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daCapo
14.05.2021, 21:18
Es gibt noch Helios in Berlin oder Klinken mit Fahrzeit außerhalb in Brandenburg. Und natürlich Praxen und MVZ in der Stadt. An der Charité steht jetzt ein Chefwechsel an, würde das abwarten. So schlimm ist es laut Gerüchten dort nicht. Grundsätzlich ist eine Uniklinik für die Ausbildung gut, weil man alle Krankheitsbilder sieht.


Wie funktioniert eine Ganzhautbestrahlung (bei kutanen Lymphomen) technisch?

https://radioonkologie.charite.de/leistungen/ganzhautbestrahlung/

Gappi21
19.05.2021, 18:03
Guten Abend
Sollte man zu Anfang der Weiterbildung (also klinische Erfahrung im KH ja, Erfahrung in Strahlentherapie nein) unbedingt an einer Klinik beginnen? Würde ich auf jeden Fall bevorzugen, aber die sind in meiner Region nicht gerade breit gesäht (wie überall) - sind Praxen üblicherweise spezialisiert in Bezug auf Organgebiete oder kriegt man da auch einen guten Überblick? Wie ist das Learning zu beurteilen?

daCapo
19.05.2021, 20:35
Wurde bereits öfter in diesem Thread angesprochen. Am Anfang empfiehlt sich die Arbeit in einer größeren Klinik mit Station, um das stationäre Jahr zu absolvieren, die Zahlen vom Logbuch (Radiochemotherapie usw) zu erreichen, zu lernen wie man Nebenwirkungen behandelt und weil man in einer großen Klinik mit allen Fachabteilungen mehr Krankheitsbilder sieht.

Imatinib
31.05.2021, 15:10
Hallo 😊
Ich verfolge schon länger die Beiträge hier und schreibe jetzt auch mal einen :) ich bin kurz vor meinem M3 und habe letzte Woche eine Zusage in der Strahlentherapie bekommen, worüber ich mich auch richtig freue. Leider habe ich keine Zeit vor der Vertragsunterzeichnung zu hospitieren (wegen M3) und wollte euch kurz fragen, wie sich die Stelle nach euer Einschätzung anhört.
Es ist ein kirchliches Haus, mit voller Weiterbildungsmöglichkeit, also für die Größe hat es auch richtig viel zu bieten. Chef und Oberarzt machen einen sehr netten Eindruck und meinten man würde recht schnell rotieren, teilweise schon nach 3 Monaten aber immer mal wieder auf Station zurückkommen. Es gibt eine Station mit über 30 Betten(zusammen mit den Internisten) und für die Assistenzärzte Rufbereitschaft, darunter kann ich mir persönlich nicht so viel vorstellen (kenne das sonst nur für die Oberärzte und Fachärzte). Was für Aufgaben könnte man da haben? Hat jemand auch so ein Dienst System?
Ist es prinzipiell schlecht nicht in einer Uniklinik anzufangen? Und wie sieht es nach dem Facharzt aus, wenn man sich nicht selbständig machen möchte? Gibt es viele Oberarzt stellen und ist es leicht eine Stelle in einer Praxis/einem MVZ zu bekommen?
Vielen Dank für eure Antworten und liebe Grüße

davo
31.05.2021, 15:26
Sprich unbedingt mit dortigen Assistenzärzten. Die werden dir mehr zur Rufbereitschaft sagen können, die werden dir sagen können, ob das mit den Rotationen auch tatsächlich so gut funktioniert, wie beworben.

daCapo
31.05.2021, 15:59
Hallo ��
Ich verfolge schon länger die Beiträge hier und schreibe jetzt auch mal einen :) ich bin kurz vor meinem M3 und habe letzte Woche eine Zusage in der Strahlentherapie bekommen, worüber ich mich auch richtig freue. Leider habe ich keine Zeit vor der Vertragsunterzeichnung zu hospitieren (wegen M3)

Könnte selbst nur 1/2 Tag sein. Das ist wirklich nicht möglich?




Chef und Oberarzt machen einen sehr netten Eindruck und meinten man würde recht schnell rotieren, teilweise schon nach 3 Monaten aber immer mal wieder auf Station zurückkommen. Es gibt eine Station mit über 30 Betten(zusammen mit den Internisten) und für die Assistenzärzte Rufbereitschaft, darunter kann ich mir persönlich nicht so viel vorstellen (kenne das sonst nur für die Oberärzte und Fachärzte).

Sprich mit den anderen Ärzten in Weiterbildung, nur dann gewinnst du einen realen Eindruck, ob das wirklich mit den Rotationen so klappt. Notfalls Telefonnummern austauschen.
Kliniken geben ihre Dienste ganz an die Internisten ab, machen Bereitschaftsdienst (insb. bei vielen Betten) oder haben ein Mischmodell aus Bereitschaft und Rufbereitschaft, hier gibt es die unterschiedlichsten Lösungen. Aufgaben im Dienst: Zugänge, Chemos, Fieber, Pneumonie, Blutungen, Transfusionen, Schlaganfall, Herzinfarkt, Lungenembolie, Nierenversagen, Leberversagen, Panzytopenie, Konsile... Die eigentliche Radiotherapie+Ambulanz+Planung läuft in der Regel zu den normalen Zeiten. Stellen gibt es so einige...siehe Stellenmarkt.

Imatinib
03.06.2021, 15:18
Vielen Dank für eure Antworten! ja ich muss es irgendwie probieren, dort zu hospitieren, glaube da führt kein Weg dran vorbei! Die Aufgaben im Dienst finde ich eigentlich ganz gut, da hat man auch doch noch viel internistisches dabei :) Danke nochmals und einen Schönen Feiertag noch!

Rudiologe
05.06.2021, 18:20
Kann jemand etwas sagen zu den Arbeitsbedingungen in der Strahlentherapie an der Charité? Die scheinen mehr oder weniger Stellen für Assistenten dauerausgeschrieben zu haben. Ich bin in meinem aktuellen Fach unzufrieden und hatte eigentlich auch nach dem Examen schon über Strahlentherapie nachgedacht (hatte das auch im PJ als Wahlfach).

daCapo
05.06.2021, 20:13
Es steht ein altersbedingter Leitungswechsel eigentlich in diesem Jahr an. Möglicherweise macht es mehr Sinn sich bei der neuen Leitung zu bewerben.

boulder
22.06.2021, 12:16
Hallo an Alle,

hätte jemand von euch Erfahrungen mit der Strahlentherapie an der Uni Essen sammeln können? Wie siehts da mit der Weiterbildung?

Vielen Dank

daCapo
22.06.2021, 14:42
Die Weiterbildung dort hat keinen so guten Ruf momentan, es steht ein Wechsel der Leitung in wenigen Jahren an. Die Assistenzärzte bleiben ca. 1 Jahr. Es ist es momentan nicht möglich regulär in das Protonenzentrum zu rotieren.

Damals in den 90er Jahren hatte die Klinik einen sehr guten Ruf.

Lysozymo
03.09.2021, 11:29
Guten Tag zusammen

Ich habe nach damals einer Famulatur und mehreren Besuchen von Unikliniken das Gefühl, das Fach ist zwar meins, aber zumindest von meinem Eindruck her war die Arbeitsbelastung doch gar nicht so ohne und - abgesehen von den Diensten, die sind natürlich echt anders - bei Kliniken mit größeren Stationen schon im Bereich von etlichen Überstunden.

Da ich momentan eh noch Innere an der Schweizer Grenze mache, kann jemand was sagen zur Weiterbildung Radioonko in der Schweiz? Gut/ Schlecht, gibt es gute, schlechte Häuser?

Cor_magna
06.09.2021, 17:06
Wie seht ihr eigentlich die Zukunft der Strahlentherapie? Durfte heute einem Onkologen "lauschen", der die Zukunft der Radioonkologie eher trübe sieht.

Bin aktuell nicht ganz sicher, was ich nach dem Examen machen will, aber habe Strahlentherapie als Facharzt immer noch auf dem Radar, deswegen frage ich :)

bipoka
06.09.2021, 19:00
Das ist doch ein alter Hut. Schon mit dem Aufkommen der wirksamen Chemotherapien in den 70er Jahren und der Möglichkeit manches Lymphom oder manch Tumorerkrankung hiermit zu heilen, sagte manch Onkologe sowas um sich wichtig zu machen. Aber letztendlich sind sie dann ganz depressiv geworden: Wirkt ja alles garnicht so gut bei vielen Krebserkrankungen, total blöd.

Cor_magna
07.09.2021, 14:17
Das ist doch ein alter Hut. Schon mit dem Aufkommen der wirksamen Chemotherapien in den 70er Jahren und der Möglichkeit manches Lymphom oder manch Tumorerkrankung hiermit zu heilen, sagte manch Onkologe sowas um sich wichtig zu machen. Aber letztendlich sind sie dann ganz depressiv geworden: Wirkt ja alles garnicht so gut bei vielen Krebserkrankungen, total blöd.

Ah, du bist also Radioonkologe, deiner Aussage nach?
Wie würdest du/ihr denn die Wirksamkeit von Strahlentherapie im Vergleich zu Chirurgie bzw. Medikamenten beschreiben?
Oder anders gefragt: wie oft hat man damit wirklich "durchschlagende" Erfolge, oder ist es eher als Methode zu sehen, welche eine "Verzögerung" des Krankheitsprogresses herbeiführt, also im Sinne eines palliativen Settings? Dass dies im Einzelfall natürlich ganz vom Krankheitsbild abhängt ist mir klar, aber nur mal recht allgemein gefragt.

noname2
07.09.2021, 16:03
Hallo cor_magna, lass dich da nicht verunsichern. Bei hämatoonkologischen Erkrankungen (Leukämien, Lymphome..) versucht man die Strahlentherapie zu reduzieren oder wegzulassen und teilweise ist dies je nach Stadium und Erkrankung auch möglich. (Daher die Sichtweise einiger Hämatoonkologen). Aber ein solider Tumor (und das ist nunmal die Mehrzahl) lässt sich nicht mit einer systhemischen Therapie alleine heilen. Entweder bedarf es zur OP einer neoadjuvanten oder adjuvanten Radio-u./o. Chemotherapie oder einer simultanen Radiochemotherapie ohne OP. Letztlich bleibt die Onkologie interdisziplinär und immer auf alle drei Säulen (OP, Bestrahlung, Systhemtherapie) angewiesen mit den jeweiligen Stärken und Schwächen.
Zu deiner Frage bezüglich der reinen Krankheitsverzögerung: ein großer Teil in der Strahlentherapie verfolgt ein kuratives Setting (zB. erreichen wir bei Prostatakarzinom in der Primärsituation mit der Radiatio die selben Ergebnisse wie die OP, Radiochemotherapie beim Zervixkarzinom ect.). Ein anderer großer Teil ist die adjuvante Behandlung, also um ein Rezidiv nach OP zu verhindern (zB. die meisten Mammakarzinome, CorpusCa, HNO-Tumore ect.). Je präziser und damit nebenwirkungsärmer die Bestrahlung wird, desto höhere Dosen können wir applizieren und werden zukünftig noch mehr Bereiche für die Kuration erschließen. Die einzige Sorge, die ich mir um die Zukunft der Radioonkologie mache, ist die des Nachwuchsproblemes, womit sich auch einige andere Fachrichtungen rumschlagen müssen.

Cor_magna
07.09.2021, 16:35
Danke für die ausführliche Antwort!

alex1
07.09.2021, 19:50
Ich denke nicht, dass die Strahlenhterapie verschwinden wird, egal wie viele neue onkologische Therapie aufkommen werden. Das, was wir aktuell erleben, ist nur der Beginn der neuen Medikamente.

Aber...

Wir werden ein paar Änderungen sicherlich spüren und das wird Auswirkungen auf die Anzahl der erforderlichen ÄrztInnen haben in der Radioonkologie.

1. Einige Indikation werden abnehmen/verschwinden (neoadjuvantes RektumCa, Hodgkin), dafür werden vielleicht andere aufkommen (organerhaltendes Vorgehen beim RektumCa, funktionelle Radiochirurgien bei einigen neurologischen Erkrankungen).
2. Wir werden sicherlich weniger Fraktionen als jetzt geben. Die 8wöchigen primären Prostatabestrahlungen könnt ihr vergessen, die Zukunft wird irgendwo bei 5-8 Fraktionen sein.
3. Wir werden in unserer Tätigkeit zunehmend von künstlicher Intelligenz unterstützt / ersetzt, v.a. was Konturierung angeht. Aber auch logische Aufgaben, wie z.B. DVH beurteilen werden auch von der KI unterstützt --> wir werden in 10 Jahren nicht mehr nach der V20 Lunge beim Bestrahlungsplan in der Grafik suchen, die KI wird schon nach Ampelsystem singalisieren, ob der Plan ok ist oder nicht.
4. Wir werden viele paramedizinische Berufsgruppen um uns herum haben, die unsere Aufgaben übernehmen (Ernährungsberatung, Psychoonkologie, Schmerzdienst, Palliativdienst, usw)
5. Wir werden mehr auf Telemedizin setzen und ich bin der festen Überzeugung dass bereits jetzt eine gut organisierte Klinik mit 5 Fachärzten, 1 Facharzt nach Hause zum Home Office schicken kann ohne zu leiden (er kann dann von zuhause aus konturieren, Briefe diktieren, Gutachten schreiben, Dienstpläne machen, usw...).

Cor_magna
15.09.2021, 08:56
Bin auch gerne mal auf den amerikanischen Mediziner Foren unterwegs. Da drüben war ja bis vor einigen Jahren Radio onko eine extrem beliebte Residency, mittlerweile hat sich das aber komplett gedreht. Es wurden die letzten Jahre zu viele Radioonkos ausgebildet und die Gehälter und Job Perspektiven dadurch ins bodenlose gestürzt. Den Studenten da wird mittlerweile hart von radioonkologie abgeraten. Klar kann man die Situationen nicht eins zu eins mit uns vergleichen, aber Das war auch ein Grund wieso ich hier nachgefragt habe :)

Bin auch an der hämato onko interessiert und war da auch ein paar Wochen im pj, wie empfindet ihr die Unterschiede bzw wieso habt ihr euch für Radioonko und nicht die innere onko entschieden? Wo seht ihr die vor und Nachteile der jeweiligen Fächer? Liebe Grüsse

bipoka
16.09.2021, 07:38
Wir werden sicherlich weniger Fraktionen als jetzt geben. Die 8wöchigen primären Prostatabestrahlungen könnt ihr vergessen, die Zukunft wird irgendwo bei 5-8 Fraktionen sein.

Wir werden viele paramedizinische Berufsgruppen um uns herum haben, die unsere Aufgaben übernehmen (Ernährungsberatung, Psychoonkologie, Schmerzdienst, Palliativdienst, usw)


Wir werden mehr auf Telemedizin setzen und ich bin der festen Überzeugung dass bereits jetzt eine gut organisierte Klinik mit 5 Fachärzten, 1 Facharzt nach Hause zum Home Office schicken kann ohne zu leiden (er kann dann von zuhause aus konturieren, Briefe diktieren, Gutachten schreiben, Dienstpläne machen, usw...).

Solange nach Fraktion abgerechnet wird, wird (selbst bei hochpalliativen Situationen) möglichst alles gerne in die Länge gezogen. Prof. Petersen aus Hamburg hat in einer der letzten Online-Veranstaltungen gesagt, dass es sehr schwierig ist sowas zu verändern in den Gremien. Dafür ist es dann eine sehr schonende Therapie, zumindest theoretisch nach Linearquadratischen Modell und Argumentation der Befürworter. Nach Start-B oder Hypro, Pace-B oder bei Knochenmetastasen verliert die Argumentation natürlich an Gewicht.

In Deutschland möchte die Fachgesellschaft den internistischen Part/klinischen Teil im Fach unbedingt erhalten, so dass zumindest eine Lotzenfunktion erhalten bleiben wird in den Kliniken. Je nach Land (z.B. USA) ist das tatsächlich sehr unterschiedlich organisiert.

Also momentan läuft immer noch extrem viel über Fax&Co. Das hängt davon ab, wie schnell die Digitalisierung vorranschreitet. Für große Datensätze brauchts ne sichere und schnelle Leitung. Viele Verantwortliche sind in der Generation 50 / 60 + und sehen da andere Prioritäten. Wir sehen ja alle, wie schnell die Digitalisierung in der Verwaltung, Gesundheitswesen, schnelles Internet auf dem Land vorranschreitet (eher gemächlich).