Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Psychischer Notfall #1
Mäuschen
21.05.2005, 21:00
Hmm, stimmt schon, da muss ich noch abgezockter für werden......bin ja erst am Anfang , aber Lernwillig......
RS-USER-Rippenspreizer
21.05.2005, 21:05
Original geschrieben von Mäuschen
da muss ich noch abgezockter für werden
Bin ich "abgezockt"?!? :eek:
Vielleicht waren meine Kommentare etwas zu drastisch, aber was zählt ist eben, dass
- dem Patienten geholfen wird
- die Angehörigen betreut/beraten werden
- es zu keinen weiteren Verletzungen kommt
- wir absehbar auch wieder auf der Wache sind!
Da bin ich etwas pragmatisch, sorry.
Kernproblem ist vielleicht, dass ich mich persönlich zwingen muss, gerade für Borderliner Verständnis aufzubringen... :(
mhm..sorry das ich mich mitten im fallbeispiel ausgeklinkt habe..aber mir ging das persönlich sehr nahe..und ich brauch wohl noch bissl bis ich das so distanziert sehen kann ohne es mit irgendwas zu verbinden oder so...
aber ich muss euch ein riesengroßes dankeschön fürs mitposten und interessieren aussprechen..
das hat mich verdammt gefreut!
RS-USER-Feuerblick
21.05.2005, 22:55
*grins* Vielleicht bin ich auch "abgezockt", aber die Mama war doch psychisch auch schon ziemlich am Ende und hat dann auch noch ein Synköpchen hingelegt. MIR hätte das gereicht, um einen prophylaktischen Zugang zu pieksen. Wer weiß, was ich der Mama bei Gelegenheit noch an netten Kleinigkeiten i.v. zukommen lassen muß? Nee, dann lieber (so denn die Zeit ist) ein Piekser zuviel als einer zu wenig.
Weiterhin schließe ich mich dem Cheffe an... zuviel reden bringt in so einer, für mich schon durch die Beschreibung ziemlich wackligen Situation, niemanden weiter. Da würde ich lieber ein wenig Autorität auspacken. Mal ehrlich, das Mädel zeigt selbstverletzendes Verhalten, ist uneinsichtig, was ihre Krankheit angeht und gefährdet sich und andere. Warum die Samthandschühchen auspacken? Das hilft ihr in dieser Situation auch nicht weiter. Mag jetzt hart klingen, aber ich bin bei sowas eher Instinkmensch und wäre sicherlich freundlich, aber dennoch bestimmt aufgetreten...
Aber geniales Fallbeispiel!
RS-USER-Rippenspreizer
22.05.2005, 06:29
Mehr zum Thema "Borderline" findet ihr bereits in unserem Forum: Klickst Du hier (http://www.rippenspreizer.com/forum/showthread.php?s=&postid=271578#post271578)!
Hm, schade, hab das Fallbeispiel verpaßt !
Mich wundert es, daß der RD scheinbar öfter so direkt mit der Diagnose Borderline in Berührung kommt - ich kenn das eher verdeckt, als "zufälliger Schnitt", "Versehentlicher Sturz" (statt xmal Kopf gegen die Wand...) - sowohl von Betroffenen als auch von Angehörigen...
Und was das Thema BL betrifft - hm, mal sehen, evtl wird im anderen Thread weiterdiskutiert. Scheint in gewissen Breiten grad eine sehr beliebte Diagnose für alles, was aus dem Rahmen fällt, zu sein...
MatthiasKlemens
22.05.2005, 11:43
so, jetzt hab ich mal ne nacht darüber geschlafen und alles nochmal revue passieren lassen......
hier ist doch einiges schief gegangen, aus meiner sicht.
ich habe mitgelesen das die mutter wohl nach synkope gestürzt ist, und eine kopfverletzung davongetragen hat. wie konnte das passieren? warum wurde sie nicht hingesetzt (fernsehsessel, couch, sofa, liege etc.....bei kreislauf eh hinlegen, was liegt fällt nicht mehr...)? da ist die möglichkeit sich bei einem zusammenbruch durch sturz zu verletzen viel geringer, und auf einem sofa oder einer couch habe ich mit ein paar handgriffen schnell eine schocklagerung herstellt. zur bekämpfung einer solchen synkope reicht die schocklagerung meistes aus, seltener sauerstoffgabe(nur wenn keine andere verletzung). ganz ganz ganz selten medis. also eher nicht pieksen........nur wenn es unbedingt sein muss.
speziell an daniel: verständniss für den patienten und seine situation ist (meines erachtens) vorraussetzung zum helfen. auch wenn es nicht einfach ist dieses aufzubringen...ich denke mal dein satz war einfach ungeschickt formuliert! :peace:
und was das mädel angeht, versetzt euch doch mal in ihre lage. da kommt jemand und behauptet ihr nur helfen zu wollen, und hat hinterm rücken schon die "grosse spritze" zum ruhigstellen. glaubt ihr das sowas echt vertrauen schafft? und wie gehts weiter? zwangsweise zur threapie, die ihrerseits als sinnlos angesehen wird.....also abbruch....und den ganzen spass von vorn.......
hier hilft wohl nur der umweg über einen seelsorger oder ähnliches.....
bitte denkt doch dran, das wir rdler und ärzte nicht nur zum pflaster kleben und wunden nähen da sind, sonder auch vertrauenspersonen sind. und solche "hau ruck"-aktionen machen eben dieses vertrauen zu nichte.
just my 2 cents......
edith hat mal wieder zugeschlagen:
was ich noch sagen wollte, hier war es ein 17 jähriges mädel mit ein paar kilos, was aber wenn ich der patient wäre? ich bringe das 2- 3 fache auf die waage und bin im nahkampf ausgebildet.....
da macht so ein arm mal ganz schnell "knack" ;) (nicht das jetzt falsche gedanken kommen, ich wende nie "einfach mal so" gewalt an, aber wenn ich mich in so einer situation bedroht fühlen würde....) also das argument mit "dann fang ich halt mal eine" so einfach nicht (war aber wohl eher auf diesen fall gemünzt). in beiden situationen ist es zu gewalt gekommen, das heißt ein vernünftiges gespräch ist gescheitert / nicht zustandegekommen.
mk, dieser beitrag hat mich wahnsinnig berührt und muss dir jetzt einfach dafür danke sagen. riesengroßes danke!!
hast mir aus sicht des mädchens voll aus der seele gesprochen!
RS-USER-Feife
22.05.2005, 16:46
Ich hab in der Ausbildung eine Zeit lang auf Psychiatrischen Station gearbeitet.
In der Regel wurde hier auf Suizid-Ankündigungen mit einem "Anti-Suizid-Pakt" (ASP) reagiert. D.h. eine Vertrauensperson (im Notfall irgendwer) bittet den Patienten um das Versprechen, sich in nächster Zeit nichts anzutun, selbstverständlich mit besiegelndem Handschlag. Die "nächste Zeit" muss für den Patienten überschaubar sein. D.h. in einer Krisensituation wie der im Fallbeispiel geschilderten würde ich mit 15 Minuten anfangen, dann in 15 Minuten daran erinnern ("War doch gar nicht so schlimm") und den ASP erneuern, diesmal vielleicht etwas länger... (und immer so weiter).
Ein ASP schafft üblicherweise recht viel Vertrauen zwischen denen, die ihn schließen und versichert somit dem Patienten ein Interesse des Helfers vermittelt (was gerade bei depressiven Patienten -"keiner mag mich"- recht hilfreich ist).
Gruß, Stefan
saddamski
22.05.2005, 20:06
@MatthiasKlemens
Meine Aussage war natürlich auf den Fall bezogen. Hätte da ein Brecher gestanden(egal ob Mann oder Frau) würde ich wohl anders reagieren. Ich glaube zur Not würde ich auch das Fenster freigeben.
Deshalb hab ich auch von "eine Fangen" gesprochen..und nicht "Kieferbruch" o.ä. ;)
Tobias
RS-USER-apoplex
22.05.2005, 20:44
Ich kann die Haltung von Daniel schon sehr gut verstehen.
Generell bin ich auch kein Freund von ewigen Diskussionen mit psychisch Kranken, vor allem in Bereichen wie Rettungs- und Intensivmedizin.
Sofern man sich nicht 100 %ig ist, was man sagen, auf die Aussagen von Patienten reagieren und wie viel man von sich selber preisgeben soll, bringt es relativ wenig, sich darauf einzulassen. Mit etwas Pech bringen diese Diskussionen herzlich wenig, höchstens eine weitere Eskalation, da einige Patienten versuchen, ihre Grenzen bei der anderen Person auszuloten.
Dann doch lieber die "Fels in der Brandung-Methode", also reingehen, die anstehenden Aufgaben (Wundversorgung, Vitalfunktionen sichern, Vermeidung von Folgeschäden, Transport), ohne auf diverse Wünsche (Behandlung nur durch Person A, Person B verlässt bitte den Raum) einzugehen.
Das heißt allerdings nicht, dass man kein Verständnis aufbringen, vertrauensvoll arbeiten oder anders auf den Patienten eingehen kann. Generell sind Lügen zu vermeiden.
Man sollte vor allem klare Linien und Grenzenvorgeben und diese vor dem Patienten begründen und auch erläutern, was evtl. Folgen bei weiteren "Spielchen" sein können.
Für die eigentliche Therapie der Grunderkrankung gibt es entsprechend geschultes Fachpersonal, Fachärzte und andere Therapeuten, gerade weil psychische Störungen sehr vielschichtig sind.
da kommt jemand und behauptet ihr nur helfen zu wollen, und hat hinterm rücken schon die "grosse spritze" zum ruhigstellen. glaubt ihr das sowas echt vertrauen schafft?
Nein, heimlich die Spritze vorzubereiten ist auch nicht der richtige Weg. Es ist aber durchaus eine Alternative. Während meiner Ausbildung habe ich es durchaus so kennen gelernt, dass offen über die Möglichkeit von Zwangsmaßnahmen wie Fixierung, Verabreichen von Medikamenten ect. gesprochen wurde und dem Patienten als Alternative frühzeitig dargelegt worden sind. Aber auch mit klaren Worten und Grenzen und einer Alternative.
So auch in diesem Fall "entweder Wundversorgung und dann Transport in die Psychiatrie oder Einsatz von Zwangsmaßnahmen durch Polizei, Verabreichung von Medikamenten durch den Notarzt und/oder Fixierung und dann so der Transport in die Psychiatrie".
Hi zusammen,
Schade, das ich am WE nicht da war - mal ein interessantes Fallbeispiel, bei dem ich zwar als Sanihelfer nicht, aber als werdender Krankenpfleger um so mehr.
Ich finde der Einsatz ging unnötigerweise ins Chaos unter.
Klare Worte, aber nicht den Softie spielen: das macht jede Psychiatrie im tägl. Leben dort.
Wenn ich aber mit irgendwelchen "HauRuck-methoden" komme, gehts erst recht ins Chaos.
Deeskalation ist gefragt, aber nicht so nach dem Motto: "Komm, laß uns mal darüber reden" sondern ruhig bleiben, beruhigend wirken aber führend. Schritte erläutern, erklären warum. Wenn nötig alles, bis in den kleinsten Schritt. Schließlich ist es nicht immer ein Borderliner, es könnte auch ein psychotischer Pat. sein.
Je lauter und unruhiger der Pat., desto ruhiger solltest Du werden. Ein Tip, den ich von einem erfahrenen Psychiatriepfleger lernte und immer wieder mit Erfolg anwende.
Ansonsten kann ich mich nur Apoplex und daniel anschließen.
Gruß
HörBird
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