Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : 10 Kaffee auf 5 Sitzungen aka Die Betriebsmedizin
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denkstdu
04.02.2019, 19:28
@Raidn: Du hast vollkommen Recht. In Bayern ist dies auch schon vor ner neuen Weiterbildungsordnung so gewesen, denn Bayern hat die aktuelle meines erachtens in den anderen Bereich noch nicht umgesetzt. Also es ist so: Zusatzbezeichnung Betriebsmedizin geht in Bayern auch ohne Facharzt, du brauchst 9 Monate in Vollzeit plus den tollen Kurs. Und halt auch nicht zwingend vorher Innere, wobei dies für die Untersuchungen und Sprechstunden in Betrieben wirklich sehr sinnvoll ist. Zum Beispiel glaube ich kaum, dass du in deiner bisherigen Tätigkeit schon einige Ergos gemacht hast, welche du für gewisse Untersuchungen auch brauchst und beurteilen musst, ebenfalls ist es sehr hilfreich bezüglich psychothemen bissel was zu wissen, Impfthemen sind auch wichtig, das alles kannst du in der Allgemeinmed. Praxis lernen und erfahren und gehst dann gewittmeter in die Arbeitsmedizin... Ist halt bloß so meine Meinung.....Hatte aber auch schlechte Erfahrungen mit einem Kollegen der halt vorher keien Innere hatte, da hat halt einiges gefehlt.
WackenDoc
04.02.2019, 19:39
Wichtig ist ja auch WÄHREND der Ergo zu beurteilen ob das EKG und Blutdruck normal sind oder ob man abbrechen muss.
Lufu ist jetzt nicht soo schwer, aber hilfreich das vorher mal gesehen zu haben.
Orthopädisches Grundlagenwissen ist auch wichtig.
So grob sollte man einen Plan von ADHS haben (haben halt viele und ist immer mal wichtig für Eignungen).
Und gar nicht mal soo selten und kommt gar nicht im Kurs vor- Drogen.
roxolana
04.02.2019, 20:41
Und gar nicht mal soo selten und kommt gar nicht im Kurs vor- Drogen.
Da hätte ich direkt eine Frage zu. Ich habe ab und zu Patienten, die kommen mir etwas komisch vor, ohne dass ich etwas wirklich Greifbares habe. Bei dem einen kamen mir die Pupillen irgendwie etwas zu weit für die Lichtverhältnisse vor. Neurologisch war er bis auf eine Hyperreflexie unauffällig. Irgendwas war an ihm komisch, ich konnte es aber nicht wirklich festmachen. Ich habe noch überlegt, ob ich bei ihm einen Drogentest veranlasse, aber das waren mir dann doch zu wenige Anhaltspunkte. Gibt es da einen Leitfaden/Ratschläge/Erfahrungswerte, ab wann man einen Verdacht auf Drogenkonsum formulieren sollte?
WackenDoc
04.02.2019, 21:29
Kommt drauf an in welchem Rahmen. Also in welchem Kontext du es wissen willst oder musst.
Wenn das Wissen wichtig ist, dann halt ansprechen. Testung nur mit Einverständnis und nach Aufklärung.
Meine Probanden sind ja meist unauffällig wenn sie zum mir kommen, geben aber immer mal wieder -meist THC-Konsum oder C2- in der Anamnese an. und dann ist halt die Frage WARUM sie bei mir sind.
[gelöscht weil vielleicht doch nicht fürs Forum geeignet]
WackenDoc
16.02.2019, 11:46
Ist jemand von euch nächste Woche auf dem A2 in Hamburg?
Darf ich mal eben fragen, ob es korrekt ist, dass ich als Ärztin (SPZ, also Patientenkontakt inklusive BEs etc.) nur noch alle drei Jahre zum Betriebsarzt soll?! Kommt mir sehr selten vor.
LG
Ally
WackenDoc
17.02.2019, 09:21
Ja, das ist der übliche Abstand zwischen den Vorsorgeuntersuchungen gem. ArbMedVV (eigentlich nach der ersten Vorsorge nach einem Jahr dann nach 3).
Ansonsten anlassbezogen z.B. nach Nadelstichverletzungen.
Die Frage ist ja, was du finden willst- den Hepatitis B-Titer muss man eh nur alle 10 Jahre und das auch nur bei besonderer Gefährdung testen, Hepatitis A gar nicht. Infektionstiter für HIV und Hep C machen schon mal Sinn wegen unbemerkter Exposition.
Sehtest wegen Bildschirmarbeit ist da schon spannender- ist aber eine Angebotsuntersuchung.
Es gibt ein paar Eignungen und Vorsorgen, wo häufigere Untersuchungen vorgesehen sind, aber da fällst du nicht drunter.
Und man könnte bei einer besonderen Gefährdung häufigere Vorsorgen anbieten. Psychische Belastungen sind noch keine gesonderte Vorsorge, aber die Belastung ist ja da und die Vorsorge soll durchaus ganzheitlich gemacht werden. Also nicht nur Impfbuch kontrollieren und Sehtest machen, sondern auch mal mit den Leuten reden.
Danke! Echt interessant. Bis 2015/16 war ich jährlich. Hat sich das geändert?
LG
Ally
WackenDoc
17.02.2019, 09:46
Das wurde schon 2011 mit der ArbMedVV geändert. Kann aber sein, dass ihr einen passenden Vertrag mit eurem Betriebsarzt hattet. Irgendjemand muss es ja bezahlten.
Achso- ich hab noch vergessen, dass bei Besonderheiten auch vom Betriebsarzt verkürzte Nachuntersuchungstermine emofphlen werden können. Und ich kann das Intervall auch verlängern.
Verkürzung machen wir z.B. bei progredienten Hörverlusten oder Hörminderungen in jungen Jahren bei Lärmarbeitsplätzen (G20).
Verlängerungen z.B. nach Abschluss der Grundimmunisierung gegen Hep A und Titerkontrolle nach Hep B. Da nehmen wir das Nachuntersuchungsdatum meist komplett raus. Das ist aber eine interne Absprache mit den Firmen.
Früher war ja auch noch eine Aussage zur Eignung in der Bescheinigung und eine Befristung. Heute unterscheiden wir zwischen Eignung und Vorsorge. Das meiste ist vorsorge und Eignungen sollen eigentlich nur noch bei bestimmten Anlässen gemacht werden (stärkung der Eigenverantwortung und der Rechte von Arbeitnehmern). Die Eignungen haben deswegen bis auf Ausnahmen keine Befristung mehr. Früher war das noch komplett anders.
WackenDoc
27.02.2019, 15:19
Geschafft- alle Kurse durch!:-party
Auf der Suche nach einer Buchempfehlung für den Einstieg in die Arbeitsmedizin möchte ich hier mal nachfragen.
Gibt es etwas Kürzeres als das DGUV-Buch und den Triebig, was mir einen guten Überblick am Anfang verschafft und auch für die Praxis empfehlenswert ist (in der Art eines guten Kurzlehrbuches)?
Gibt es Meinungen zum Praxishandbuch von Petersen oder zum Elsevier-Buch von Nowak?
Oder sind vielleicht die 3 Kursbücher von Enderle zu empfehlen?
denkstdu
09.05.2019, 13:36
Vielleicht kann WackenDoc ja einen Tipp geben. Ich bin auch sehr gespannt, nochdazu, da ich nicht so richtig weiß wie ich auf die Prüfung lernen soll. Allgemeinmedizin war schon weitläufig aber da gab es wenigstens gute Bücher und den Herold aber Arbeitsmedizin ist für mich gerade noch wie ein Fass ohne Boden.
WackenDoc
16.05.2019, 20:31
bin wieder aus dem Urlaub zurück.
Was ich empfehlen kann ist das Kompendium von Busch (Ende des Jahres soll es wohl wieder eine neue Auflage geben). Das bietet einen guten Überblick, es ist alles wichtige drin. Ein paar Punkte sind etwas kurz, aber das ist nicht soo das Drama, weil das was drin steht für den Anfang reicht und den Rest bekommt man schon mit.
Dann sollte man sich die gängigen Gesetzestexte (ist ja ein sehr gesetzeslastiges Fach, hat aber auch den Vorteil, dass DAS alles öffentlich ist): Arbeitsschutzgesetz, Arbeitssicherheitsgesetz, ArbMedVV incl. AMRs!,
DGUV-Vorschrift 2 (die muss man aber nicht auswendig können aber das mit dem Betreuungsmodellen vorher verstanden zu haben ist hilfreich)
Mutterschutzgesetz ist auch einen Blick wert (Änderung Anfang 2018!)und so Kram wie Biostoffverordnung, Gefahrstoffverordnung. Einfach mal auf der Homepage der DGUV stöbern was es so gibt- TRGS, TRBA etc. Nicht komplett lesen nur mal Übersicht verschaffen.
Was man frühzeitig machen solle (weil prüfungsrelvant) ist die Merkblätter zu den BKs downzuloaden und nach und nach wenigstens mal zu lesen.
Die DGUV hat eine Veröffentlichung und "Berufskrankheitenrecht 2016" (scheint die aktuellste zu sein), was einen guten Überblick über die aktuellen, auch politischen Entwicklungen und Problematiken gibt. Dazu das "DGUV-Forum" (Fachzeitschrift, die online wohl kostenfrei ist, zumindest hab ich eine Ausgabe von 2017 lesen können).
Ich lese gerade noch das Handbuch der Betriebsmed. Praxis. Es ist aber teilweise veraltet, sehr ausfürlich und etwas unübersichtlich). Selber kaufen würde ich es nicht.
WackenDoc
16.05.2019, 20:37
Die Bücher von Enderle scheinen keine neue Auflage zu haben, dann würde ich die nicht nehmen. Seit dem Herausgabedatum haben sich grundlegende Dinge geändert. Das wäre blöd, wenn man das falsch lernt.
Mit den 4 ersten Punkten von mir habt ihr 90% von dem was ihr braucht.
Edit: In dem Prüfungen sind BKs und deren Pathomechanismus und spezielle Gefährdungen wohl Schwerpunkt. Deswegen sind die Merkblätter so wichtig, da steht der Pathomechanismus und Begründungen drin.
WackenDoc
08.06.2019, 11:03
Ich will mal einen Beispiel mit euch teilen, was man in der Betriebsmedizin zaubern kann, wenn alle an einem Strang ziehen.
Junger Schlosser mit bekanntem Krampfleiden, 2 Jahre nach dem letzten Grand mal und Medikamentenumstellung keine weiteren Zwischenfälle. Hat etwas mit der Medikamenteneinnahme geschlurt und promt wieder einen Grand mal gehabt. Keine Fahreignung für ein Jahr und jetzt die spannende Frage: Was dar er auf der Arbeit machen?
Er arbeitet mit diversen gefährlichen Maschinen (Standbohrer, Schweissgerät, Drehmaschinen, soll eigentlich diverse Fahrzeuge z.B. in die Werkhalle fahren können).
Chef will den Mitarbeiter unbedingt behalten und er ist sonst als sehr zuverlässig bekannt.
Also das Hauptproblem ist, das der Gesetzgeber ja eine erhöhte Gefahr neuer Krampfanfälle sieht, deswegen das Fahrverbot.
Wir haben mit Chef und Sicherheitsfachkraft in einer Arbeitsschutzsitzung überlegt, dass ich als Betriebsarzt keine echte Aussage dazu treffen kann, ob er Maschinen bedienen darf oder nicht- ich kann mich nur dazu äußern dass eine geringe Gefahr eines neuen Anfalls da ist. Der AG hat das Problem, dass er seinen Mitarbeiter nur für Tätigkeiten eingesetzt werden kann, für die er geeignet ist.
Also Begehungstermin vereinbart in dem jede einzelne Maschine auf ihre Gefährlichkeit im Falle eines Krampfanfalls beurteilt wird und zwar jeweils im Verhältnis zu einem normalen PKW.
Und jetzt kam raus- ein paar kleinere Maschinen werden ersetzt- so dass sie z.B. nur laufen, wenn ein Taster gedrückt wird. Ein paar darf er bedienen wenn ein Kollege dabei ist. Fahrzeuge: kein Fahren auf de Betriebsgelände. Was geht ist, Fahrzeuge in die Halle zu fahren- und zwar die, die eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf ca. 10km/h haben oder bei denen diese Begrenzung eingestellt werden kann, nur angeschnallt. Im Zweifel fährt er mit 10km/h angeschnallt gegen eine Wand vor der nichts gefährliches steht- vertretbares Risiko.
Ein paar Gefahrstoffe werden noch auf ihre Wirkung auf die Krampfschwelle evaluiert.
Aus medizinischer Sicht gab es noch ein paar warme Worte. Z.B. zu Medikamenteneinnahme, kein Alkohol, lieber krankschreibenlassen bei "komisch fühlen". Er hat selber schon Schutzmechanismen gegen das Vergessen von Medikamenteneinnahmen implementiert.
Sobald das Fahrverbot abgelaufen ist, keine Einschränkungen mehr unter regelmäßiger fachärztlicher Betreuung.
Der Patient behält seinen Arbeitsplatz, der Chef ist froh, dass er einen guten Mitarbeiter behält. Und die sicherheitsfachkraft und ich hatten mal was außerhalb der normalen Routine.
WackenDoc
27.06.2019, 16:40
Erkenntnis des Tages: es macht Sinn, BKs zu melden, auch wenn das Kriterium “Aufgabe der Tätigkeit“ nicht erfüllt ist.
Zumindest die BG Bau prüft, ob die sonstigen Bedingungen erfüllt sind, berechnet den MdE und führt ein Beratungsgespräch durch, welche Ansprüche der Versicherte hat, wenn er den Beruf aufgibt. Gerade ein paar Jahre vor Rente kann das sinnvoll sein wenn keine Umschulungen mehr in Frage kommen
pholiko1
01.07.2019, 20:59
Hatte vor einigen Wochen im Rahmen des Arbeitsmedizin-Praktikums eine Begehung einer Druckerei eines großen Blattes in NRW - ich fand das schon ziemlich spannend, das muss ich zugeben. Vom wahren Alltag eines Betriebsmediziners haben wir natürlich nichts mitbekommen (dieser hat vermutlich eh Kaffee geschlürft :-oopss ), aber trotzdem fand ich es spannend, wie vielfältig die Gefahren in einer Druckerei sein können. Hätte gerne ein wenig mehr gesehen, finds ziemlich schade dass das Fach so unterpräsentiert ist im Studium.
pholiko1
01.07.2019, 21:01
Natürlich auch mit dem Hintergrund dass es viele viele Arbeitsorte gibt, die individuell eigene Gefahren mit sich bringen. Stelle mir da beispielsweise Ölplattforme o.Ä. extrem spannend vor
Hallo Zusammen,
Ich habe den spannenden Dialog hier nun fast vollständig gelesen. Sehr toll, dass es noch so begeisterte Ärzte in der Arbeitsmedizin gibt.
Ich spiele gerade mit dem Gedanken in Köln ein neues und innovatives Unternehmen zu Gründen. Dabei möchte ich die AM modern und digital gestalten, dabei aber natürlich die ärztliche Kompetenz in den Vordergrund stellen
Hat der ein oder andere von euch Lust auf etwas Austausch und ggf. Mitwirkung?
Ich freue mich auf euer Feedback
Lg
Christian
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