Der Präpkurs ist sicherlich DAS Highlight der vorklinischen Ausbildung: denn hier lernt der angehende Mediziner den Aufbau des menschlichen Körpers bis in das letzte Detail kennen. Wir waren neugierig, wie Studenten hierzulande den Präpkurs erlebt haben. Lies unsere Interviews, die dir einen Einblick in die Erfahrungswelt junger Mediziner liefern.
1. Kannst du dich noch an den Augenblick und die Szene erinnern, als du den Präp-Saal zum ersten Mal betreten hast? Wie sah das aus und was ging dabei in dir vor?
Natürlich kann man sich noch daran erinnern. Viele Tische mit Leichen drauf. Die Leichen sind natürlich bedeckt, sodass man sie zuerst noch gar nicht sehen kann. Ich war sehr aufgeregt und wusste gar nicht wie ich selbst drauf reagieren werde die Leichen zu sehen und dann später daran auch noch zu arbeiten. Es war dann im Endeffekt aber doch nicht so schlimm wie ich es befürchtet habe. Während des Kurses konnte ich meine Arbeit machen. Aber wenn ich mal eine Pause gemacht und daran gedacht habe wer eigentlich vor mir liegt und was ich mache wurde es dann doch schlimmer. Wenn ich dann die Gedanken weitergesponnen hätte, hätte ich nicht mehr weiterpräparieren können.
2. Hast du auch im Vorfeld vor dem ersten Termin des Präpkurses schon vermehrt an das „Erste Mal Präppen“ gedacht? Habt ihr in der Vorlesung dieses Thema ausführlicher behandelt?
Es ist wohl klar, dass man sich zuvor Gedanken über den Präparierkurs macht. Aber da es wie schon gesagt das "Erste Mal Präppen" war konnte man sich nichts Genaueres vorstellen. In den Vorlesungen wurde das Thema natürlich angesprochen und auch am Präpariertisch, bevor man angefangen hat zu präppen, wurde das Thema vom Tischdozenten angesprochen und auch seine Hilfe wurde angeboten, falls mal jemand einfach nicht mehr weiter präppen kann.
3. Mit welchen Erwartungen bist du in den Präpkurs gegangen? Wurden Sie erfüllt oder eher enttäuscht?
Meine Erwartungen waren, dass ich einfach das theoretische Wissen nun auch im Praktischen sehen, fühlen und auch so besser lernen kann. Dies wurde auf jeden Fall erfüllt. Auch konnte ich durch das Präppen das große Ganze und den Zusammenhang zwischen all dem Wissen besser erkennen. Dies ist nur anhand des theoretischen Wissens sehr schwierig, da der Mensch in seine "Bereiche" wie Herz, Magen-Darm-Trakt, Gehirn etc. aufgeteilt wird bzw. aufgeteilt werden muss. Jedes Mal, wenn mir nun irgendwelche anatomische Strukturen einfallen erinnere ich mich an die Struktur in der Leiche und nicht einfach an irgendein Buch.
4. Was war in deinen Augen das absolute Highlight des Präpkurses, an das du dich noch heute erinnerst?
Das absolute Highlight meines Präpkurses war auf jeden Fall das Gehirn. Ich habe das menschliche Gehirn sowieso schon seit jeher bewundert und nun es vor mir zu haben, war einfach unbeschreiblich.
5. Welches Themengebiet fandest du am schwierigsten zu lernen?
Das am schwierigsten zu lernende Themengebiet war für mich der Bewegungsapparat mit seinen Muskeln, den Ansätzen, den Ursprüngen, der Innervation und die Funktion.
6. Was hat dir beim Präppen am meisten Spaß gemacht?
Das Präparieren am Gehirn hat mir am meisten Spaß gemacht.
Und im Gegenzug: was fandest du beim Präp-Kurs am unangenehmsten?
Das Präppen am Magen-Darm Bereich war für mich das Unangenehmste Präppen.
8. Wie häufig und wie lang fand der Präpkurs statt?
Wir hatten drei Mal die Woche ca. 2 Stunden und 15 Minuten Präparierzeit zu Verfügung. Man durfte aber auch außerhalb dieses Zeitraums kommen und weiterpräparieren.
9. Konnten am Präp-Nachmittag alle gleichzeitig und im Team präparieren oder ging das abwechselnd?
Am Anfang des Kurses konnten wir alle gleichzeitig im Team präparieren. Später wurde dies immer schwieriger. Zum Schluss haben meist nur noch 2 oder 3 Leute präpariert, da es am Gehirn einfach nicht möglich war, dass mehr Leute gleichzeitig präppen.
10. In welcher Form und Häufigkeit mussten Testate und Prüfungen absolviert werden?
Nach jedem großen Gebiet der Anatomie wurde einmal testiert, nach dem Bewegungsapparat, nach dem Bereich innere Organe und nach dem Bereich zentrales Nervensystem. Es wurde also dreimal testiert. Alle Testate in unserem Semester waren mündlich. Vor dem Beginn des Präpkurses wurde eine Eingangsklausur über die allgemeine Anatomie geschrieben und zum Ende eine Gesamtklausur über das gesamte Stoffgebiet.
11. Der Umgang mit Leichen ist sicher für einen Anfänger nicht leicht. Hattest du hier auch im weiteren Verlauf noch Probleme oder hast du dich einfach dran gewöhnt?
Im weiteren Verlauf hatte ich keine nennenswerten Probleme. Ich habe mich wohl tatsächlich daran gewöhnt.
12. Wurde über die Herkunft der Personen und den nötigen Ablauf, sich der Lehre und Wissenschaft z.B. für den Anatomie-Kurs zur Verfügung zu stellen, gesprochen?
Es wurde nicht über jede einzelne Leiche gesprochen sondern im Allgemeinen was das für Menschen waren (Ärzte, Todkranke, Menschen aus der Bevölkerung).
13. Gab es nach dem Ende des Präpkurses eine Art Trauerfeier, an der auch die Präpkurs-Studenten teilnehmen konnten? Falls ja: was ging dabei in dir vor, woran hast du gedacht und welche Bilder stiegen in deinem Innern auf?
Natürlich gab es nach dem Präpkurs eine Trauerfeier. Alle Bekannte und die Familien der Leichen waren anwesend. Dort habe ich noch mal mitbekommen, dass die Leichen nicht irgendwelche Menschen ohne Familie etc. sind (was wir vorher natürlich schon wussten) sondern eben einen Bekanntenkreis gehabt haben. Dort war es für mich nur schwer vorzustellen, wie man seinen Körper für so etwas zu Verfügung stellen kann.
14. Würdest du gerne den Präpkurs noch einmal absolvieren (weil es so großen Spaß machte und interessant war) oder bist du der Ansicht "Einmal genügt".
Ich würde den Präpkurs noch mal absolvieren, wenn ich eine Gelegenheit dazu bekommen könnte. Es ist einfach ein schönes Gefühl das "Wunder Mensch" von so nahem sehen zu können.
15. Welche Tipps würdest du Studenten geben, die den Präpkurs noch vor sich haben?
Ich würde den Studenten nur sagen, dass sie sich nicht zu viele Gedanken machen sollen im Sinne von, "Schaffe ich das?". Sie sollen einfach reingehen, Respekt vor der Leiche haben und der Rest kommt dann von selbst.