Interview mit einer Assistenzärztin
Dies war schon immer mein Traumberuf
MEDI-LEARN
8. Wie hast du dich vor deinem ersten Dienst gefühlt und wie ergeht es dir heute, wenn es z.B. heißt "Nachtdienst steht an"?
Der erste Dienst war so ruhig, dass ich tatsächlich relativ gut schlafen konnte - obwohl ich mir Tage zuvor den Kopf zerbrochen habe mit "was-mache-ich -wenn"- Fragen. Danach kam eine Phase, in der Dienste kein Problem waren - auch wenn man wenig Schlaf bekommen hat. Inzwischen (nach 5 Jahren) finde ich Dienste einfach nur noch lästig, ärgere mich jedes mal maßlos wenn ich sinnloser weise aus dem Bett gerufen werden und komme viel schlechter mit dem Schlafdefizit zurecht als früher.
9. Würdest du noch einmal den Beruf eines Arztes ergreifen?
Ja!
10. Angabe freiwillig: Wie viel verdienst du als Grundgehalt und wie viel erhältst du samt Dienstzuschlägen (netto)?
Grundgehalt 4200 Euro. Plus Dienste kommt netto etwa 2700 aufs Konto.
11. Wie ist das Verhältnis und der Umgang zwischen Assistenzärzten und Ober- bzw. Chefärzten?
Im aktuellen Haus: Gute Absprachen/Kommunikation/Arbeitsteilung unter den Assistenzärzten - daher gutes Klima. Gute Supervision durch Oberärzte (meist) möglich. Chefarzt hält sich im Hintergrund aber auch kooperativ.
12. Wie ist das Verhältnis zwischen Ärzten und Verwaltung?
Sehr Schlecht! Falsche Eingruppierung in die Tarifgruppen des neuen Vertrags mit relativ willkürlicher Vertragsauslegung. Wenig Kommunikationsbereitschaft.
13. Wie ist das Verhältnis zwischen Ärzten und Pflegeteam?
Aktuelle Klinik (Psychiatrie): angespannt da große Kompetenzschwierigkeiten und Schwierigkeiten der Pflege mit Anerkennung der Ärzte als "Behandler" und "Anordner". In Somatik wechselnd je nach Abteilung freundschaftlich oder nicht - kommt häufig auf Einzelnen an. Insgesamt sehr abhängig vom eigenen Auftreten und Gesamtstimmung im Haus.
14. Womit entspannst du vom Arbeitsalltag als Arzt?
Sport und Musik.
15. Welche Tipps möchtest du an junge Ärzte weitergeben?
Nicht unterkriegen lassen von Verwaltungen, Vorgesetzten oder Pflege - es gibt so viele Jobs im Moment. Wichtig ist die persönliche Flexibilität! Im Umgang mit Kollegen und Patienten (und Angehörigen) immer souverän bleiben aber nie scheuen, sich im Ernstfall Hilfe bei Erfahrenen zu holen! Und: jeder Dienst geht vorbei....
16. Was findest du nach wie vor am ärztlichen Beruf faszinierend?
Gut angesehener Beruf mit ausreichendem Gehalt, der sich sehr flexibel gestalten lässt was Fachgebiet, Arbeitszeiten etc. angeht. Immer wieder neue Erfahrungen möglich - wenig langweilig.