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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Schwindelerregend - Routineeinsatz im Milieu?



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Hellequin
20.08.2012, 11:04
Hab noch mal schnell den Originalbefund der "Duplexsono hirnversorgende Gefäße" herausgesucht:

"Rechts: Die ACC ist etwas elongiert, aber durchgängig. Unauffällige ACE. Die ACI weist am Abgang grobschollige Verkalkungen auf, die Restlichtung ist mit echoarmem Material nahezu vollständig ausgefüllt. Duplexsonographisch allenfalls geringer Flussnachweis in der ACI. Links: geringe Kalkplaques im Bereich der Karotisgabel.
Beurteilung:
Subtotaler Verschluß der re. A. carotis interna.

Und weil ja sonst keiner die Spannung aushält, hier der CT Angio Befund:
subtotaler Verschluss der re. AICA bei artherosklerotischen Veränderungen der A. basilaris und beider Aa. carotis interna (re > li).
Ich verstehe das jetzt schon richtig das der subtotale Verschluss der ACI rechts im Duplex in der Angiographie nicht nachgewiesen werden konnte?


Oder würde dir in diesem Fall nur eine DWI reichen?
Wenns nur um die Frage Ischämie ja/nein geht sollte eine Diffusionswichtung ausreichen.


Was macht man eigentlich therapeutisch in diesem Fall? Plavix zusätzlich trotz Q 60%?
Quick 60% entspricht ca. einem INR von 1,4, also dtl. unterhalb jeglichen therapeutischen Fenster liegt wäre aus meiner Sicht schon eine Therapieeskalation von ASS auf Plavix indiziert.

lupina81
20.08.2012, 12:16
Im MRT fanden sich letztendlich mehrere kleine "Einschläge" mit einem beschriebenen Alter von bis zu 14 Tagen. Es wird also von "alt" gesprochen. An dieser Stelle haben die Neurologen die Diagnostik auch beendet und den Patienten zur Carotis TEA vorgestellt. Die war dann am Folgetag ziemlich problemlos. Die zukünftigen Medikamente des Patienten werden um eine duale Plättchenhemmung erweitert.

Ingesamt ein eher "klarer" Fall, wenn nicht die Vorgeschichte des Patienten wäre. Ich finde hier sieht man sehr gut, wie die weitere Behandlung unserer Patienten durch die Art der initialen Aufnahme gebahnt wird. Wer glaubt denn im Ernst, dass es gleich das komplette Programm bei einem bekannten Alkoholiker (?) mit Schwindel gibt. Es gibt viele solcher Fälle (Alkoholiker hat SAB, unterzuckert etc. und kommt erstmal zur Ausnüchterung) und es ist verdammt schwer, den "Dauergast" im Rettungsdienst immer gleich freundlich und umfangreich zu behandeln, aber das muss der Anspruch an eine gute Patientenversorgung eben hergeben. Meint ihr nicht? Zum Abschluss vielleicht noch sein BAK Wert von der Aufnahme? Ratet mal :-)

Hellequin
20.08.2012, 13:11
Und wo waren die Ischämien?

lupina81
20.08.2012, 13:19
Oh ja, sorry. Ischämien bzw. Minderperfusionen im Bereich des Hirnstamms. An den genauen Befund komme ich gerade nicht ran. Zukünftig werde ich auf jeden Fall die Bilder beifügen. Der Neurologe meinte nur "war klar" und "können wir jetzt auch nicht mehr ändern". Recht hat er.

psycho1899
20.08.2012, 17:03
KKann ich nachvollziehen, wäre bei uns aber kein Grund sofort ein MR zubekommen wenn es wirklich voll ist (viel zu wenig Meßzeit für viel zu viele Anforderungen). Oder würde dir in diesem Fall nur eine DWI reichen?



Stenose auf Basis der bekannten Gefäßerkrankung.

Was macht man eigentlich therapeutisch in diesem Fall? Plavix zusätzlich trotz Q 60%?

Unsere NRADs waren da recht kooperativ... ne DWI würde mir reichen, wenn eh noch ein CT mit Angio läuft.

Bzgl. Stenose vertebrobasilär mit cerebelläre Ischämien... sind ja auch embolisch (arterioarteriell halt). Wirkliche hämodynamische Infarkte sind eh sehr selten auch bei hochgradigen Stenosen der ICA im Vergleich zu den arterioarteriellen Embolien und im KH sollte das in Anbetracht der guten Kollateralisation eine absolute Rarität darstellen, die ich persönlich noch nie gesehen habe. Plavix ist okay... Statin hoch, RR gut einstellen... viel kann man bei dem Gefäßwrack whs. eh nicht mehr reißen.

Miss
20.08.2012, 19:31
Auch Dir vielen Dank für den Fall! :-top

Ist hierbei auch interessant gewesen zu erfahren, wie es hinterher weitergeht, dazu hört man ja oft nichts mehr, außer die Patienten landen in der *eigenen* Klinik, und davon hab ich auch in vielen Fällen überhaupt keine Ahnung.
Schön, daß so viele unterschiedliche Fachdisziplinen-Vertreter ihren Senf dazugegeben haben :-)

lupina81
20.08.2012, 19:46
Der Vollständigkeit halber .. obwohl ja niemand gefragt hat ;-) hier der BAK Wert von der Aufnahme:
umgerechnet 2,4 Promille .. konnte er gut verbergen. Soviel zu der Aussage "das letzte Bier gab es zum Abendbrot" .. oder es war ein sehr großes :grins:

psycho1899
20.08.2012, 21:27
Ich hatte nachgefragt... ;-) Kann natürlich auch mal fatal sein (Symptomatik geht mit Intox auf, BAK ist schnell da, jo, besoffen, machen wir nix). Wären dessen Gefäßprozeße nicht vorbekannt gewesen... bin mir nicht sicher, ob man bei einem BAK von 2,4 Promille bei der Symptomatik wirklich das gesamte Register gezogen hätte.

Danke für den Fall :-)