Anmelden

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Schwindelerregend - Routineeinsatz im Milieu?



Seiten : 1 2 3 [4] 5 6

Hellequin
18.08.2012, 14:35
Bei uns kommt auch jede TIA oder Apoplex auf die Stroke Unit. Dann erfolgt eine 72h "Neurokomplexbehandlung" mit im besten Fall Physiotherapie, 3x am Tag Evaluierung des Neurostatus, komplette Diagnostik. Über die Notwendigkeit der 72h-Überwachung kann man durchaus streiten. Ist ja auch nicht bei jedem Patienten notwendig (bei uns z.B. Kapazitätsmäßig auch nicht möglich) und wird zum Teil ja auch aus monetären Gründen gemacht. Wenn ihr mit 3x Visite am Tag durchkommt, habt ihr nen großzügigen MDK.



Gelegentlich wird die Indikation etwas zu schnell gestellt. Ein Patient mit einem BZ von 1,5 mmol/l braucht erstmal keine neurologische Komplexbehandlung wegen seiner vermeintlich fokal neurologischen Symptomatik (Sprachstörung, Hemiparese) ;-) Offensichtliche Stroke-Mimics sollten natürlich möglichst bereits in der Aufnahmesituation ausgeschlossen werden, aber ein gewisser Grau-Bereich bleibt da natürlich immer. Im Zweifelsfall gilt da natürlich auch "Better safe then sorry".

psycho1899
18.08.2012, 15:38
Das ist mit Verlaub aber eine schwachsinnige Regelung. Letztendlich gehört grundsätzlich jeder Patient mit dem V.a. eine cerebrale Ischämie, völlig unabhängig davon ob es eine passagere oder weiterhin bestehende Symptomatik ist (erst recht unabhängig davon ob im Lysezeitfenster oder nicht) auf eine Stroke. Bei einer Behandlung auf Stroke geht es ja nicht nur darum zu lysieren wenn möglich, sondern auch darum mögliche Komplikationen zu vermeiden und zielgerichtet eine Sekundärprophylaxe zu beginnen.

In der Tat... zumal, mit Verlaub, die Lyseindikation nicht der NA, sondern der aufnehmende Neurologe stellt. Wie oft bekam ich schon angebliche TIAs, die ich doch noch lysiert habe und vice-versa. Falls es kapazitäre Probleme gäbe, wäre es sinnvoll, wenn das Haus mit der Stroke eine Vereinbarung mit den 'peripheren' Neurologien hätte und dorthin schnell 'abverlegen' kann, sofern die Indikation zu einer Stroke Unit-Behandlung (u.a. auch im Rahmen der Triage) nicht mehr besteht.

Miss, bin zwar (noch) kein NA, aber... ich würde es bei einem Patienten, der primär eine neurologische Symptomatik zu haben scheint, schon ein wenig ausführlicher machen. Für einen schnellen neurologischen Status brauch ich max. 3 Minuten, whs. weniger. Ich mach ja vor Ort keinen Reflexstatus oder einen Seiltänzergang ;-)

Aber HN-Status, AVV und BVV, schnelle Oberflächensensibilität, FNV, Beurteilung Wachheit, Orientierung und Sprache geht fix.

Evil
18.08.2012, 17:30
Bei einer Behandlung auf Stroke geht es ja nicht nur darum zu lysieren wenn möglich, sondern auch darum mögliche Komplikationen zu vermeiden und zielgerichtet eine Sekundärprophylaxe zu beginnen.
Wobei ich mir angesichts der Vorbefunde sicher bin, daß das bei diesem Patienten nicht das erste Mal gewesen sein wird, daß da jemand eine Sekundärprophylaxe ausprobiert. Offenbar nicht sehr erfolgreich.

Prinzipiell gehört der Patient mit Begleitung auf eine Stroke. Allerdings würde ich den je nach Meldung für einen Folge-Einsatz auch allein fahren lassen.

Sebastian1
18.08.2012, 18:25
Allerdings würde ich den je nach Meldung für einen Folge-Einsatz auch allein fahren lassen.Mit wahrscheinlich frischer neurologischer Symptomatik würde ich mich als nicht abkömmlich deklarieren. Klar, von den x Strokes, die man fährt, sind die meisten halt bis in die Klinik stabil, aber wie bereits weiter oben jemand schrieb "better safe then sorry". Die Leitstelle bekommt im Zweifelsfall auch einen anderen NA zu einer anderen Einsatztstelle.

psycho1899
18.08.2012, 18:41
Better safe than sorry btw ;-) W

enn's hinteres Stromgebiet ist und der die BA zumacht, kann der ja auch mal intubationspflcihtig werden. Würde auch beim Pat. bleiben wollen.

Sebastian1
18.08.2012, 19:01
Better safe than sorry btw ;-)

Autsch. Stimmt ;-)

Miss
18.08.2012, 20:06
Miss, bin zwar (noch) kein NA, aber... ich würde es bei einem Patienten, der primär eine neurologische Symptomatik zu haben scheint, schon ein wenig ausführlicher machen. Für einen schnellen neurologischen Status brauch ich max. 3 Minuten, whs. weniger. Ich mach ja vor Ort keinen Reflexstatus oder einen Seiltänzergang ;-)

Aber HN-Status, AVV und BVV, schnelle Oberflächensensibilität, FNV, Beurteilung Wachheit, Orientierung und Sprache geht fix.
DAS würde auch ich dummes Sandmännchen hinbekommen, vielleicht schon in > 3min :-D aber mehr eher nicht machen wollen.

psycho1899
18.08.2012, 20:55
Das ist aber schon mehr als orientierend neurologisch... darunter verstehen ja die meisten nur mal kurz in die Pupille zu leuchten, auf den Mund zu achten und zu gucken, ob er alles bewegen kann. Einen richtigen Halteversuch oder ein GF prüfen da ja die wenigsten.

JJ*
18.08.2012, 21:23
Wäre jemand so freundlich und würde dem Krankenwagenfahrer/Anfängerstudent die Abkürzungen eben erklären? Gesichtsfeld konnte ich mir noch herleiten, aber bei HN-Status, AVV, BVV und FNV bin ich mit meinem Latein am Ende.

Firma dankt!

Eilika
18.08.2012, 21:27
Hirnnerven-Status, Arm-Vorhalte-Versuch, Bein-Vorhalte-Versuch, Finger-Nase-Versuch :-)

JJ*
18.08.2012, 21:34
Danke!

lupina81
19.08.2012, 16:05
Allerdings würde ich den je nach Meldung für einen Folge-Einsatz auch allein fahren lassen.

Ich habe mich in diesem Fall der Leitstelle tatsächlich als "abkömmlich" gemeldet. Gerade auf dem Land ist der nächste Notarzt schonmal 30 Minuten unterwegs. Bei einem bewusstlosen Kind, Rea, VU etc. ist meiner Meinung nach eine Abwägung der zu schützenden Rechtsgüter (hier jeweils die verschiedene Schwere einer Erkrankung) nötig. Das Gesetz erlaubt mir aber auch, stur bei meinem Patienten im RTW sitzen zu bleiben.

lupina81
19.08.2012, 16:07
Interessiert sich jemand für den CT Befund unseres Patienten? Der wäre jetzt da. ;-) Die Gerinnung auch: PTT 32 "", Quick 60%.

Relaxometrie
19.08.2012, 16:26
Interessiert sich jemand für den CT Befund unseres Patienten?
Na klar! Aber hurtig :-)

Bzgl. der Gerinnung: Marcumar hat er ja schon länger nicht mehr eingenommen? Offensichtlich hat die Leber schon einen größeren Schaden abbekommen, wenn das der Spontanquick ist.

psycho1899
19.08.2012, 16:28
Jo, sag mal an und spann uns nicht auf die Folter ;-)

lupina81
19.08.2012, 16:37
Also wenn ich mir das Bild betrachte (in Zukunft hänge ich die Originalbilder an die Fälle an) sehe ich .. nichts. Okay, er hat etwas mehr Platz falls er mal bluten würde dauert die Einklemmung halt länger. Aber sonst, nix. Mir ist das jetzt irgendwie unangenehm, nicht, dass man hofft, dass da was sei, aber man steht zumindest nicht ganz so doof da mit dem ganzen Vorgeplänkel. Der Neurologe hält sich mit seiner Bewertung höflich zurück. Und nun? MRT absagen? Schwindel ist laut Patient weg. Allerdings liegt er auch nur rum. Auf welche Station würdet ihr den Patienten aufnehmen? Oder gar nach Hause schicken?

Relaxometrie
19.08.2012, 16:40
Da hier ja einige Neurologen unterwegs sind, möchte ich mich bedeckt halten, mache aber trotzdem einen Vorschlag:
MRT nicht absagen, denn es könnte ja (auch trotz des niedrigen Quick-Wertes) immer noch ein ischämischer Insult dahinter stecken.

lupina81
19.08.2012, 16:42
Also stationär aufnehmen und morgen MRT? Dann muss er konsequenterweise auf die Stroke. Andere Meinungen?

Miss
19.08.2012, 16:43
Was meint denn der Neurologe?
Nicht wirklich meine Baustelle, ehrlich gesagt :-nix

dreamchaser
19.08.2012, 16:48
Ich würde den aufnehmen und zunächst als TIA laufen lassen (ich weiss, dass die Stroke unseres Konzerns den nicht nehmen würde) und das MRT auf jeden Fall durchführen. Ein Kleinhirninfarkt zeigt sich im CCT ja nicht unbedingt und die kleinen Läsionen sieht man eh im MRT wohl besser.