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Ohne Bezahlung keine Behandlung

Famulatur in Togo, Westafrika

Ute Boenke

Ohne Bezahlung keine Behandlung

© / Istockphoto
Togo, ein kleiner Streifen Erde in Westafrika östlich von Ghana, ist in Deutschland wohl fast nur als ehemalige Kolonie bekannt, wenn überhaupt. Auch ich musste erst einmal auf der Karte nachschauen, als mir eine französische Freundin vorschlug, dort mit ihr eine Famulatur zu machen. Togo hat rund fünf Millionen Einwohner, Landeshauptsprache ist Französisch, daneben die häufigsten afrikanischen Sprachen Ewé (Mina) und Kabyé. Meine Freundin hatte über ein Austauschprogramm ihrer Universität Lille in Frankreich einen Platz in der Gynäkologie des Universitätsklinikums in der Hauptstadt Lomé bekommen. Auch ich faxte an das C.H.U. Tokoin eine Bewerbung, diese blieb jedoch einige Wochen liegen, so dass ich zunächst keine Zusage von dort bekam.

Über das Internet erfuhr ich von dem Bethesda-Krankenhaus in Agou-Nyogbo, einem Dorf etwa 100 Kilometer nordwestlich von Lomé. Das Krankenhaus mit rund 100 Betten wird von der EEPT (Église évangélique presbytérien de Togo) geführt und von der Norddeutschen Mission in Bremen unterstützt. Ich schrieb also eine E-Mail mit Anschreiben und Lebenslauf in Deutsch und Französisch an den Leiter der Norddeutschen Mission. Unbürokratisch und schnell bekam ich den Famulaturplatz vermittelt: Bereits 10 Tage nach meiner Anfrage hatte ich eine Zusage aus Togo! Auch im weiteren Verlauf stand mir die Norddeutsche Mission jederzeit für Fragen zur Verfügung.

Visum oder Sammel-Visum?

Für einen Aufenthalt in Togo muss bei der togolesischen Botschaft ein Visum angefordert werden, die Preise betrugen in Paris 20 Euro für einen bzw. 50 Euro für 3 Monate. Die Bearbeitungszeit war in meinem Fall bei persönlichem Erscheinen 2 Tage. Die Botschaften von Togo und Benin in Frankreich bieten zudem das so genannte „Visa d’entente“ an, ein Sammelvisum der Staaten Togo, Benin, Niger, Burkina Faso und Mali, welches zwei Monate gültig ist und 40 Euro kostet.

Die togolesische Botschaft in Deutschland stellt dieses Visum allerdings laut telefonischer Auskunft nicht aus! France Air bietet mehrmals wöchentlich Direktflüge von Paris nach Lomé an, allerdings sollte man besonders in der Hauptsaison sehr früh buchen, um noch einen der begehrten Jugendpreise für 800 Euro zu bekommen. Kostengünstige Alternative: Afriqiyah Airways bietet Flüge ab Brüssel, Paris oder Genf für 600 bis 800 Euro an, mit einem Zwischenstopp in Tripoli, Lybien, beträgt die Flugzeit insgesamt acht bis zehn Stunden. Die Fahrt von Lomé nach Agou Nyogbo habe ich mit den lokalen Transportmitteln zurückgelegt: Los ging es an der Busstation in Lomé per Sammeltaxi. Dabei handelt es sich um alte Toyota-Minibusse, die für ca. 10 Personen konzipiert sind, meistens sitzen aber 15-20 Personen darin. Abfahrt ist, wenn das Auto voll ist. Die Wagen selbst sind von zahlreichen Unfällen verbeult und der Rost hat oftmals bereits die Türverkleidungen zerfressen, so dass auch im geschlossen Zustand ein angenehmer Fahrtwind herrscht! Das Krankenhaus liegt in dem 5.000-Seelen Dorf Agou-Nyogbo am Fuße des Pic d’Agou, das ist mit 986 Metern Togos höchster „Berg“. Das Team besteht aus drei Ärzten (ein Chirurg, ein Pädiater und Allgemeinmediziner sowie ein Gynäkologe), hinzu kommen ein assistant médical sowie drei Anästhesiepfleger, mehrere Hebammen und das Pflegepersonal. Neben einer kleinen Intensivstation mit maximal sieben Betten gibt es drei Krankensäle zu je 10 Betten für die Chirurgie, mehrere Zwei- und Dreibettzimmer für Innere Krankheiten und Pädiatrie sowie eine Station für Gynäkologie und Geburtshilfe mit jeweils etwa 15 Betten. Der Kreisssaal sowie die beiden OP-Räume waren mit den notwendigen technischen Geräten ausgestattet. Zusätzlich verfügt das Krankenhaus noch über einen ophthalmologischen Untersuchungsraum und einen OP unter Leitung der Christoffel-Blindenmission sowie über eine von einer Krankenschwester betreute zahnärztliche Ambulanz.

Tropenkrankheiten kennen gelernt

Der Schwerpunkt meiner Famulatur lag in der Pädiatrie, aufgrund der dort geringen Patientenzahlen konnte ich aber auch in die anderen Fachgebiete einen guten Einblick bekommen. Mein Arbeitstag begann um 7.30 Uhr mit der Frühbesprechung und der gemeinsamen Visite. Anschließend hielt ich montags, mittwochs und freitags mit dem Pädiater und Allgemeinmediziner die ambulante Sprechstunde ab, dienstags und donnerstags begleitete ich die Ärzte in den OP. Hier konnte ich je nach Laune assistieren oder den Anästhesiepflegern zur Hand gehen. Das OP-Programm bot die breite Palette allgemein- und unfallchirurgischer Eingriffe (Hernien, Appendix, zahlreiche Frakturversorgungen) sowie zahlreiche gynäkologische Eingriffe (Kaiserschnitte, Myomektomien, Hysterektomien). In den Sprechstunden bekam man zudem ein breites Spektrum tropischer Infektionskrankheiten zu Gesicht. Fast täglich kamen Patienten mit Malaria tropica, parasitären Darmerkrankungen oder Typhus. Auch im Rahmen von AIDS auftretende Erkrankungen waren nicht selten. Leider sprachen die meisten Patienten hauptsächlich die lokale Sprache Ewé, so dass der Arzt für mich ins Französische übersetzen musste. Eigenständige Untersuchungen waren somit selten möglich. War die Sprechstunde früh vorbei oder war es im OP gerade ruhig, konnte ich bei den Hebammen vorbeischauen. Zwei Tage begleitete ich auch das augenärztliche Team der Christoffel-Blindenmission bei ihren Feldeinsätzen in entlegene Dörfer.
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