Ohne Bezahlung keine Behandlung
Famulatur in Togo, Westafrika
Ute Boenke
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Wirtschaftlichkeit für viele tödlich
Ein großes Problem in Togo ist sicherlich das mangelhafte Gesundheitssystem. So haben nur Reichere eine Krankenversicherung, während die normale Bevölkerung sich eine medizinische Behandlung kaum leisten kann. Der Staat greift hier leider nicht ein, sondern versucht, seine Krankenhäuser „wirtschaftlich“ zu führen. Dies wird besonders bei Notfällen deutlich: Ohne vorherige Bezahlung verweigern die staatlichen Krankenhäuser jegliche Behandlung, auch lebensrettende Maßnahmen. So musste meine Freundin in der Gynäkologie des Universitätsklinikums in Lomé während ihrer Diensten mehrmals miterleben, dass Frauen und ihre Neugeborenen unter der Geburt starben, da die Familienangehörigen das Geld für die Behandlung nicht rechtzeitig aufbringen konnten.
Die Situation im Bethesda-Krankenhaus war zum Glück anders. So wurden akute Notfälle zunächst behandelt, erst anschließend wurde mit dem Patient die Bezahlung besprochen. Eine Maßnahme war zum Beispiel, dass die Betroffenen auch nach ihrer Heilung das Krankenhaus erst verlassen durften, wenn sie für die entstandenen Kosten aufgekommen waren. Während der ambulanten Sprechstunde oder bei Routineeingriffen dominierte aber auch im Bethesda-Krankenhaus die Kostenfrage, und so konnte notwendige Diagnostik oftmals nicht durchgeführt werden, da die Patienten das Geld nicht aufbringen konnten.Dunkelheit beschneidet Freizeitleben
Während das Dorf Agou-Nyogbo selbst sehr wenig zu bieten hat, findet man in der nahen Kleinstadt Kpalimé einen großen afrikanischen Markt sowie kleinere Läden, auch mit europäischen Produkten, ein Internetcafé sowie mehrere Restaurants und Hotels. Allerdings ist die Fahrt mit den lokalen Transportmitteln nach Kpalimé in den Abendstunden oftmals beschwerlich und nach dem rapiden Einbruch der Dunkelheit vor 19 Uhr aufgrund der schlechten Straßenverhältnisse auch sehr gefährlich, so dass ich die Abende meist im Dorf verbracht habe.
Anfangs kann man sich da schon einsam fühlen! Das Personal des Krankenhauses war allerdings sehr nett, besonders mit den Anästhesiepflegern in meinem Alter habe ich mich angefreundet und zusammen haben wir viele europäisch-afrikanische Abende verbracht. Die Region um Kpalimé ist bekannt für ihr mildes Klima und die vielseitigen Ausflugsmöglichkeiten, absolut empfehlenswert ist die Besteigung des Pic d’Agou, eine Fahrt zu den Wasserfällen von Kpimé sowie ein Besuch bei den Mönchen auf dem Danyi-Plateau. Insbesondere für letzteren Ausflug sowie für Touren in den Norden Togos empfiehlt sich ein privater Geländewagen, da die Straßen oftmals in sehr schlechtem Zustand sind und nur wenige Taxis verkehren. Mehr Infos dazu findet ihr im „Lonely Planet“ oder „Routard“.
Französischkenntnisse zwingend notwendig
Eine Famulatur im Bethesda-Krankenhaus lohnt sich auf alle Fälle, wenn ihr Erfahrung im Umgang mit Tropenkrankheiten und dem afrikanischen Gesundheitssystem bekommen möchtet. Natürlich ist der medizinische Standard in einem solchen Entwicklungsland keinesfalls mit europäischen Verhältnissen zu vergleichen. Die Ärzte im Bethesda sind jedoch gut ausgebildet und können euch eine Medizin ohne große Apparate und technische Hilfsmittel vermitteln. Die Atmosphäre im Krankenhaus war sehr gut, das Personal stets offen und freundlich. Allerdings ist das Krankenhaus recht klein und die Patientenzahlen in den letzten Jahren zurückgegangen, so dass es meiner Meinung nach schwierig wird, wenn mehr als eine Person auf einmal dort famuliert. Praktisch könnt ihr im Bethesda-Hospital jedenfalls so viel machen, wie ihr euch zutraut, wobei die Sprache (viele Patienten sprechen nur Ewé) leider oftmals eine Barriere darstellt. Schon deswegen: Absolut notwendig für einen Aufenthalt in Togo sind gute Französischkenntnisse!