Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Motivation für Nachtdienste fehlt
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Ich mochte Nachtdienste auch immer mehr als die Tagdienste. Keine Angehörigengespräche, man kann schön autonom arbeiten, man hat seine Ruhe bei der Arbeit. Keine Visite - damit muss man den schwerhörigen Patienten auch nicht zehn Mal erklären warum sie noch nicht nach Hause können... etc.. Wenn ich könnte würde ich sogar lieber nur nachts arbeiten.
Eigentlich mache ich die Arbeit gerne wegen Patientenkontakt, sonst würde ich mir sowas wie Radio suchen. Aber natürlich will man Dokumenation, Papierkram, Anmeldung oder Arbeit in den Funktionsbereichen/OP usw. gerne in Ruhe machen ohne andauernde Unterbrechungen.
cartablanca
16.05.2021, 00:23
Eigentlich mache ich die Arbeit gerne wegen Patientenkontakt, sonst würde ich mir sowas wie Radio suchen. Aber natürlich will man Dokumenation, Papierkram, Anmeldung oder Arbeit in den Funktionsbereichen/OP usw. gerne in Ruhe machen ohne andauernde Unterbrechungen.
Ich rede zwar gerne mit Patienten, aber nicht so viel in so kurzer Zeit. Vor Allem wiederholen sie sich ständig, antworten an den Fragen vorbei, stellen die gleichen Fragen, die ich bereits zehn mal beantwortet habe, immer und immer wieder, quengeln wie 6 Jährige...
Carta Blanca hat recht. Und wenn man sich nicht Zeit gibt's, reklamieren sie sich.
Besondere auf der privaten Station. Das kann manchmal so ätzend sein.
Leider ist immer der Assistenzarzt schuld. Ich rede sehr ausführlich mit meinen Patienten. In der Visite brauche ich für 6 circa 90-120 Minuten und das ohne was zu dokumentieren noch. Mit den Demente telefoniere ich fast täglich mit deren Angehörige.
Es bringt mir trotzdem Spaß das zu tun aber ich habe momentan ein tief und kann mich nicht mehr motivieren zur Arbeit zu gehen. Die vorbestehnde Dienste sowohl Nacht als auch Wochenende, weiß ich nicht genau wie ich die machen werde. Ich fühle mich einfach krank und sauer
Ich rede zwar gerne mit Patienten, aber nicht so viel in so kurzer Zeit. Vor Allem wiederholen sie sich ständig, antworten an den Fragen vorbei, stellen die gleichen Fragen, die ich bereits zehn mal beantwortet habe, immer und immer wieder, quengeln wie 6 Jährige...
..weil es kranke und überforderte Patienten sind. Je nach Belastung/Stellenbesetzung (meist knapp und zu viele Patienten) kann ich das nachvollziehen.
cartablanca
16.05.2021, 12:03
..weil es kranke und überforderte Patienten sind. Je nach Belastung/Stellenbesetzung (meist knapp und zu viele Patienten) kann ich das nachvollziehen.
Naja also das würd ich jetzt nicht verallgemeinern. Meist sind es ja ältere Patientinnen, die so viel Zeit beanspruchen. Hat eher was mit Einsamkeit und dem Wunsch nach Aufmerksamkeit zu tun. Die wirklich schwer Kranken reden eher wenig. Klar ist das auch irgendwo verständlich. Aber manchmal ist es echt zu viel.
Naja also das würd ich jetzt nicht verallgemeinern. Meist sind es ja ältere Patientinnen, die so viel Zeit beanspruchen. Hat eher was mit Einsamkeit und dem Wunsch nach Aufmerksamkeit zu tun. Die wirklich schwer Kranken reden eher wenig. Klar ist das auch irgendwo verständlich. Aber manchmal ist es echt zu viel.
Manche sind einfach nur mit der Diagnose und Situation überfordert. Manchmal gibt bei älteren Pat. ein MRT Schädel mit dem Befund/Bild starke Hirnvolumenminderung, Fazekas-Score 2-3, Z.n. Ischämie oder bereits im Arztbrief ist beginnende Demenz vermerkt, dann hat man zumindest ein morphologisches Korrelat dafür. Wenn man nur sowas hat und eigentlich den Angehörigen nochmal alles erzählen muss, weil kaum etwas behalten oder verstanden wurde, ist das echt anstrengend. Ich bin immer sehr dankbar, wenn (am besten etwas jüngere) Angehörige mitkommen zum Aufklärungsgespräch und die Patienten auch regelmäßig von ihren Angehörigen besucht werden.
Wir hatten einen älteren Patient, der nur die Therapie mitgemacht hat, weil seine fitte Ehefrau die ganze Zeit bei ihm blieb (hatte Bett im Zimmer)...sonst wäre er nach Hause gegangen.
GelbeKlamotten
16.05.2021, 14:16
Wir hatten einen älteren Patient, der nur die Therapie mitgemacht hat, weil seine fitte Ehefrau die ganze Zeit bei ihm blieb (hatte Bett im Zimmer)...sonst wäre er nach Hause gegangen.
Wäre es so schlimm gewesen, wenn er nach Hause gegangen wäre, wenn das offenbar sein eigentlicher Wille war? Ist ja nun wirklich keine Ausnahme, dass alte Patienten Diagnostik und Therapien nur auf nachdrücklichen Wunsch anderer zustimmen. Ob nun Ehepartner, Kinder oder sogar der Arzt selbst.
Dann sind alle unglücklich. Der Patient ist mürrisch, weil er eigentlich einfach in Ruhe gelassen werden will, Ärzte und Pflege ärgern sich, weil der Patient so „anstrengend“ und undankbar ist und die Versichertengemeinschaft ärgert sich über die hohen Beiträge.
Wäre es so schlimm gewesen, wenn er nach Hause gegangen wäre, wenn das offenbar sein eigentlicher Wille war?
Eigentlich war vorher vereinbart mit ihm, dass er stationär bleibt für eine Nacht in der Woche. Hat eine Woche funktioniert und dann wollte er nicht mehr. Am Aufnahmetag hatte er dann auch noch Fieber. Da seine Angehörigen an ihm hängen und noch etwas Zeit mit ihm verbringen möchten, ist es zu der Situation gekommen, dass die Ehefrau mit ins Zimmer gezogen ist. Neurologie und Psychiatriekonsile und auch Bildgebung sind natürlich gelaufen. Letztendlich verbesserte sich sein Zustand und er konnte die Therapie beenden.
Die hohen Beiträge in der Versichertengemeinschaft haben vielerlei Gründe. Sowas wird das geringste Problem sein. Ist auch nicht Teil der Diskussion hier.
Das ganze errinnert mich auch an einige Fälle, wo sich dann sogar die MTA s geweigert haben die Therapie durchzuführen und die Patienten tatsächlich nicht geeignet waren für die Therapie trotz zahlreicher konsile und supportiver Maßnahmen.
Sowas passiert, wenn Krankenhäuser Gewinn machen sollen. Betten sind leer und jede Übernahme wird akzeptiert, obwohl nicht geeignet für die Therapie. Und bevor Beleidigungen kommen: die Übernahmen und Indikationsstellung kommen von der Leitung und Oberärzten.
Sowas passiert, wenn Krankenhäuser Gewinn machen sollen. Betten sind leer und jede Übernahme wird akzeptiert, obwohl nicht geeignet für die Therapie. Und bevor Beleidigungen kommen: die Übernahmen und Indikationsstellung kommen von der Leitung und Oberärzten.
Als Einzelfall kommt das sicherlich vor.
Ich sehe nicht, dass das gehäuft auftritt ohne korrekte Indikation. Oder hast Du Belege dafür außer einzelnen anekdotischen Fallbeschreibungen?
Als Einzelfall kommt das sicherlich vor.
Ich sehe nicht, dass das gehäuft auftritt ohne korrekte Indikation. Oder hast Du Belege dafür außer einzelnen anekdotischen Fallbeschreibungen?
Es ist doch ganz einfach. Die Station ist leer und der Oberarzt hört von oben: Bitte Station(en) füllen...
Und dafür gibt es: "Weiche" Indikation, oder den Patient habe ich vorher nicht gesehen im externen Krankenhaus, hat sich plötzlich stark verschlechtert (das mag sogar stimmen).
Es gibt da noch mehr Unsinn für stationäre Aufnahmen, damit Therapien und auch Diagnostik besser oder überhaupt bezahlt werden. Dass es den MDK gibt, war der Leitung durchaus bekannt, laut Oberarzt eine Mischkalkulation, weil ja nicht alles überprüft wird. Wir kommen aber vom Thema ab.
Es ist doch ganz einfach. Die Station ist leer und der Oberarzt hört von oben: Bitte Station füllen...
dieses Prinzip der Pseudoökonomisierung finde ich nicht gut in der Krankenversorgung, es ist nunmal KEIN Automobilhersteller, wo man durchaus sagen kann: Es finden sich gerade keine Käufer, macht mal Werbung&Sonderaktionen...oder die Chips aus China sind gerade gekommen, macht mal ne Sonderspätschicht oder Nachtschicht.
Wir kommen auch jetzt vom Thema ab.
Das sind nicht belegte Unterstellungen Deinerseits. Durchaus plausibel, aber eben ohne Beleg nicht haltbar und somit als Grundlage für Systemkritik (die Du ja gerne immer & überall anbringst) ungeeignet.
Aber wir kommen wirklich vom Thema ab.
Das sind nicht belegte Unterstellungen Deinerseits. Durchaus plausibel, aber eben ohne Beleg nicht haltbar und somit als Grundlage für Systemkritik (die Du ja gerne immer & überall anbringst) ungeeignet.
wir berichten hier nur über unsere Erfahrungen...hier ist ja kein Gericht, der MDK streicht ja auch so manches oder klagt "Fehlbelegung", alles wird aber nicht überprüft. Wurde auch letztens in einem anderen Thread diskutiert.
Aber wir kommen vom Thema ab.
die Erfahrungen demotivieren nur mehr für Nachtdienste, die einzige Motivation könnte die monetäre Vergütung sein.
Feuerblick
16.05.2021, 20:48
Und nachdem alle schon festgestellt haben, dass die Kommentare vom Thema abweichen, würde ich sagen: Zurück zum Thema! :-)
Gruß
Feuerblick
MediLearn-Moderatorin
cartablanca
17.05.2021, 05:58
Es bringt mir trotzdem Spaß das zu tun aber ich habe momentan ein tief und kann mich nicht mehr motivieren zur Arbeit zu gehen. Die vorbestehnde Dienste sowohl Nacht als auch Wochenende, weiß ich nicht genau wie ich die machen werde. Ich fühle mich einfach krank und sauer
Dann meld dich halt einen Tag krank, entspann dich und plan entweder Urlaub oder eine Fortbildung in den nächsten Wochen, um ein bisschen Abstsnd zum KH zu gewinnen.
Hallo Carta Lance danke für die tollen Vorschläge.
Mein Arbeitsgeber wird mir bestimmt keine Fortbildung mehr geben, weil ich ja eher bald weg bin. Urlaub planen geht auch nicht, weil wir schon bis Ende jedes Jahr die Urlaubstage einreichen sollen Wann wir nächstes Jahr Urlaub nehmen wollen.
Ich gehe aktuell hin aber mit große Sorgen, Angst und Miss gelaunt zur Arbeit und zähle die Tage abwärts
cartablanca
17.05.2021, 19:34
Hallo Carta Lance danke für die tollen Vorschläge.
Mein Arbeitsgeber wird mir bestimmt keine Fortbildung mehr geben, weil ich ja eher bald weg bin. Urlaub planen geht auch nicht, weil wir schon bis Ende jedes Jahr die Urlaubstage einreichen sollen Wann wir nächstes Jahr Urlaub nehmen wollen.
Ich gehe aktuell hin aber mit große Sorgen, Angst und Miss gelaunt zur Arbeit und zähle die Tage abwärts
Das kann aber gefährlich (für dich) enden, wenn man mit mieser Laune zur Arbeit geht. Ich spreche da aus Erfahrung. Da gibt es so viele, die das ausnutzen. Pass gut auf. Ich wünsche dir alles Gute.
Hier geht alles durcheinander Gerade. Damals war der Bereitschaftsdienst so bezahlt wie Rufbereitschaft und es hieß von oben. Ach sie lesen da Zeitschrift in ihrer Kammer und arbeiten kaum, das zahl ich nicht.
Das hat der EuGH unterbunden und es wurde tatsächlich in nationales Recht umgesetzt.
Bereitschaft ist immer als Arbeitszeit bezahlt, nur nicht voll sondern je nach Belastung...und Tarif Uniklinik, kommunal... Kirche.
Rufbereitschaft ist keine Arbeitszeit. Sobald du angerufen wirst, geht's aber los. Egal ob mit VPN Medikamente von zu Hause, Labore oder klassisch in die Klinik fahren für nen zugang. Jetzt wird auf die Minute gezahlt.
Wenn du wieder zu Hause bist und der Arbeitseinsatz vorbei, beginnt wieder die Rufbereitschaft für die man nur eine pauschale bekommt wie 60€ je nach Haus... dafür kann man jederzeit angerufen werden.
Die Arbeit sollte aber Ausnahme sein. Wenn es mehr als 15 oder 20% (?) Arbeitseinsatz ist im Durchschnitt, ist Rufbereitschaft ungeeignet und man muss Bereitschaft geringste Stufe Einsetzen.
Rufbereitschaft und Bereitschaft kann man auch varrieren und mischen, je nach anfallender Arbeit in der Nacht und am Wochenende.
Auch eine Forderung wie innerhalb von 20 Minuten muss man in der Klinik sein ist nicht mit Rufbereitschaft vereinbar. Bei der Rufbereitschaft bis 45 Anfahrt.
Gab da ganz schlimme Fälle...eine Rufbereitschaft mit der Erwartung innerhalb von 20 Minuten im OP zu sein. Leider ist der Chirurg auf dem Weg tödlich verunfallt. Die Witwe bekam Recht. Die Arbeitsform war unrechtmäßig, das kam der Klinik richtig teuer zu stehen.
Ihr seht es lohnt sich, sich an die Gesetze zu halten. Nicht einfach eine Arbeitsform selber aussuchen für die anfallende Arbeit....so einfach ist es nicht.
Das finde ich spannend. Wir haben ein richtig besch.... Dienstsystem. Offiziell Rufbereitschaft, aber eben die Forderung, bei med. Notfällen innerhalb von 15 oder 20 min vor Ort zu sein und ... von der Feuerwehr angeordnet wegen Brandschutz und Notwendigkeit von 2 Leuten für Evakuierung ... bei Feueralarm innerhalb von max. 7 min. Das schaffen 2 Kollegen von uns, die direkt an der Klinik wohnen. Wir bekommen die Dienste bezahlt, wie niedrigste Anwesenheitsstufe. Kein dienstfrei. 2 Kollegen können das entsprechend ausnutzen, eine 3. so halb, weil ihr die 7 min egal sind und die 20 min locker zu schaffen. 2 weitere Kollegen und ich müssen dementsprechend in der Klinik bleiben. Gestern also 8 Uhr angefangen, heute 18 Uhr Feierabend.
Unser Chef meint, das wäre vom "alten Chef" (2019 in Rente gegangen) damals mit ner Rechtsberatung abgesegnet worden und er hat nicht vor, das zu ändern. Das nervigste und schlimmste ist, dass die anderen Kollegen es gar nicht ändern wollen, weil sie das Gefühl haben, dass es gut bezahlt wird (wir werden stundenweise bezahlt, Di und Mi z.B. dementsprechend ab 18 Uhr, Fr. ab 12.30, WE komplett 24h, am So und Feiertag ink. Zuschlägen bei ÖD). Mir fehlt am meisten das dienstfrei. Hier kommt immer das Argument, es sei ja nix zu tun ... stimmt in 95% der Fälle, aber in den anderen 5 % hängt man am nächsten Tag echt durch, wenn man weiter arbeitet.
Halt echt blöd, wenn ich die einzige bin, die an diesem System gern was ändern würde ... :-nix
vanilleeis
18.05.2021, 19:14
Das ist niemals legal. Du sprengst ja sämtliche Ruhezeitenregelungen.
Das ist niemals legal. Du sprengst ja sämtliche Ruhezeitenregelungen.
wie gesagt: Belastungsanalyse und dann soll geschaut werden, was mit dem Arbeitsrecht/Tarifvertrag möglich ist.
Klar Ärzte in Weiterbildung stellen diese 24h Bereitschaft zur Verfügung, weil man es niemals so billig bekommen würde anderweitig. Da könnte man sich wenigstens an das geltende Arbeitsrecht halten.
Was ich nervig finde ist, dass gern versucht wird geplante Routineaufgaben in so genannte "Bereitschaftsdienste" zu verlagern. Und so getan wird als sei es selbstverständlich dass man das macht weil "man ja sowieso da ist".
Klar darf man danach heimgehen, aber das wird einem ja auch schön als Minusstunden angerechnet. Und mehr als 20h am Stück sind halt doch eine lange Zeit - wenn da mal ne Ruhephase drin ist sollte das nicht nur okay sondern eigentlich die Regel sein.
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