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daCapo
08.01.2021, 10:35
Habt ihr zu viele Bewerbungen?

Das weiß man nicht ganz genau . Es wird auch ein wenig Werbung für das Fach gemacht von einigen Stellen. Auf der anderen Seite gehen auch einige in Rente, es gibt auch einige Frauen, die nicht voll arbeiten oder ausfallen wegen Familienplanung. Grundsätzlich wäre es auch nicht schlecht wenn einige Fachärzte in der Klinik bleiben, viele gehen ja leider relativ schnell nach der Prüfung außer sie werden zeitnah Oberarzt .


Die Gesellschaft wird weiter altern, ein gewisser Bedarf wird bleiben. Ob mehr oder weniger mit neuen kurzzeitkonzepten kann man schwer sagen.

In Deutschland kannst du jeden facharzt machen und es gibt für alles Weiterbildungsstellen. Das ist nicht in allen Ländern so.

In den USA ist das Fachgebiet auch populärer als in Deutschland. In den USA wird der stationäre Bereich meines Wissens nicht von den radioonkologen versorgt, daher auch möglicherweise weniger Bedarf. Zu viel Konkurrenz will man in den USA auch nicht, sonst würden sie es anders machen mit der Anerkennung von ausländischen Prüfungen.

alex1
08.01.2021, 13:59
Wir hatten in der Tat für eine ausgeschriebene Stelle 7 Bewerbungen, die innerhalb von 4 Wochen eingingen. Fand ich ok.
Wir sind aber eine kleine Klinik, die nicht viele Fachärzte ausbildet. Ich sehe eher die Gefahr in den grossen Unikliniken (in Deutschland wäre es Häuser wie Freiburg, Münchnen oder Berlin), die eine zweistellige Anzahl von Assistenzärzt*innen haben. Davon werden dann immer 4-5 pro Jahr fertig. Ob das wirklich so gut ist.

Klar, die Gesellschaft altert, aber es gibt Vieles, was sich im Fach in Richtung Hypofraktionierung bewegt und KI leistet auch ihren Beitrag in der Reduktion des Arbeitsaufwandes pro Patient in der Konturierung & Planung.

Vor 10 Jahren erhielt jede adjuvante Brust 25-33 Fraktionen, aktuell sind es 15-20 Fraktionen (auch wenn viele sich weiterhin weigern und pT1pN0-"Omas" 6 Wochen lang zur Behandlung fahren lassen), wir machen jetzt schon einige mit 5 Fraktionen (Livi), was denkst du passiert in 10 Jahren? Und ob doch nicht mal irgendein super genetischer Test rauskommt (a la Oncotype), der das Rezidivrisiko besser abschätzt und uns einige dieser adjuvanten Mammas wegnimmt?
In vielen Kliniken machen adjuvante Brustbestrahlungen mehr 1/4 des Patientenaufkommens aus. Angenommen die Hälfte davon ist pN0 und du reduzierst bei Ihnen die Fraktionen von 20 auf 5, heisst das für 12% deiner Patientinnen nur noch 1/4 der Fraktionen. Macht ca. 9% absoluten Verlust in Fraktionen (und Geld) auf einen Schlag.
Über die Prostata wollen wir gar nicht reden...

Nicht zu vergessen sind die ganzen "benachbarten" Fächern, die unsere Aufgaben mitübernehmen. Palliativmediziner, Schmerztherapeuten, int. Onkologen, die "unsere" Chemotherapien machen, Psychoonkologen, usw... Das alles haben wir komplett früher allein gemacht. Und dann kommt KI. Ich habe keine Zweifel, dass in 10 Jahren so eine KI komplett das Zielvolumen für viele "Standard-Indikationen" allein konturieren wird und ich nur noch Mini-Korrekturen machen werde.

Meine persönliche Meinung: Strahlentherapiekliniken in Deutschland funktionieren nur durch eine hohe Anzahl von fleissigen Assistenzärzt*innen, die die meisten zeitauswändigen Aufgaben erledigen (Stationsarbeit, Ambulanz, Konturierung). Sie sind günstig und leicht ersetzbar. Ausserdem kann man sie wunderbar für wenig wertvolle Forschungsaufgaben einsetzen, womit andere Leute ihre Karriere aufbauen. Daher behält man möglichst viele von ihnen und braucht nur eine begrenzte Anzahl an Fachärzten, die Pläne abnehmen, komplexe Beratungen machen, Tumorboards betreuen, usw. Das System funktioniert nur solange diese stetige Facharztproduktion auch von den Praxen absorbiert werden kann. Wenn das nicht mehr der Fall ist, gibt es ein Problem.
Die Bundesärztestatistik zeigt ein Wachstum von 3% / Jahr kontinuierlich über die letzten Jahre. Ob das auf lange Sicht gut wird?

davo
08.01.2021, 14:28
Amerikanische Fachgesellschaften denken sehr strategisch, wenn es darum geht, sicherzustellen, dass es nicht zu viele Fachärzte gibt, dass keine Überproduktion, kein Überimport stattfindet. Durch die zentralisierte Reglementierung der Zahl der Weiterbildungsstellen ist das auch leicht möglich, und weder Politik noch Berufsverbände arbeiten dagegen. In Deutschland ist das anders, da sorgen Politik und Berufsverbände recht unkontrolliert für eine Steigerung des Arbeitskräfteimports, und strategische Planung der Weiterbildungsstellen ist sowieso ein Fremdwort.

Sind halt zwei unterschiedliche Welten. Deshalb auch mit zwei sehr unterschiedlichen Gehaltsniveaus.

daCapo
08.01.2021, 14:54
Wir hatten in der Tat für eine ausgeschriebene Stelle 7 Bewerbungen, die innerhalb von 4 Wochen eingingen. Fand ich ok.


Wenn es gute Leute sind alles...relativ viel. Ist es denn einfach von der WB-Ordnung in DE in die Schweizer WB Ordnung zu wechseln?



Nicht zu vergessen sind die ganzen "benachbarten" Fächern, die unsere Aufgaben mitübernehmen. Palliativmediziner, Schmerztherapeuten, int. Onkologen, die "unsere" Chemotherapien machen, Psychoonkologen, usw... Das alles haben wir komplett früher allein gemacht. Und dann kommt KI. Ich habe keine Zweifel, dass in 10 Jahren so eine KI komplett das Zielvolumen für viele "Standard-Indikationen" allein konturieren wird und ich nur noch Mini-Korrekturen machen werde.


Naja das muss man ja nicht alles abgeben wie in den USA.
20% der Patienten sind stationär. Letztendlich ist es besser für sie, wenn sie aus einer Hand betreut werden.
Da tut sich ganz schön viel Arbeit auf.
Ja die Briten: Immer neue innovative Studien, die die Behandlungszeit verkürzen. Richtet sich wegen etwas mehr Fibrose eher an ältere Patientinnen. Bis sich das mal hier durchsetzt oder überhaupt angeboten wird als Option, dauert noch Jahre.





Meine persönliche Meinung: Strahlentherapiekliniken in Deutschland funktionieren nur durch eine hohe Anzahl von fleissigen Assistenzärzt*innen, die die meisten zeitauswändigen Aufgaben erledigen (Stationsarbeit, Ambulanz, Konturierung). Sie sind günstig und leicht ersetzbar. Ausserdem kann man sie wunderbar für wenig wertvolle Forschungsaufgaben einsetzen, womit andere Leute ihre Karriere aufbauen. Daher behält man möglichst viele von ihnen und braucht nur eine begrenzte Anzahl an Fachärzten, die Pläne abnehmen, komplexe Beratungen machen, Tumorboards betreuen, usw. Das System funktioniert nur solange diese stetige Facharztproduktion auch von den Praxen absorbiert werden kann. Wenn das nicht mehr der Fall ist, gibt es ein Problem.
Die Bundesärztestatistik zeigt ein Wachstum von 3% / Jahr kontinuierlich über die letzten Jahre. Ob das auf lange Sicht gut wird?

Das ist das deutsche System. Aber das ist nicht nur im Bereich Radioonko so. Natürlich ist das problematisch/mit Risiken verbunden. Übrigens gehen auch manche ins Ausland oder an kommunale Häuser, nicht nur Praxen später. Es bleiben auch nicht alle Ärzte in Weiterbildung unbedingt bei der Strahlentherapie: viele wechseln doch zu Innere, Allgemeinmedizin, Psych, öff. Gesundheitswesen, KH-Hygiene, Radiologie, Nuk, Innere+Palli (meine Auswahl)

In den 00er und Anfang der 2010er Jahre waren auch noch deutlich mehr FA (ohne OA Funktion) an meiner letzten Unikliniken, die dann die zeitaufwendigen Arbeiten miterledigten (Ambulanz, Station, Kontur). Es hat sich gewandelt, sowie von dir beschrieben. Auf der anderen Seite ist das auch nicht an allen Unikliniken so. Bei manchen bleiben die FÄ länger, bei anderen nicht.

alex1
08.01.2021, 21:47
Wenn es gute Leute sind alles...relativ viel. Ist es denn einfach von der WB-Ordnung in DE in die Schweizer WB Ordnung zu wechseln?
Es ist ziemlich einfach zu wechseln, ja. Man muss sich halt dafür entscheiden, wo man dann letztendlich die Prüfung ablegen will. Man kann theoretisch auch diese in Deutschland ablegen, wenn man dort noch gemeldet ist.



Ja die Briten: Immer neue innovative Studien, die die Behandlungszeit verkürzen. Richtet sich wegen etwas mehr Fibrose eher an ältere Patientinnen. Bis sich das mal hier durchsetzt oder überhaupt angeboten wird als Option, dauert noch Jahre.
Ich weiss nicht, wer dir gesagt hat, dass 2.66 Gy "mehr Fibrose" macht. Das tut es nämlich nicht. Das kosmetische Ergebnis ist in manchen britischen Studien sogar besser mit 2.66 Gy als mit 2.0 Gy.
Ich glaube nicht, dass es Jahren dauern wird. Livi hat mittlerweile 10 Jahre Follow-Up für Teilbrustbestrahlung mit 5 x 6 Gy publiziert und die Ergebnisse sehen sehr gut aus. Wir machen das schon in der Klinik, immer wieder. Es funktioniert problemlos.
Die S3 empfiehlt klar mittlerweile 2.66 Gy als die präferierte Dosis. Wir bestrahlen mit 2.0 Gy praktisch nur noch, wenn wir extensiv Lymphabflusswege mitbehandeln. Das ist die Zukunft.
Wir machen auch alle primären Prostatas mit 3.0 Gy. CHHiPP hat 9 Jahre Follow. Denkst du die Rektumtoxizität wird überraschenderweise im 10. Jahr markant ansteigen, wenn die letzten 9 Jahre kein Unterschied zu sehen war?

"Bundled payments" kommen auch bald in die Radioonkologie nach Deutschland, das ist ein bisschen wir DRG für ambulante Fälle - quasi Fallpauschalen.

"Ich gebe Dir 5000 Euro und du bestrahlst jetzt diese Dame mit Brustkrebs postoperativ. Egal, wie du das planst, egal wie oft du sie bestrahlst. Bestrahl sie einfach nach bester Evidenz."
Willst du die Dame immer noch 6 Wochen lang bestrahlen?
Ja? Die Verwaltung denkt, das kannst du auch anders machen. Das wäre kosteneffizienter.

Alles nur eine Frage der Zeit und in 10 Jahren sind wir schon längst dort angekommen.

Thomas24
09.01.2021, 00:31
"Bundled payments" kommen auch bald in die Radioonkologie nach Deutschland, das ist ein bisschen wir DRG für ambulante Fälle - quasi Fallpauschalen.

"Ich gebe Dir 5000 Euro und du bestrahlst jetzt diese Dame mit Brustkrebs postoperativ. Egal, wie du das planst, egal wie oft du sie bestrahlst. Bestrahl sie einfach nach bester Evidenz."
Willst du die Dame immer noch 6 Wochen lang bestrahlen?
Ja? Die Verwaltung denkt, das kannst du auch anders machen. Das wäre kosteneffizienter.

Alles nur eine Frage der Zeit und in 10 Jahren sind wir schon längst dort angekommen.

Angesichts der demographischen Entwicklung - und der damit verbundenen finanziellen Belastung der sozialen Sicherungssysteme- ist der Trend unaufhaltsam. Diese pauschalierten Zahlungen sind im ambulanten GKV Bereich ja schon lange etabliert, die zahlenmäßig am häufigsten Prozeduren werden dann weiter abgewertet werden. Für mein Fachgebiet: letztes Jahr Abwertung der Cataract Operation um ca 6,5% für die Operationen, die über EBM abgerechnet worden sind. Dieses Jahr: Kündigung aller operativen Cataract Sonderverträge für die KV Bereiche Nordrhein und die KV Westfalen - Lippe. Dafür Eingliederung der bisher als IGEL Leistung (oder eben über Sonderverträge bei diabet. Retinopathie oder altersbedingter Makuladegeneration inkludierten Bildgebung über optische Cohärenz Tomographie) in den GKV Katalog für die zwei Hauptindikationen diabet. Makulaödem und exsudative AMD. Die Finanzierungsgrundlage des Systems befindet sich in einer dauerhaften Schieflage und es werden immer nur notdürftige Reparaturmaßnahmen eingeführt, die zusätzliche Bürokratie und Komplexität ins System bringen (Siehe das Desaster um die flächendeckende Einführung des IT Konnektors, wo die Ärzteschaft als Anwender für etwaige Datenleaks haften darf/soll/wird- nicht etwa Hersteller oder Softwareprovider. Eingeführt unter Androhung von Budgetkürzungen).

daCapo
09.01.2021, 10:22
Ich weiss nicht, wer dir gesagt hat, dass 2.66 Gy "mehr Fibrose" macht. Das tut es nämlich nicht. Das kosmetische Ergebnis ist in manchen britischen Studien sogar besser mit 2.66 Gy als mit 2.0 Gy.
Ich glaube nicht, dass es Jahren dauern wird. Livi hat mittlerweile 10 Jahre Follow-Up für Teilbrustbestrahlung mit 5 x 6 Gy publiziert und die Ergebnisse sehen sehr gut aus. Wir machen das schon in der Klinik, immer wieder. Es funktioniert problemlos.
"Bundled payments" kommen auch bald in die Radioonkologie nach Deutschland, das ist ein bisschen wir DRG für ambulante Fälle - quasi Fallpauschalen.
Alles nur eine Frage der Zeit und in 10 Jahren sind wir schon längst dort angekommen.

a) Nee ich meinte FAST Forward, wir haben uns missverstanden. https://www.aerzteblatt.de/archiv/216898/Fruehes-Mammakarzinom-Stark-hypofraktionierte-postoperative-Strahlentherapie-moeglich-aber-mehr-Fibrosen
b) 2,66 hat bessere kosmetische Ergebnisse und ist absoluter Standard heutzutage.
c) ABPI Florenz kann man auf jeden Fall machen, wenn der Operateur denn Clips setzt und die anderen Qualitätsstandrads der Studie erfüllt werden können. Wir machen hier generell keine Teilbrustbestrahlung, aber ich weiß, dass viele andere nach Import-Low oder ABPI Florenz Teilbrust durchführen.
d) Ja das wäre natürlich für die Patienten sehr vorteilhaft, wenn man nicht mehr nach Fraktionen bezahlt. In GB ist das natürlich nicht so, sonst würden sie diese innovativen Konzepte nicht entwickeln. Hier "stören" die neuen Konzepte eher momentan wegen der Abrechnung.
Ob so "bundled paymentes" kommen, weiß ich nicht. Start B gibt es jetzt schon seit vielen Jahren und es hat sich nicht verändert.

alex1
09.01.2021, 22:45
Verstehe, alles klar. FAST FORWARD würde ich auch nicht machen.
Das Argument mit den Clips bei der Livi-Studie habe ich nie wirklich ganz verstanden. Wenn man den Boost gewissenhaft platzieren kann, dann sollte man auch eine Teilbrustbestrahlung gewissenhaft machen können. Klar sind Clips toll und ich würde auch Teilbrustbestrahlung ohne Clips ungerne machen, aber heisst es, dass alle unsere Boosts bei Patientinnen ohne Clips "irgendwo" bislang platziert waren?

Meine persönliche Meinung ist, dass wir mehr und mehr in Richtung Kurzkonzepte umschwenken werden. 1 x 16-20 Gy für Knochenmetastasen, viel Radiochirurgie, ProstataCa in 1-2 Wochen, Mamma haben wir ja schon besprochen. Das werden die kleinen Praxen kaum mitmachen können und daher werden sie auch nach und nach von den Unikliniken und grossen Häusern platt gemacht oder aufgekauft.
Und wohin dann mit den ganzen Assistenzärzte die Fachärzte werden wollen?

daCapo
09.01.2021, 23:35
Verstehe, alles klar. FAST FORWARD würde ich auch nicht machen.
Das Argument mit den Clips bei der Livi-Studie habe ich nie wirklich ganz verstanden. Wenn man den Boost gewissenhaft platzieren kann, dann sollte man auch eine Teilbrustbestrahlung gewissenhaft machen können. Klar sind Clips toll und ich würde auch Teilbrustbestrahlung ohne Clips ungerne machen, aber heisst es, dass alle unsere Boosts bei Patientinnen ohne Clips "irgendwo" bislang platziert waren?


Von Kollegen in GB hört man, dass beides (Fast Forward und Teilbrust) sehr viel zur Anwendung kommt. Möglicherweise hat die ABPI Florenz Studie so tolle Ergebnisse, weil die Qualitätsstandards der Studie sehr hoch waren (Mindestens 4 Clips , Planungs-CT spätestens 4 Wochen nach OP, CTV mit uniform 1-cm um clips; PTV = CTV +1 cm
ABPI mit IMRT, 5mm freier Resektionsrand). Nachteil der Studie: Monozentrisch, ca 500 Pat.
Daher machen einige Teilbrust analog Import-Low (2000 Pat). Hier macht man es garnicht.



Meine persönliche Meinung ist, dass wir mehr und mehr in Richtung Kurzkonzepte umschwenken werden. 1 x 16-20 Gy für Knochenmetastasen, viel Radiochirurgie, ProstataCa in 1-2 Wochen, Mamma haben wir ja schon besprochen. Das werden die kleinen Praxen kaum mitmachen können und daher werden sie auch nach und nach von den Unikliniken und grossen Häusern platt gemacht oder aufgekauft. Und wohin dann mit den ganzen Assistenzärzte die Fachärzte werden wollen?

Remineralisierung und Stabilität sind unter 10x3 deutlich besser als 1x8. Sehe die Knochenmetastasenstereotaxie sehr selten, wer weiß was da noch kommt.

Bei Low-Risk Prostata wird sicher bald Stereotaxie (am besten CyberKnife, weil weniger NW) als weitere Option (zu den vielen anderen) hinzukommen.

Ich denke eher eine Praxis ohne Stereotaxie wird möglicherweise Probleme haben in der Zukunft. Bedenke, dass die Praxen immer an ein regionales Tumorzentrum/inkl. Innere Medizin-Onkologie angeschlossen sind und meist direkt am Krankenhaus sitzen. Es gibt dann im kleineren Krankenhaus keine Klinik für Strahlentherapie, sondern eine Praxis. Hinzukommen auch noch Pat. mit gutartigen Erkrankungen. In Deutschland mögen es die Patienten, wenn sie keine langen Anfahrtswege haben. Auch ein Punkt für die Praxen.

Andererseits kann es natürlich so düster kommen, wie von dir vorhergesagt: Dann müssten mehr FA an den (Uni)Kliniken arbeiten und auch Jobs auf den Stationen übernehmen usw. Es würde dann weniger Stellen für Ärzte in Weiterbildung geben (weil ja FÄ die Stellen haben) und so reguliert es sich möglicherweise wieder. Mal schaun.

McLaren422
11.01.2021, 16:20
ich meld mich auch mal wieder. :) Noch ein verspätetes frohes Neues an alle Radioonkologen. :)

Davo, die Uniklinik in Homburg hatte tatsächlich 60 Monate Weiterbildungsbefugnis. Ich hab da mal angerufen und nach meiner Bewerbung gefragt. Es kam raus, dass die Bewerbung von Bewerbungsportal nicht weitergeleitet wurde... Habe sie dem Oberarzt dann nochmal geschickt, nur um dann ein paar Tage drauf ne Absage zu erhalten... Das hat mich ziemlich gewurmt, aber die haben halt schon ein paar jetzt eingestellt.

Heute habe ich noch ein paar Bewerbungen rausgehauen, mal schauen, was da so rauskommt. Gibt ja doch einige Kliniken mit voller Weiterbildungsermächtigung (hab mir 20 im Südwesten rausgesucht).

daCapo
11.01.2021, 17:37
Mal was anderes, bei Rektum lokal forgeschritten. Hat sich da Rapido (Shortcourse) + 18 Wochen CAPOX/FOLFOX + OP schon im klinischen Alltag durchgesetzt im Großen und Ganzen gegenüber den alten Standards (RCTx shortcourse oder longcourse + OP)?

https://www.degro.org/intensivierte-vorgeschaltete-therapie-verbessert-krankheitsfreies-ueberleben-bei-enddarmkrebs/

Weitere Vorschläge: T3/T4 unteres Drittel und Kontinenzerhalt nicht möglich: Behand nach OPRA (Long-RCTx und 16 Wochen FOLFOX/Capox und dann bei Response W&W (als Option !)

noname2
11.01.2021, 18:43
Auch von mir ein gesundes neues Jahr. Hier im Osten der Republik haben wir in der Strahlentherapie Schwierigkeiten Stellen zu besetzten (trotz vollen 60 Monaten Weiterbildungsbefugnis), es finden sich kaum Assistenzärzte und über Monate bis Jahre keine Fach- und Oberärzte. Ich möchte in einem viertel Jahr meinen Facharzt machen und habe schon zwei Jobangebote bekommen (einmal als Facharzt und einmal als Oberarzt) ohne eine Bewerbung geschrieben oder irgendwo nachgefragt zu haben. Daher wundere ich mich über die Angst, Fachärzte könnten zu viele werden bzw. "nicht gefragt" sein. Die verkürzten Therapieschemata sehe ich in Bezug auf "zu wenig" Arbeit auch nicht als direktes Problem. Egal ob du 5x bestrahlst oder 28x, der ärztliche Aufwand bleibt ziemlich ähnlich (Indikationsstellung, Aufklärung, Planung, Abschlussgespräch, Epikrise). Ich denke die Onkologie wird immer interdisziplinärer/multimodaler und die Systhemtherapie immer komplexer. Auch die simultanen Konzepte (RIT) werden immer komplexer werden, da wird es immer einiges zu tun geben und Expertise gefragt sein.

McLaren422
12.01.2021, 10:52
@noname: Wenn ich in meiner bevorzugten Region nix find, bewerbe ich mich im Osten. :)

noname2
14.01.2021, 17:33
Ja mach das!

McLaren422
14.01.2021, 20:28
Wo genau arbeitest du denn, noname2?

:) hatte heute ein online Vorstellungsgespräch (ich sag aber nicht wo).
bin sehr skeptisch, in den Nachtdiensten bin ich mitverantwortlich für sehr viele Patienten (nicht nur die radioonkologischen Patienten, auch für die hämato-onkologischen und gastroenterologischen) und für die ZNA. Man ist die Hälfte der Weiterbildungszeit mehr oder weniger auf der Hämato-Onko-Station, arbeitet mehr oder weniger wie ein Internist. Das strahlentherapeutische könne man ja auch in 2,5 Jahren lernen laut Chef... Die Dienste sind zwar nicht oft (nur 3 pro Monat), aber ich stelle es mir ziemlich intensiv vor. Ich mein, dann kann ich mich ja gleich in der Inneren bewerben und die Basisweiterbildung machen...
Was haltet ihr davon? Dass internistische/onkologische Kenntnisse dazu gehören (inklusive Stationsarbeit) ist mir absolut klar, dazu bin ich auch bereit. Aber trotzdem ist mir das oben genannten etwas zu viel. Es gibt ja auch Kliniken, in denen man nur eine Station mit nur strahlentherapeutischen Patienten zu Verfügung hat und auch nur diese im Dienst betreut, meist nur mit Rufbereitschaft. Sowas wäre eher was für mich. Und ja, ich will unbedingt Dienste machen! Eine Klinik, wo die Assistenten gar keine Dienste machen wäre nichts für mich, die würde wahrscheinlich dann direkt rausfliegen.

daCapo
15.01.2021, 07:55
Also laut der alten Weiterbildungsordnung 4 Jahre Ambulanz und 1 Jahr Station. Ca. 80% der Patienten sind ambulant und 20% stationär.

In der neuen WBO wird das stationäre Jahr ganz weggelassen, weil man von Zahlen& Zeiten weg will hin zu Kompetenzen. Letztendlich empfiehlt u.a. die Fachgesellschaft Degro 1 Jahr Station für Basics (Nebenwirkungen behandeln, Supportivtherapie, Palliativtherapie, Simultane Chemo-Immuntherapie). Rufbereitschaft im Vordergrund würde ich nicht empfehlen, das ist eher was für den Hintergrund, der telefonisch Entscheidungen treffen kann und nicht unbedingt immer vor Ort sein muss.
Es gibt einige große sehr renommierte Kliniken mit mehreren Stationen ca. 50-60 Betten mit normaler Bereitschaft, das käme dann a.e. in Frage.

McLaren422
15.01.2021, 11:52
danke dir.

Also in Homburg war es so, dass die Assistenten bis 21 Uhr Bereitschaft hatten (also im Klinikum anwesend sein mussten), ab da dann nur noch Rufbereitschaft bis 8 Uhr des nächsten Tages. Am nächsten Tag gibts aber auch keinen Freizeitausgleich. Gleichzeitig hat noch ein Oberarzt Hintergrunddienst.
Dieses Dienstmodell fand ich eigentlich ganz gut. Ich weiß grad nur nicht, wie viele Dienste die Assistenten im Monat gemacht haben. Ich mach lieber etwas mehr Dienste, die dafür etwas ruhiger sind. Ich weiß auch, dass man nicht alles nur von den Diensten abhängig machen soll, aber das ist halt sowohl finanziell als auch von der Lebensqualität her nicht ganz unrelevant.

Wenn sie mich zur Hospitation einladen, werd ich mir das mal anschauen und noch mal genauer nachfragen.

daCapo
15.01.2021, 14:51
Es gibt da die unterschiedlichsten Modelle.

eXuLon
16.01.2021, 07:52
Aus Interesse, wie ist das eigentlich in der Strahlentherapie: Macht jeder fertige Facharzt / Oberarzt eigentlich noch Brachytherapien und arbeitet damit quasi interventionell im OP? Ist das Teil des Arbeitsalltags nach der Assistenzarztzeit oder ist es eher so dass das auf freiwilliger Basis läuft, wenn also ein fachliches Interesse besteht und man sich deshalb intensiv mit Brachytherapie beschäftig und dann der Experte dafür im Klinikum ist?

daCapo
16.01.2021, 12:01
Vaginale AL beim Endometrium-CA sollte jeder können. Komplexere Techniken machen "Experten", die es häufig durchführen