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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Motivation für Nachtdienste fehlt



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Endoplasmatisches Reticulum
01.06.2021, 11:19
Naja, Nachtarbeit ist das eine. 24-Stunden-Arbeit das andere.

Mr. Pink online
01.06.2021, 11:30
24h ist wie gesagt eigentlich nur im BD Modell möglich. Die insgesamt anfallende, tatsächliche Arbeitszeit darf dabei max. 12h nicht überschreiten und dann auch nur, wenn davor schon 8h als reguläre Arbeitszeit angefallen waren.

Würde alles nach Tarif laufen, wäre es gar nicht sooo schlecht. Das Problem ist doch eher, dass es mehr Regel als Ausnahme ist, dass nicht tarifkonform gearbeitet wird.

Endoplasmatisches Reticulum
01.06.2021, 11:44
Genau das meinte ich ja! ;) Ich glaube, wenige von uns haben grundsätzlich ein großes Problem mit Nachtarbeit. Was halt stinkt sind die Art der Umsetzung und das Drumherum.

Mr. Pink online
01.06.2021, 11:46
Dagegen muss man sich halt wehren. Das ist leider alternativlos.

Nefazodon
01.06.2021, 12:17
Wir alle kennen wahrscheinlich auch das Argument: „Wir können Ihnen Ihre Überstunden nicht vergüten, weil wir sonst wegen der zu langen Arbeitszeit Probleme mit dem Arbeitsschutzgesetz bekommen.“ Habe ich lange genug mit gemacht. Mittlerweile bestehe ich auf die Vergütung jeder einzelnen Überstunde, wenn ich sie hinreichend begründen kann.

Und wisst ihr was die Folge davon ist? Nicht etwa, dass man mehr Personal einstellt oder anderweitig versucht Überstunden generell zu verringern. Nein, andere Kollegen die sich nicht wehren machen jetzt statt mir noch mehr unbezahlte Überstunden. Sorry, aber da hab ich dann kein Mitleid und lasse mir auch nicht nachsagen ich wäre unkollegial. Unkollegial ist es, sich alles bieten zu lassen und damit einen impliziten Zwang für andere zu schaffen, das auch zu tun.



Und genau das ist das Problem im Gesundheitswesen....es finden sich immer viel zu viele, die schlechte Arbeitsbedingungen freiwillig akzeptieren und nichts sagen. Sei es aus dem Willen heraus aufzusteigen, aus (falschverstandenem) Altruismus, oder aus Geltungsbedürfnis heraus.

Und solange das so ist, wird sich nie etwas ändern.


Wenn der Stellenschlüssel so konzipiert ist, dass von vorneherein nicht Arbeitszeitgesetz-konforme Zustände auftreten und die Dienstbelastung über dem tariflich vereinbarten Limit ist, dann muss natürlich nachgebessert werden. Wenn aber ansich die Besetzung gut ist und es aber einzelne Kollegen gibt, die nur Tagdienst, kein Wochenenddienst etc. machen können/wollen, dann führt das unweigerlich zu einer Mehrbelastung der anderen Kollegen. Der originäre Sinn eines Krankenhauses ist eine 24/7 Betreuung, wenn auch nicht zu jeder Tageszeit im vollen Umfang, das ist klar. Aber das sollte jedem Mitarbeiter klar sein. Wer das nicht will, sollte sich eben doch über Alternativen Gedanken machen. Ich bin hier ausnahmsweise auf Arbeitgeberseite.
Das wäre ja wie wenn ein Pizzabote sagen würde, ich möchte nur noch tagsüber ausfahren, Abends und nachts passt nicht in meinen Biorhythmus. Ist zwar nachvollziehbar, aber dann hat er wohl den falschen Job.
Es gibt genug Möglichkeiten sich niederzulassen, privat anstellen zu lassen etc., als dass man über die grundsätzliche Verpflichtung zu Diensten (auch in geringem Umfang) lamentieren müsste.

In dem Punkt kann ich nicht uneingeschränkt zustimmen. Zwar ist klar, dass ein Krankenhaus auch nachts betrieben werden muss, jedoch müssen die Bedingungen der Dienste akzeptabel sein. Zum Beispiel sollte dann bei bereitschaftsdienst auch die Grenze der maximalen Beanspruchung von maximal 49% der Zeit eingehalten werden. Und machen wir uns nichts vor: das ist oft nicht der Fall. Wenn es eingehalten würde, wären Nachtdienste viel weniger belastend. Die bezahlung sollte auf der anderen Seite auch stimmen. Tut sie auch oft nicht, und das ist für mich ein Zeichen, dass ärztliche Arbeitskraft viel zu gering geschätzt wird.

Aber wie oben schon beschrieben: es finden sich leider viel zu viele Kollegen, die die o.g. Bedingungen hinnehmen und so das System am Laufen halten.

Was die Notwendigkeit von Nachtdiensten generell angeht: Ja, sie sind notwendig, aber warum sollte jeder Arzt Nachtdienste leisten müssen? Es gibt auch kollegen, die dies aus gesundheitlichen Gründen nicht können. Ich finde es unsinnig, dass die dann gleich das Krankenhaus verlassen sollen, auch wenn sie sonst gute Arbeit leisten.

Der Vergleich mit dem Pizzaboten hinkt mehrfach. Nur ein wichtiger Punkt: Wenn man Arbeitsbedingungen immer so akzeptiert hätte, wie sie waren, dann wären wir gesellschaftlich immer noch beim 10-Stunden Tag und der 6-Tage Woche.
Außerdem: Es gibt durchaus Pizzaboten, die nur zu bestimmten Zeiten arbeiten. Alles verhandelbar, anders als leider oft im Krankenhaus.

cartablanca
01.06.2021, 13:20
Wieso sollte der Arbeitgeber einen unveränderlichen festen Stellenschlüssel haben? Es gibt haufenweise Abteilungen, die chronisch völlig unterbesetzt sind und das mit solchen fadenscheinigen Argumenten rechtfertigen. Dabei hat sowohl die Klinikleitung als auch der Chefarzt durchaus Einfluss darauf, ob zusätzliche Stellen geschaffen werden oder nicht.

Richtig. Es gibt auch Abteilungen, die Patienten nach Quote einbestellen. Dann müssen die Patienten, die noch liegen unabhängig vom Zustand, irgendwie rausgeschmissen werden. Am Nachmittag vorher heißt es dann "wir haben xy Aufnahmen morgen, wir müssen bis dahin xy Patienten entlassen". Die Pflege lässt sich den Mist nicht bieten. Da werden dann Betten gesperrt, wenn zu wenig Personal vorhanden ist. Hab jedoch noch nie erlebt, dass Betten wegen Ärztemangel gesperrt werden.

Moni Ka
01.06.2021, 13:55
Wehren habe ich schon oft genug. Es kam nicht, es hat sich nicht geändert

Ich arbeite gerne in der Klinik als in der Praxis, aber es muss auch passen.
Jeden Monat immer wieder Wochenendedienst, manchmal habe ich das Gefühl, dass die Pläne sich kaum ändern werden

daCapo
01.06.2021, 14:47
Mich persönlich stören die Dienste auch am meisten. Ich hätte das früher nie gedacht, aber das ständige außer Haus schlafen macht mich körperlich ziemlich fertig. Da verstehe ich jeden.

Dessen ungeachtet: In meiner letzten Abteilung hatten mehrere Leute historisch gewachsene Sonderregelungen bezüglich ihrer Dienstbeteiligung auf Grund irgendwelcher mehr oder weniger nachvollziehbaren persönlichen Faktoren. Es war die Hölle.

Das verstehe ich. 24h Abrufbarkeit mit beständiger Nutzung ist anstrengend.

In meiner vorletzten Klinik gab es für manche auch zahlreiche Sonderregelung. Entweder garkeine Dienste oder nur 2 im Monat und nie am Wochenende. Fand das unfair. Der Professor meinte so wäre das nunmal, das alte Fachärzte Sonderrechte haben.

MissUmbrella
01.06.2021, 19:00
Stimmt mbs

Ich bin fast krank geworden von den Job. Letztendlich überlege ich wozu dad alles

Ich habe in 2 Wochen wieder Wochenende Dienst und ich überlege ernsthaft zu fehlen, weil ich keine Kräfte mehr habe besonders wenn man keine gute Rückmeldung bekommt seitens der Oberärzte. Ich will aber mein Oberarzt nicht im Stich lassen, weil wenn ich krank werde, wird er bestimmt sauer und schimpft, wohl denkt er so ja sie hat gekündigt und jetzt hat sie keine lust auf Dienste. Aber ich bin total müde und ich weiß nicht, ob ich die Patienten in meinem Zustand eher was gutes tun würde.
Mein Hausarzt (kenne ich seit einigen Jahren) Rat mich eine Pause sogar von 6 Wochen. Ich habe abgenommen und fühle mich jedes Mal nach dem Diensten fast fertig.

Wenn die in Maß wären, wäre es okay. Aber so viele und fast jeden Monat komplett Samstag und Sonntag arbeiten und das andere Kollegen selten solche Dienste bekommen finde ich auch schräg ( Ein organisiert selbst die Pläne, macht Nachtdienste sowie Tagesdiensts und sehr wenige bis kaum Hausdienste oder Wochenenden)

Ich und die andere Kollegen haben das schon mal betont aber kam keine richtige Reaktion dazu.

Dann melde dich krank. Nach deiner Beschreibung ist es allerhöchste Zeit dafür !Dann soll dein Oberarzt sauer sein, und? Es ist DEINE Gesundheit, keiner wird sie dir zurückgeben könne, wenn du krank wirst. Und der Oberarzt hat dich ehe schnell vergessen, kaum bist du aus der Klinik..
Du bist ein erwachsener Mensch und solltest eigenverantwortlich handeln können..sorry, aber manchmal habe ich das Gefühl einige Ärzte sind wie Kinder, denen man schön sagen muss, was sie zu tun haben..

Mr. Pink online
01.06.2021, 22:55
Du bist ein erwachsener Mensch und solltest eigenverantwortlich handeln können..sorry, aber manchmal habe ich das Gefühl einige Ärzte sind wie Kinder, denen man schön sagen muss, was sie zu tun haben..

Ach verschwende nicht deine Energie. Moni Ka ist Foren-bekannt. Hat bisher keinen Ratschlag von irgendjemandem angenommen.

Und ja, man hat das teilweise nicht das Gefühl mit fertigen Ärzten zu sprechen. Offensichtlich große Überraschung nach 6+ Jahren Studium, dass ein Krankenhaus eine 24/7 Versorgung macht und dabei Nachtschichten anfallen. Würde man natürlich lieber nicht machen, aber mei, so ist das Leben. Oma Ilse sucht sich halt nicht aus wann sie krank wird.
Wer meint, dass seine Nachtdienste nicht nach Tarif bezahlt werden der muss sich halt wehren und zwar richtig. Hier im Forum lamentieren bringt fürs echte Leben leider nix.

docdean
01.06.2021, 23:15
Offensichtlich große Überraschung nach 6+ Jahren Studium, dass ein Krankenhaus eine 24/7 Versorgung macht und dabei Nachtschichten anfallen.

Prinzipiell sollte das klar sein, aber die echte Arbeitsbelastung hat mich schon überrascht. Ich hab jetzt nicht den ganzen Thread durchgelesen, aber auf den letzten Seiten wurde es schon angeschnitten: Von abends bis morgens quasi durchgehend zwischen NA und Station hin und her hüpfen, als Chirurg stundenlang im OP stehen, währenddessen klingelt das Telefon und stapeln sich die Aufträge, die man nachher abarbeiten muss, dazu Routinearbeiten, die aus dem Tag übriggeblieben sind (OP-Aufklärungen für den nächsten Tag noch schnell um Mitternacht), und vielleicht musste man vorher noch 8h Regelarbeit abhaken - so machen Dienste wirklich keinen Spaß, aber so müssten sie auch nicht sein, wenn man mehr Personal einplanen würde. Mit Bereitschaftsdiensten an sich hätte ich kein Problem, irgendwie macht es ja auch Spaß, der Hauptverantwortliche zu sein und alles zu managen. Außerdem gibts 1:1-Betreuung durch den Oberarzt und man darf im OP mehr selber machen.

Mr. Pink online
02.06.2021, 05:08
Wir haben hier x-fach besprochen was im Tarif steht und was Arbeitszeitgesetz ist. Wie eine Überprüfung des Bereitschaftsdienstmodels funktioniert etc. Wer 24h durcharbeitet bewegt sich in der Illegalität und hat im schlimmsten Fall sogar noch das Problem des Übernahmeverschuldens wenn was passiert. Daher sollte man sich gegen derlei Ausbeutung wehren.

docdean
02.06.2021, 09:47
An meiner letzten Klinik wurde das mal ausgewertet und die Belastung war unter 50%. Im Durchschnitt halt. Wie viel es dann wirklich ist, ist halt Glückssache, und es kann sich ja alle paar Monate ändern. Und auch einmal in der Stunde kurz rausgeklingelt werden ist gefühlt schlimmer als es auf dem Papier ist. Die Internisten hatten zwei Ärzte im Dienst, sodass jeder zumindest die Hälfte der Nacht durchschlafen konnte.

ehem-user-02-08-2021-1033
02.06.2021, 12:12
Aber Mal rein hypothetisch... Statistik kennt trotz der 50 % Ausreißer... Was wäre, wenn ich 21 h auf den Beinen stand. Müsste ich dann nicht die Reißleine ziehen und mich dann krank melden?

Mr. Pink online
02.06.2021, 12:25
Ab 12h Arbeitszeit musst du eigentlich den Personaloberarzt informieren. So war zumindest die Regel an meiner letzten Klinik.

Krank melden musst du dich nicht, denn es gibt eh eine gesetzlich vorgeschriebene Ruhezeit.

ehem-user-02-08-2021-1033
02.06.2021, 12:53
Ab 12h Arbeitszeit musst du eigentlich den Personaloberarzt informieren. So war zumindest die Regel an meiner letzten Klinik.

Krank melden musst du dich nicht, denn es gibt eh eine gesetzlich vorgeschriebene Ruhezeit.

Nicht an meinen vorherigen Kliniken... Da waren im BD mehr als 12 h durchrödeln usus..

Mr. Pink online
02.06.2021, 14:10
Es gibt aber kein Gewohnheitsrecht, ich hoffe das ist klar?
Es gibt das Arbeitszeitgesetz, das stellt das absolut oberste Limit dar und dann gibt es auch noch den Tarif (je nach Haus unterschiedlich). Nur weil es irgendwo "üblich" ist, heißt das nicht, dass es legal ist. Und im schlimmsten Fall ist es wie gesagt Übernahmeverschulden, wenn was passiert und man hat die "Notfallsituation" nicht nach oben hin angezeigt.

ehem-user-02-08-2021-1033
02.06.2021, 14:48
Klar, aber so etwas wird von Klinikleitungen schamlos ignoriert.

FirebirdUSA
02.06.2021, 15:12
Wir haben hier x-fach besprochen was im Tarif steht und was Arbeitszeitgesetz ist. Wie eine Überprüfung des Bereitschaftsdienstmodels funktioniert etc. Wer 24h durcharbeitet bewegt sich in der Illegalität und hat im schlimmsten Fall sogar noch das Problem des Übernahmeverschuldens wenn was passiert. Daher sollte man sich gegen derlei Ausbeutung wehren.

Das mit dem Übernahmeverschulden halte ich in diesem Fall für quatsch. Oder kannst du mir einen konkreten Fall nennen?
Übernahmeverschulden kann dich treffen wenn du deinen OA für Fälle die deinen Kenntnisstand überschreiten nicht informierst. Fehlende Ruhezeiten, Pausen, etc wird kein gegnerischer Anwalt die nachweisen können. Insofern ist das sehr konstruiert

Mr. Pink online
02.06.2021, 16:02
Übernahmeverschulden liegt auch vor, wenn du eigentlich weißt, dass du aufgrund deiner körperlichen Verfassung nicht in der Lage bist, eine ausreichend gute Therapie anzubieten. Bsp. Chirurg operiert 16h durch, ist dann unkonzentriert (was normal ist) und baut Mist. Das ist meiner Meinung nach gar nicht konstruiert, sondern dürfte ziemlich häufig vorkommen. Als Geschädigter den Arzt zu verklagen dürfte in so einem Fall leicht sein, da anhand der OP-Protokolle gut nachvollziebar ist, dass er vllt schon seit morgens am Operieren ist und über die 12h hinaus gearbeitet hat. Wie immer dürfte es natürlich seltenst zu einem Urteil kommen sondern wenn überhaupt zu einem Vergleich.
Ist aber trotzdem kein Argument, warum man dem Arbeitgeber das durchgehen lassen sollte. Solche Umstände existieren in erster Linie, weil Arbeitnehmer es mit sich machen lassen.