Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Facharztausbildung in den USA: Wie stehen die Chancen?
Doctorspiele
03.11.2016, 20:03
Das erklärt aber nicht warum das jetzt Resterampen sein sollen, warum sollten gerade diese Fächer langweiliger sein als andere? Ich finde das Gehirn das mit Abstand spannendste Organ und Neurochirurgie vereint eigentlich alles was ich mir von Medizin erhoffe, aber wenn sich meine Meinung mit der Zeit ändert, dann ist das eben so. Bedeutet ja nicht, dass ich davor nicht planen darf. Was Amerika angeht bin ich mir auch ziemlich sicher, es hält mich nicht viel in Deutschland und bei der Frage, ob man lieber Facharzt in Amerika oder Facharzt hier ist fällt die Antwort bei den mageren Gehaltsaussichten hier eigentlich nicht schwer.
WackenDoc
03.11.2016, 20:05
Mal auf die Idee gekommen, dass die gemeine Neurochirurgie nichts mit coolen OPs am Gehirn wie in Grey´s Anatomy zu tun hat?
Thomas24
03.11.2016, 20:09
Die Fächer sind nicht langweiliger als andere. Aber Aufwand/ Ertrag stehen in keinem vernünftigen Verhältnis zueinander.
Zu Deutsch: das tollste FACH bringt es auf Dauer nicht, wenn die BEDINGUNGEN unter denen du das Fach ausüben sollst, unterirdisch schlecht sind. Come in and burn out.
Feuerblick
03.11.2016, 20:13
Es ist leider häufig so, dass die vermeintlich geilen Fächer, insbesondere solche, die man nur bei Maximalversorgern findet, grottenschlechte Arbeitsbedingungen bieten. Überstunden, viele, viele unbefriedigende Dienste, die mit wenig bis gar keiner Ausbildung belohnt werden, weil die Abteilungen aufgrund der miesen Bedingungen chronisch unterbesetzt sind. Da geben viele zunächst euphorische Jungmediziner ihren Traum lieber auf, wechseln das Fach, haben dafür ein Leben und sind glücklich. Und wenn keiner mehr diese Fächer machen will, muss man irgendwann nehmen, was kommt. Für das Geld im Vergleich zum Arbeitsaufwand, den man dafür treiben muss, will halt jeder halbwegs gut ausgebildete und karrierebewusste Mensch nicht arbeiten. Dafür gibt es andere Länder, in denen Bedingungen und Bezahlung noch schlechter sind. Diese Leute nehmen die für Inländer grottenschlechten Jobs mit Handkuss.
Soll heißen: Es dürfte nicht allzu schwer sein, in der NCh eine Stelle zu bekommen, aber der Spaß wird sich genau wie Ausbildung und Freizeit in engen Grenzen halten.
Thomas24
03.11.2016, 20:26
Es bewahrheitet sich -wie immer- das Gesetz von Angebot und Nachfrage. If you offer peanuts, you´ll recruit monkeys.
Viele der ausländischen Kollegen aus dem Nahen Osten (also Balkan und "Gastärzte/ Stipendiaten" aus Arabien etc.) sind sicher mit Feuereifer dabei, weil Sie wirklich HTC und NCH machen wollen und es (weil in ihren Heimatländern noch als prestigeträchtiges Fach gilt?) auch sexy finden, "ich bin Herzchirurg" whatever sagen zu können.
Aber man muss Sie im Jahr 2016 mittlerweile auch allein schon deswegen nehmen, weil alle anderen Bewerber (die man ja alternativ viel lieber genommen hätte), sich für andere Dinge entschieden haben (auswandern? Keine klinische Weiterbildung, lieber MBA oder Unternehmensberatung/ Pharma etc. oder Fach mit "work Life Balance Perspektive und Chance auf Weiterbildung"). Dann muss man halt als Personal nehmen, was man so bekommt/ übrig bleibt. Gilt übrigens in zunehmenden Maßen für andere Fachgebiete...
Doctorspiele
03.11.2016, 21:02
Das sind ja alles Gründe weshalb ich die Ausbildung in Amerika erwäge. Dass Fernsehserien nicht gerade für korrekte Berufsdarstellungen bekannt sind, weiß ich. Das ändert aber nichts daran, dass es sich um OPs am Hirn handelt. Außerdem versteife ich mich auch noch gar nicht, andere Fächer habe ich nicht ausgeschlossen.
Über die nötigen Versicherungssummen in den USA hast du dich informiert?
Doctorspiele
03.11.2016, 21:06
Hab ich auch gelesen, unterm Strich sind die Gehälter überm Teich vergleichsweise aber trotzdem astronomisch.
Dann nix wie hin! Vermutlich warten die auch schon auf dich!
Irgendwo im tiefen mittleren Westen.
ehem-user-11022019-1151
03.11.2016, 22:26
Dann nix wie hin! Vermutlich warten die auch schon auf dich!
Irgendwo im tiefen mittleren Westen.
Ich feier dich, solara!!
Thomas24
03.11.2016, 22:29
Böse, Solara. :-D
Aber vor dem Studium hätte ich auch gedacht, Yale ist besser als irgendwas in Nebraska etc- wer hätte z.B. in meinem Fachgebiet geahnt, dass IOWA (WTF?!) eine große Nummer in der Residency ist, während z.B. Yale eher durchschnittlich sein soll :-oopss
Doctorspiele
03.11.2016, 23:20
Chill mal, kein Grund so schnippisch zu werden.
Nessiemoo
03.11.2016, 23:24
Die Fächer sind nicht langweiliger als andere. Aber Aufwand/ Ertrag stehen in keinem vernünftigen Verhältnis zueinander.
Über Geschmack streitet man ja nicht, aber ich muss sagen dass der generelle Konsensus unter 99% meiner Kommilitonen ist dann doch, dass Neuro- und Herzchirurgie ziemlich langweilige Fächer sind. ^.^ Sehr fokussiert auf ein Organ mit dann doch relativ wenigen verschiedenen Eingriffen. Ich freue mich trotzdem, dass es immer noch Leute gibt, die sowas machen wollen.
Doctorspiele
03.11.2016, 23:36
Wie sieht die allgemeine Meinung bezüglich Kinderchirurgie aus? Ich habe gelesen, dass es sehr breit gefächert sein soll.
Kackbratze
03.11.2016, 23:50
Die ist technisch gesehen ziemlich klein, beschränkt sich auf Kinder.
Doctorspiele
04.11.2016, 06:49
Ja, aber ich hab gelesen, dass die Kinderchirurgie viele chirurgische Disziplinen vereint, die man ansonsten nicht im selben Fachgebiet macht, nur eben an Kindern.
Absolute Arrhythmie
04.11.2016, 06:57
Mach doch mal Praktika (oder später eben Famulaturen) in den Bereichen, die dich interessieren. Dann siehst du ob es dir gefällt oder eben nicht. Und du kannst ja auch im Studium schon das USMLE mitschreiben.
Aber ich würde mich vor dem Studium nicht so arg auf einen Bereich festlegen. Du lernst alles mögliche kennen in den 6 Jahren, es lohnt sich mit offenen Augen durch die Klinik zu gehen!
Wenn du studierst kannst du ja auch schon versuchen in die USA zu kommen für Famulaturen oder PJ. Lies mal ein bisschen hier im forum, es gibt durchaus Leute, die das gemacht haben.
Das ändert aber nichts daran, dass es sich um OPs am Hirn handelt.
Langweilig! Wir machen OPs am offenen Hintern! DA wird die wahre Chirurgie zelebriert!
Hab ich auch gelesen, unterm Strich sind die Gehälter überm Teich vergleichsweise aber trotzdem astronomisch.
Naja, wenn man aber die Versicherung abzieht, dazu die Lebenserhaltungskosten, dann relativiert sich das alles. Und wenn Du erstmal aus einem gesunden jungen Mann einen sabbernden Deckengucker gemacht hast, weil DU am OFFENEN Gehirn rumgeschnippelt hast, dann ist Dein gesamtes Vermögen plus alles, was Du jemals verdienen wirst, auf dem Konto der Angehörigen zu finden. Wobei Du im Knast ja nicht so viel verdienst beim Aufräumen der Highwayseitenstreifen...
Und wenn die Angehörigen Dich finden, dann kann es auch noch mal interessant werden. Ich habe gehört, die sind alle bewaffnet da.
Aber vor dem Studium hätte ich auch gedacht, Yale ist besser als irgendwas in Nebraska etc- wer hätte z.B. in meinem Fachgebiet geahnt, dass IOWA (WTF?!) eine große Nummer in der Residency ist, während z.B. Yale eher durchschnittlich sein soll :-oopss
BOSTEN, BALTIMORE, BÖRNIG!!! Ja, genau. Herne-Börnig! Zentrum für Kinderchirurgie. In einem Atemzug genannt mit den großen Zentren der Wissenschaft. Und ich war da! :-)) :D
Ja, aber ich hab gelesen, dass die Kinderchirurgie viele chirurgische Disziplinen vereint, die man ansonsten nicht im selben Fachgebiet macht, nur eben an Kindern.
Genau! Kinderchirurgie ist die einzige Fachrichtung die ALLES kann. Zwar nichts so richtig, aber dafür von allem ein bißchen. ;-)
Und Kinder sind bestimmt DOCH kleine Erwachsene. Deswegen ist das alles gar nicht so kompliziert wie alle immer tun...
Das ändert aber nichts daran, dass es sich um OPs am Hirn handelt.
Glaubst du das ernsthaft? Nur mal zur Klarstellung: Neurochirurgie besteht unter anderem aus Operationen am Hirn, Operationen an der Schädeldecke (Bohrlochtrepanation, Entdeckelungen etc.), an intrakraniellen Gefäßen (Aneurysma) und z.B. aus Operationen an der Wirbelsäule. Laminektomien, Versteifungen und Diskusprolapsgeschichten werden gerne auch von Neurochirurgen gemacht. Und vor allem letzteres sind nicht wenige. Also dass du da in eine Klinik gehst und sagst "ich operier jetzt mal am Hirn" -> vergiss es. Die erste Frage ist ob die Klinik das überhaupt anbietet, dann ob es noch jemand anderes machen darf außer Chef/OA und dann ob du selbst dran kommst...
Das ist für mich so wie wenn jemand in die Viszeralchirurgie will und sagt: ich will Leber und Pankreas operieren und nicht versteht dass Weichteil- und Perianalabszesse auch dazu gehören und in den meisten Kliniken mehr sind.
Dann kommen im Laufe des Berufslebens noch so Dinge wie die (fehlende) "Work - Life (?)" Balance, die mangelnde Wertschätzung (durch Kollegen/ Vorgesetzte und Patienten), begrenzte (auch durchaus finanziell, aber nicht nur) Perspektiven etc.
Und da würde ich sagen: da täuscht du dich. Es gibt inzwischen viele niedergelassene Neurochirurgen, die einfach "nur" Wirbelsäulen operieren. Das dafür auf hohem Niveau. Die haben eine Praxis, klare OP-Zeiten, keine Wochenendarbeit und verdienen teilweise sehr gut. Die Wertschätzung durch die Patienten kommt dazu.
Wie sieht die allgemeine Meinung bezüglich Kinderchirurgie aus? Ich habe gelesen, dass es sehr breit gefächert sein soll.
Ist es sicherlich auch. Und dann wiederum nicht. Was machst denn gefäßchirurgisch an Kindern? Ok, Gefäßverletzungen die extremst selten sind, aber da wird dann doch der Gefäßchirurg gerufen. Knochenbrüche werden erst chirurgisch versorgt wenn es überhaupt einen Knochen gibt der versorgt werden kann, Bauchchirurgisch hast halt vor allem Ileus/Hernien/Blinddarm usw.
Auf der einen Seite breit, weil von sehr kleinen Kindern bis kleine Erwachsene, aber dann in den einzelnen Bereichen wieder nicht so breit weil sich einiges erst später ausbildet.
Ich kann mich da den Vorrednern nur anschließen: schau es dir an.
Genau! Kinderchirurgie ist die einzige Fachrichtung die ALLES kann. Zwar nichts so richtig, aber dafür von allem ein bißchen. ;-)
Schön wieder von dir zu lesen. Die Kinderchirurgen die ich kennen gelernt hab fühlen sich auch selbst wie so die Allgemeinmediziner der Kinder. Besser noch als die Pädiater die dann doch ihre Patienten wieder den Kinderärzten vorstellen um eine OP-Indikation auszuschließen. Die Kinderchirurgen brauchen niemanden mehr fragen... ;-)
Werde doch gleich Allgemeinmediziner, alles andere spielt sowieso eine Liga drunter! Tolles Sozialprestige, da kann ein Neurochirurg einpacken, schon mal die Oma gefragt wer ihr liebster Doktor ist? Gute Arbeitszeiten, fette Kohle aufm Konto, allwissend auf allen medizinischen Gebieten (quasi der Dr. House unter den Medizinern), ziemlich schnell Chefarzt wenn man will und kann man auch in den USA machen :-))
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