Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Neulich beim Urologen ... die urologische Sitzgruppe
Slippengringo
11.06.2018, 13:29
[truba][;2056964']Heute wieder einen Patienten mit Ureterolithiasis aufgenommen.
4mm Konkrement. Seit Sonntag 0.30 bei den Internisten in der ZNA und dann letztlich von uns aufgenommen.
Hatte immer wieder massive Koliken.
Alos, dann 3 x 1g Novamin und Buscopan und bei Kolik Dolantin.
Zusätzlich hab ich ihm Tamsulosin gegeben weil das Ding irgendwie an der Ilicalkreuzung hing.
Was hätte ich noch so optimieren können?
Die ACH OA sind an dem Krankheitsbild eher uninteressiert ;-)
Gibt keine Evidenz, dass Buscopan bei Koliken hilft. Schaden wird es aber wohl auch nicht.
Hätte dem Patienten noch was abschwellendes unter begleitendem Magenschutz aufgeschrieben.
Diclofenac 50 1-0-1 + Pantozol 20 0-0-1 oder so.
Und halt Saufen und Laufen, Urin sieben.
Hoppla-Daisy
11.06.2018, 16:17
Mag sein, dass es keine Evidenz gibt. Aber wir beobachten gerade das aber immer wieder ;-). Voltaren 75 mg (1-0-1) und Pantozol 40 mg (1-0-0) gehören bei mir (neben der Bedarfsmedikation Novalgin/Buscopan als KI bzw. bei stärkeren Koliken auch gerne mal 7,5 mg Dipidolor als KI) zum Standard bei nem Steinpatienten, wenn er mit Koliken aufschlägt.
Saufen, laufen, sieben, wie schon erwähnt :-)
][truba][
11.06.2018, 16:39
Dem Patienten sagen, dass er bei anstehenden Cat-OP das Tamsulosin dem Operateur mitteilt (oder das Dreckszeug aus ophthalmologischer Sicht heraus gleich weglassen :-D)
Cat-OP? Er hat nicht erwähnt, dass seine Katze operiert wird. Kennst du meinen Patienten genauer? :-P
Danke für die restlichen Infos! :-top
Mit dem Diclo und dem Pantozol wird abgespeichert. Danke
][truba][
22.11.2018, 13:50
Gibt es denn ein gutes Lehrbuch? Also nicht die aus dem Studium, sondern generell für die Weiterbildung oder wie haltet ihr euch auf dem Laufenden?
Hoppla-Daisy
22.11.2018, 15:16
Das Urologielehrbuch von Herrn Manski! :-top
Wird jährlich aktualisiert
][truba][
22.11.2018, 16:16
Cool. Danke.
Sonst irgendwelche Tipps für Neulinge?
Fortbildungen? Verhaltensweisen?
Bin mental schon gewechselt :-D
Hoppla-Daisy
22.11.2018, 17:30
Sehr gut, Truba :grins:
Hm, wenn du tatsächlich wechselst, bietet sich ein Seminar für Jungassis in der Urologie an. Da gibt es schon interessante Fobis. Und dann natürlich URS und TUR Kurse. Aber man schafft es auch gut ohne diese Kurse mit jemandem, der erfahrener Instrumenteur ist. Das ist mehr wert als alles andere. Da haste quasi nen Intensivkurs im Haus ;-). Ach ja, ich hatte o. g. Seminare und Kurse nicht.
Verhaltensweisen? Zugucken, selbst mal instrumentieren, bevor man ein Instrument als Operateur in die Hand nimmt. Ist nämlich auch ne Kunst!
Das Urologielehrbuch ist wirklich super! Manchmal aber etwas sogar zu 'überaktuell', find ich, da stehen in der 2019 Ausgabe zB schon die EAU Empfehlungen für das metastastierte Nierenzellkarzinom drin, obwohl die DGU in den Leitlinien immer noch die alten Medikamentenschemata und Risikostratifizierungen angibt.
Hoppla-Daisy
18.12.2018, 17:08
Ich hab diesen Thread ja irgendwie sträflich vernachlässigt. Gaaaaar nicht gut! Immerhin möchte ich ja auch ein wenig für die Urologie werben ;-).
Wollen wir doch mal sehen, was ich hier schon alles an Abkürzungen "abgefrühstückt" habe:
DJ
HSTN
TRUS
URS/ULP
RP
PNL/Mini-PNL/Mikro-PNL
BPH/BPS/BPO
BOO
BES
LUTS
Was gibt's denn sonst noch? Man könnte natürlich auch mal einfach ein wenig über die großen Operationen bei uns erzählen. Die sind immer wieder spannend - auch im weiteren stationären Verlauf! Wonach gelüstet es euch?
Rhiannon
18.12.2018, 17:15
Ich würde gerne mal was zu Harnröhrenkarunkel lernen. War bei 100% der "vaginalen Blutungen" aus dem Altersheim in den letzten Diensten am Ende die Blutungsursache. Was kann man tun außer Ovestinsalbe? Wann sind die Dinger zu operieren?
Hoppla-Daisy
18.12.2018, 17:39
Ha! Das ist jetzt ungewöhnlich! Damit hätt ich echt nicht gerechnet, dass ausgerechnet dieser Wunsch aufkommen würde. Aber sei's drum. Das ist ja hier quasi ne "Sprechstunde" :-))
Die meisten Damen werden vorstellig, wenn sie irgendwie nicht mehr richtig pieseln können. Meist berichten sie über gelegentlichen Blutabgang oder Harnstrahlveränderungen/-deviation ("Ich piesel neuerdings die Klobrille an!"). Manche berichten auch über eine Art Fremdkörpergefühl. Neulich stellte sich eine noch recht junge Dame vor, die zwei Geburten hinter sich hatte, die letzte davon sehr heftig im Verlauf. Und sie berichtete seitdem über eine kirschgroße Raumforderung, die zwischen den inneren Labiae aufgetaucht sei und offenbar laut Gynäkologin wohl aus der Harnröhre käme. Also, Höschen runter, mal eben zwischen die Beine gelinst. Und siehe da, ein wahrlich kirschgroßer "Tumor" (der auch farblich wie eine Kirsche aussah), der aus der Harnröhre lugte. Jetzt handelte es sich ja nun um eine junge Frau, so dass eher nicht der Verdacht bestand, dass es sich um eine maligne Veränderung handeln könnte. Letztendlich ist die operative Therapie gleich: Erstmal weg mit dem Ding!
Wir als Urologen fackeln da ehrlich gesagt auch nicht lange. Kommt eine Frau mit einem Karunkel (die Patientinnen wurden ja meist schon vom niedergelassenen Urologen gespiegelt und das Karunkel vordiagnostiziert), planen wir direkt ne Resektion. Nach der Resektion gibt es für zwei Tage einen transurethralen DK, und nach - welch Wunder - wieder normalem Wasserlassen geht es dann auch schon nach Hause. Mit Ovestin-Salbe haben wir die noch nie behandelt, ist mir nicht bekannt.
Da aber sowieso viele postmenopausale Frauen (bei denen in der Regel diese gutartigen Schleimhautpolypen auftreten) eine Scheidentrockenheit mit Inkontinenzproblematik aufweisen), ist häufig eh eine lokale Östrogentherapie mit Zäpfchen indiziert.
Histopathologisch hab ich übrigens bislang noch nie "böse Überraschungen" erlebt. Ein Karunkel blieb auch ein Karunkel.
Rhiannon
18.12.2018, 17:47
Vielen Dank! Unsere Urologen empfahlen letztens bei ner älteren (schwerst multimorbiden) Dame mit wohl eher kleinem, aber blutenden Karunkel Ovestintherapie zu versuchen. Daher komm ich drauf.
Hallo Daisy,
hab nen Pat., dem man nach einer Nierenkolik wegen BPH Finasterid gegeben hat, jetzt schon mehrere Jahre. seit Mitte 30. Das Medikament ist ja nicht ganz unumstritten. Und zudem meinte er Sägepalme/Brennnessel habe ihm besser geholfen. Was meinst du?
Hoppla-Daisy
18.12.2018, 18:55
Hm, wäre ich Mann, wäre das nicht Mittel der ersten Wahl für mich, aus folgenden Gründen (jetzt mal abgesehen davon, dass Finasterid gegen Nierenkoliken bei BPH ziemlich strange klingt):
Finasterid macht eine Volumenreduktion der Prostata, was auch zu erleichtertem Wasserlassen führt. ABER: Finasterid hat als (künstliches) Steroid ein erhebliches Nebenwirkungsprofil, wo ich als junger Mann "No Way" sagen würde. Libidoverlust, Erektionsstörungen (teils auch über die Einnahme hinaus!), Gynäkomastie, depressive Verstimmungen, vermindertes Ejakulatvolumen, um nur einige zu nennen.
Tamsulosin ist da schon "benigner": retrograde Ejakulation, orthostatische Beschwerden, Hypotonie, Schwindel, wobei das Erstgenannte die am häufigsten genannte (störende) Nebenwirkung ist.
Dann darf man im übrigen auch nicht vergessen, dass Finasterid nicht nur das Prostatavolumen um ca. 25 % reduziert, sondern auch den PSA-Wert halbiert! Ein durch ein Prostata-Ca normalerweise höher ansteigender PSA-Wert wird so unter Umständen maskiert. Darf man auf keinen Fall außer Acht lassen!
Allenfalls als Kombipräparat würde ich das einsetzen, aber keinesfalls bei einem relativ jungen Mann!
Mit der Phytotherapie macht man erstmal nix falsch. Nicht wenigen Männern hilft das auch bereits. Irgendwann kommt dann Tamsulosin. Oder eben Finasterid/Tamsulosin, aber nicht bei so einem jungen Mann :-((
O, vielen Dank, sehr spannend!
AlexStudent
20.12.2018, 06:12
Guten Morgen,
mal eine Frage, wobei ich nicht weiß, ob das mehr eine Päd-Frage ist. Es geht um die VUR und die Diagnostik bei einem Säugling / Kleinkind. Bei uns wurde gelehrt, daß man bei Jungs eine MCU macht und bei Mädchen ein Sono mit KM, wobei letztlich bei beidem der Reflux gut sichtbar wird. Ich habe einfach nicht verstanden, warum das getrennt gemacht wird?
Dazu noch eine Frage: Es gibt ja die verschiedensten Therapieoptionen hier, lt. dem Urolehrbuch von Manski werden 50% konservativ behandelt, da sich der VUR meistens verwächst. Ist die Behandlung dann eine antibiotische Dauerprophylaxe?
VG, Alex
][truba][
05.01.2019, 14:13
Ok, Freitag (vor meinem Dienst :-sleppy ) hatte ich eine weitere Hospitation in ner relativ großen Urologie (60 Betten).
Da waren sowohl die Chefs, als auch die OÄ und die Assistenten sehr sympathisch. Natürlich harte Dienste (eher so 2h Ruhezeit üblich) und die operative Ausbildung ist eher mäßig (soll wohl in den letzten 4 Wochen aber besser geworden sein) aber das scheint generell bei Urologie so zu sein?
Könnte also durchaus sein, dass das meine erste Urostelle wird.
Hoppla-Daisy
05.01.2019, 16:25
YEAH!!!! Findischjut! :-top
Schorsche
05.01.2019, 20:10
Guten Morgen,
mal eine Frage, wobei ich nicht weiß, ob das mehr eine Päd-Frage ist. Es geht um die VUR und die Diagnostik bei einem Säugling / Kleinkind. Bei uns wurde gelehrt, daß man bei Jungs eine MCU macht und bei Mädchen ein Sono mit KM, wobei letztlich bei beidem der Reflux gut sichtbar wird. Ich habe einfach nicht verstanden, warum das getrennt gemacht wird?
Dazu noch eine Frage: Es gibt ja die verschiedensten Therapieoptionen hier, lt. dem Urolehrbuch von Manski werden 50% konservativ behandelt, da sich der VUR meistens verwächst. Ist die Behandlung dann eine antibiotische Dauerprophylaxe?
VG, Alex
Die Frage bewegt sich im Nebel zwischen Päd, Kinderchirurgie oder Urologie - je nach Klinik ist jemand anders zuständig ;-) Dass man geschlechtergetrennt MCU oder Sonographie mit KM macht, ist mir neu. Die Begründung würde mich interessieren, dann kann ich noch was dazulernen. Mein Stand der Dinge ist, dass man beides machen kann, wobei Sono mit KM tendenziell weniger verfügbar ist: es gibt einfach nicht so viele, die das können. Wenn man dann einen VUR gefunden hat, wird man je nach Schweregrad fast immer erst einen konservativen Therapieversuch mit einer antibiotischen Dauerprophylaxe unternehmen (je nach Region z.B. Nitrofurantoin, Cefaclor oder Amoxicillin) und nach 12 Monaten noch einmal nachuntersuchen, man hofft auf eine Nachreifung des Ureterostiums - deshalb liegt die Zahl der konservativen Therapien wahrscheinlich auch deutlich über 50%, ich würde so auf 80-90% tippen. Wenn es unter der Therapie zu Durchbruchsinfektionen kommt, muss man noch einmal über eine operative Therapie nachdenken. Bei Jungs auch an den unteren Harnweg denken, aber das wissen die Urologen ja eh besser...
Autolyse
01.02.2019, 20:33
Gibt es eigentlich Höchstgrenzen für die Dauer einer TURP? Sowohl an Zeit als auch an verbratener Spüllösung?
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