einfach so passiert. Am Tag nachdem Max in Evas Tagebuch gelesen hatte, hatte er sie angerufen um zumindest ein Versprechen zu halten. Gemeinsam waren sie im Kino gewesen und anschließend waren sie noch spazieren gegan-gen. Irgendwann hatte Max seinen Arm um sie gelegt. Sie hatte ihn angesehen. „Endlich, ich hatte schon Angst du traust dich nicht.“ Ohne ein weiteres Wort hatte sie ihn geküsst.
Der Sanitäter war eingeschlafen. Er war ebenfalls ein freiwilliger Mitarbeiter, der erst vor kurzem seine Prüfung abgelegt hatte. Max verstand sich mit Harald, so hieß der Sanitäter, recht gut. Das lag zu einem großen Teil auch daran, dass Max den jungen Kollegen auf die Prüfung vorbereitet hatte. Es war ein friedlicher Abend gewesen. Das Auto hatten sie nur bewegt, um es aufzutanken und sich ihr Abendessen aus dem Gasthaus zu holen. Doch nun läutete abermals der Notruf. Das musste noch nichts bedeuten, dass wusste Max. Oft riefen Leute an, die sich verwählt hatten oder die aus Versehen auf eine Kurzwahltaste gedrückt hatten. Doch diesmal schien der Notruf echt zu sein. Der Leitstellendisponent hörte dem Anrufer aufmerksam zu und machte sich Notizen. Max betrat die Leitstelle und versuchte über die Schulter des Disponenten, dessen Handschrift zu entziffern. Das einzige, was er erkennen konnte war „Höflein“, der Name eines Klosterneu-burger Ortsteiles, der am Rand des Einsatzgebietes lag. Max hoffte, dass der Ein-satz nichts Dringendes sein würde, da er nicht wusste, wie er mit der Schneefahr-bahn zurechtkommen würde.
Der Disponent legte den Hörer auf die Gabel und sah Max an.
„Du kennst die Brücke über die Bahn zwischen Höflein und Greifenstein?“
„Ja kenn ich!“
„Dort steht seit zwei Stunden eine Person und bewegt sich fast nicht.“
„Dann lass sie stehen!“
„Das Dumme ist nur, das sie auf der falschen Seite vom Geländer steht.“
„Wie geht das?“
„ Diese Bleche, die verhindern soll, dass jemand auf die Oberleitung pinkelt, da steht jemand drauf.
„Aha…“
„Also fahr da mal hin und schau dir das an!“
„Blau?“
„Ja, ich schau derweil, dass die Bahn die Gleise sperrt.“
„Glaubst du, der will springen?“
„Angeblich ist es eine junge Frau.“
„Na großartig!“
„Ich schick dir auch die Polizei.“
„Damit lass dir Zeit, jetzt schau mal, dass du eine Gleissperre kriegst!“
Max weckte seinen Mitarbeiter und lief zum Auto. Er schaltete das Funkgerät ein und startete den Motor. Bei der Garagenausfahrt wartete er auf Harald. Als sein Beifahrer im Auto Platz genommen hatte, drehte er das Blaulicht auf und fuhr vorsichtig aus der Garage. Die Straßen waren durch den Schnee rutschig gewor-den und wenn Max zuviel Gas gab, drehten die Antriebsräder durch. Das Blau-licht reflektierte sich in den tanzenden Schneeflocken. Sie waren das einzige Au-to auf der Straße. In einigen Fenstern leuchtete die Weihnachtsbeleuchtung. Max überfuhr eine rote Ampel ohne anzuhalten. Normalerweise hätte dies an dieser Kreuzung zu einer gefährlichen Situation führen können, doch an diesem Abend war es ohne weiteres möglich. Das Funkgerät begann zu piepen und Max nahm das Mikrofon in die Hand. Aus dem Lautsprecher rauschte es.
„Sechs-Sieben für Klosterneuburg, kommen“
„Sieben?“
„Ja, Sechs-Sieben, Gleissperre positiv, kommen“
„Passt.“
„Und, Sechs-Sieben, bitte um Lagebericht, wenn sie eintreffen, kommen.“
„Lagebericht, jawohl ja, verstanden! Ende, Over und Servus.“
Max versuchte, Lockerheit vorzuspielen. Der Disponent meldete sich nochmals.
„Und Max, keine Heldentaten!“
„Sechs-Sieben verstanden, kommen.“
Der Sanitäter hatte geantwortet, da Max in diesem Moment gerade einem streu-nenden Hund ausweichen musste und dabei fast ins Rutschen gekommen wäre.
„Klosterneuburg Ende“
Der Disponent beendete das Gespräch.
Max sah auf die Uhr. Vor vier Minuten waren sie losgefahren. Noch einmal so lange und sie würden am Ziel sein. Max beschloss, die letzte Kurve vor der Brü-cke nicht mehr mit Blaulicht zu fahren. Sollte dort auf der Brücke wirklich eine Person stehen, die die Absicht hatte, sich in die Tiefe vor einen fahrenden Zug zu stürzen, dann würde sie das Blaulicht nur noch mehr verwirren. Er wusste genau, was der Disponent gemeint hatte, als er von Heldentaten sprach. Er sollte nicht um jeden Preis versuchen, diesem Menschen dort das Leben zu retten. Manchmal war es einfach nicht möglich. Max fiel auf einmal die alte Frau ein, die er bei während des Hochwassers kennen gelernt hatte. Sie konnte damals gerettet wer-den, obwohl sie nicht wollte. Vielleicht stand dort oben auch so eine ertrinkende Person, die einfach nicht gerettet werden wollte. Aber dann wäre sie schon längst von der Brücke gesprungen. Dieser Gedanke gab Max Hoffnung. Er hatte die Ortsgrenze von Höflein erreicht und nach der nächsten Kurve würde die Brücke in Sichtweite kommen. Mit abgedrehtem Blaulicht fuhr er langsam um die Bie-gung.
Dort auf der Brücke stand tatsächlich jemand. Max hielt den Wagen am Straßen-rand an. Der Sanitäter meldete über Funk, dass sie eingetroffen waren. Der Schnee fiel immer dichter und ließ die Situation unwirklich erscheinen. Die Per-son auf der Brücke schien wirklich eine junge Frau zu sein. Die zierliche Gestalt stand reglos auf dem Schutzblech, umtanzt von den von einem stärker werdenden Wind getriebenen Schneeflocken. Es war nicht zu erkennen, ob sie den Ret-tungswagen bemerkt hatte. Langsam öffnete Max die Türe und stieg aus. Das Handfunkgerät schaltete er ein und steckte es in die Knietasche. Da er der Erfah-renere am Wagen war hatte er mit Harald ausgemacht, dass sich dieser zunächst im Hintergrund halten würde. Nach einigen Schritten durch den frischgefallenen Schnee blieb Max stehen. Die Gestalt, die dort auf der Brücke stand, kam ihm bekannt vor. Es schüttelte ihn. Nein, er durfte jetzt nicht an Eva denken, an jene Eva die ihm unzählige schlaflose Nächte bereitete, jene, Eva, die ihm seine Träume zur Hölle machte, jene Eva die er an dem furchtbaren Abend in Mistel-bach nur mehr tot kennen gelernt hatte. Das war ein anderer Einsatz. Dort oben stand eine junge Frau, die seine Hilfe brauchte. Er gab sich einen Ruck und ging weiter. Der Wind blies beißend um seine Nase. Wenn die Frau wirklich schon seit zwei Stunden dort stand, musste sie schon halb erfroren sein. Für einen Augen-blick überlegte Max, ob er sich aus dem Auto noch eine Decke mitnehmen sollte, ließ es dann aber bleiben. Warum, dass wusste er selbst nicht so genau. Langsam ging er die Rampe der Brücke hinauf. Immer wieder blieb er stehen, um zu sehen ob in die Person, die dort in der klirrenden Kälte stand bemerkt hatte, oder nicht. Schließlich war er auf der Brücke angekommen. Von hier aus schien die Frau noch jünger zu sein. Eigentlich war es gar keine Frau. Sie war ein Teenager. Viel-leicht fünfzehn oder sechzehn Jahre. Max machte noch ein einige vorsichtige Schritte näher an sie heran. Als er nur noch weniger als drei Meter von ihr ent-fernt stand, drehte sie sich um. In diesem Moment erkannte Max, dass er sich nicht getäuscht hatte. Das junge Mädchen, das dort vor ihm stand, kannte er tat-sächlich. Allerdings war es schon einige Monate her, dass er sie zum letzten Mal gesehen hatte. Deshalb hatte er sie in dem dichten Schneetreiben auch nicht gleich erkannt. Es war auf dem Begräbnis ihrer besten Freundin gewesen. Es war auf Evas Begräbnis gewesen. Dort auf dem Schutzblech stand Karin Kämmerhö-fer. Er erinnerte sich daran, dass Ines ihm erzählt hatte, dass sie versucht hatte, mit ihr über Eva zu reden. Es war damals aussichtslos gewesen. Sie hatte sich nach Evas Tod ganz in sich zurückgezogen und wollte mit niemandem über ihre tote Freundin reden. Wie er später von Ines erfahren hatte, hatte sie sich wieder etwas gefangen. Nur über Eva schwieg sie beharrlich. Wie Ines das herausgefun-den hatte, hatte sie Max nicht gesagt. Und nun stand dieselbe Karin Kämmerhöfer hier vor Max auf einem Schutzblech. Fünf Meter über dem Grund in einem im-mer heftiger werden Schneetreiben. Mit dem Rücken zum Geländer und mit bei-den Händen an das Geländer geklammert. Er sah ihr in die Augen. Auch sie hatte ihn erkannt.
„Karin“ sagte er tonlos.
„Ich will, dass es vorbei ist!“
Sie sprach leise. Die Kälte hatte ihr schon ziemlich zugesetzt.
„Was soll vorbei sein?“
„Das verstehst du nicht!“
Max schwieg. Sollte er ihr erzählen, dass er immer noch von dem reglosen Mäd-chen auf dem Kirchenhügel träumte? Dann entschloss er sich, einen anderen Weg zu gehen.
„Dann erklär’s mir.“
„Warum?“
„Damit ich es verstehe. Es hat mit Eva zu tun, stimmt’s?“
„Du wirst es nicht verstehen!“
„Vielleicht, aber verstehst du es wirklich?“
„Ich weiß es nicht. Ich will nur dass es vorbei ist! Hier, wo es angefangen hat!“ Max sah, dass sie am ganzen Körper zitterte.
„Dir ist kalt!“ Er zog seine Jacke aus und reichte sie ihr über das Geländer. Dank-bar sah sie ihn an.
„Du kannst Eva auch nicht vergessen, oder?“
Max schüttelte den Kopf.
„Hier auf der Brücke haben wir sie getroffen. Zwei Kerle. Am Anfang waren sie ja echt süß. Wenn Evas Eltern geschäftlich unterwegs waren, was manchmal vor-gekommen ist, dann hat sie bei mir geschlafen. Und manchmal sind wir dann auch auf irgendwelche Clubbings gefahren. Und am Anfang der Ferien war eines im alten Strombauamt in Greifenstein. Auf jeden Fall haben wir dann bei dem Clubbing mit den Typen was getrunken und irgendwie haben die uns dann böse abgefüllt. Und dann hab ich Eva aus den Augen verloren. Mein Typ ist dann im-mer aufdringlicher geworden und da bin ich davon. Irgendwo hab ich dann unter einen Baum gekotzt, damit ich wieder klar denken konnte. Dann hab ich Eva gesucht. Mehr als eine Stunde. Als ich sie gefunden hab, hat sie gerade eine Klo-schüssel umarmt. Irgendwie hat sie das volle Black Out gehabt. Ich hab dann ein Taxi angerufen, das uns zurück nach Mistelbach bringt. War scheißteuer. Norma-lerweise holt uns ja mein Vater ab, aber wenn der Eva in ihrem Zustand gesehen hätt, der hätt uns umgebracht.“
Sie hielt erschrocken inne. Als hätte wäre sie vor dem, was sie gerade gesagt hatte, erschrocken. Max sah sie schweigend an. Er fühlte sich hilflos. Sollte er etwas sagen. Und wenn ja, was? Sie zog seine Jacke enger an sich.
„Zwei Tage drauf ist sie dann auf Ministrantenlager gefahren. Als sie dann drei Wochen später wieder da war, hat sie mir erzählt dass sie ihre – na ja, du weißt schon, was die Frauen halt so kriegen – auf jeden Fall, da ist sie dann zum Arzt gegangen. Und der hat ihr gesagt, dass sie schwanger ist. Aber sie hatte ja gar nicht. Die einzige Erklärung war, dass der Kerl, der sie abgefüllte hatte, dass er sie…“ Sie schluchzte.
Max trat verlegen von einem Bein auf das andere. Er wusste nicht was er sagen sollte.
„Wie es also heraus war, dass sie schwanger ist, hat sie beschlossen abzutreiben. Ich mein, sie war ja erst fünfzehn. Sie hat ja auch nix sagen können. Ihre Eltern hätte der Schlag getroffen. Die einzige die davon gewusst hat, war ich. Warum hab ich nichts gesagt!“
Sie machte eine kurze Pause.
„Also hat ist sie für das nächste Mal wie ihre Eltern nicht da waren, einen Termin ausgemacht. Das war an dem Tag bevor das alles passiert ist. Nachher hat sie sich aber noch viel schlechter gefühlt. Deshalb ist sie am nächsten Tag beichten ge-gangen. Das war gerade wie es so furchtbar schwül war. Sie war Ministrantin, da hat sie gehofft, dass es dann besser wird. Aber der Pfarrer hat ihr gesagt, dass sie jetzt eine Mörderin ist und dass sie jetzt auf ewig eine Sünderin sein wird. Das hat ihr den Rest gegeben. Das alte Schwein hat ja zum Glück schon der Teufel geholt, aber die Eva war danach total verstört. Deshalb ist sie dann zu diesem jungen Hilfspriester gegangen, ich glaub Kaplan heißt dass in der Kirche. Mit dem hat sie sich auf dem Ministrantenlager recht gut verstanden. Irgendwann hat sie mal gesagt, dass sie glaubt, der Typ steht auf sie. Natürlich nur im Scherz. Sie hat einmal gesagt, der hat sie immer seine Paradiesblume genannt. Als sie danach zurückgekommen ist, war sie ganz komisch. Ich weiß nicht, wie ich das beschrei-ben soll.“
Paradiesblume. Er horchte auf. Ein komisches Wort. Aber es kam ihm bekannt vor. Paradiesblume. Er hatte es schon gehört. Von wem. Irgendwie hatte er das Gefühl das dieses seltsame Wort der Schlüssel war. Paradiesblume. Wo hatte er es schon gehört? Verdammt noch einmal. Warum hatte er es sich nicht gemerkt? Paradiesblume. Max musste daran denken, was der Polizist Karl Eggl damals gesagt hatte, als er ihm und Ines aus dem Obduktionsbericht vorgelesen hatte. Das Eva kurz vor ihrem Tod noch mit einem Mann geschlafen hatte. Paradies-blume. Das Wort ließ ihn nicht mehr los. Mit einem Mal musste er an das denken, was der Pfarrer über die Sünderin Maria Magdalena gesagt hatte. Der alte Pfarrer der sich beim Gehen auf seinen jungen Kaplan stützen musste. Er hieß Hubertus. Seltsam. Paradiesblume. Auch den Namen hatte er woanders gehört hat. Hubert, so hieß doch Ines Bruder. Sie war es, die ihm von einer Paradiesblume erzählt hatte. Paradiesblume. Natürlich, es war alles so einfach. So trivial. Alles hing zusammen. Jetzt verstand er, wen Eva gemeint hatte, wenn sie in ihrem Tagebuch von H. geschrieben hatte. Das war es, was Ines ihm vor ein paar Wochen erzählen wollte. Er hatte ihr nicht zugehört. Er hatte sie alleine gelassen. Verständlich, dass sie nicht mehr mit ihm reden wollte. Klar, dass ihr die Wahrheit wehtat. Vor seinen Augen begann sich langsam ein Bild aufzubauen. Er sah Karin an. Zum Glück konnte sie seine Gedanken nicht lesen. Eva war die Paradiesblume und die Paradiesblume war verwelkt. Einfach. Zu einfach. Und brutal.
„Und wie dann das Gewitter losgegangen ist, hat sie mir gesagt, dass sie aufs Klo geht. Dabei hat sie ihren Burli, das war der Bär, geholt und ist davon gelaufen. Ich hätte misstrauisch sein sollen. Aber woher sollte ich denn wissen, dass sie so was vorhat! Woher sie die Pistole gehabt hat, weiß ich nicht. Und dann, dann hat sie sich …“
Karin brach in Tränen aus. Max streckte die Hand über das Geländer und strich ihr langsam und vorsichtig durch die Haare.
„Und ich, ich bin schuld!“ stammelte sie. „Ich hätte auf sie aufpassen müssen! Ich will, dass es vorbei ist!“
„Ich auch. Ich will auch das es vorbei ist!“ Er legte seine Hand auf die ihre. Im-mer noch stand sie zittern an das Geländer gelehnt auf dem Schutzblech. Das Funkgerät in seiner Hosentasche rauschte. Max versuchte es mit klammen Fin-gern aus der Tasche zu ziehen. Es rutschte ihm jedoch aus den Händen und fiel auf die Gleise. Der Schnee dämpfte den Aufprall ab und verhinderte, dass es zer-sprang. Es war ihm egal. Er nahm Karins Hand. Mit der anderen zog er ihre Schulter zu sich. Sie drehte sich um und sah ihm in die Augen. Die Tränen waren auf ihren Wangen gefroren. Ihren Lippen waren von der Kälte bereits blau. Sie zitterte. Max legte seine Arme um sie und hielt sie fest.
„Ich will auch, dass es vorbei ist!“ flüsterte er noch einmal. „Und ich verspreche dir, es ist vorbei!“
„Das glaube ich nicht!“
„Doch. Glaub mir, Eva hat dir verziehen. Ich weiß es.“
„Bist du sicher?“
„Ja, genauso, wie sie mir verzeihen wird, dass ich sie nicht gerettet habe. Sie wird mir verzeihen, wenn ich dich jetzt heil hier runter bringe.“
Hinter den Bäumen blitzte das Blaulicht des Polizeifahrzeugs auf. Max wusste nicht, wie lange er mit Karin auf der Brücke gestanden hatte. Ob es nur einige Minuten gewesen waren oder Stunden. Irgendwo hinter ihnen ging ein grünes Licht an. Max achtete nicht darauf. Er half Karin, über die Brüstung zu klettern. Zurück auf die sichere Seite der Brücke. Unten auf der Straße sprang Harald aus dem Auto und lief ihnen mit einer Decke entgegen. Das Polizeiauto kam um die Kurve geschlittert und rutschte in eine Schneewechte am Straßenrand. Fluchend stieg der Fahrer aus. Als er sah, dass Max mit Karin bereits von der Brücke kam, erklärte er gereizt, er würde später an die Dienststelle kommen um das Protokoll aufzunehmen. Dann fuhr er mit seinem leicht deformierten Wagen wieder fort. Max setzte Karin in den Rettungswagen. Dann fiel ihm das Funkgerät ein. Er beschloss, es vor der Abfahrt noch zu holen. Vielleicht war es ja heil geblieben und eine von Hoffmanns Strafpredigten wollte er sich nach Möglichkeit ersparen. Er ging am Gleiskörper entlang zu der Stelle, an der das Gerät zu Boden gefallen war. Es lag genau zwischen den Gleisen. Gerade als er sich bückte hörte er, wie sich von hinten etwas näherte. Er drehte sich um und blickte in die drei grellen Lichter einer Lokomotive. Max erstarrte. Irgendwo im dunkel begann eine Sirene zu heulen.

Und aus...! oder doch noch nicht... ?Ich mach jetzt mal Urlaub....:D

Gruß Anditi

PS.: Bei Überarbeitungen werde ich einfach das entsprechende Kapitel editieren.

EDIT am 28.07.2005 um 19:56

RS-USER-First_Responder
01.12.2004, 18:05
aaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaahhhhhhhhhhhhh

du kannst des doch net so enden lassen!!!!!!!!

des geht net!!!!!

wie soll ich jetzt ruhig schlafen können???????????

Anditi
01.12.2004, 18:18
Hab den Prolog schon editiert und ausgebeut.

@FR: Mehr gibts morgen... ich habs eh schon fertig. Schönen Abend, ich geh jetzt ins Theater...

Gruß

RS-USER-Hoffi
01.12.2004, 19:38
cooles ende, gefällt mir :D :D

DerHobbit
01.12.2004, 22:45
super andi *applaus*


ab wann gibt es den roman als gebundene ausgabe? *ggg*

kann man den auch mal als pdf oder so bekommen?

Anditi
02.12.2004, 15:27
So, zunächst mal das ende, damit der fr wieder ruhig schlafen kann.

PDF gibts auf anfrage bei mir oder nef (der hats auch schon und is zum weiterschicken autorisiert) via email.

Punkto gebunden... schön wärs, es gibt da ein paar ideen aber alles noch sehr unkonkret...

Freut mich, dass es euch gefallen hat

Gruß Anditi

19.
Walter Finzinger war Eisenbahner aus Leidenschaft. Wenn er nicht im Dienst war, baute er zuhause an seiner Modelleisenbahnanlage. Er war zweiundzwanzig und erst seit einer Woche fertig ausgebildeter Triebfahrzeugführer. Er war stolz auf seinen Beruf. Seit er als kleiner Junge zum ersten Mal mit seinem Vater auf einem Bahnsteig gestanden hatte, hatte er Lokführer werden wollen. Ein freund-licher Mann mit der schmutzigen Hose hatte ihm damals erlaubt, einen Blick in eine Lokomotive zu werfen. Die großen, nach heißem Öl und verbranntem Gummi stinkenden Maschinen hatten es ihm angetan. Er wollte sie beherrschen. Der Gedanke, so viel Kraft mit dem kleinen Finger zu steuern, hatte ihn faszi-niert. Und er hatte es geschafft. Natürlich. Die neuen Lokomotiven stanken nicht mehr nach Gummi. Wirklich schmutzig konnte man auch nicht mehr werden und die vielen Schalter und Rädchen im Führerstand waren einem Bildschirm und einer Computertastatur gewichen.
In dieser Nacht fuhr er einen Zug mit leeren Kohlewaggons vom Kraftwerk in Dürnrohr zum Hafen in der Wiener Freudenau. Er steuerte die modernste und stärkste Maschine, die es bei den Österreichischen Bundesbahnen gab. Zum ers-ten Mal in seiner noch kurzen Laufbahn. Er war müde. Es war ein kein perfekter Abend gewesen. Wäre alles nach Plan gelaufen, wäre Walter Finzinger nun schon zu Hause. Vielleicht hätte er noch eine Stunde an seiner Modellbahnanlage ge-bastelt oder in einem Bildband historische Aufnahmen von berühmten Lokomoti-ven angesehen. Andere Männer lasen den Playboy, er las die Eisenbahnerzeitung. Eine Freundin, die auf ihn gewartet hätte, gab es nicht. Neben seiner Eisenbahn-leidenschaft war einfach kein Platz für eine zweite große Liebe. Zumindest im Moment nicht. Und Walter Finzinger wollte eigentlich auch gar keine Freundin. Die hätte ihn vermutlich nur Zeit gekostet. Seine ganze Zuneigung galt seinen großen Ladies, wie er die Lokomotiven, die er fuhr, seit Beginn seiner Ausbil-dung immer schon nannte. Wäre eine Frau gekommen, die nach Schmieröl und heißen Bremsbelägen gerochen hätte, sie hätte vielleicht eine Chance gehabt. Aber die anderen? Nie und nimmer. Die Gleissperre auf der Strecke zwischen Greifenstein und Kritzendorf hatte ihn fast eine Stunde aufgehalten. Während die wenigen Fern- und Schnellzüge die auf dieser Strecke verkehrten, über das ande-re Donauufer umgeleitet wurden, mussten Güterzüge bis zur Aufhebung der Sper-re auf die Weiterfahrt warten. Eine Viertelstunde nach neun hatte ihn ein rotes Signal im Bahnhof von Greifenstein zum Anhalten gezwungen. Der Fahrdienst-leiter hatte ihn über Funk über die Sperre informiert. Er hatte aus seiner Aktenta-sche ein Modellbahnmagazin herausgekramt und darin gelesen. Neidisch hatte er auf die Bilder der verschiedenen Anlagen geblickt. Seine eigene befand sich noch immer im Rohbau. Von seinem ersten selbstverdienten Geld hatte er sich eine Schachtel Gleise gekauft. In den sieben Jahren die seither vergangen waren, wa-ren noch einige Hundert dazugekommen. Kurz nach zehn war die Strecke wieder freigegeben worden. Die Augenlider wurden ihm langsam schwer. Der Schneefall hatte, während er auf die Weiterfahrt gewartet hatte, immer mehr zugenommen. Langsam hatte sich der Zug wieder in Bewegung gesetzt. Er musste vorsichtig fahren. Der Bremsweg seiner Garnitur konnte durch den Schnee und die Kälte empfindlich länger werden. Das wusste Walter Finzinger. Er fuhr zirka zehn Ki-lometer pro Stunde langsamer als normal. In der Ferne konnte er das nächste grüne Vorsignal erkennen. Er drehte den Regler langsam höher und er konnte hören, wie sich die Elektromotoren anstrengten um den Zug weiter zu beschleu-nigen. Plötzlich zuckte er zusammen. Stand dort vor ihm jemand auf den Glei-sen? Er zwinkerte und sah angestrengt in den Lichtkegel vor ihm hinaus. Tatsäch-lich, dort vorne, zwischen den Schneeflocken stand jemand auf den Geleisen. Walter Finzinger griff zur Notbremse. Dann schloss er die Augen.

Max atmete tief durch. Er saß hinter dem Lenkrad seines Rettungswagens und fuhr mit Karin zurück zur Dienststelle. Sie hatte neben ihm Platz genommen, während Harald im hinteren Teil des Wagens im Dunkeln saß. Alle drei schwie-gen. Max meldete ihre Rückkunft über Funk an und drehte danach das Radio an. Elvis Presley sang „You were always on my mind“. Er wechselte den Sender. Nun schallte Queens „The Show must go on“ aus den Lautsprechern. „Passend“ dachte sich Max. Es geht weiter. Es muss weitergehen.
Erst im letzten Moment hatte er sich vom Anblick der drei grellen Lichter losrei-ßen können und war zur Seite gehechtet. Nur einen Wimpernschlag später war der Zug hinter ihm vorbeigerast. Am Quietschen der Bremsen hatte Max erkannt, dass der Zug anhielt. Er war zum Führerstand nach vorne gelaufen, und hatte dem völlig nervösen Lokomotivführer erklärt, dass nichts passiert sei. Der Mann war noch jung, nicht viel älter als Max. Er zitterte am ganzen Körper. Offensichtlich war er das erste Mal in so eine Situation geraten. Max redete beruhigend auf ihn ein und erklärte ihm, er habe ein Tier gesehen und er, Max sei zufällig mit dem Rettungswagen vorbeigekommen und habe die Notbremsung mitbekommen. Das Tier wäre nicht zu schaden gekommen. Es sei im letzten Moment davongelaufen. Vielleicht war es ein Reh auf Nahrungssuche gewesen. Der Lokomotivführer hatte sich nach langen Diskussionen doch mit dieser Erklärung zufrieden gegeben und war schließlich mit weichen Knien wieder auf seinen Führerstand geklettert und weitergefahren. In dem Augenblick als Max dort auf den Schienen gestanden war, war ihm be-wusst geworden, dass es nun wirklich vorbei war. Er würde nie wieder von Eva träumen. Nie wieder würde er mitten in der Nacht schweißgebadet aufwachen und sich wie ein Mörder fühlen. Das alles war vorbei. Die quälende Ungewiss-heit, warum er Eva nicht hatte retten können, existierte nicht länger. Das Rätsel, nach dessen Lösung er solange gesucht hatte, war endlich gelöst. Er hatte eine eigenartige Leere gespürt. Alles was ihn in den letzten Monaten getrieben hatte, war mit einem Mal nicht mehr existent. Die Bilder des vergangenen halben Jahres waren an ihm vorbei gezogen. Er konnte Eva erkennen, die tot auf dem Boden gelegen war, er sah sich selbst und Ines wie sie am Rand der Absperrung die schreckliche Szenerie beobachtet hatten. Er war nochmals vor den orange karier-ten Türen des Flughafens gestanden und hatte auf Evas Eltern gewartet. Er sah sich selbst bewusstlos vor der nackten Ines liegen und sah sich in der Uniform davonlaufen, auf dem Weg ins Hochwasser. Evas Begräbnis war an seinen Augen vorbeigezogen und er hatte nochmals in das Gesicht der gebrochenen Frau gese-hen, die einmal Evas Mutter gewesen war. Er hörte den alten Pfarrer von dem liebreizenden Mädchen sprechen von dem niemand wusste, warum sie sich um-gebracht hatte. Er sah sich selbst dem alten Mann und dem Kaplan, Evas Mörder, denn das war er, die Hand geben. Nochmals hatte er sich gesehen, wie er mit Ines schließlich doch noch geschlafen hatte und wie sie sich später immer weiter von-einander entfernt hatten. Er hatte daran gedacht, sich bei ihr zu entschuldigen. Danach war der Gerichtsprozess noch einmal an seinen Augen vorbei gezogen. Diesmal galt der Freispruch allerdings nicht dem Disponenten sondern ihm sel-ber. Auf einmal war ihm auch Melanie wieder in den Sinn gekommen. Wenn es stimmte, was er damals im Religionsunterricht gelernt hatte, dann würde er ihr gleich wieder ganz nahe sein. Näher als je zuvor. Er musste nur daran glauben. Das hatte ihn mit einem Glücksgefühl durchströmt. Er hatte sich in diesem Mo-ment als der glücklichste Mensch der Welt gefühlt. Seine Schuldgefühle waren weg. So als wären sie nie da gewesen. Während er an alles das gedacht hatte, war der tonnenschwere Zug immer näher gekommen. Jede Absicht, sich in Sicherheit zu bringen, hatte sich bei dem Gedanken an Melanie im Schneegestöber verflüch-tigt wie die warmen Nebelschwaden, die seinen Mund verließen, wenn er ausat-mete. Max war wie angewurzelt auf dem Gleiskörper stehen geblieben. Er fühlte sich frei.
Erst als Harald die Sirene des Rettungswagens betätigt hatte, war Max aus seinen Gedanken gerissen worden und hatte sich mit einem Sprung zur Seite in Sicher-heit gebracht. Während er im Schnee lag und zu begreifen begann, was sich gera-de ereignet hatte, konnte er sein Herz bis in den Hals pochen spüren. Er hörte das Kreischen der Bremsen, das Quietschen der blockierten Räder, die über die Glei-se schlitterten. Der Zug kam hinter ihm zum Stillstand. Max stand auf, um mit dem Lokomotivführer zu sprechen. Was sollte er ihm sagen. Irgendetwas würde ihm schon einfallen. Die Wahrheit, die würde er ihm sicher nicht sagen.
Max fühlte sich leicht ums Herz. Er hatte sich bei Harald dafür bedankt, dass dieser im letzten Moment eingegriffen hatte. Er wusste auch, dass er noch viel an seiner Beziehung zu Klara arbeiten musste. Er musste ihr wohl oder übel alles über Melanie erzählen. Er hoffte, dass sie es verstehen würde. Er war bis über beide Ohren in sie verliebt, aber ob sie das mit Melanie einfach so hinnehmen würde, da war er sich mehr als unsicher. Eines war ihm jetzt klar. Vergessen würde er Melanie nie. Aber er nahm sich vor, an sich zu arbeiten. Dass niemand die Sache mit dem Zug erwähnen würde, war klar. Manche Dinge blieben besser ein Geheimnis.
Max dachte daran, was nun mit Karin geschehen würde, nachdem sie sich auf der Dienststelle aufgewärmt hatte. Eigentlich mussten sie ja die Polizei verständigen und dann würde alles nur noch komplizierter werden Formulare, Papiere und immer wieder unangenehme Fragen. Für das Protokoll würde ihnen schon etwas einfallen. Max beschloss, dass sie selbst Karins Eltern anrufen würden. Irgendei-ne Erklärung, warum sie ihre Tochter aus Klosterneuburg abholen müssten, wür-de ihm schon einfallen. Vielleicht sollte er zunächst einmal gar keinen Grund zu sagen. Er würde nachher mit Karin darüber reden. Wahrscheinlich war es besser, wenn sie selbst mit ihren Eltern reden würde. Natürlich, die Krisenintervention könnte er verständigen. Für Karin war es noch nicht vorbei. Für sie fing die Sache irgendwie gerade erst an. Aber sie würde es schaffen.
Trotzdem fühlte er sich gut. Fast hätte er zur Musik die aus dem Radio kam mit-gesungen. Simon und Garfunkel. Sound of Silence. Die Schneeflocken tanzten vor den Scheinwerfern des Autos im langsam stärker werdenden Wind. Die Stra-ße lag weiß und unverspurt vor ihm und er musste aufpassen, dass er nicht zu schnell fuhr. Aber heute hatte er ja Zeit. Am Funk konnte er hören, dass der Dia-lysefahrer, der jetzt jeden Tag fuhr, aus Mistelbach zurückkehrte. Max sah auf die Uhr. Es war mittlerweile kurz vor Mitternacht. Offensichtlich war nichts Außer-gewöhnliches passiert, denn der Fahrer war pünktlich. Eine rote Ampel. Er blieb stehen und sah sich um. Karin saß stumm da, den Blick von ihm abgewandt. Sie starrte durch das Seitenfenster ins Schneetreiben hinaus. Ein Blick in den Rück-spiegel. Harald hatte es sich mit ausgestreckten Beinen im Tragsessel bequem gemacht. Vielleicht schlief er. Der Stadtplatz war wie ausgestorben. Ein einzelner Spaziergänger, der mit eingezogenem Kopf gegen den Wind ankämpfte. Ein Schneepflug kam ihnen entgegen. Das orange Blinken und das Schaben des Pflu-ges auf dem Asphalt störten die Stille nur kurz. Max hielt vor dem Garagentor. Es öffnete sich langsam. Als das rote Blinklicht ausging, fuhr Max in die Garage und parkte den Wagen. Er blieb noch kurz im Fahrzeug sitzen während Harald Karin in den Mannschaftsraum brachte. Max atmete tief durch. Später, wenn die Forma-litäten geklärt und die Protokolle ausgefüllt waren, würde er etwas tun, was er schon längst hätte tun sollen. Er würde Ines anrufen und ihr sagen, dass er jetzt alles verstanden hatte. Das er es jetzt wusste. Dass sie sich nicht mehr anschwei-gen mussten. Er würde ihr sagen, dass es vorbei war. Noch einmal begann das Funkgerät zu rauschen. Max hörte halbherzig zu. Die Übertragung war schlecht, doch durch das Rauschen konnte er genug verstehen, um zu wissen, dass der Tullner Notarztwagen auf dem Weg zu einem Verkehrsunfall war. Ohne weiter darüber nachzudenken, drehte Max das Funkgerät ab und stieg aus dem Auto. Er freute sich darauf, Klara, die eben in die Garage kam, zu umarmen. Sich bei ihr geborgen zu fühlen. Mit seinen Fingern durch ihre Haare zu fahren. Sie hatte auf ihn gewartet. Sie würde ihn verstehen. Er war froh, am Leben zu sein.

Epilog
In der gleichen Nacht, kurz vor Mitternacht starb der neunzehnjährige Grund-wehrdiener Frederik Bernham aus St. Andrä vor dem Hagentale bei einem Ver-kehrsunfall. Er war mit einem tiefergelegten VW Golf GTI mit einhundertzwan-zig Stundenkilometern zwischen Königstetten und Wolfpassing im Tullnerfeld vermutlich aufgrund der zu hohen Geschwindigkeit von der schneeglatten Fahr-bahn abgekommen und gegen einen Baum gerast. Den Wagen hatte er sich von einem Freund geliehen. Die Leute konnten sagen, was sie wollten. Zum Aufrei-ßen von Mädchen, die am Gleichen interessiert waren wie er, war dieses Auto besser geeignet, als jedes Andere. Mit einem Führerschein war man außerdem wer. Meistens jedenfalls. So wie heute.
Als der Notarzt eintraf, konnte er nur mehr den Tod des Fahrers feststellen. An-geschnallt war er nicht gewesen. Durch die Gewalt beim Anprall gegen den Baum war er durch die Windschutzscheibe geschleudert worden und mit dem Kopf gegen den Stamm geprallt. Die Schädeldecke war bei diesem ungleichen Duell in tausend kleine Teile zersprungen. Auch vom Gesicht war nicht all zuviel übrig geblieben.
Das junge Mädchen auf dem Beifahrersitz war blutüberströmt. Zwar hatte sie den Sicherheitsgurt angelegt gehabt, gegen die herumfliegenden Splitter der Wind-schutzscheibe war sie dadurch allerdings auch nicht geschützt gewesen. Ihre Bei-ne waren zwischen den verbogenen Resten der Karosserie und dem Motorblock, der sich den Gesetzen der Physik folgend in den Fahrgastraum gebohrt hatte, eingeklemmt. Die brettharte Bauchdecke ließ den Notarzt auf schwere innere Verletzungen schließen. Im grellen Licht der Suchscheinwerfer und der unrhyth-misch blitzenden Blaulichter sah ihr bleiches Gesicht geradezu gespenstisch aus. Es war ein grausiges Bild. Leider auf ein Gewohntes.
Nach einigem Suchen fand die Polizei in einer der Hosentaschen des jungen Frederik Bernhams Geldbörse. Der Führerschein war erst vor zwei Wochen aus-gestellt worden. Das blutverschmierte Passfoto zeigte einen jungen Mann, der stolz in die Kamera lächelte. Wahrscheinlich war das Foto kurz nach der bestan-denen Fahrprüfung entstanden. Viel Ähnlichkeit zwischen dem Burschen auf dem Foto und dem blutverschmierten Körper der zwischen Baumstamm und Wind-schutzscheibe eingeklemmt war, existierte nicht mehr. Und doch war eine Ver-wechslung ausgeschlossen.
In den Augen des Mädchens spiegelte sich eine große Furcht. Die Furcht davor zu sterben. Jung zu sterben. Sie sah die Feuerwehrmänner, die sie mit ihren hyd-raulischen Werkzeugen aus dem Wrack zu schneiden versuchten, hilfesuchend an. Sie wollte etwas sagen. Sie wollte, dass sie sich beeilen. Sie spürte, dass ihre Kraft mit jedem Handgriff, den ihre Retter taten, weniger wurde. Zwar hatte sie der Notarzt notdürftig versorgt, eine Infusion angeschlossen und sie mit Schmerzmittel versorgt, doch waren ihre Verletzungen von einer Schwere, die eine wesentlich intensivere Behandlung erforderten.
Die Vermutung, dass Frederik Bernham alkoholisiert gewesen sein dürfte, lag nahe. Später würden die Untersuchungen der Polizei ergeben, dass er auf dem Heimweg von einer nicht weit entfernten Diskothek gewesen war. Er hatte sich dort nur wenige Stunden zuvor mit dem Mädchen getroffen, dass er als Knuddl-maus86 im Internet kennen gelernt hatte. Er und Lisa, so nannte sie sich zumin-dest wenn sie sich nicht hinter ihrem Internetpseudonym verstecke, hatten sich auf Anhieb verstanden. Die Erwartungen die beide von diesem Abend hatten, waren nicht viel mehr als die Vorfreude auf die prickelnde Erfahrung eines auf den Moment konzentrierten Aktes, der damit enden sollte, dass sie wie Fremde auseinander gehen würden. Doch nachdem sie an der Bar gemeinsam innerhalb kurzer Zeit vier Shots Tequilla bestellt und getrunken hatten, waren ihr Zweifel gekommen ob sie ihre Unschuld wirklich an einen Unbekannten verlieren wollte, von dem sie noch nicht einmal den vollen Namen wusste. Das Angebot sie mit dem Auto nach Hause zu führen, unterbreitete er ihr bloß, da er hoffte, sie wäh-rend der Fahrt doch noch umstimmen zu können. Und obwohl seine Freunde wussten, wie viel er getrunken hatte, wurden alle Versuche, ihn am Fahren zu hindern aus falsch verstandener Rücksichtnahme unterlassen.
Lisas Körper wurde von den Feuerwehrmännern auf die Trage gelegt. Kaum hatte der Notarzt die nötigsten Maßnahmen gesetzt um die zwischenzeitlich bewusstlos Gewordene zu stabilisieren, wurde sie von den Sanitätern in den Notarztwagen geladen. Um den enormen Blutverlust auszugleichen verabreichte ihr der Notarzt weitere Infusionen. Als der Fahrer den Wagen startete, kehrte das Bewusstsein des Mädchens für einige Sekunden zurück. Kaum merklich versuchte sie zu spre-chen. Vergeblich. Niemand hörte sie. Der Wagen setzte sich ihn Bewegung. Kurz vor ein Uhr morgens am 22. Dezember verstarb Lisa Bauser, geboren am 25. Oktober 1986 in Wien, an inneren Blutungen nach einem Verkehrsunfall zwi-schen Königstetten und Wolfpassing in Niederösterreich.
Die Feuerwehr barg Frederik Bernhams Leichnam aus dem Wrack und reinigte die Unfallstelle. Nach einer knappen Stunde kehrte wieder Ruhe zwischen Kö-nigstetten und Wolfpassing ein. Für die Helfer war es mittlerweile eine zu einer traurigen Routine geworden. Dieser Unfall war nur einer unter vielen, wie er in der Nähe von größeren Diskotheken leider immer öfter passierte.
Als Frederik Bernham mit seinem Wagen an dem Baum zerschellte, hatte er nicht die geringste Ahnung davon, dass er nicht nur Lisa Bausers Leben auf dem Ge-wissen hatte. Begonnen hatte alles an einem warmen Abend Ende Juni bei einem Clubbing im Greifensteiner Strombauamt. Für ihn war dieser Abend des achtund-zwanzigsten Junis ein ziemlicher Reinfall gewesen. Das Mädchen, das er sich auserkoren hatte, war ihm zu unerfahren und zu jung gewesen. Trotzdem hatte er sich, nachdem er sie betrunken gemacht hatte, mit ihr vergnügt. Danach wollte er sich eine andere suchen. Während er die Kleine jedoch ordentlich aufgemischt hatte, so nannte er es jedenfalls, hatte sie ihm das Gewand vollgekotzt. Der A-bend war damals für ihn gelaufen. Mit den stinkenden Klamotten konnte er seine Hoffnungen begraben. So war er mit der nächsten Schnellbahn nach Hause gefah-ren. Um das Mädchen kümmerte er sich nicht weiter. Als er später in der Zeitung davon las, dass sich die fünfzehnjährige Schülerin Eva Glatterbeck hinter einem Gebüsch auf dem Mistelbacher Kirchenhügel erschossen hatte, war ihm nicht im Traum eingefallen, dass sie es gewesen war, die ihm damals den Abend verdor-ben hatte.
Er hatte es auch später nie erfahren.

Edit am 28.07.2005 19:54

David Seemayer
02.12.2004, 15:55
*applaus*

Einfach genial, auch wenn es jetzt vorbei ist.:(

Könnt' ich bitte das pdf haben? Danke, schon einmal im voraus!
http://www.schildersmilies.de/schilder/heildir.gif

DerHobbit
02.12.2004, 23:14
für mich bitte auch einmal als pdf

SanMax
14.12.2004, 15:27
Hi,
super!!!
Ich hätte das auch gern noch in pdf.
Danke Anditi.

Blaulicht-shaolin
24.07.2005, 18:54
Wann gibts denn mal wieder so einen geilen Roman????

Kann sich denn keiner mal literarisch austoben?:D

Moonlay
28.07.2005, 10:20
ich hätte es auch gerne in pdf....

Anditi
28.07.2005, 18:27
Hallo, ihr Lieben!

Mal wieder was neues vom RD-Roman. Demnächst geht der ganze Roman einmal ins Lektorat. Dann wird sich entscheiden, ob und wenn ja, wann, das Ding im Buchhandel erscheint. (Juchu!!! Übrigens dank Rippenspreizer)

@Moonlay: Für die pdf.Version bitte mailaddy via pm an mich schicken, dann kann ich dir den Roman mailen!

Die Version ist im übrigen nicht mehr denkungsgleich mit der oben veröffentlichten. Es gibt schon eine bessere... :D

LG Andi

edit- Werde heute im Nachtdienst alle Kapitel durch die neuen Version ersetzen... da kommt auch noch ein ganzes kapitel dazu...

Blaulicht-shaolin
28.07.2005, 19:33
Original geschrieben von Anditi
Hallo, ihr Lieben!...

Na das is doch mal eine supergute Neuigkeit!!!! Das wär ja echt geil wenn das klappt! Ich drück dir auf jeden Fall ganz fest die Daumen und weiterhin viel Erfolg!
Kuck doch mal ob du da nicht doch noch eine Fortsetzung basteln kannst... *ganz lieb guck*