Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Studium, Kind und dann erst Arbeit? Kann man gute Mutter+Ärztin sein?
Dann müssen aber auch die Finanzen passen.... Mein Mann verdient mehr als das doppelte von meinem Gehalt, wenn er 50% reduzieren würde könnten wir uns Haus, 2. Auto usw. nicht mehr leisten. Deswegen bleibt uns gar nichts anderes übrig, als dass ich mich um die Kinderbetreuung kümmern werde, egal wie gerne mein Mann mithelfen würde.
Edit: wenn ich dann wieder arbeiten werde, wird er morgens das in den Kindergarten bringen übernehmen oder wenn das Kind mal wegen Krankheit abgeholt werden muss wird er das dann auch machen (gleitzeit sei dank). Außerdem kann er ab und zu home office machen. Mehr geht halt nicht.
Das ist hier ähnlich. Seine Vätermonate konnten wir uns leisten und mein Mann bringt die Kinder morgens zur Kita, das ist sein fester täglicher "Job" in der Familie (und für mich wäre es ein riesiger Umweg). Aber reduzieren wäre bei seiner Position nicht machbar (und auf einer anderen wäre das Grundgehalt niedriger und dann noch reduzieren), da würde es auch nicht helfen, wenn ich aufstocke.
Selbstverständlich nimmt mein Mann jetzt, wenn ich wieder arbeite, erstmal die Ferien frei etc. und betreut unser Schulkind und hat Abende abgedeckt, wenn ich spät hatte ins Wochenenden, wenn ich da arbeiten musste. Beide auf 75% o.ä. wäre finanziell aber auch nicht drin und bei seiner Stelle auch nicht wirklich machbar.
Und ich bin ehrlich, selbst wenn es finanziell machbar gewesen wäre, hätte ich nicht darauf verzichten wollen, jeweils das komplette erste Lebensjahr unserer Kinder zuhause zu bleiben. Die Zeit vergeht sowieso viel zu schnell.
LG
Ally
Colourful
21.09.2017, 10:23
Ja, so etwas ähnliches wollte ich dazu auch schreiben - Frauen heiraten ja gern im sozialen Gefälle nach oben und Männer nach unten, von daher ist es bei einer Ärztin ja durchaus wahrscheinlich, dass der Partner mindestens gleich viel oder mehr verdient und auch einen verantwortungsvollen Posten hat.
Und wenn man dann davon ausgeht, dass Arzt hier schon der "kleinere Job" ist, dann ist es, so erlebe ich das zumindest, dann von dem promovierten Naturwissenschaftlermann (so mit richtiger Promotion und gern doppeltem Studienabschluss), der in der freien Wirtschaft sehr viel Geld verdient, zuviel verlangt ist, dass er seine Stunden reduziert.
Dann ist das meistens genau so wie Ally das schon beschrieben hat. Und trotz aller Unwegbarkeiten ist es dann für die Ärztin einfacher nachmittags zu Hause zu sein. Sonst muss man sich eben sehr aktiv einen Krankenpfleger suchen.
Jule-Aline
21.09.2017, 11:01
Der Krankenpfleger hat aber sein 3 Schichtmodell.Habe ich an meiner ersten Arbeitsstätte so erlebt.Eine Kollegin aus der Inneren und ihr Mann aus der Notaufnahme.Da musste genau mit dem Dienstplan geschaut w erden,wann kann er Spät-oder Nachtdienst machen.
An der Uniklinik ist es eher unüblich bzw. teilweise unerwünscht,das Mann seine Stundenzahl im ärztl.Bereich reduziert.Gibt aber wie immer auch hier Ausnahmen.
Ich find's ja auch immer erstaunlich, dass ich offenbar den einzigen Volltrottel in diesem Land geheiratet habe, der in seinem Job so entbehrlich ist, dass er Teilzeit arbeiten kann.
Über finanzielle Lücken zu klagen, wenn die Hauptverdienerin eine Vollzeit-arbeitende Ärztin ist, finde ich fast schon zynisch.
Ich habe meine ersten beiden Kinder in der Weiterbildungszeit bekommen, für 7 bzw. 12 Monate pausiert, dann wieder Vollzeit und mein Mann Teilzeit. Optimal eigentlich, die Weiterbildungszeit verlängert sich kaum und man hat keine Schwierigkeiten mit Rotationen etc. Bei der Geburt des Kleinen war ich Fachärztin, bin nach 7 Monaten wieder eingestiegen wegen auslaufenden Vertrages (der dann entfristet wurde), mein Mann war 9 Monate zu Hause, seither arbeiten wir beide 30 h. Ich kann mir kein besseres Modell vorstellen. Es ist ja auch schön, Zeit mit den Kindern zu verbringen, nicht nur für Mütter.
Da hast du es echt gut. Ich habe ebenfalls "leider" einen Mann in einer Führungsposition in der Industrie. Reduzieren undenkbar. Da bleibt alles an mir hängen. War häufig Streitthema da ich mir das auch immer anders vorgestellt habe, sehe aber dass es nicht zu ändern ist es sei denn er sucht sich einen neuen Job. Unter uns Ärzten finde ich es immer lustig zu sehen wie unvorstellbar es für die meisten männlichen Kollegen ist zu reduzieren. Egal was die Frau/Freundin macht. Bei Ärztinnen ist das natürlich ganz was anderes.
SusiSorgenlos
21.09.2017, 14:26
:) mein Mann ist auch entbehrlich und macht gerade insgesamt 16 Monate Elternzeit:) mein Problem dabei ist eher, dass es mir einfach schwer fällt, wenn ich die Kinder so wenig sehe bzw. Nach der Arbeit einfach ko bin und das Gefühl habe, Ihnen nicht mehr genug Aufmerksamkeit entgegen zu bringen.
maniac89
21.09.2017, 14:41
Ja, so etwas ähnliches wollte ich dazu auch schreiben - Frauen heiraten ja gern im sozialen Gefälle nach oben und Männer nach unten, von daher ist es bei einer Ärztin ja durchaus wahrscheinlich, dass der Partner mindestens gleich viel oder mehr verdient und auch einen verantwortungsvollen Posten hat.
Also "rein formal" als (promovierte) Ärztin nach oben zu heiraten ist ja kaum möglich. Da muss man sich schon den Uniprofessor angeln. ;) Und alle anderen Gehaltsunterschiede sind halt die Folge von persönlichen Entscheidungen. Wenn beide Elternteile trotz Kindern ihre Karriere verfolgen, wird der Gehaltsunterschied nicht irgendwann so groß, dass es sich für die Frau tatsächlich nicht mehr lohnt, Vollzeit zu arbeiten.
Eigentlich sollte man als Ärztin da doch in einer besseren Verhandlungsposition sein als die vielen Frauen, die sich leider immer noch für einen brotloseren Job entscheiden. Wenn sich ein Paar aus finanziellen Gründen für das "Hauptverdiener/Nebenverdiener"-Modell entscheidet, ist das okay, aber wenn man wie die TS noch am Anfang der Familienplanung steht, kann man ja anders planen.
So ein Modell wie hiddl es beschreibt, stell ich mir für mich auch ideal vor. Nur sinds bei mir noch theoretische Überlegungen. ;)
Korrigiert mich, wenn ihr das anders seht, aber eigentlich find ich Medizin ein relativ familienfreundliches Fach. Weil einen kein Chef dumm anmacht, wenn man ankündigt, Elternzeit zu nehmen (durch den Frauenanteil einfach völlig normal), man durch den Ärztemangel auch Teilzeitstellen findet bzw. Teilzeit weiterarbeiten kann und drittens, weil man vor allem später in der ambulanten Versorgung gut reduziert arbeiten kann und dabei trotzdem gut verdient.
Korrigiert mich, wenn ihr das anders seht, aber eigentlich find ich Medizin ein relativ familienfreundliches Fach. Weil einen kein Chef dumm anmacht, wenn man ankündigt, Elternzeit zu nehmen (durch den Frauenanteil einfach völlig normal), man durch den Ärztemangel auch Teilzeitstellen findet bzw. Teilzeit weiterarbeiten kann und drittens, weil man vor allem später in der ambulanten Versorgung gut reduziert arbeiten kann und dabei trotzdem gut verdient.
Naja, Medizin ist ja nicht ein Fach. Ich bin in der Chirurgie und unser Frauenanteil ist sehr gering. Wir sind eigentlich nur 2 Frauen im passenden Alter vs ca 20 Männer. Teilzeit ist echt schwierig (willste mitten in der OP abhauen?) und man hat neben der verlängerten WB-Dauer ja auch noch Eingriffe zu sammeln... Und ambulant : die chirurgischen Kassensitze sind sehr begehrt, da kommt man als frische Fachärztin nicht einfach so rein, zumindest nicht, wenn man nicht in der wildesten Pampa lebt.
tragezwerg
21.09.2017, 19:25
Also "rein formal" als (promovierte) Ärztin nach oben zu heiraten ist ja kaum möglich. Da muss man sich schon den Uniprofessor angeln. ;) Und alle anderen Gehaltsunterschiede sind halt die Folge von persönlichen Entscheidungen. Wenn beide Elternteile trotz Kindern ihre Karriere verfolgen, wird der Gehaltsunterschied nicht irgendwann so groß, dass es sich für die Frau tatsächlich nicht mehr lohnt, Vollzeit zu arbeiten.
Eigentlich sollte man als Ärztin da doch in einer besseren Verhandlungsposition sein als die vielen Frauen, die sich leider immer noch für einen brotloseren Job entscheiden. Wenn sich ein Paar aus finanziellen Gründen für das "Hauptverdiener/Nebenverdiener"-Modell entscheidet, ist das okay, aber wenn man wie die TS noch am Anfang der Familienplanung steht, kann man ja anders planen.
So ein Modell wie hiddl es beschreibt, stell ich mir für mich auch ideal vor. Nur sinds bei mir noch theoretische Überlegungen. ;)
Korrigiert mich, wenn ihr das anders seht, aber eigentlich find ich Medizin ein relativ familienfreundliches Fach. Weil einen kein Chef dumm anmacht, wenn man ankündigt, Elternzeit zu nehmen (durch den Frauenanteil einfach völlig normal), man durch den Ärztemangel auch Teilzeitstellen findet bzw. Teilzeit weiterarbeiten kann und drittens, weil man vor allem später in der ambulanten Versorgung gut reduziert arbeiten kann und dabei trotzdem gut verdient.
Familienfreundlich ist Medizin definitiv nicht...da muss man dann eher Lehrer werden oder irgendeinen Bürojob mit geregelten Arbeitszeiten suchen. Und dass Chefs einen nicht dumm anmachen stimmt nicht. Medizin ist gerade in den oberen Etagen eine Männerdomäne, und da ist Verständnis für Dinge wie Elternzeit und Kinderbetreuung rar. Und nach dem Wiedereinstieg war es das mit Rotationen etc. weil man aus Sicht des Arbeitgebers zu unflexibel ist. Schichtdienst und Kinderbetreuung sind auch schwer zu vereinen. Familienfreundlich ist das für mich nicht.
Ich gehöre auch zu der Fraktion mit geringer verdienendem Ehemann, der den Hauptteil der häuslichen Dinge inkl Kinderkram stemmt. Und aktuell passt das für uns, obwohl ich manchmal gern nur 50% arbeiten würde. Dann reicht es finanziell aber nicht.
Wir arbeiten beide 60%. Ich verdiene mit meinen 60% mehr als mein Mann mit seinen. Wobei ich das echt sekundär finde, weil uns aktuell die Zeit wichtiger ist. Ist wie immer eine Frage der Prioritäten. Wir wohnen dafür in einer 3 Zimmer Wohnung und haben kein Auto. Dafür mehr Freizeit und die sogar manchmal auch gemeinsam. Die Kinder gehen 2 Tage in die KiTa und werden daneben fix donnerstags von Papa und die anderen 2 Tage von mir oder und beiden betreut.
Espressa
21.09.2017, 19:41
Also wirklich bemitleiden möchte ich Ärztinnen mit Arztgatten nun wirklich nicht, da sollte finanziell fast jedes beliebige Modell drin sein, was sollen sonst die ganzen Otto-Normalverdiener sagen?
Ich fand die Beiträge von McBeal und hiddl gut, und finde übrigens auch dass Medizin für mehr als ein, maximal zwei Kinder schon schwierig wird, und andere Berufe sicherlich leichter vereinbar sind mit der Familienplanung.
Die Ausbildung ist irrsinnig lang, man ist an Unistädte und Weiterbildungsstätten gebunden, dann Dienste und in vielen Fächern blöde Rotationen... dann ist es auch blöd lang raus zu sein, muss sich ständig weiterbilden, Arbeitszeiten sind manchmal schwer mit Betreuungszeiten in Einklang zu bringen.
Naja. Am leichtesten ist es sicher als Facharzt mit Teilzeitstelle und ohne Dienste. Noch leichter mit einem Mann, der sich auch einbringt, und idealerweise auch etwas reduziert arbeitet.
Falls das biologisch kritisch werden könnte, muss man die Kinder halt früher kriegen, je nach dem wie biologisch kritisch, würde ich möglichst späte assistenzzeit anstreben, oder halt nach mind. 1 Jahr. Im Studium stelle ich es mir schwierig vor, einmal finanziell, und dann mit der eingeschränkten Flexibilität bei der Stellensuche, bzw. mehrere Umzüge falls man die WB an verschiedenen Orten macht... aber hier tummeln sich ja einige, bei denen das auch hinhaut. Am Ende geht es immer irgendwie...
Mein Mann macht aktuell Teilzeit-Elternzeit und hat die Kinder an den Tagen an denen ich arbeite. Ihn macht das aber komplett platt und er freut sich schon wenn er sich wieder in die Arbeit "erholen" gehen kann. Mir geht es genau andersrum, ich erhole mich bei Kindern und Hausarbeit, und die Arbeit erschöpft mich. Eigentlich müsste ich also besser ganz daheim bleiben, und er ganz arbeiten gehen. Aber wenn ich das mache, bis die Kinder "größer" sind (zumal die Familienplanung noch nicht abgeschlossen ist), dann brauche ich glaub ich auch nicht wieder anzufangen.
maniac89
21.09.2017, 20:18
Naja, Medizin ist ja nicht ein Fach. Ich bin in der Chirurgie und unser Frauenanteil ist sehr gering. Wir sind eigentlich nur 2 Frauen im passenden Alter vs ca 20 Männer. Teilzeit ist echt schwierig (willste mitten in der OP abhauen?) und man hat neben der verlängerten WB-Dauer ja auch noch Eingriffe zu sammeln... Und ambulant : die chirurgischen Kassensitze sind sehr begehrt, da kommt man als frische Fachärztin nicht einfach so rein, zumindest nicht, wenn man nicht in der wildesten Pampa lebt.
Stimmt, alles chirurgische ist dafür eher sch****. Ging als Frau natürlich auch mit Hausmann im Rücken, aber dafür entscheiden sich echt wenige.
Was Medizin in punkto Familienfreundlichkeit für mich auf der Haben-Seite hat, kommt auch nicht durch die Jobstrukturen an sich (die sind zumindest während der Weiterbildung tatsächlich eher ungünstig), sondern durch Faktoren wie Ärztemangel und überdurchschnittliche Vergütung. tragezwerg, du ziehst den Vergleich mit Lehrern. Das ist sicherlich ein familienfreundlicherer Job als Arzt, aber lustigerweise haben Lehrerinnen UND Ärztinnen unter allen Akademikerinnen die meisten Kindern. Da spielt sicher die finanzielle Seite eine Rolle, sich die Kinder halt leisten zu können. Andere Berugsgruppen dümpeln nach dem Studium jahrelang in prekären Beschäftigungsverhältnissen rum, in wieder anderen sind die Jobstrukturen noch schlechter als in der Medizin... (Forschung z.B.)
Die Entscheidung ist meiner Meinung nach vom Partner sehr abhängig. Hat man jemanden, der mitzieht, geht vieles.
Unsere erste Tochter ist gerade so nach Ende des 10. Semesters geboren, Beschäftigungsverbot bei der zweiten nach 2 Jahren Vollzeit-Weiterbildung 5 Jahre später. Die zweite war viel früher geplant und ist aus diversen Gründen erst dann erst (geplant) gekommen. Wir fanden beide Zeitpunkte gut und würden es auch wieder wählen. Wir waren im Studium noch so gar nicht festgelegt auf ein Leben, wir waren irgendwie total offen. Das finde ich auch im Nachhinein noch sehr gut. So hat unser Kind mit schwerer Behinderung irgendwie auch nicht das Leben umgeworfen, denn es war ja eh nichts genauer geplant.
In den 2 Jahren Vollzeit hat sich mein Mann sich um unsere großen Tochter zum größten Teil gekümmert. Als ich ins Beschäftigungsverbot und Elternzeit bin, hat er einen neuen Job begonnen und ich habe den Großteil zuhause übernommen. Nach der Elternzeit bin ich in die Kinderarztpraxis, als die Kleine 17 Monate war, um keine Nachtdienste zu haben. Mein Mann war an den 2 Tagen immer da, an denen ich nachmittags Sprechstunde hatte, an den anderen 3 konnte er frei arbeiten. Als die Kleine 2,5 J. war, bin ich in die Klinik zurück. Wenn ich Dienst hatte, hat mein Mann alles gemacht. Hatte ich Dienstfrei vor oder nach Dienst, habe ich vieles abgedeckt.
Mir war es nie wichtig, schnell den Facharzt und Karriere zu machen. Ich wollte immer einfach gerne und an einem netten Arbeitsplatz arbeiten, um Geld zu verdienen und dabei auch Zeit für meine Familie zu haben. Dass ich nach 8 Jahren mit 21 Monaten Pause durch Beschäftigungsverbot und Elternzeit dann Facharzt erreicht habe und somit mit 37 in der Niederlassung am Ziel meiner eigenen Karriereleiter ankam, ist irgendwie im Nachhinein überraschend gewesen.
Auch jetzt hängt das Gelingen vom Zusammenspiel mit meinem Mann ab. Alleine hätten wir alles nie geschafft. Es sind Kompromisse und viele Absprachen nötig, aber wir empfinden uns beide sowohl als gute Eltern als auch gut in unserem Job.
Ja, Absprachen sind sehr wichtig. Als ich im Schichtdienst gearbeitet habe, habe ich unserer Dienstplanerin auch immer mitgeteilt, wann auf keinen Fall Spät/Nacht ging, da mein Mann auf Dienstreise war oder einfach einen späten Termin hatte (er musste immer etwas früher los, um die Kinder von der Kita zu holen, wenn ich spät hatte). Das war aber dank kleiner Klinik und flexiblem Dienstplans immer gut machbar.
Ich werde übrigens voraussichtlich (wenn ich auf 50% bleibe), etwas mehr als zwölf Jahre für den Facharzt brauchen, empfinde das aber nicht als schlimm, da ich eben mehr zur Fraktion "die Kinder sind nur jetzt klein, arbeiten kann ich immer noch" gehöre. Aber mal schauen. :-)
Zur Familienfreundlichkeit der Medizin: die Arbeitszeiten und ihre fehlende Kompatibilität zu Standardbetreuungszeiten empfinde ich auch als familienfeindlich.
Einen Vorteil sehe ich allerdings darin, dass man durch die notwendige 24/7 Versorgung der Patienten in der Medizin daran gewöhnt ist, Aufgaben und Verantwortlichkeiten zu teilen und sich übergaben zu machen und es daher, zumindest, wenn volle Dienste gearbeitet werden, völlig unkompliziert ist, Stellen zu teilen. Und es gibt eine vertragliche Regelarbeitszeit, die dafür auch sinnvoll ist.
Das sieht in der freien Wirtschaft/Industrie ganz anders aus, da liegen Verantwortlichkeiten und Projekte bei Einzelpersonen, was es schwieriger macht und in den etwas höheren ebenden sind AT-Bezahlungen und Vertrauensarbeitszeit üblich, da wäre eine Stellenteilung schwierig.
Da muss wirklich jede Familie je nach Konstellation ihre individuelle Lösung finden.
LG
Ally
Chirurgie geht auch in Teilzeit. Ich verstehe dieses Argument nicht, dass man sich nicht ablösen kann. Da halten die Chirurgen meiner Meinung nach an alten Strukturen fest.
Ich habe allerdings das Teilzeitmodell in der Chirurgie mit festen freien Tagen kennen gelernt. Bei Reduzierung der täglichen Arbeitszeit wird man sonst häufig in die Ambulanz gesteckt.
roxolana
22.09.2017, 09:51
Wahrscheinlich würde es in der Chirurgie auch irgendwie gehen, aber die Chefs wollen das halt meistens nicht. Ich hab mich auf einer Karrieremesse mal mit so einem Chefarzt unterhalten - der meinte "bloß nicht Teilzeit!". Ich frage mich, ob die Leute echt lieber Stellen unbesetzt lassen als einen Teilzeit-Mitarbeiter einzustellen.
Das Problem mit Teilzeit in der Chirurgie ist dass es nicht so viele gute Stellen gibt. Wenn es da dann mehrere Bewerber gibt wird eben der mit Vollzeit genommen. Und an Stellen mit nur wenigen Bewerbern will man oft der Rahmenbedingungen wegen ohnehin nicht arbeiten.
Möglicherweise tut das die DRV als Kollateralschaden ab. Es geht ja um die höhere Ordnung :-))
Mit dem Notarztwesen kenne ich mich nicht so aus. Im Krankenhauswesen ist es aber mittlerweile üblich, daß die sog. Honorarärzte für einen definierten Zeitraum als Arzt bei der jeweiligen Agentur ganz normal angestellt sind und Du den ausgelobten Stundenlohn als Arbeitnehmerbrutto erhältst. Also die klassische Zeitarbeit. Die DRV ist da völlig raus und die Agenturen führen auch Steuer, ÄV-Beiträge etc. ab. Die Inserenten hinten im DÄB arbeiten weit überwiegend so (did that before, ich weiß, wovon ich rede). Nachteil ist natürlich, daß es für den AG noch teurer wird, zumal die Agentur und deren Verwaltung auch bedient werden will. Im Krankenhauswesen scheint das aber kein Problem zu sein.
Wenn im nun Notarztwesen keine entsprechende Vergütung herausspringt, so what... die Politik, die den Ärztemangel allenthalben beklagt, hätte ja z.B. die DRV zuirückpfeifen oder Gesetze ändern können.
Chirurgie geht auch in Teilzeit. Ich verstehe dieses Argument nicht, dass man sich nicht ablösen kann. Da halten die Chirurgen meiner Meinung nach an alten Strukturen fest.
Ich habe allerdings das Teilzeitmodell in der Chirurgie mit festen freien Tagen kennen gelernt. Bei Reduzierung der täglichen Arbeitszeit wird man sonst häufig in die Ambulanz gesteckt.
Irgendwie gehts schon. Wir haben zb einen männl (!) Kollegen, der nach dem Facharzt nur 4 Tage/Woche gearbeitet hat, damit seine Frau (die wegen Kindern pausieren hatte müssen) auch schnell den Facharzt machen kann. Er hat das dann bald aus verschiedenen Gründen wieder aufgegeben, noch bevor seine Frau soweit war. Einerseits hatte er selbst das Gefühl, nicht gut mitzukommen was die Patientenfälle angeht. Wenn man dann wegen dienstfrei noch 1 oder 2 Tage fehlt, hat man halt null Kontinuität. Andrerseits hat ihm auch sein OA das Gefühl gegeben, dass man ihm ja keine zusätzlichen Aufgaben geben könne etc.
(Und er meinte auch, dass er überproportional weniger Gehalt bekäme, ca 1000 E weniger bei 80% Arbeit...aber das finanzielle Argument kann ich bei unserem Job auch nicht richtig nachvollziehen).
Aber das sind natürlich insgesamt eher Gründe, die man nicht verallgemeinern kann. Der Kollege ist in der Gefäßchirurgie mit langen und komplexen Verläufen. In der Unfallchirurgie ist das ja zb schon anders.
Mein Chef hat es aber mitgemacht.
Powered by vBulletin® Version 4.2.3 Copyright ©2026 Adduco Digital e.K. und vBulletin Solutions, Inc. Alle Rechte vorbehalten.