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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Motivation für Nachtdienste fehlt



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Mr. Pink online
23.05.2021, 18:31
Maßgeblich was geändert bekommt man halt nur, wenn man die WBA frühzeitig über Rechte und Pflichten aufklärt. In der Uni passiert das offensichtlich nicht. Von meinem Kollegen kennen davon abgesehen mindestens 2/3 den Tarifvertrag nicht ( ist hier im Forum ja auch so).
Die Kollegin, die die Transfusionsreaktion verschuldet hatte, wusste ja offensichtlich nicht mal ansatzweise wie es mit Arbeitszeitgesetz aussieht. Von dem Übernahmeverschulden mal ganz abgesehen.
Die Oberärzte haben natürlich kein Interesse diese Aufklärung vorzunehmen oder ein so krankes System zu ändern. Im schlimmsten Fall wird schließlich die eigene Abteilung zugemacht wegen WBA Mangel. Oder man wird selbst zu Diensten rangezogen, das wäre ja der Gipfel.

HoldenHQ
23.05.2021, 18:38
Das ist auch positiv für die Angeklagte bei der Urteilsfindung berücksichtigt worden.

Ich bin zwar kein Jurist, aber für mich hätte die Nötigung strafrechtlich verfolgt werden müssen. Wie gesagt, nur nach meinem persönlichen Rechtsempfinden. Das ist für mich fast das Gleiche, als wenn man jemanden zu einer Urkundenfälschung nötigt (nachträglich die Dokumentation oder die Arbeitszeiten ändert).

daCapo
23.05.2021, 20:06
Ich bin zwar kein Jurist, aber für mich hätte die Nötigung strafrechtlich verfolgt werden müssen. Wie gesagt, nur nach meinem persönlichen Rechtsempfinden. Das ist für mich fast das Gleiche, als wenn man jemanden zu einer Urkundenfälschung nötigt (nachträglich die Dokumentation oder die Arbeitszeiten ändert).

Wo kein Kläger, da kein Richter. Die Ärztin ist offensichtlich nicht gegen ihren Arbeitgeber vorgegangen. Die Klinik ist Extrem gut weggekommen, wenn man vom medialen schaden absieht und der Express Link ist nur noch bei Google zu finden und auf der Webseite deaktiviert.

daCapo
23.05.2021, 20:09
Maßgeblich was geändert bekommt man halt nur, wenn man die WBA frühzeitig über Rechte und Pflichten aufklärt. In der Uni passiert das offensichtlich nicht. Von meinem Kollegen kennen davon abgesehen mindestens 2/3 den Tarifvertrag nicht ( ist hier im Forum ja auch so).
Die Kollegin, die die Transfusionsreaktion verschuldet hatte, wusste ja offensichtlich nicht mal ansatzweise wie es mit Arbeitszeitgesetz aussieht. Von dem Übernahmeverschulden mal ganz abgesehen.
Die Oberärzte haben natürlich kein Interesse diese Aufklärung vorzunehmen oder ein so krankes System zu ändern. Im schlimmsten Fall wird schließlich die eigene Abteilung zugemacht wegen WBA Mangel. Oder man wird selbst zu Diensten rangezogen, das wäre ja der Gipfel.

Ja stimmt,soll man sich alles selbst anlesen. Die Weiterbildung soll man auch selbst gestalten und organisieren. Über die Qualität der Weiterbildung haben wir ebenso hier öfters besprochen.

Letztendlich wirst du in einer beliebten Großstadt wie Köln immer jemand finden zum Arbeiten. Da ist kein Mangel zu erwarten.

Hoppla-Daisy
24.05.2021, 06:46
Nachdem ich mir die letzten 20-30 Beiträge durchgelesen habe, kam bei mir der Gedanke, dass alle hier genannten Widrigkeiten beim Arbeitgeber mit dem grünen H gelaufen sein müssen.

Dieser AG ordnet sehr gerne Rufbereitschaft für den Vordergrund an, wenn der Dienstplan mangels WBA bzw Langzeitkranken oder Dienstunfähigen nicht mehr Arbeitszeitgesetz-konform umgesetzt werden kann. Bitten, doch Honorarkräfte einzusetzen, damit man solche personellen Engpässe durchsteht, werden gnadenlos abgeschmettert. Schwerbehinderten Gleichgestellte (und auch Schwerbehinderte) werden massiv unter Druck gesetzt („Sie werden dienstverpflichtet ab Juni“ „Sie sind nicht tragbar für die Klinik“ etc pp). Eingereichte Elternzeiten (dass diese keiner Genehmigung durch den AG bedürfen, sollte auch da bekannt sein) werden storniert, Mitarbeiter dann massiv unter Druck gesetzt, mit Kündigung gedroht, Krankmeldungen angesichts psychischer Dekompensation angesichts dieses massiven Drucks angezweifelt, Entgelt nicht mehr ausgezahlt, kurzfristig Gespräche mit dem Mitarbeiter als gerichtsähnliche Tribunale anberaumt und abgehalten, in denen Einschüchterung und Drohungen an der Tagesordnung sind…. Ach, die Liste wäre noch weiter fortzuführen.

Manchmal frage ich mich, wo solche AG ihre Rechtsanwälte bzw -Beratungen herbekommen. Das bewegt sich alles nicht nur am Rande der Illegalität. Das ist weit drüber. Und doch kommen sie meist damit durch.Das ist schon frustrierend:-nix

Bonnerin
24.05.2021, 07:22
Ich hatte auf H bzw. auf ein Haus in kirchlicher Trägerschaft getippt. Die sind ja auch gelegentlich sehr...erfinderisch bezüglich des Arbeitszeitgesetzes.

Letzten Endes sind wir da aber auch in der Pflicht. https://www.marburger-bund.de/niedersachsen/pressemitteilung/helios-stellenabbau-trotz-rekord-dividende
Hier fand ich vor allem die Verwendung des Wortes "trotz" statt "für" oder "wegen" deutlich zu harmlos. Aber wenn man hier durchblättert sieht man ja auch genug Leute, die offensichtlich mit solchen Verstößen kein Problem haben. Oder (ich hab da auch mehr als genug Kollege:innen) sich eben nicht mal die Mühe machen als vermeintlich gebildete Person den öffentlich zugänglichen Tarifvertrag zu lesen.

Klar, Wechseln ist nicht immer für alle möglich. Aber offensichtlich werden solche Arbeitgeber erst dann verstehen, dass es sich um Fachpersonal handelt und nicht um Galereensklaven, wenn alle gehen. Denn das kriegt man auch mit "Arztimporten" nicht aufgefangen. Ohne Personal wird nämlich zwangsläufig die Rendite irgendwann einbrechen.

Wobei das alles eh müßig ist, denn die meisten Kolleg:innen kümmert das ja alles nicht.

@Ente: Tonbandaufzeichnung vom nächsten Gespräch machen?

Hoppla-Daisy
24.05.2021, 07:27
Mein Gespräch wird morgen irgendwann stattfinden, wie mein Chef mir heimlich mitteilte. Eine Einladung dazu lag bis 16.30 Uhr am Freitag noch nicht in meinem eMail-Postkasten. Ich werde um detaillierte Protokollführung bitten. Ich werde zudem mein Handy mitnehmen, es auf den Tisch legen und erwähnen, dass man doch gewiss nichts dagegen hätte, wenn ich das Gespräch aufnähme.

daCapo
24.05.2021, 07:57
Das ist wenig erfreulich.
Die meisten Kollegen machen ihre Ausbildung im Krankenhaus und sind dann weg, weil bekanntermaßen die Arbeitsbedingungen schlecht sind. Innere Medizin könnte ich mir auch nie dauerhaft im Krankenhaus vorstellen aufgrund der Strukturen.


https://mobil.express.de/koeln/skandal-im-st--franziskus-hospital-aerztin-vertauscht-blut--patient-tot--5188892
Franziskus Hospital...

jijichu
24.05.2021, 08:02
Mein Gespräch wird morgen irgendwann stattfinden, wie mein Chef mir heimlich mitteilte. Eine Einladung dazu lag bis 16.30 Uhr am Freitag noch nicht in meinem eMail-Postkasten. Ich werde um detaillierte Protokollführung bitten. Ich werde zudem mein Handy mitnehmen, es auf den Tisch legen und erwähnen, dass man doch gewiss nichts dagegen hätte, wenn ich das Gespräch aufnähme.

Jemand vom Betriebsrat mitnehmen als Zeugen? Oder das Gespräch mit dem Hinweis verschieben, dass Du ohne rechtzeitige Info niemanden vom MB dazu holen konntest?

Hoppla-Daisy
24.05.2021, 08:12
Die Betriebsrätin wird dabei sein, aber wird sind uns alle nicht sicher, auf welcher Seite sie eigentlich steht. Und wie gesagt, SIE weiß von diesem Gespräch, ICH nicht. Sagt doch schon alles, oder? Ach ja, erreichbar war sie für mich nicht….

Ich werde gleich mal Rechtsberatung bei meiner Schwägerin einholen.

Relaxometrie
24.05.2021, 08:58
Das klingt übelst, Daisy :-(
Aber ich glaube, Du planst -aufgrund der Umstände, die Dir das grüne H so bietet- eh Deinen Abflug, oder? Unglaublich, dass motivierte Mitarbeiter so behandelt werden :-kotz

abcd
24.05.2021, 09:00
@Daisy
wenn man das alles so liest, denkt man an eine Soap und nicht an das reale Leben. Ich halte die Daumen, dass das morgen einigermaßen läuft. Durchhalten! Du schaffst das.

Hoppla-Daisy
24.05.2021, 09:20
Die Personalabteilung führt seit Übernahme durch das grüne H mit sehr vielen Mitarbeitern Gespräche. Eins haben alle gemeinsam: Sehr, sehr kurzfristige Einladungen. Gerne freitags spät Nachmittag für ein Gespräch am Montagmorgen. Druck ab der ersten Minute, sehr von oben herab. Betriebsrätin sitzt dabei und sagt nix. Häufig kommt auch „dann ist dies nicht der richtige Arbeitgeber für Sie!“ oder das Wort Kündigung wird sogar in den Mund genommen. Die Mitarbeiter, die aus einem solchen Gespräch kommen, sind zumeist völlig durch den Wind, weil es so widerwärtig und menschenverachtend war. Ich bekam schon eine Mail am Freitag von meinem Chef, dass er mich ab Juni dienstverpflichten würde. Im persönlichen Gespräch mit ihm kam dann raus: „ich wurde auch dazu gezwungen….“.

Klar, ich mache mir schon Gedanken, wie ich vorgehe bzw. hab den Weggang schon im Blick. Aber so billig lasse ich sie nicht davon kommen. Oder wie mein Oberarzt-Kollege sagte, als ich ihm gegenüber erwähnte, dass ich am liebsten zum 01.10. kündigen und dann direkt meine 60 Urlaubstage noch nehmen würde: „Das tust du nicht! Wenn man geht, muss es Spaß machen. Dann bist du erstmal krank, weil man dich so unter Druck setzt. Und dann suchst du dir in Ruhe was Neues. Die wollen Krieg? Sie bekommen gewaltlosen Widerstand!“

Und zum Thema „fehlende Motivation für Nachtdienste“. So einfach, wie alle meinen, dass man aus Nachtdiensten herauskommt, ist es nicht! Als Facharzt noch Vordergrunddienste machen? Leider laut meiner Erfahrung die Regel und nicht Ausnahme. Die Personaldecken werden immer löchriger, und das wird von oben nicht nur geduldet, sondern ist so gewünscht.

Ich werde morgen mal ganz unemotional das Wort „Organisationsverschulden“ in den Raum werfen. Ohne Kommentar. Und wenn man mir blöd kommt und mit Kündigung droht, werde ich das Wort „Rechtsbeistand durch Marburger Bund“ direkt - ebenso unemotional - nachlegen und um Verständnis bitten, dass ich unter diesen Umständen nicht bereit sei, das Gespräch ohne diesen fortzuführen.

By the way. Ich bin nicht so tough, wie das jetzt vielleicht erscheinen mag. Mir geht gehörig die Muffe (und zwar 1:100.000!) vor dem morgigen Tag. Aber es ist gefährlich, nen Löwen zu wecken. Und wenn dieser sehr ruhig wird, wird es auch für denjenigen gegenüber gefährlich. Und damit ich nicht als zahnloser Löwe rüberkomme, werde ich das heute Nachmittag im Rollenspiel üben :-)). Wenn ich in der Therapie eines gelernt habe, dann, dass Rollenspiele sehr, sehr realitätsnah werden können und einen sehr abhärten können.

Relaxometrie
24.05.2021, 09:29
Als ich das

Betriebsrätin sitzt dabei und sagt nix.
gelesen habe, dachte ich mir direkt, dass der Betriebsrat vermutlich auch mächtig unter Druck gesetzt wird.


Und dieser Satz

Im persönlichen Gespräch mit ihm kam dann raus: „ich wurde auch dazu gezwungen….“.
bestätigt es ja fast.

Allerdings ist das keine Entschuldigung für den Betriebsrat und für den Chef, sich so zu verhalten. Im Gegenteil. Beide haben eine gewisse Position, sich zu wehren. Wobei es vermutlich auch für Betriebsrat und Chef nicht ohne Blessuren davon gehen würde, wenn sie sich wehren. Trotzdem habe ich kein Verständnis dafür, wenn ein Chef schulterzuckend sagt "Ich bin halt auch dazu gezwungen worden und kann nichts machen."

Bonnerin
24.05.2021, 09:38
Unfassbar. Da kann man doch wirklich gar nix mehr zu sagen.
Ich glaube, mit der Aussicht würde ich zwar das Handy auf den Tisch legen und das Thema Aufzeichnung ansprechen, aber zeitgleich schon vor betreten mit nem 2. Telefon in der Tasche alles aufnehmen. Denn anscheinend wird das ohne harte Beweise eh nix werden.

Dass man als FA Bereitschaftsdienst macht ist bei uns normal. Aber auch als OA muss man 4-5x/Monat BD machen.

abcd
24.05.2021, 10:42
Hier ist das auch so, dass FA Vordergründe machen; Hintergründe verteilen sich auf 5 OÄ.
Mich interessiert, ob die tarifvertraglichen (MB, VKA) Einschränkung mit 4 Bereitschaftsdiensten pro Monat (im Durchschnitt auf 6 Monate gerechnet) in anderen Kliniken umgesetzt wird/ gelingt. Bei uns klappt das nur mit externen Ärzten, die Dienste machen.

freak1
24.05.2021, 10:45
Es sind ja 4,333, da einmal im Quartal ein 5ter BD okay ist. Wir halten das so gerade eben knapp ein, aber wenn jetzt jemand schwanger werden würde oder kündigt sähe es schon mau aus.

Hoppla-Daisy
24.05.2021, 11:21
Ich glaube, mit der Aussicht würde ich zwar das Handy auf den Tisch legen und das Thema Aufzeichnung ansprechen, aber zeitgleich schon vor betreten mit nem 2. Telefon in der Tasche alles aufnehmen. Denn anscheinend wird das ohne harte Beweise eh nix werden.
VORSICHT! Damit würdest du dir sofort ne Kündigung, die auch noch rechtens ist, einhandeln. Dazu gibt es schon genügend Urteile. Da darfst bitten, das Gespräch aufzuzeichnen, aber es müssen alle (!) einverstanden sein. Und das würde ich auch gegenzeichnen lassen bzw dann noch zusätzlich zu Beginn der Aufzeichnung kurz - quasi als Epilog - erwähnen.

HoldenHQ
24.05.2021, 11:35
Das hört sich ja alles sehr schlimm an. Laufen solchen Kliniken nicht in scharen die Ärzte davon?

daCapo
24.05.2021, 11:38
Das hört sich ja alles sehr schlimm an. Laufen solchen Kliniken nicht in scharen die Ärzte davon?

Doch sowas spricht sich auch rum.
Irgendwen findet man aber. Alles darauf ausgelegt, dass die Leute nicht dauerhaft bleiben.