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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Schwindelerregend - Routineeinsatz im Milieu?



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Miss
18.08.2012, 09:00
Wir testen mal den Einfluss der Ehefrau...und man kann ja noch mal vorsichtig die Polizei erwähnen.
Wie immer sehr schwierig, ich bin froh, daß bisher immer doch alle mit sind. Aber bei V.a. Apoplex kann man ja schon damit argumentieren, daß er seine Gefährdung nicht realistisch einschätzen kann.
Leider wird er höchstwahrscheinlich gegen ärztlichen Rat sich wieder aus der Klinik entlassen.

lupina81
18.08.2012, 09:03
Das nicht ;-)
Ich habe halt einfach an die gängige "Raucher-pAVK-mindestens-20packyears"-Geschichte gedacht. Kam mir schon ganz komisch vor beim bedienen der Klischees.

Häufiges ist häufig :-) Meist siehst Du diese Patienten ja als Notarzt auch gar nicht. Durch die inflationäre Nutzung des Notrufes geht der "wirkliche" Notfall gerne mal unter.

Hellequin
18.08.2012, 09:04
Bitte nochmal Anamnese vertiefen. Ist der Schwindel dauerhaft da (also auch im sitzen und liegen) oder tritt er vor allem beim aufstehen auf? War das schwarzwerden vor Augen eher im Sinne von "ich werde gleich ohnmächtig" oder hat er wirklich "nur" nichts gesehen? Hat die Ehefrau das ganze beobachtet? Vegetative Bgleitsymptomatik (kaltschweißig, blaß)? Hat sich die Symptomatik wieder gebessert, nachdem er sich hingesetzt hat? Thorakale Beschwerden? Kurzatmigkeit?
Was passiert wenn man den Patienten hinstellt? Nur Schwindel oder gerichtete Fallneigung?

Bevor wir den Rückzug antreten hätte ich auf jeden Fall gerne ein 12-Kanal-EKG. Und wenn der Patient nicht zum EKG kommt, muss das EKG halt zum Patienten gebracht werden.

Relaxometrie
18.08.2012, 09:04
Es wäre einen Versuch wert, mit der kurzen Sehstörung zu argumentieren und diese als Warnschuß vor einem möglicherweise (bzw. sehr wahrscheinlich) folgenden, richtigen Apoplex zu erklären.

lupina81
18.08.2012, 09:06
Wir testen mal den Einfluss der Ehefrau.

Gutes Stichwort. Ich also mit der Frau in die Küche und kurz die Situation erläutert. Mann krank, hat vielleicht Schlaganfall, schlecht, kann man aber was machen, wenn jetzt sofort Krankenhaus usw. Tod (das musste sein). Der Schwindel bestand ja weiterhin. Time is brain und so. Oder vielleicht doch ein chronischer Prozess? Wernicke?

lupina81
18.08.2012, 09:13
Bitte nochmal Anamnese vertiefen. Ist der Schwindel dauerhaft da (also auch im sitzen und liegen) oder tritt er vor allem beim aufstehen auf? War das schwarzwerden vor Augen eher im Sinne von "ich werde gleich ohnmächtig" oder hat er wirklich "nur" nichts gesehen? Hat die Ehefrau das ganze beobachtet? Vegetative Bgleitsymptomatik (kaltschweißig, blaß)? Hat sich die Symptomatik wieder gebessert, nachdem er sich hingesetzt hat? Thorakale Beschwerden? Kurzatmigkeit?
Was passiert wenn man den Patienten hinstellt? Nur Schwindel oder gerichtete Fallneigung?

Bevor wir den Rückzug antreten hätte ich auf jeden Fall gerne ein 12-Kanal-EKG. Und wenn der Patient nicht zum EKG kommt, muss das EKG halt zum Patienten gebracht werden.

Schwindel sei irgendwie dauerhaft und laut Patient lageunabhängig. Ist aber wie gesagt schwer, einen klar artikulierten Satz zu bekommen. Im Stehen schwankt er in alle Richtungen und wirkt betrunken. EKG gibt es, so er denn mitkommt, im Auto.

WackenDoc
18.08.2012, 09:17
Das was du der Ehefrau verklickerst, haste aber vorher schon auch dem Patienten erklärt?
Ich würde mit der Ehefrau übrigens ne andere Taktik wählen:Eher Richtung Ehemann dass sich die Frau doch Sorgen mscht und ob er sich nicht ihr zuliebe untersuchen lässt.
Kommt jetzt halt drauf an, wie der Eindruck ist: Einwilligingsfähig oder nicht? Wenn er mit seinem regulären C2-Konsum arbeiten kann und er laut Ehefrau so wie immer ist würde ich auch in Richtung Einwilligungsfähogkeit tendieren.

Wenn er nach ausführlicher Aufklärung nicht will und ich den Eindruck der Einwilligungsfähigkeit hab- dann halt ned

Relaxometrie
18.08.2012, 09:18
Ich würde auch den Arbeitsplatz nochmal als Argument anführen. Wo/was arbeitet der Patient eigentlich? Ich würde versuchen, ihm zu erklären, daß dem Arbeitgeber NICHT damit geholfen ist, daß sich ein kranker Mitarbeiter zur Arbeit schleppt, und daß dadurch der Arbeitsplatz garantiert nicht erhalten werden kann. Dauerhafte Arbeitsplatzsicherheit sei ausschließlich durch eine massive Lebensstiländerung zu erreichen (man redet wohl gegen Wände, aber zwei Runden würde ich drehen). Dann ab in den RTW (Pat. nicht selbst laufen lassen), EKG schreiben und eventuelles Vorhofflimmern als weiteres Argument für einen sofortigen stationären Aufenthalt nutzen.

lupina81
18.08.2012, 09:18
Nur mal zur Orientierung: wir sind mittlerweile seit knapp 40 Minuten vor Ort. Wollt ihr den Patienten schonmal vor-anmelden? Wenn ja, wo? KH der Grund- und Regelversorgung 5 km. Mit CT 30 km.

Relaxometrie
18.08.2012, 09:22
Wollt ihr den Patienten schonmal vor-anmelden? Wenn ja, wo?
Dort, wo laut Arztbrief eh die "elektive Aufnahme zur TEA in 14 Tagen" geplant war.

WackenDoc
18.08.2012, 09:24
Was haben wir denn solange gemacht?Versucht den Patienten zum Mitkommen zu bewegen? Das wäre deutlich zu lange!
Solange er nicht einwilligt mitzukommen wird der nirgendwo angemeldet.

lupina81
18.08.2012, 09:27
Der gute Mann arbeitet als Lagerhelfer wohl körperlich sehr anstrengend. Ich erkläre ihm, er würde von der Klinik ein Attest bekommen, dass er wirklich krank war. Weil kranke Mitarbeiter ja wirklich nichts nützen. Er brauche das Geld doch für die Familie (und den Alkohol). Ich nehme in allerletzter Hoffnung seine Hand und appelliere an seine Verantwortung als Ehemann und Familienvater. Kostet viel Überwindung bei entsprechendem Pflegezustand. Aber nett ist er ja und nun auch ganz gerührt. Er kommt mit in den RTW .. und ja, ich lasse ihn laufen. Zugang + EKG zur Vervollständigung. Nochmal Neurostatus ohne Befundänderung. Laufen geht mit Hilfe gut. Ungerichtete Fallneigung bleibt. EKG zeigt Repolarisierungsstörungen über V2 - V6. Jetzt aber los, oder? Wohin? Mitfahren?

lupina81
18.08.2012, 09:29
Was haben wir denn solange gemacht?Versucht den Patienten zum Mitkommen zu bewegen? Das wäre deutlich zu lange!
Solange er nicht einwilligt mitzukommen wird der nirgendwo angemeldet.

Von Eintreffen über Untersuchung, Medikamente und Brief suchen, Blutdruck messen, BZ, diskutieren, nochmal Blutdruck messen, schon mal was notieren ..

WackenDoc
18.08.2012, 09:34
Die Stroke bei mir am Ort würde ihn nicht nehmen- weiss nich, wie das bei euch ist. Wie weit isses bis zu der Klinik, wo er eh hin sollte? Die wäre mein Favorit. Natürlich fahren wir mit.
Wie hoch ist der RR genau? Wie hoch ist der BZ eigentlich auf mg/dl umgerechnet?
Welche Repolarisierungsstörungen hat er genau?Sind die vorbeschrieben?

Syringa
18.08.2012, 09:39
Die Stroke bei mir am Ort würde ihn nicht nehmen- weiss nich, wie das bei euch ist.

Unsere hier schon. Ist ja zumindest verdächtig auf eine Amaurosis fugax bei bekanntem behandlungsbedürftigen Carotisbefund.

Ich würde mir da vor Ort nicht zutrauen, sicher zwischen Alkoholwirkung und cerebraler Minderperfusion zu unterscheiden. Und wie schon geschrieben: time is brain.

6,5 x 18 ergibt pi mal Daumen den BZ in mg/dl.

MissGarfield83
18.08.2012, 09:43
Ich hätte vorher gerne nochmal die Kraft der Hände und simple Koordination geprüft ( Nase Finger Versuch z.b. ) und dann ab in die Klinik ... Stroke Unit würd ich sagen, aber wenn wie Wacken sagt nicht jede Stroke den einfach so nimmt - Anmeldung im KH (mit CT Bereitschaft) mit Verdacht auf Apoplex und hinfahren.

lupina81
18.08.2012, 09:44
Im angiologischen Befund wird die 30 km entfernte Klinik benannt. Die hat auch eine Stroke. Blutdruck ist aktuell 170/90 mmHg. Senken? BZ kannst Du ungefähr mal 20 rechnen. Im EKG zeigen sich deszendierende ST-Streckensenkungen ohne korrespondierende Hebungen. Da ich nur den Angiobefund habe gibt es keinen EKG Vorbefund. Der Patient weiß auch nichts und hatte noch nie pektanginöse Beschwerden .. außer vielleicht, wenn er mal ganz viel Streß hatte. Aber das sei ja normal und ginge dann auch wieder weg. Phantastisch, ich habe das Gefäßwrack des Jahres abgegriffen und muss meine Idee einer Ischämie im Posteriorstromgebiet jetzt einem Neurologen erklären. Oder einfach hinfahren?

Hellequin
18.08.2012, 09:44
Bis jetzt ist mir ehrlich gesagt noch nicht so ganz klar auf was das ganze hinausläuft. Dysarthrie wird als vorbestehend angegeben. Wenn der Schwindel tatsächlich ungerichtet ist, spricht das eher gegen was zentrales. Bzgl. des schwarzwerdens vor Augen ist mir von den bisherigen Angaben auch nicht klar ob es was präsynkopales ist oder eine passagere kortikale Blindheit.

Evil
18.08.2012, 09:49
Bisher läuft das eigentlich weniger wie ein Notarzteinsatz und eher wie ein Hausbesuch des KV-Notdienstes.

Syringa
18.08.2012, 09:55
und eher wie ein Hausbesuch des KV-Notdienstes.

...der an diesem Punkt aber wohl auch eine Einweisung empfehlen würde, oder? ;-)