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Interviews mit Medizinern

Wie war der Präpkurs?

MEDI-LEARN Redaktion

 

Der Präpkurs ist sicherlich DAS Highlight der vorklinischen Ausbildung: denn hier lernt der angehende Mediziner den Aufbau des menschlichen Körpers bis in das letzte Detail kennen. Wir waren neugierig, wie Studenten hierzulande den Präpkurs erlebt haben. Lies unsere Interviews, die dir einen Einblick in die Erfahrungswelt junger Mediziner liefern.

1. Kannst du dich noch an den Augenblick und die Szene erinnern, als du den Präp-Saal zum ersten Mal betreten hast? Wie sah das aus und was ging dabei in dir vor?

Es war ein Donnerstag und es war heiß, sehr heiß. Es war mein 4. Tag als Studentin. Ohne irgendwelche Vorkenntnisse in Anatomie betraten ich und meine anderen 17 Mitstreiter den Präpsaal. Es stank fürchterlich, aber keine traute sich was zu sagen. Da lag sie unter einem grünen, feuchten mit Flecken übersäten Tuch: Unsere Leiche. Für die nächsten 2 Jahre sollte das nun "unser" Mann sein. Ein bisschen verzogenes Gesicht hatte der gute und vor allem muss er gut gelebt haben. So dick wie der war. Und dann ging es auch schon los. Die ersten Anweisungen ersten Anweisungen kamen: Für die nächste Woche zu besorgen war ein Skalpell mit Klingen, Handschuhe, eine Pinzette und ganz wichtig: Ein Zahnbürstenetui. (Damit auch keiner verletzt werden könnte...) Auf den ersten "Schock" folgte auch schon der nächste. Der ganze Schultergürtel wurde innerhalb von 1 Stunde runtergerattert. Knochen für Knochen, Rinne um Rinne... Als die Stunde vorbei war und ich das Sonnenlicht wieder erblickte wurde es mir erst so richtig klar: Von nun an bist du richtige Medizinstudentin. So lebe ich nun seit fast einem Jahr hier in Szeged/Ungarn und verbringe wöchentlich meine Präpstunde mit Istvan (so habe ich ihn getauft).


2. Hast du auch im Vorfeld vor dem ersten Termin des Präp-Kurses schon vermehrt an das „Erste Mal Präppen“ gedacht? Habt ihr in der Vorlesung dieses Thema ausführlicher behandelt?

Gedacht hat man immer daran und sich im Stillen auch darüber gefreut ohne an die evtl. vorhandenen Ängste zu denken. In der Vorlesung haben wir nie darüber gesprochen. Hier lautet wohl eher das Prinzip: Übung macht den Meister.
 

3. Mit welchen Erwartungen bist du in den Präpkurs gegangen? Wurden Sie erfüllt oder eher enttäuscht?

Richtige Erwartungen hatte ich eigentlich nicht. Es war eher die Neugier die überwogen hat. Endlich selbst Hand anlegen zu dürfen. In sonst unzugängliche Regionen vorzustoßen, den Menschen zu entdecken. Bis heute macht es immer wieder Spaß zu präpen. Jedes mal entdeckt man irgendwas neues und man rät mit seinen Kommilitonen um die Wette, was man nun wieder in der Hand hält...Arterie, Vene oder Nerv...eine viel gestellte Frage!
 

4. Was war in deinen Augen das absolute Highlight des Präp-Kurses, an das du dich noch heute erinnerst?

Das Highlight war wohl der Moment, als das Tuch von der Leiche gehoben wurde und man nun endlich "seine" Leiche betrachten konnte.
 

5. Welches Themengebiet fandest du am schwierigsten zu lernen?

Am Anfang findet man alles schwierig. Immer wenn ein neues Thema ansteht, ist dies immer das schwierigste, was man je lernen musste. Aber mit der Zeit und rückblickend relativiert sich das alles. Leicht ist zwar nichts zu lernen, aber schwierig auch nicht. Alles ist eine Herausforderung an sich selbst.
 

6. Was hat dir beim Präppen am meisten Spaß gemacht?

Jedes Mal auf ein Neues, neue Dinge zu entdecken!
 

7. Und im Gegenzug: was fandest du beim Präp-Kurs am unangenehmsten?

Das unangenehmste und auch vielleicht das lächerlichste war die Reaktion auf die Genitalien. Vor allem die männlichen. Einerseits musste das Lachen unterdrückt werden, andererseits der Ekel.
 

8. Wie häufig und wie lang fand der Präpkurs statt?

Der Präpkurs findet einmal in der Woche statt und das die ganzen 4 Semester der Vorklinik. So wie auch die Anatomie, Histologie und Embryologie Vorlesungen.
 

9. Konnten am Präp-Nachmittag alle gleichzeitig und im Team präparieren oder ging das abwechselnd?

Innerhalb der Gruppen wurden kleine Gruppen eingeteilt, so dass jeder Mal zu seinem Zug kommt.
 

10. In welcher Form und Häufigkeit mussten Testate und Prüfungen absolviert werden?

Hier in Ungarn sind solche so genannten "Demonstrationen" üblich. Sie finden ungefähr jeden Monat statt und umfassen eine mündliche Prüfung an der Leiche und an den Präparaten über ein bestimmtes Themengebiet. Daneben gibt es noch 2 schriftliche Klausuren und am Ende des Semesters eine mündliche Prüfung über den Stoff eines Semesters.
 

11. Der Umgang mit Leichen ist sicher für einen Anfänger nicht leicht. Hattest du hier auch im weiteren Verlauf noch Probleme oder hast du dich einfach dran gewöhnt?

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. So haben wir uns mittlerweile alle an den Anblick und vor allem an den Geruch gewöhnt. Ab und zu schauderst einen dann doch noch, wenn es wieder einmal in den Eimer plätschert, der unter dem Tisch hängt, auf dem die Leiche liegt.
 

12. Wurde über die Herkunft der Personen und den nötigen Ablauf, sich der Lehre und Wissenschaft z.B. für den Anatomie-Kurs zur Verfügung zu stellen, gesprochen?

Über die Herkunft erfährt man nichts. Auch nicht über die Todesumstände, was ich sehr bedauerlich finde und auch auf Anfragen bis heute nicht erfahren habe. Hier in Ungarn ist es nur anders als in Deutschland. Hier kommen prinzipiell alle Leichen in die Anatomie, es sei denn man hat den ausdrücklichen Wunsch geäußert, seinen Körper NICHT der Wissenschaft zur Verfügung zu stellen. Das Bestattungsinstitut fährt hier mit einem vollen Sarg vor und nimmt den leeren Sarg wieder mit. Dieser ganze Vorgang dauert nicht einmal 5 Minuten.


13. Gab es nach dem Ende des Präp-Kurses eine Art Trauerfeier, an der auch die Präp-Kurs-Studenten teilnehmen konnten? Falls ja: was ging dabei in dir vor, woran hast du gedacht und welche Bilder stiegen in deinem Innern auf?

So weit ich weiß, gibt es so eine Art Trauerfeier hier nicht. Wenn wir unseren Präpkurs beenden wird sicherlich, die ganze Leiche bis auf das letzte "ausgeschlachtet"....so bitter wie das klingen mag...


14. Würdest du gerne den Präp-Kurs noch einmal absolvieren (weil es so großen Spaß machte und interessant war) oder bist du der Ansicht "Einmal genügt".

Man lernt nie aus und ich würde jederzeit wieder einen Präpkurs machen wollen.
 

15. Welche Tipps würdest du Studenten geben, die den Präp-Kurs noch vor sich haben?

Mit der nötigen Portion Neugier, aber auch Distanz und Zurückhaltung an die Sache ran gehen. Erstmal alles erkunden und dann selber handeln. Um nie vergessen: Vor dir liegt ein MENSCH, wie du und ich!

unser Tipp

3B

Das 3B Scientific Anatomie-Special

Dieser Artikel ist Teil des redaktionellen Specials zum Thema Anatomie, das wir dir mit freundlicher Unterstützung von 3B Scientific, dem renommierten Hersteller anatomischer Modelle, präsentieren können.