Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : 10 Kaffee auf 5 Sitzungen aka Die Betriebsmedizin
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Lackdoktor
01.11.2019, 16:05
Tja. Da sagste was. Bon chance. Ich Trau mich noch nicht.
WackenDoc
03.11.2019, 13:27
Ne, lass mal- hört sich nach ner Unternehmensberatung an, die die aktuellen Themen wie Telemedizin ausnutzen will um noch mehr Vorsorgen durchzuschleusen.
Macht es Sinn, sich für den Kurs A das entsprechende Buch zu kaufen?
https://www.amazon.de/ARBEITSMEDIZIN-KURS-Gerd-J-Enderle/dp/3437229702/ref=sr_1_2?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3 %91&keywords=arbeitsmedizin&qid=1578501031&sr=8-2
Die letzte Auflage ist ja von 2002 und ich wollte mir diese veraltete Lektüre eigentlich nicht kaufen bzw. noch etwas warten (in der Hoffnung auf baldige Neuauflage).
Nun rückt der Kurs aber näher und ich überlege, ob es evtl. dafür doch hilfreich wäre.
Oder gibt es bei den Kursen Skripte o. ä., die man ausgehändigt bekommt?
Wer hat Erfahrung?
WackenDoc
08.01.2020, 16:39
Für die Kurse brauchst du gar keine Bücher. Das Buch von 2002 bringt dir rein gar nichts.
Üblicherweise werden die Vorträge als Ausdruck oder Datei zur Verfügung gestellt.
Besorg dir lieber eine Kopie der ArbMedVV, lade dir die relevanten Gesetze runter (ASiG,Arbeitsschutzgesetz etc.)
Wenn du bei Enderle den Kurs machst, bekommst du da sein Skript.
denkstdu
08.01.2020, 20:50
Ja für die Kurse brauchste wirklich kein Buch.Hinsetzen zuhören bissel was mitnehmen und bei den Begehungen viel anschauen.
Teilweise ist es aber wirklich auch einfach nur Zeit absitzen.Ich finde nicht alle Vorträge gelungen und gut.
WackenDoc
08.01.2020, 21:12
Am besten Tablet mitnehmen und einen Lehrgang mit WLAN im Seminarraum nehmen. Manche Kollegen haben parallel irgendwelche Sachen von der Arbeit bearbeitet, eMails beantwortet, Briefe geschrieben, etc.
Das mit Tablet und WLAN hat auch den Vorteil, dass man mal eben was nachschlagen kann.
Danke für die Infos.
Ich hatte hier schon mal nachgefragt, möchte aber nun noch mal bezüglich Buchtipps fragen. Evtl. gibts ja neue Erkenntnisse.
Was sind eure Favoriten? Dabei wäre mir Praxisnähe für den Alltag eines Arbeitsmediziners sehr wichtig.
DGUV Grundsätze und Kompendium Arbeitsmedizin vorhanden.
WackenDoc
10.01.2020, 04:55
Es gibt kaum welche. Wichtig: Die DGUV-Grundsätze können nur noch ein Anhalt sein, eigentlich gibt es sie nicht mehr.
Das Kompendium in der aktuellen Ausgabe ist eine gute Wahl- aber ruhig mehrfach durchlesen. Viel steht in unscheinbaren Nebensätzen.
Ansonsten DGUV-V2, ArbMedVV, MuSchuG, ASiG, ArbSchG.
roxolana
20.04.2020, 13:04
Wie läuft es bei euch aktuell in Hinblick auf Probandenuntersuchungen? Welche Hygienemaßnahmen wurden eingeleitet? Gibt es Mundschutz für euch bzw. die Probanden, wird für euch Arbeitskleidung gestellt oder untersucht ihr in euren Straßenklamotten?
WackenDoc
20.04.2020, 17:00
Wir sind noch auf Notbetrieb- also nur wirklich notwendige Vorsorgen und Eignungen (teilweise Impfungen, Vorgaben von Auftraggebern, Auflagen der Gewerbeaufsicht, Eignungen/BEM).
Da mit großen zeitlichen Abständen, möglichst wenig Untersuchungen, mehr Beratungen, wenn möglich telefon. Beratung. Organisatorisch versuchen wir möglichst alle Papiere vorab an die Firmen zu schicken- die sollen tunlichst ausgefüllt und unterschrieben mitgebracht werden.
Wir haben jetzt 2 Tage viele Impfungen- da ist z.B. warten im Außenbereich angesagt- sowohl wenn die vom vorhergehenden Termin noch da sind als auch nach der Impfung).Termine alle 30min, max. 2 Impflinge pro Termin.
Seit dieser Woche müssen die Probanden MNS (oder behelfsmäßig) mitbringen- wir haben nämlich nur eine Packung selbstbeschaffte für uns selber- da warten wir aber noch auf Lieferungen. FFP2 haben wir nur einzelne- die können unsere Risikogruppen nutzen. Plan ist dass sowohl unsere Probanden als auch wir (B)MNS tragen.
Wer rumhustet wird weggeschickt und bekommt einen neuen Termin.
Wir haben Kittel, aber ich nutze meinen nicht. Dafür halt regelmäßiges Händewaschen, Desinfizieren und eincremen.
Am Barrierenbau sind wir dran. ansonsten haben wir noch Räumlichkeiten umgebaut- Lufu z.b. so dass der Proband am Fenster steht und raus pustet.
Besprechung haben wir z.B. in einem großen Sitzungssaal und viel Lüftung gemacht.
roxolana
20.04.2020, 20:10
Interessant, danke. Bei uns soll demnächst auch der Normalbetrieb wieder hochgefahren werden, ebenfalls mit MNS für alle. Bin gespannt, wie das am Ende alles organisiert wird.
denkstdu
20.04.2020, 20:27
@roxolana Bist du auch in der Arbeitsmedizin?
roxolana
20.04.2020, 20:45
Jein. Bin im ÖD, aber wir haben auch einige Überschneidungen zur Arbeitsmedizin.
Black Mamba
09.06.2020, 13:33
Gerade auf meiner (etwas verzweifelten) Internetsuche auf das Forum hier gestoßen und mich erinnert, dass ich mich ja mal hier angemeldet hatte. Ich brauche ein bisschen Austausch mit Arbeits-/Betriebsmedizinern to be.
Ich selber habe 3 Jahre Innere gemacht und dann ein Kind bekommen, konnte mir dann nicht mehr so recht vorstellen zurück in's Krankenhaus zu gehen, wäre aufgrund persönlicher Umstände auch schwer umsetzbar (Arbeitszeiten, Dienste, keine Flexibilität, Überstunden ohne Ende, haben hier niemanden von der Familie, der zur Kinderbetreuung einspringen könnte usw).
Hatte mich dann ohne viel Nachzudenken auf eine Betriebsarztstelle beworben und wurde tatsächlich genommen. Überraschung!
Ich mache das nun seit Oktober in Teilzeit und bin so semi-zufrieden.
Die Arbeitsbedingungen sind wirklich top, ich kann recht flexibel arbeiten, kurzfristig Urlaub nehmen usw. Wirklich perfekt mit Kleinkind. Der Verdienst ist auch gut.
Der Haken ist aber, dass es einfach total langweilig ist und was mich auch total stört ist die fehlende Anerkennung. Klar, es gibt auch interessante Sachverhalte, selbst das Einlesen in Gesetzestexte macht mir eigentlich Spaß aber dass man so gar nicht mehr kurativ tätig ist ist schon ein bisschen doof. Ich fühle mich ehrlich gesagt gar nicht wie ein richtiger Arzt und weiß gar nicht ob ich das jetzt wirklich durchziehen soll - es wären noch 2,5 Jahre bis zum FA.
Weiß nicht was ich hören will. Wie geht es euch so als Arbeitsmediziner?
WackenDoc
09.06.2020, 15:34
Betreust du schon eigene Betriebe? Gehst du selbstänig auf ASAs? Hast du schon mit BEM, Eignungen oder BKs zu tun gehabt? Oft macht es mehr Spass, wenn man die Betriebe kennt und die Mitarbeiter. Wenn man immer mit den gleichen Leuten zu tun hat. Oder auch mal Spezialfragestellungen...
Habt ihr genug Zeit für Beratung der Probanden oder ist das mehr Fließbandarbeit so unter dem Motto G20-Hörtest- alles in Ordnung- schönen Tag noch?
Black Mamba
09.06.2020, 17:43
Nee, ich betreue keine eigenen Betriebe. Ich bin tatsächlich in einem mittelgroßen Klinikum als Betriebsärztin angestellt und aktuell werden nur die eigenen Mitarbeiter betreut. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass vor allem Ärzte und Pflegepersonal schnell wieder weg wollen und überhaupt nicht an den Untersuchungen interessiert sind, es als lästige Pflicht sehen. Ich kann Ihnen da auch keinen Vorwurf machen, weil ich früher auch so war. Als Außenstehender hat man ja kaum Einblicke in die Betriebsmedizin.
Wir machen nur G24,G42,G46 und G37 - ist halt recht eintönig. Dazu kommen Ergonomieberatungen, ASA Sitzungen, Mutterschutzberatung, Begehungen der Stationen/Arbeitsbereiche. Mit BEM und BK'en bin ich noch nicht so richtig in Berührung gekommen. Fließbandarbeit ist das ganze überhaupt nicht, ich hab mehr als genug Zeit aber wie gesagt, die Mitarbeiter sind meistens nicht interessiert. Fühle mich da halt auch ziemlich nutzlos und manchmal auch ein bisschen belächelt (vor allen von den "Oberen")
Vor meiner Zeit wurden auch Fremdfirmen betreut und es könnte bald auch wieder so werden (alles etwas kompliziert bei uns)...das wäre auf jeden Fall ein Lichtschimmer.
Ich muss auch einfach sagen, dass mich die Innere fachlich weiterhin sehr interessiert, halte mich auch auf dem Laufenden aber ich glaube ich schaffe das einfach nicht in meiner aktuellen Lebenssituation. Die Arbeit auf der Station ist halt verdammt familienunfreundlich.
Könnte mir vorstellen auch zwei Fachärzte zu machen aber irgendwie wäre es sicherlich komisch erst den FA Arbeitsmedizin und dann nochmal (mit Mitte/Ende Dreißig) den FA Innere/Kardio anzugehen...
WackenDoc
09.06.2020, 18:03
Achso- das liegt dann weniger am Fach als an deinem Einsatzbereich. Krankenhaus ist recht undankbar. Das einzige was ich an Krankenhäuser betreue sind externe Reinigungsfirmen. Und da bin ich heilfroh drum.
Die meisten unserer Probanden kommen ganz gerne (den Rest arbeitet man halt ab und hat mehr Zeit für die die etwas mehr Gesprächsbedarf haben). Und das ist eben nicht nur Beratung zu den ganzen G-Nummern, sondern das was sich ergibt. Ganz viel zu kardiovaskulären Risikofaktoren, viel zu Rücken, auch mal genauere Beratung was es mit Fehlsichtigkeiten (vor allem den Weitsichtigkeiten auf sich hat). Impfberatung.
Fachlich ist das alles nicht ohne, weil es ohne Vorwarnung quer durch die Medizin geht. Unsere Probanden haben oft keine gute Anbindung an den Hausarzt und wir sind die einzige medizinische Betreuung die sie abgesehen von Krankschreibungen haben.
"Meinen" Chefs muss ich ab und an mal auf die Füße treten, was den Arbeitsschutz angeht (also nicht meine eigenen, sondern von den Firmen die wir betreuen).
Allerdings verhallt auch 90% der Beratung. Manchmal freut man sich aber, wenn einer erzählt, dass er doch mit dem Rauchen aufgehört hat (ist meist der Verdienst von meinem Chef- der betreut die SChäflein ja schon länger) oder wenn man sieht, dass die Unfallzahlen in einer Sorgenkindfirma sinken.
Wer kümmert sich eigentlich um Schleimhautreizungen durch Bodenbelagsausdünstungen im Sprechzimmer, die nur durch ständig geöffnetes Fenster zu ertragen sind und mehrere Mitarbeiter betreffen? Die Klinikbetriebsärztin scheint es nicht dringend zu interessieren. Arbeitsschutzbeauftragter? Und würden die dann Messungen zur Objektivierung vornehmen?
WackenDoc
09.06.2020, 20:04
Zuständig ist der Arbeitgeber. Für technische Fragen in der Regel die Sifa und für die medizinische Bewertung der Betriebsarzt. Sinnigerweise macht man eine Begehung.
Messungen machen nur Sinn, wenn man einen Verdacht hat, welcher Stoff genau der Verursacher ist. WAS dünstet da aus dem Bodenbelag aus?
Aha. Aber was wird in einer Begehung herauskommen, wenn die Begeher nicht so empfindlich sind bzw. nicht den ganzen Tag in dem Raum verbringen? Welcher Stoff konkret gemessen werden soll, muss dann die Sifa bestimmen?
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